Biete Zimmer in Hamburg, suche Hütte auf Hawaii: Wohnungstausch im Urlaub

Die eigenen drei Zimmer für eine Weile tauschen gegen ein Strandhaus auf Hawaii? Wohn-Bloggerin Nina hätte nichts dagegen. Tatsächlich ist Wohnungs- oder Haustausch im Urlaub gar nicht kompliziert und findet immer mehr Fans.

Letztes Jahr um diese Zeit klagte mir meine Freundin Tessa ihr Urlaubsleid. Zusammen mit ihrem Mann Tim, den drei Kindern, ihrer Schwester Meret und deren Tochter wollte sie verreisen. Gerne Skandinavien, vielleicht auch Osteuropa. Aber in ein Hotel? Viel zu teuer, außerdem wollten sie sich selbst versorgen und bei Regenwetter haben die Kleinen da wenig Möglichkeiten, im Zimmer zu spielen. Zelten mit vier kleinen Kindern klang für Tessa, Tim und Meret allerdings auch kein bisschen erholsam. Also eine Ferienwohnung? Bloß nicht: Der letzte Versuch an der Nordsee hatte sich als echter Reinfall entpuppt. Muffige Möbel, eine zugemüllte Terrasse und die miserabelste Küchenausstattung aller Zeiten (in den größten Kochtopf passte gerade mal eine Tütensuppe).

„Wir wollen es doch bloß ein bisschen gemütlich und nicht zu teuer.“ Die Welt sehen, aber trotzdem nicht die Welt dafür bezahlen – und sich vor allem ein bisschen wie zu Hause fühlen: Kann ein Urlaubswunsch wie Tessas ein Happy End haben? Er kann, wenn man ein bisschen Mut hat. Tessa und Tim meldeten sich wild entschlossen bei einer Wohnungstauschagentur an. Das Ergebnis: Sie tauschten ihr kleines Vororthäuschen mit Stadtanbindung für zwei Wochen mit einem Cottage. Während ein englisches Ehepaar Stadtbummel und Kultur genoss, entspannten sich Tessa und Family in Cornwall am Strand. Eine Win-Win-Situation.

Tolle Lösung fürs kleine Budget: Urlaubsquartier tauschen statt mieten

Wohnungstausch: Wo geht’s?

Die Idee, Wohnungen oder Häuser auf Zeit zu tauschen, kam vor mehr als einem halben Jahrhundert in den USA auf und war vor allen Dingen für Menschen gedacht, die aus beruflichen Gründen für einige Zeit an einem anderen Ort leben mussten. Mittlerweile hat sich das Konzept aber auch für alle bewährt, die in der Freizeit mal einen kostengünstigen Tapetenwechsel wollen – und ein bisschen Abenteuerlust mitbringen. Es gibt derzeit schon eine gute Auswahl an deutschsprachigen Portalen, die Tauschpartner rund um die Welt zueinander bringen. Die meisten verlangen fürs Registrieren eine jährliche Mitgliedsgebühr, die zwischen unter 50 und über 100 Euro variieren kann. Welcher Service dafür geboten wird, ist verschieden. Zum Basisprogramm gehören die Vermittlung der Kontakte und das Bereitstellen und Abwickeln eines Tauschvertrages. Manche bieten darüber hinaus Zusatzleistungen, die von Support vor Ort über Bonuspunktesysteme für fleißige Tauscher bis hin zu finanzieller Unterstützung bei einem kurzfristigen Ausfall eines Tauschpartners reichen.

Anbieter aus anderen Ländern gibt es natürlich auch, allerdings kann es da sprachlich und rechtlich abenteuerlicher werden. Auch zu finden sind mittlerweile Tausch-Communities, die sich auf bestimmte Nischen spezialisiert haben – zum Beispiel Designerwohnungen. Da kann sich dann allerdings auch nicht jeder anmelden: Man muss selbst auch schon ein entsprechend attraktives Quartier vorweisen können.

Für wen eignet sich der Wohnungstausch?

Ob Single mit Guppies oder Familie mit vier Kindern: Tauschen kann eigentlich jeder, der ein bisschen Flexibilität mitbringt. Die Angebote sind breit gefächert, was Wohnfläche und Ausstattung angeht, aber vielleicht ergattert man nicht unbedingt die Unterkunft im angesagtesten Viertel der Stadt oder direkt am Strand. Dafür bekommt man die Chance, entzückende Gegenden abseits der Touristenmassen kennenzulernen, in die man sonst nie gestolpert wäre. Die eigenen Auswahlmöglichkeiten hängen aber natürlich auch davon ab, was man den Tauschpartnern zu bieten hat: Eine enge Wohnung im fünften Stock mit Balkon zur lauten Hauptstraße lässt sich leider selten gegen ein niedliches Häuschen am Strand tauschen.

Wer sich in einem Tausch-Netzwerk anmeldet, sollte die eigenen vier Wände ansprechend und trotzdem realistisch präsentieren. Schöne Fotos sind ein Muss. Sie sollten aber nichts vorgaukeln, was die Gäste dann nicht bekommen. Je nachdem, wie reduziert das Profil ist, lohnt sich eine eigene Homepage, auf der sich potentielle Tauschpartner ein Bild vom Quartier dir machen können: Das baut Distanz ab und macht sympathisch.

Gerade, wer sein Zuhause nur mit Herzklopfen in fremde Hände gibt, sollte die Tauschpartner vorher gut kennenlernen, zum Beispiel per Videochat, und dann aufs Bauchgefühl hören. Wer die Gegenseite sympathisch findet, wird sich auch in der fremden Wohnung eher wohlfühlen – und umgekehrt mit einem guten Gefühl die eigenen vier Wände hergeben.

Was, wenn beim Wohnungstausch etwas kaputt geht?

Scherben bringen vielleicht nicht immer Glück, man muss aber kein Drama draus machen. Dass man mit dem Besitz der Gastgeber äußerst sorgfältig umgeht, versteht sich von selbst. Aber trotzdem passieren Missgeschicke: Tessas Tochter Emma hat zum Beispiel ein Müsli-Schälchen vom Tisch gefegt. Für solche Kleinigkeiten spricht man am besten direkt mit den Tauschpartnern ab, wie sie den Verlust ausgeglichen haben möchten. Geht etwas Größeres in der Tauschwohnung zu Bruch, muss die Hausrat- oder Haftpflichtversicherung zahlen. Die sollte man unbedingt haben und auch vor dem Urlaub mit dem Versicherer abmachen, wie die Bedingungen im Schadenfall aussehen. Das gilt übrigens auch und besonders fürs Auto: Es gibt nicht wenige Tauschpartner, die ihr Fahrzeug gleich kostenlos mit in den Topf werfen und sich dafür umgekehrt auch einen teuren Mietwagen sparen.

Von A wie Aufräumen bis Z wie Zimmerpflanze: die Vorbereitung
Einfach Koffer packen und nix wie weg aus dem Chaos? Nicht ganz: Wohnungstausch ist keine Last-Minute-Flucht. Der Aufenthalt für die Tauschpartner will gut vorbereitet sein: Gründliches Aufräumen und Putzen ist das Grundprogramm. Für das Gepäck der Gäste muss genug Platz sein. Gegenstände, die exklusive Privatsache sind, kommen am besten in einen abgeschlossenen Schrank. Der Kühlschrank sollte keine Gammelreste, sondern genug frische Lebensmittel für den ersten Tag enthalten. Wer’s besonders nett meint, fragt vorher Wünsche ab. Und natürlich schadet ein kleines Willkommensgeschenk nie. Eine Flyer-Sammlung der leckersten Lieferdienste in der Umgebung ist auch ein guter Tipp – genau so wie eine Sammlung der wichtigsten Telefonnummern und Adressen für kleine Notfälle: Arzt, Apotheken, hilfsbereite Nachbarn. Auch Veranstaltungs- oder Ausflugshinweise kommen auf den Tisch. Denn schließlich kennt niemand die Umgebung so gut wie der, der dort wohnt und weiß, ob sich das Freilichtmuseum lohnt und welcher Esel im Streichelzoo am besten kuschelt.

Eine kleine Gebrauchsanweisung für Haus oder Wohnung ist sowieso Pflichtprogramm. Schließlich kennt sich nicht jeder Gast auf Anhieb mit drei Fernbedienungen, einer smarten Beleuchtung oder der divenhaften Spülmaschine aus. Wenn Pflanzen zu versorgen und Mülltonnen rauszustellen sind, dann muss das unbedingt vorher abgemacht werden. Ganz Mutige oder Tauschpartner, die sich schon kennen, geben sich auch gegenseitig Haustiere in Pflege. Das setzt aber schon viel Vertrauen voraus.

Die Nachbarn sind wichtige Komplizen und müssen eingeweiht werden. Erstens wundern sie sich sonst vielleicht, wenn plötzlich Fremde auf dem Balkon sitzen. Zweitens können sie Retter in der Not sein, wenn sich jemand nicht zurechtfindet oder ausgesperrt hat. Und drittens können sie bei der Ankunft nach einer kleinen Gesichtskontrolle den Schlüssel aushändigen. Wer als Mieter seine Wohnung zum Tausch anbietet, sollte vorher übrigens auch den Vermieter informieren.

Nach dem ersten geglückten Versuch in England wollen Tessa und ihr Clan es dieses Jahr mit Skandinavien probieren. Ob sie dabei zwischen Blümchentapeten in Kopenhagen oder auf einem ausgebauten Bauernhof in Östergötland landen, ist noch nicht ganz klar. Aber ein bisschen Lust auf Überraschungen gehört eben dazu.

 

Wohnungstausch: Die Vorteile auf einen Blick

  • Ein Wohnungstausch ist günstig. Kosten fallen lediglich für die Mitgliedsgebühr bei der Vermittlung und die Anreise an.
  • Unterkunft mit Persönlichkeit statt anonymer Hotelkomplex: Ein Wohnungstausch bietet Potenzial für Individualisten.
  • Praktisch: Ein Auto kann man in vielen Fällen dazu tauschen.
  • Man bekommt oft einen viel näheren Einblick ins Alltagsleben des Urlaubslandes – und im besten Fall entwickeln sich sogar Freundschaften.
  • Einbruchschutz ist inklusive: Tauscht man parallel, steht das eigene Haus im Urlaub nicht leer.

Über diesen Autor

Nina, 38, wohnt im Hamburger Speckgürtel, liebt das stadtnahe Leben im Grünen und ihren Balkon. Sie guckt aber gern auch über den Speckgürtel hinaus in die weite Welt.

Fotos: eyetronic – stock.adobe.com; satura_ – stock.adobe.com

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