Wie smart sind intelligente Steckdosen?

Smart Home – für Mein-Wohn-Blogger Nico klang das bislang nach viel zu viel technischem Aufwand. Smarte Steckdosen allerdings, die man schnell und einfach installieren kann, machten ihn neugierig.

Eins vorweg: Die intelligente Steckdose ist eigentlich gar keine wirkliche Steckdose. Es handelt sich vielmehr um einen Zwischenstecker, der in eine gewöhnliche, nicht-smarte Steckdose gesteckt werden muss. Aber wie sieht es mit seiner Intelligenz aus? Was macht einen smarten Stecker smart?

„Der intelligente Stecker ist das Einfallstor für das Smart Home, der Startpunkt sozusagen. Weil er einfach zu installieren und bedienen ist“, sagt Lars Felber vom Smart-Home-Entwickler „elgato“. Das Münchner Unternehmen hat den Zwischenstecker „eve energy“ entwickelt. Der sieht auf den ersten Blick unspektakulär aus: klein, weiß, eckig – wie ein ganz normaler Stromstecker. Die Installationsschritte sind simpel: „eve energy“ in die eigentliche Steckdose stecken, anschalten und die App des Herstellers herunterladen.

Bequeme Steuerung per App

Einen Haken gibt es: „eve energy“ funktioniert nur in Verbindung mit Apple-Produkten. Für alle Nutzer von Samsung und Co. gibt es aber genügend andere Angebote auf dem Markt. Zum Beispiel „Wemo Insight Switch“ von Belkin oder „Fritz!Dect 200“ von AVM. Vor dem Kauf solltet ihr euch überlegen, was ihr schon alles an Technik besitzt

Anders als smarte Stecker, die über das WLAN mit dem Smartphone verbunden sind, funktioniert das beim „eve energy“ über Bluetooth. Jetzt muss ich nur noch den QR-Code auf der Gebrauchsanweisung mit der Handykamera einscannen. Nach wenigen Minuten erkennt die App den smarten Stecker. Die angeschlossene Wohnzimmerlampe wird mir auf dem Display angezeigt. Ich tippe auf den Ein/Aus-Button – und das Wohnzimmer ist hell erleuchtet. Dann schließe ich das Küchenradio an, mache es mir im Wohnzimmersessel gemütlich, stelle auch diesen Button auf „An“. Aus der Küche ertönt Katy Perry – schnell schalte ich wieder aus.

Drehbuch für das Smart Home

Eine praktische Spielerei und bequem obendrein – aber was ist neu an diesen Steckern? Funksteckdosen und zeitgesteuerte Stecker gibt es ja schon länger. „Der Unterschied ist, dass die smarten Stecker von heute von der Smartphone-Intelligenz profitieren“, sagt Felber, „sie lassen sich zum Beispiel durch einen Sprachassistenten steuern.“ Der gibt meinen Befehl an den smarten Stecker weiter, an den das Küchenradio angeschlossen ist.

Noch interessanter wird es, wenn man für Siri, Alexa und Echo eine sogenannte Szene entwirft. Darunter versteht man im Smart Home das Einschalten mehrerer Geräte, gleichzeitig oder nacheinander. Die App funktioniert dabei wie ein Drehbuch: Als Autor vergibt man Anweisungen an die Beteiligten – nur dass diese in unserem Fall keine Schauspieler, sondern elektronische Geräte sind. Die Szene wird entweder durch Zuruf oder zeitgeschaltet aktiviert.

Smarte Schaltung, vorgeheiztes Zuhause

Auf meiner App sind bereits die Szenen „Gute Nacht“ und „Guten Morgen“ verfügbar. Eine Guten-Morgen-Szene sieht zum Beispiel so aus: Um sieben Uhr morgens werde ich geweckt und murmele: „Guten Morgen, Siri.“ Dann geht zuerst das Licht in der Küche an, fünf Minuten später schaltet sich das Küchenradio und die Kaffeemaschine ein – alles programmiert. Der smarte Stecker ist dabei die Schaltzentrale des Ganzen, der Regisseur.

Um mehrere Geräte an einer Szene zu beteiligen, müsst ihr dann nur noch eine Steckdosenleiste an den intelligenten Stecker anschließen. Spielt eine Szene in mehreren Räumen, braucht ihr logischerweise mehrere Stecker. Zum Beispiel bei einer typischen „Guten Abend“-Szene: Durch ein lautes „Ich bin zu Hause!“ wird der smarte Stecker aktiviert und schaltet das Licht im Wohnzimmer, den Fernseher und die Spielekonsole ein. Habt ihr dann noch ein smartes Heizungsthermostat, so nimmt die Ölheizung bereits ihren Dienst auf, während ihr noch unterwegs seid – und zu Hause erwartet euch dann ein wohlig warmes Wohnzimmer.

Smart leben heißt leichter leben

Das Smart Home übernimmt somit viele kleine Tätigkeiten, die keinen Spaß machen und Zeit kosten. „Eine smarte Steckdose erleichtert einem das Leben“, sagt Felber. Das gilt nicht nur für den Komfort im Alltag, sondern auch fürs Energiesparen. Der Stecker misst alle 30 Sekunden den Stromverbrauch und zeigt ihn in der App an. Zudem kann man den eigenen Stromtarif eintragen. „Die App erstellt dann eine genaue Prognose, wie viel Strom an dieser Steckdose über das Jahr hinweg verbraucht wird – und wie viel das kostet“, erklärt Felber.

Bei nur einem Gerät sind diese Daten natürlich weniger aussagekräftig – wenn ihr aber alle Küchengeräte über eine Steckdosenleiste mit dem smarten Stecker verbindet, könnt ihr genau sehen, wie viel Kühlschrank und Co. verbrauchen. Und wo ihr potenziell Strom sparen könnt.

Im Moment ist die Sprachsteuerung durch Siri, Echo und Alexa der letzte Schrei bei den smarten Steckern. In Zukunft werden automatisierte Lösungen aber noch wichtiger. „Da geht es nicht nur um Sensoren, die merken, wenn jemand ins Haus kommt, sondern vor allem um den eigenen Aufenthaltsort“, sagt Felber. Das bedeutet auch das Ende aller Sorgen, ob man nicht doch den Herd angelassen hat. In Zukunft denkt die Wohnung mit – auch das wird das Leben ein Stück weit einfacher machen.

Über diesen Autor

Nico, 29, ist vor zwei Jahren mit seiner Freundin aus Süddeutschland an den Stadtrand von Hamburg gezogen. Er hat einen Garten und grillt gern mit Freunden. Ein neuer Gasgrill ist für ihn spannender als Haushaltsroboter.

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