Wenn der Staubsauger die Polizei alarmiert

Smart Home Hamburg

Den Hamburger Journalisten und Medienberater Marco Maas lernte unser Blogger Marc auf einer Veranstaltung zum Thema „Datenjournalismus“ kennen. Marco erzählte damals von seiner Wohnung im Hamburger Stadtteil Altona, die er in den vergangenen fünf Jahren zu einem Muster-Smart-Home umgebaut hat. Ein Projekt, das noch lange nicht abgeschlossen ist. Was ihn daran fasziniert und welche Erfahrungen er gemacht hat, erzählt Marco im Interview mit MeinWohn.Blog.

MeinWohn.Blog: Hallo Marco, wie viele smarte Geräte hast du in deiner Zweizimmerwohnung inzwischen?
Marco: Das sollten rund 150 sein.

MeinWohn.Blog: Das klingt stark nach Technikjunkie. Wann hat deine Sucht angefangen?
Marco: 2012, als ich die Idee hatte, Energie zu sparen, indem ich meine alten Glühbirnen gegen LED austausche. Ich kam dann eher zufällig an drei smarte Lampen.

MeinWohn.Blog: Und was ist so smart an denen?
Marco: Sie lassen sich per App steuern, können zum Beispiel verschiedene Farben annehmen.

MeinWohn.Blog: Und hast du gleich weitere Lampen gekauft?
Marco: Nein, erst einmal habe ich angefangen damit rumzuspielen. Man kann das Licht etwa als Wecker nutzen, indem man es angehen lässt, wenn man aufstehen möchte. Oder man lässt es leuchten, wenn man auf der Waage steht und sein Idealgewicht erreicht hat. Dann kamen weitere Lampen hinzu, der erste Bewegungsmelder – und dann eskalierte es. Inzwischen habe ich unter anderem eine intelligente Waage, smarte Boxen, Öffnungs- und Schließsensoren, ein Kissen auf dem Bürostuhl, das mich per Nachricht aufs Smartphone informiert, wenn ich falsch sitze…

MeinWohn.Blog: … auch einen smarten Kühlschrank? Schließlich ist der ja das Aushängeschild einer jeden Smart-Home-Kampagne.
Marco: Nein, die sind noch viel zu teuer dafür, dass sie noch nicht ausgereift sind. Bei Preisen von mehreren Tausend Euro muss klar sein, dass der Kühlschrank auch zehn bis 15 Jahre seinen Dienst tut und nicht schnell veraltet.

MeinWohn.Blog: Was heißt denn das?
Marco: Wenn sich die Software nicht updaten lässt, gibt es keine Möglichkeit, neue Funktionen einzurichten. Leider ist das oft die Realität, auch bei renommierten Herstellern.

MeinWohn.Blog: Teilt deine Freundin eigentlich deine Leidenschaft?
Marco: Nicht immer, obwohl sie selbst im Bereich Digitalisierung unterwegs ist. Gerade gestern hatten wir einen kleinen Disput: Ich hatte einen neuen Seifenspender gekauft, der mit einem Sensor ausgestattet ist und dir Seife gibt, wenn du die Hand drunter hältst. Meine Freundin wies mich zurecht darauf hin, dass der Hygienegewinn nicht vorhanden ist, weil man sich ja die Hände wäscht, nachdem man auf einen Seifenspender gedrückt hat. Aber das ist ja gar nicht der Punkt: Ich probiere einfach gern alles aus.

Smart Home Hamburg Marco Maas

MeinWohn.Blog: Zum Beispiel?
Marco: Momentan bastle ich mit meiner Firma Datenfreunde GmbH/OpenDataCity am intelligenten Badezimmer. Also zum Beispiel: Wenn du deinen Rasierer in die Hand nimmst oder deine elektrische Zahnbürste, werden auf dem Display des Spiegels Nachrichten eingespielt. Oder wenn du den Duschvorhang zuziehst, beginnt Musik zu spielen. Dinge halt, die den Alltag angenehmer machen.

MeinWohn.Blog: Was ist deine neueste Errungenschaft?
Marco: Ich habe meine Klingel nachgerüstet, sodass sie auch smart ist. Heißt: Ich brauche keinen Schlüssel mehr. Ich klingle bei mir, und die Klingel buzzt mir die Tür auf, weil sie via Geocaching weiß, dass ich vor der Tür stehe. Das ist auch praktisch, wenn du mal Übernachtungsgäste hast. Du brauchst sie nur über ihr Telefon freizuschalten, und ihnen wird automatisch die Tür geöffnet, wenn sie klingeln.

MeinWohn.Blog: Hast du auch einen Staubsaugroboter? 
Marco: Ja, und der hat mich einmal sehr geärgert. Ich hatte eine Nachricht aufs Smartphone bekommen, dass jemand in meiner Wohnung sei. Und weil mir kurz zuvor meine Tasche mit dem Schlüssel drin gestohlen wurde, machte ich mir Sorgen. Als ich mit der Polizei ankam, stellten wir fest, dass der Staubsauger mehrfach gegen die Wohnungstür gebollert war und so den Alarm ausgelöst hatte. Das Problem habe ich aber inzwischen im Griff.

MeinWohn.Blog: Du kannst von unterwegs feststellen, ob jemand bei dir in der Wohnung ist?
Marco: Ja, und ob er die Berechtigung hat, dort zu sein.

MeinWohn.Blog: Hast du Kameras installiert?
Marco: Nein, das funktioniert über die Bewegungsmelder, die mit Anwesenheits-Dongles kombiniert werden. So weiß die Wohnung, ob ein Eindringling in deiner Wohnung ist und das System schlägt gegebenenfalls Alarm.

MeinWohn.Blog: Man hört ja viel darüber, dass die smarten Geräte sehr unsicher sind, gerade was Hackerangriffe angeht. Stimmt das?
Marco: Die Gefahr ist da, die meisten Geräte sind technologisch extrem unsicher. Dass dich jemand persönlich angreift ist unwahrscheinlich, aber vor einer allgemeinen Attacke sollte man Angst haben. Mir ist allerdings noch nie etwas passiert. Sogar der Cyberangriff WannaCry, der im Mai 2017 hunderttausende Computer lahmgelegt hatte, ist an mir vorbei gegangen. Leider, wie ich als Datenjournalist fast schon sagen muss. Es wäre interessant gewesen, das auszuwerten.

MeinWohn.Blog: Und was ist mit dem Datenschutz? Müssen wir nicht Angst haben, dass unsere Geräte ständig unsere Daten versenden, die dann irgendwo gespeichert und vielleicht sogar verkauft werden?
Marco: Die Art und Weise, wie Daten derzeit gesammelt werden – auch abseits vom Internet der Dinge – ist höchst bedenklich. Darauf reagiert die Datenschutzgrundverordnung, die am 18. Mai 2018 in Kraft tritt. Von da an müssen Onlinedienste und -anbieter ihre Nutzer fragen, ob und wofür sie deren Daten verwenden dürfen. Wer die Datenfreigabe ablehnt, kann aber eventuell nicht mehr alle Funktionen bei seinen Geräten nutzen.

MeinWohn.Blog: Aber heißt es nicht, man hole sich mit Alexa oder Google Home sozusagen Big Brother ins Haus?
Marco: Ich habe das mit Alexa getestet. Das Gerät analysiert natürlich die Sprachbefehle – und nur diese! -, für mich ist das völlig okay.

MeinWohn.Blog: In meinem Bekanntenkreis hat fast niemand smarte Geräte zu Hause, dabei reden alle darüber. Woran, glaubst du, liegt das?
Marco: Das Interesse nimmt radikal zu, das merke ich. Aber noch sind die hohen Preise und die vielen unterschiedlichen Systeme ein Problem. Doch das wird sich schnell ändern: Ikea zum Beispiel bietet schon erste Smart-Home-Produkte preiswert an. Und Geräte unterschiedlicher Hersteller lassen sich per Sprachbefehl über Alexa & Co. synchronisieren.
Selbst meine Mutter will inzwischen smarter leben: Zu Weihnachten wünscht sie sich, dass sie ihre Beleuchtung mit Sprache regeln kann: „Alexa, mach den Weihnachtsbaum an!“

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