Wasserfilter: Lohnt sich die Investition in eine Anlage?

Ein Mädchen füllt Wasser aus dem Wasserhahn in ein Glas

Bloggerin Tine möchte mit dem Kauf eines Wasserfilters gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: umweltbewusst leben, ihrer Familie etwas Gutes tun und weniger Flaschen schleppen. Bevor sie sich aber für ein Wasserfilter-System entscheiden kann, vergleicht sie alle bekannten Verfahren. Eins steht fest: Mit einem modernen und praktischen Wasserfilter lässt sich aus gewöhnlichem Leitungswasser viel mehr herausholen – mehr Reinheit, niedrigere Härte, besserer Geschmack.

Schadstoffe adé dank Wasserfilter

Medikamentenrückstände, Hormone, Mikroplastik im Leitungswasser – wenn ich davon höre, vergeht mir der Appetit. Deswegen habe ich lange nur Flaschen im Supermarkt gekauft, obwohl es teurer und unpraktischer ist. Wasserfilteranlagen im Haushalt versprechen Abhilfe. Mit verschiedenen Systemen, beispielsweise mittels Osmose, sollen Wasserfilter Schadstoffe entfernen. So verbessert sich nicht nur die Qualität des Trinkwassers aus dem Hahn, sondern sogar sein Geschmack. Und das ist für mich ein wichtiger Faktor, denn bei kalk- oder chlorhaltigem Leitungswasser schmeckt mir selbst der Tee nicht mehr. Das Filterwasser dient darüber hinaus aber auch dazu, Haushaltsgeräte zu schonen. Kaffeemaschine und Wasserkocher verkalken dank Wasserfilter weniger.

Verunreinigtes Wasser durch alte Leitungen

Wasserfilter verbessern also den Geschmack. Doch die Hersteller versprechen einen Effekt, der weit darüber hinausgeht: Sie werben sogar mit positiven Effekten auf die Gesundheit. Filterwasser statt Leitungswasser zu trinken, soll bei Magen-Darm- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie psychischer Belastung von Nutzen sein. Wasserwerke müssen in Bezug auf Schadstoffe bestimmte Grenzwerte einhalten. Doch selbst wenn etwa der Gehalt von Chlor im vorgeschriebenen Rahmen bleibt, riecht das Wasser aus der Leitung teilweise unangenehm. In einigen alten Häusern  sind zudem noch Bleirohre im Einsatz, die das durch sie hindurchfließende Wasser mit Schwermetallen belasten. Wasserfilter sind eine zuverlässige und vergleichsweise günstige Option, derartige Rückstände und daraus resultierende Gerüche loszuwerden. Denn Wasserfilter verbessern die Qualität des Wassers, bevor es in der Küche aus der Leitung kommt.

Preise von Wasserfilteranlagen variieren stark

Es gibt Systeme für den Haushalt, die man direkt an den Wasserhahn anschließt, als Box neben der Spüle oder versteckt darunter. Einige lassen sich bei Bedarf anschalten, sodass beispielsweise Spülwasser ungefiltert verwendet werden kann. Dadurch hält die Filterkartusche länger. Einige Verfahren gibt es auch in mobiler Form, etwa als Kanne oder Stick. Für die einfachste Anlage, eine Kanne mit Filter, solltet ihr zwischen 20 und 70 Euro einplanen. Wenn ihr eine fest installierte Wasserfilteranlage kaufen wollt, müsst ihr dagegen mit mehreren Hundert bis mehreren Tausend Euro rechnen. Der Vorteil ist dabei, dass ihr seltener Kartuschen kaufen müsst. Jeder Filter einer Anlage ist irgendwann verunreinigt und muss ausgetauscht werden. Bei der Auswahl des passenden Modells solltet ihr als Schutz vor Keimen darauf achten, dass das Trinkwasser in der Filteranlage nicht an einer Stelle steht oder gespeichert wird. Stattdessen sollte es möglichst nur frisch fließen. Die Entscheidung für oder gegen eine so immense finanzielle Investition sollte wohl überlegt sein. Ich habe mich – auch meinen Kindern zuliebe – für den zugegebenermaßen preisintensiveren, fest installierten Wasserfilter entschieden.

Positive Effekte auf die Gesundheit

Wasserfilter können auch den PH-Wert positiv beeinflussen. Leitungswasser liegt in der Regel im neutralen Bereich, also bei 7, die deutsche Trinkwasserverordnung empfiehlt 6,5 bis 9,5, Während Umkehrosmose das Wasser leicht sauer werden lässt, kann man bei einigen Anlagen einstellen, dass es basischer werden soll. So eine Anlage nennt sich Wasserionisierer. Die Hersteller werben damit, dass basisches Wasser einer Übersäuerung im Körper entgegenwirken soll, die beispielsweise durch falsche Ernährung entsteht und auch Krankheiten begünstigen kann. Hersteller versprechen, mit ihren jeweiligen Verfahren zahlreiche Schadstoffe herausfiltern zu können: Kalk, Chlor, Bakterien, Keime, Viren, Hormone, Rückstände von Medikamenten, Schwermetalle, Mikroplastik, radioaktive Teilchen, Rückstände aus der Landwirtschaft wie Nitrat aus Düngemitteln, Pestizide, Herbizide, Fungizide, aber auch Asbest, Schwefel oder einfach Sandkörner und Rost. Der menschliche Körper nimmt tagtäglich unkontrolliert Stoffe aus der Umgebung auf. Daran können wir nicht allzu viel ändern. Ein Wasserfilter hingegen gibt uns die Möglichkeit, derartige Schadstoffe zumindest aus dem Leitungswasser herauszulösen.

Eine Frau trinkt ein Glas Leitungswasser
Wasserfilter machen aus Leitungswasser ein wohlschmeckendes Getränk.

Höherer Wasserverbrauch bei Umkehrosmose

Obwohl Wasserfilter viele positive Effekte hervorrufen, birgt ihr Einsatz auch einige Nachteile. Die Verbraucherzentrale sieht Wasserfilter kritisch und warnt – wenn Kartuschen nicht rechtzeitig ausgetauscht werden – vor Schadstoffen, die ins Trinkwasser gelangen können. Zudem würden Umkehrosmose-Verfahren dem Wasser Mineralien entziehen, die dem Körper bei dauerhaftem Gebrauch irgendwann fehlen würden. Zudem sorgt eine solche Anlage für einen höheren Wasserverbrauch. Da mit hohem Druck durch die Membran gespült werden muss, braucht es drei Liter Leitungswasser für einen Liter des gefilterten Wassers.

Hier die unterschiedlichen Filtersysteme für den Haushalt, die sich zum Teil auch kombinieren lassen:

  • Umkehrosmose: Osmose bezeichnet das Hindurchfließen durch eine semipermeable Membran, also eine halbdurchlässige Trennschicht. Sie lässt bestimmte Stoffe hindurch, andere nicht. Am Ende kommt bei der Osmose eine konzentriertere Lösung heraus. Genau andersherum ist es bei der Umkehrosmose. Sie dient der Konzentration der im Wasser gelösten Schadstoffe vor der Trennwand. Die Membran ist also so konstruiert, dass Bakterien und Co. zurückgehalten werden und auf der anderen Seite geklärtes Filterwasser herauskommt. Wichtig ist dafür, dass es anfangs mit ausreichend Druck in die Wasserfilteranlage hineinfließt.
  • UV-Licht: Die Strahlung verändert die DNA von Mikroorganismen so, dass keine Zellteilung mehr stattfinden und sie sich nicht weiter vermehren können. Eine entsprechende Lampe hält beispielsweise 10.000 Stunden oder 8.000 Liter durch.
  • Ionentauscher: Diese Filter arbeiten mit Kunstharz. Das kann zum Beispiel zum Entkalken dienen. Calcium- oder Magnesium-Ionen, die für hartes Wasser sorgen, können entzogen und gegen Natrium-Ionen ausgetauscht werden. Auch Blei und Nitrat können durch andere Ionen ersetzt werden.
  • Aktivkohle: Sie hat eine große Oberfläche, an der Verunreinigungen sowie Schadstoffe anhaften können. Laut Verbraucherzentrale können mit Aktivkohle jedoch einige Stoffe wie Schwermetall-Ionen (z.B. Blei), Nitrat und Calcium/Magnesium (Kalk) nicht entfernt werden.
  • Mikrofilter: Sie bestehen beispielsweise aus Keramik und filtern dank ihrer Porengröße im Mikrometerbereich (ein Tausendstel Millimeter). Nitrat, Pestizide und Chlor können damit laut Verbraucherzentrale mit einer solchen Wasserfilteranlage nicht abgefangen werden. Außerdem braucht es für dieses Verfahren einen Mindestdruck von 3 bar.
Kurz & knapp:
Wasserfilter können sinnvoll sein, um bei besonders hartem oder chlorhaltigem Leitungswasser den Geschmack zu verbessern oder Haushaltsgeräte zu schonen. Abgesehen davon vermitteln sie auch einfach ein gutes Gefühl beim Trinken des Wassers und schützen den Körper vor der Aufnahme von Schadstoffen. Auf lange Sicht spart ihr Geld – auch wenn einige Systeme erstmal teuer in der Anschaffung sind. Da ihr aber auch günstige Varianten kaufen könnt, ist für jeden das Passende dabei.

Über diesen Autor


Tine, 40, lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern auf dem Land. Nach einer eingehenden Beschäftigung mit dem Thema Wasserfilter hat sie keine Bedenken mehr, das Wasser aus der Leitung zu trinken.

Fotos: Igor – stock.adobe.com, LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com
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