Die wichtigsten Heizungstypen im Vergleich

Neubau oder Sanierung einer alten Immobilie: Für die Wärmeerzeugung haben Hausbauer und -eigentümer heute eine größere Auswahl denn je. Unser Autor und Hausbesitzer Nico hat für euch kurz und knapp die Vor- und Nachteile der verschiedenen Heizungstypen zusammengestellt. Und sagt euch, warum es sinnvoll sein kann, zwei oder mehrere Energieträger zu nutzen.

Brennwertheizung

Moderne Öl-Brennwertheizungen beruhen auf dem gleichen Prinzip wie die klassische Ölheizung vergangener Zeiten: Das Zentrum der Anlage bildet ein Brenner mit einem Heizkessel, in dem Wasser erhitzt wird. Mit diesem Wasser wird der geschlossene Kreislauf der Heizung im gesamten Haus betrieben. Früher wurde das Wasser im Heizkessel einfach auf eine vorgegebene Betriebstemperatur zwischen 70 und 90 Grad erhitzt. Dabei ging viel Energie nutzlos flöten. Moderne Brennwertanlagen funktionieren jedoch ganz anders: Das Herzstück ist hier ein Heizkessel, dessen Vorlauftemperatur an die jeweilige Außentemperatur angepasst ist. Zusätzlich wird die Wärme der freiwerdenden Abgase über einen Wärmetauscher abgefangen und ebenfalls zum Heizen genutzt. Dadurch arbeiten diese Anlagen sehr energieeffizient.

Gerade bei Modernisierungen haben Brennwertheizungen einen entscheidenden Vorteil: Die moderne Technologie kann problemlos an die bewährte Heizungsanlage angeschlossen werden. Brennwertheizungen können mit Öl oder Gas betrieben werden, beide arbeiten gleich effizient. Für den Betrieb einer Gas-Brennwertheizung muss das Grundstück allerdings an ein Gas-Versorgungsnetz angebunden sein, was zusätzlich mit laufenden Kosten verbunden ist. Außerdem müsst ihr einen länger laufenden Vertrag mit einem Gas-Versorger abschließen. Bei der Öl-Brennwertheizung könnt ihr hingegen selbst entscheiden, wann und von wem ihr den Heizölvorrat auffüllen lasst.

Und wie steht es mit der Umweltfreundlichkeit von Brennwertheizungen im Vergleich zu anderen Heizungstypen aus? Betrachtet man die Energieeffizienz, sind Öl- und Gas-Brennwertheizungen viel effektiver als alte Öl- oder Gasheizungen: Denn die modernen Heizungssysteme nutzen den eingesetzten Brennstoff fast zu 100 Prozent aus. Und das gilt nicht nur für die herkömmlichen Brennstoffe: Denn Öl-Brennwertheizungen lassen sich auch mit neuen, treibhausgasreduzierten Fuels betreiben.

Ein weiterer Vorteil ist die enorme Flexibilität von Brennwertheizungen. Ihr könnt die Anlagen sehr einfach mit erneuerbaren Energien aus Holz oder Sonnenstrahlung ergänzen, übrigens auch nachträglich. Zur Nutzung von selbsterzeugtem Solarstrom bietet sich beispielsweise die Kombination aus einer Brennwertheizung und einem elektrischen Heizstab im Warmwasserspeicher. Mit so einer Hybridheizung gelingt euch ein unkomplizierter und vergleichsweise bezahlbarer Einstieg in die Energiewende.

Pelletheizung

Über die Pelletheizung hatte ich ja vor kurzem schon einen längeren Post geschrieben. Ihr Energieträger sind kleine „Presslinge“ (zumeist aus Holz), die ähnlich wie bei einer Brennwertheizung in einer Brennkammer verfeuert werden. Mit der entstehenden Wärme wird das Wasser der Heizungsanlage erhitzt. Viele Pelletheizungen haben einen zusätzlichen Pufferspeicher für die Wärme, um den höheren Energieaufwand für den Start des Brenners durch längere Laufzeiten zu begrenzen. Für den Betrieb ist zu bedenken: Die Anlage muss regelmäßig gewartet werden, ihr müsst immer mal wieder die Asche aus dem Verbrennungsvorgang entsorgen und ihr solltet bei der Planung an einen ausreichend großen Lagerplatz für die Pellets denken.

Vom Heizkomfort gesehen, ist eine Pelletheizung von einer Brennwertheizung kaum zu unterscheiden. Dafür ist sie in der Anschaffung und Wartung deutlich teurer. Wer sich eine Pelletheizung einbauen lässt, denkt dabei wahrscheinlich in erster Linie auch nicht ans Geld, sondern an die Umweltverträglichkeit. Stammen die Holzpellets aus nachhaltiger Forstwirtschaft, ist die Heizung im Betrieb CO2-neutral. Außerdem könnt ihr auch eine Pelletheizung zur Hybridheizung ausbauen, in dem ihr sie mit Solarenergie kombiniert. Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Zum einen solltet ihr bei einer Investition in eine Pelletheizung bedenken, dass nachhaltiges Holz nur begrenzt verfügbar ist. Zum anderen sind Herstellung und Transport der Pellets nur schwer klimaneutral möglich.

Gerade beim Hausbau oder der Renovierung stellt sich häufig die Frage: Welche Heizungsanlage ist die Beste für mich?

Wärmepumpenheizung

Ein noch ganz junger und spannender Heizungstyp sind Wärmepumpen. Sie holen sich einen Teil der Heizenergie aus Luft, Erdreich oder Grundwasser – dafür benötigen sie jedoch Strom als Antriebsenergie. Wieviel Strom dafür benötigt wird, hängt zum einen davon ab, ob genug Umweltwärme zum Heizen zur Verfügung steht und auf welchem Temperaturniveau diese liegt. Je kälter die nutzbare Umweltwärme (Außenluft ist im Winter z. B. deutlich kühler als tiefere Erdreichschichten), desto mehr Strom benötigt die Wärmepumpe. Zum anderen hängt der Strombedarf von der benötigten Heizwassertemperatur ab. Daher benötigen Wärmepumpen für eine angemessene Effizienz in der Regel sehr große Heizflächen wie etwa Fußbodenheizungen sowie möglichst gut gedämmte Gebäude mit energieeffizienten Fenstern. Die Umweltfreundlichkeit einer Wärmepumpenheizung hängt auch davon ab, ob sie mit Kohlestrom oder mit Ökostrom betrieben wird.

Unter den perfekten Bedingungen hat die Wärmepumpenheizung im Vergleich mit anderen Heizungstypen eine tolle Umweltbilanz. Allerdings sind die Kosten pauschal schwer kalkulierbar: Neben der Anschaffung der Wärmepumpe muss je nach Typ der Wärmepumpenheizung noch mit – zum Teil nicht ganz unerheblichen – Erschließungs- und Betriebskosten gerechnet werden. Die Wärmepumpenheizung ist damit eher ein Heizungstyp für Early Adopters und Technikfreaks – und vor allem für gut gedämmte Häuser.

Nah- oder Fernwärmeheizung

Dieser Heizungstyp ist eigentlich eine clevere Lösung: So können Stromkraftwerke in Ballungsgebieten einen Teil der Wärme, die bei der Stromproduktion entsteht, über ein Wärmenetz an die umliegenden Siedlungen abgeben. Die angeschlossenen Häuser benötigen dann keinen eigenen Heizkessel sondern einen Wärmetauscher zum Anschluss an das Wärmenetz. Wer in einem Haus mit Nah- oder Fernwärmeheizung wohnt, kennt aber auch die Nachteile: als Kunden seid ihr an den einen Anbieter gebunden, der das Wärmenetz betreibt. Ein Anbieterwechsel ist nicht möglich. Die ökologische Bilanz von Nah- oder Fernwärmeheizungen lässt sich schwer verallgemeinern: Sie hängt zum einen von der Länge und Dämmung des Wärmenetzes ab, da auf dem Transportweg bereits einige Energie ungenutzt verloren geht. Zum anderen müssen bei der Bilanz die Emissionen des Kraftwerks berücksichtigt werden, das die Wärme liefert. Und es kommt auch auf den eingesetzten Brennstoff an. In vielen Kraftwerken wird nach wie vor Kohle eingesetzt.

 

Kurz & knapp:

Im Vergleich verschiedener Heizungstypen wird deutlich, dass moderne Brennwertheizungen mit Öl oder Gas noch lange nicht ausgedient haben. Wenngleich mit Ökostrom betriebene Wärmepumpenheizungen bei optimalen Rahmenbedingungen die beste Ökobilanz aufweisen können, bleiben sie doch häufig eine Lösung für bestimmte Anwendungen wie z. B. im gut gedämmten Neubau mit Fußboden- oder Wandheizung. Neben der bewährten Funktionalität haben Brennwertheizungen den großen Vorteil, dass sie auch nachträglich sehr gut in eine klimafreundliche Hybridheizung umgebaut werden können – und sie mit neuen, treibhausgasreduzierten Fuels sogar eine zukunftssichere Perspektive haben. Mehr Infos gibt es unter: www.zukunftsheizen.de.

Über diesen Autor

Nico, 29, ist mit seiner Freundin in ein kleines Häuschen mit Garten gezogen. Seitdem heißt es fast jedes Wochenende „Schaffe, schaffe, Häusle (um)baue“. Ganz oben auf der Liste: eine neue Heizungsanlage.

 

Fotos: Evgen – stock.adobe.com; Ralf Kalytta – stock.adobe.com

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