Warum heizen wir eigentlich direkt unter dem Fenster?

Was wir immer schon über unsere Heizung wissen wollten: Blasen wir die Wärme mit Heizkörpern unter den Fenstern nicht direkt ins Freie hinaus? Wieso, weshalb, warum: MeinWohn.Blog-Autor Marc gibt Antworten auf diese und andere Fragen rund ums Thema Heizen.

Heizen direkt unterm Fenster – sind wir eigentlich bescheuert? Nein, sind wir nicht: Dieser Montageort ist bei älteren Häusern mit „Konvektionsheizung“ immer noch sinnvoll, sofern Dämmung und Fenster nicht zwischenzeitlich auf Neubauniveau modernisiert worden sind. .

Geht es dir auch so? Man wandelt fröhlich durchs Leben und denkt, man weiß über ziemlich Vieles ziemlich gut Bescheid. Doch wehe, man schaut mal ins Detail. Dann weiß man schnell wieder, wie wenig man eigentlich in Wahrheit weiß. So geschah es mir neulich mit dem Thema Heizung. Eine Sache fiel mir nämlich eines kalten Wintertages plötzlich auf – und wollte mir partout nicht einleuchten: Weshalb sind in meiner Altbauwohnung eigentlich alle Heizkörper direkt unter dem Fenster montiert? Ja, ganz genau, direkt unterhalb dieser viereckigen Aussparungen in den Außenwänden, die statt Mauerwerk und Dämmschicht nur aus durchsichtiger Verglasung bestehen! Und eines wollte ich in diesem Zusammenhang unbedingt geklärt wissen: Schicke ich die teuer erzeugte Wärme so nicht direkt ins Freie und werfe damit einen Haufen Geld buchstäblich zum Fenster hinaus? Zum Glück gibt‘s für dieses Rätsel eine überzeugende Lösung, die ich in diesem Blogbeitrag erkläre. Neben zwei weiteren Antworten auf Heizungs-Fragen, die mir diesen Winter ebenfalls in den Sinn kamen.

Wärmender Kreislauf: Was wir über die fensternahe Heizung wissen sollten

Konvektion! So heißt das Zauberwort, das die Sache erklärt. Schaut man genauer, was beim Heizen passiert, wird klar: Die Montage der Heizkörper unter dem Fenster ist keinesfalls so unsinnig, wie es im ersten Moment scheint. Im Gegenteil, sie ist sogar ideal. Die Fenster – vor allem ältere Modelle – sind thermisch gesehen der Schwachpunkt unserer Räume. Genau davor zu heizen erzeugt eine Art „Vorhang“ aus aufsteigender warmer Luft. Und der funktioniert wie ein unsichtbarer Schutzschild: Er blockiert die vom Fenster ausgehende Kältestrahlung und fängt die abfallende kalte Zugluft ab, die ansonsten den Bodenbereich des Raumes auskühlen würde. Sehr unangenehm für unser Wärmeempfinden! Doch diese sogenannte Konvektionsheizung erzeugt nicht nur Wärme, sondern auch Bewegung. Die entstehende Luftwärmeströmung schiebt die warme Luft zur Decke, durch den Raum hindurch und wieder zum Boden. Kalte Luft wird von warmer verdrängt. Die nachkommende Warmluft von der Heizung sorgt für den nötigen Ausgleich und erwärmt die Raumluft. Dieses Prinzip erklärt auch, warum ein gewisses Mindestniveau an Heizleistung nicht unterschritten werden sollte. Das würde nämlich den Kreislauf unterbrechen.

Immer in Bewegung: Konvektion drückt warme Luft nach oben, diese zirkuliert durch den Raum.

Konvektionsheizung – ein sinnvolles Prinzip mit günstigen Anlagenkosten und besonders in älteren Häusern immer noch weit verbreitet. Doch unterm Strich ist sie eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Wie alles andere im Leben hat auch dieser Typ von Heizung seine Nachteile. Die Luftbewegung bringt nicht nur Warmluft in Fahrt, sondern kann auch einigen Staub aufwirbeln. Schlecht für Menschen mit empfindlichen Atemwegen. Außerdem braucht dieser Heiztyp hohe Vorlauftemperaturen, was höhere Heizkosten bedeuten kann. Er erhitzt zudem unmittelbar nur die Luft, aber nicht die baulichen Strukturen. Heute gibt es eine bessere Lösung, bei der das anders ist: Die Flächenheizung, die z. B. im Fußboden oder den Wänden verbaut wird. Diese Heizungen kommen mit niedrigeren Vorlauftemperaturen aus – und erzeugen durch die Erwärmung der Raumhülle ein angenehmeres Empfinden. Denn die „gefühlte Temperatur“ für Bewohner ergibt sich aus dem Durchschnitt der Lufttemperatur und der Oberflächentemperatur der Wände, Fußboden und Zimmerdecke. Für uns bedeutet das bei der Flächenheizung mehr thermische Behaglichkeit bei der selben Raumlufttemperatur. Schließlich sind die Flächen hier wärmer als bei der Konvektionsheizung. Was übrigens einen sehr willkommenen Nebeneffekt hat: Es besteht grundsätzlich weniger Schimmelgefahr als bei Konvektionsheizungen, die mit kühleren Wänden einhergehen. Weiterer „Zusatzbonus“ der Flächenheizung: Sie eignet sich besonders zum Betrieb mit modernen Brennwert-Anlagen. Diese nutzen zusätzlich Kondensationswärme z. B. aus den Abgasen einer Öl- oder Gasheizung, was mit der niedrigen Systemtemperatur von Fußboden- oder Wandheizungen sehr gut harmoniert. Und obendrein dank extrem hohem Wirkungsgrad äußerst umwelt- und kostenfreundlich ist. Mehr über diesen erfolgreichen Beitrag zu nachhaltiger Haustechnik erfährst du bei einer Beratung im Fachhandel. Erste Infos zur Öl-Brennwerttechnik gibt es ausführlich auf www.zukunftsheizen.de.

Alles heiße Luft? Warum Heizkörper entlüftet werden müssen

Deine Heizung, das unbekannte Wesen: Manchmal geben einem die Heizkörper einfach Rätsel auf. So auch, wenn die Anlage die Bewohner plötzlich durch unheimliche Geräusche aufschreckt. Da gluckert, gurgelt und röchelt es ohne Vorwarnung. Zugleich fällt die Heizleistung rapide in den Keller. Du willst wissen, was hier los ist? Keine Sorge, alles nur heiße Luft! Beziehungsweise lauwarme Luft, denn durch überschüssige Luft im Wasserkreislauf der Heizung wird eben diese ja gerade nicht mehr heiß genug. Es befindet sich schlicht zu viel Luft im System, die eine Umwälzung des Warmwassers in der Heizung behindert.

Was tun? Denkbar einfach – und das kann jeder selbst. Zur Vorbereitung schalten Eigenheimbesitzer eventuell die Umwälzpumpe ab und warten eine Stunde, damit sich die Luft sammeln kann. Nun muss in jedem Fall die Heizung voll aufgedreht und maximal erhitzt werden. Dann wird der Heizkörper an einer seitlichen Schraube vorsichtig geöffnet, meist mit einem Vierkantschlüssel. So kann die störende Luft aus der Heizung entweichen. Man sollte dabei behutsam vorgehen, da die Luft sehr heiß sein kann. Eimer und Lappen fangen eventuell austretendes Wasser auf. Sobald Wasser austritt, ist die Entlüftung beendet. Schraube zu – die Heizung wird wieder richtig mollig warm!

Wie die Luft überhaupt in die Heizung hineinkommt? Zunächst kann das Wasser der Anlage von vornherein Luft als gelöstes Gas enthalten. Und perfekt 100 Prozent luftdicht ist die Heizungsanlage sowieso nie. Gase können durch Kunststoffrohre diffundieren, Verbindungen sind weitere Eintrittsstellen. Daneben kann die Membran des Ausdehnungsgefäßes der Heizung, das das durch Erhitzung ausgedehnte Wasservolumen ausgleicht, durch langen Gebrauch porös werden. Eine Wartung sollte hier aber der Fachbetrieb oder Kundendienst übernehmen. Fachmännische Beratung ist grundsätzlich nötig in Fällen, bei denen die Entlüftung die Heizleistung nicht verbessert. Dann hilft eventuell auch ein hydraulischer Abgleich, bei dem Heizwasserdruck und andere Eckdaten optimiert werden. Lass dich dazu von deinem Fachbetrieb beraten – die Kosten werden teils per Steuerrückzahlung vom Staat übernommen!

 

Sonnige Aussichten: Solarenergie ist in Kombination mit einer Öl-Brennwertheizung besonders attraktiv

Sonnenenergie nutzen: Eine tolle Sache – aber was, wenn die Sonne gar nicht scheint?

Solar ist in, Sonnenenergie in aller Munde. Auch in vielen Privathäusern hält diese nachhaltige Energiequelle Einzug, oder besser gesagt, auf ihnen: Üblicherweise werden die Solarzellen ja auf dem Dach installiert. Und erzeugen dort dann Strom und Wärme für den Haushalt.

So weit, so sonnig. Stellt sich nur die Frage: Wie soll das denn dann im Winter funktionieren, wenn die Sonne naturgemäß weniger stark bis gar nicht scheint – und gleichzeitig der Strom- und Heizbedarf am höchsten ist? Simple Antwort – in den meisten Fällen durch Kombination mit einem zweiten Heizsystem, also durch eine Hybridheizung. Im Sommer versorgt dabei der durch Photovoltaik erzeugte Strom die Elektrogeräte. In den Übergangsjahreszeiten Herbst und Frühling kann er zum Beispiel über einen elektrischen Heizstab im Wärmespeicher auch die Heizung unterstützen, genauso natürlich die Warmwasserbereitung für Küche, Bad und Sanitär. In Frage kommt übrigens auch eine zugebaute Wärmepumpe – oder Solarthermie mit Kollektoren.

Und für wohltuende Wärme in der kalten winterlichen Jahreszeit sorgt bei solchen Hybridsystemen dann beispielsweise als zweite Komponente eine Öl-Brennwertheizung. Sie bietet durch Heizöl-Bevorratung Unabhängigkeit vom Wetter und ist für die Kombi mit Photovoltaik besonders gut geeignet. Der entscheidende Vorteil der Öl-Brennwertheizung: Die Wärme der Abgase wird hier ebenfalls genutzt. So erzielt sie einen Wirkungsgrad von bis zu 98 Prozent. Zusammen mit der Sonnenunterstützung spart eine solche Hybridheizung dann im Vergleich mit einer älteren Ölheizung eine Menge Energie ein. Eine kostengünstige und umweltfreundliche Lösung, die in Deutschland sehr beliebt ist: Beinahe jede zweite Ölheizung ist mit einer Solaranlagen kombiniert – da wird dem Umweltfreund einfach warm ums Herz. Viele vermeintliche Heizprobleme eröffnen also in Wahrheit interessante Optionen für Energie- und Kosteneinsparungen – man muss nur wissen, wie. Womit bewiesen wäre: Nachfragen lohnt sich. Beim Thema „Heizung“ gibt es keine dummen Fragen – nur lauter attraktive Antworten!

Zahlen und Fakten:

  • Heizungsinstallation unterm Fenster nutzt die Luftzirkulation zum Wärmen.
  • Wenn die Leistung plötzlich abfällt, hilft oft ein Entlüften des Heizkörpers.
  • Durch die Kombination einer Photovoltaik-Anlage mit einer Öl-Brennwertheizung kann ein Haushalt durchschnittlich bis zu 40 Prozent Heizöl einsparen (Quelle: iwo).

Fotos: denisismagilov – stock.adobe.com; Ingo Bartussek  – stock.adobe.com;  Christian – stock.adobe.com;

Über diesen Autor

Marc lebt in Hamburg in einer Altbauwohnung - und hat die Heizkörper natürlich direkt unter dem Fenster. Das ist ihm nie komisch vorgekommen - bis jetzt...

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