Warmwasserbereitung: Wissenswertes für Warmduscher und Heißabwascher

Fließend warmes Wasser: Früher mal ein Luxus, heute selbstverständlicher Komfort. Doch hinter der simpel wirkenden Armatur arbeiten ziemlich unterschiedliche Systeme. Durchlauferhitzer oder zentrale Anlage: Die verschiedenen Technologien, weiß MeinWohn-Blogger Nico, haben wichtige Besonderheiten in Funktion und Verbrauch. Und auch Solarenergie kann als Ergänzung bei der Planung einer neuen Anlage interessant sein.

In meinem Browser stapeln sich mal wieder die Links mit wichtigen Webseiten für die Renovierung unseres Hauses. Unser Thema lautet aktuell: Wie binden wir die Warmwasserbereitung am besten in unser Heizungssystem ein? Wie so oft heißt es auch hier, wer die Wahl hat, hat die Qual. Zumindest bei der Planung. Hat man sich für ein System entschieden, sollte es ja eigentlich egal sein – Hauptsache aus dem Hahn fließt warmes Wasser. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn in Bezug auf die Kosten können die verschiedenen Systeme einen großen Unterschied machen. Deshalb zahlt es sich im wahrsten Sinne des Wortes aus, bei der Planung der Heizungsanlage frühzeitig sein Hirnschmalz zu bemühen.

Grundsätzlich habt ihr die Auswahl zwischen zwei Systemen, mit denen ihr das Wasser in eurem Haus oder eurer Wohnung erwärmen könnt. Zum einen geht das über ein dezentrales System, bei dem das Wasser direkt an jeder Entnahmestelle erwärmt wird. Dazu wird vor jedem Warmwasserhahn ein Gerät zur Warmwasserbereitung installiert. Gängig sind hier Durchlauferhitzer oder Warmwasserspeicher, die mit Strom betrieben werden. Sie haben den Vorteil, dass recht unkompliziert einzusetzen sind: Schließlich gibt es bei uns in jedem Haushalt Strom.

Durchlauferhitzer: Einerseits praktisch, aber…

Die Tücken der dezentralen Warmwasserbereitung

Auf den ersten Blick spricht bei der Frage der Warmwasserbereitung generell viel für ein dezentrales System. Es benötigt keine zusätzlichen Warmwasserleitungen zwischen Heizungsraum und Zapfstelle und lässt sich ohne großen Installationsaufwand an den Entnahmestellen – zum Beispiel unter dem Waschtisch im Bad oder unter der Küchenspüle – einbauen. Beim Durchlauferhitzer entfällt zudem der Energieaufwand zum Warmhalten eines Speichers. Aber nicht alles ist Gold, auch wenn es auf den ersten Blick so schön glänzt. Zunächst müsst ihr wissen: Für eine komfortable Warmwasserbereitung benötigt ihr einen Durchlauferhitzer oder großen Wandspeicher mit einer relativ hohen elektrischen Leistung. So benötigt ein Durchlauferhitzer im Bad rund 18 bis 33 kW, für die Küchenspüle empfehlen sich Kompakt-Durchlauferhitzer mit rund 11 bis 14 kW. Diese Geräte lassen sich jedoch – wie ein Herd – nur an einem entsprechend leistungsfähigen dreiphasigen Stromanschluss betreiben. Die entsprechenden Leitungen müssen von einem Elektriker verlegt und angeschlossen werden. Wenn ihr Pech habt, kann es sogar sein, dass euch der Elektriker sagt, euer Stromanschluss ist nicht für den Betrieb mehrerer solcher starken Verbraucher ausgelegt.

Zumindest für die Küchenspüle oder das Waschbecken mögliche Alternativen sind 5 oder 10 Liter Kleinspeicher und Durchlauferhitzer mit einer geringeren Leistung – bis etwa 3,5 kW. Beide können an eine normale Steckdose angeschlossen werden. Allerdings sollte diese eine eigene 16 Ampere Sicherung haben – im Zweifelsfall lieber einen Fachmann als Ratgeber hinzuziehen. Aus eigener Erfahrung kann ich diese Art von Kleinspeicher-Warmwasserbereitern allerdings nur bedingt empfehlen. Die kleinen Boiler für die Küche – so einen hatte wir früher in meiner Studi-WG – fangen nach einigen Jahren oft an zu tropfen und müssen außerdem an eine spezielle Niederdruckarmatur angeschlossen werden. Die Mini-Durchlauferhitzer haben den Nachteil, dass ihre Leistung bei der Warmwasserbereitung wirklich nur „mini“ ist. Das reicht bestenfalls zum Händewaschen im Gäste-WC.

Zwei Tipps zu Durchlauferhitzern: Solltet ihr euch für so ein Gerät zur Warmwasserbereitung interessieren, dann sucht nach den moderneren, elektronisch geregelten Durchlauferhitzern. Für einen guten Warmwasserkomfort sollten sie sowohl den Durchfluss als auch die Wasserein- und -austrittstemperaturen erfassen und mit Hilfe einer geeigneten Leistungsregelung damit jederzeit für die genaue Einhaltung der Wunschtemperatur am Hahn sorgen. Es gibt auch hydraulisch geregelte Durchlauferhitzer, die über den Wasserdruck aktiviert werden. Diese sind zwar im Anschaffungspreis oft günstiger, in der Praxis aber viel weniger komfortabel, da sie die Temperatur nicht so schnell und genau regulieren können. Dadurch benötigen sie außerdem mehr Energie und steigern den Wasserverbrauch. Kleinste Wassermengen können mit hydraulischen Durchlauferhitzern nicht erwärmt werden, denn zum Einschalten ist eine Mindestdurchflussmenge erforderlich. Wollt ihr kleine, einphasige Mini-Durchlauferhitzer oder Kleinspeicher-Warmwasserbereiter selbst anschließen – bei einem dreiphasigen Stromanschluss muss das immer ein Fachmann machen – achtet darauf, dass ihr vor der elektrischen Inbetriebnahme das Wasser aufdreht und die Leitungen und den Speicher im Gerät mit Wasser füllt. Sonst ist es in Sekundenbruchteilen überhitzt und Schrott.

Was ihr über die zentrale Warmwasserbereitung wissen müsst

Die Alternative zu einem dezentralen System ist ein zentrales Warmwassersystem, bei dem das Wasser für alle Verbraucher im Haushalt erwärmt und dann über Leitungen aus Kupfer, Edelstahl oder Kunststoff, die parallel zu den Kaltwasserleitungen verlegt werden, an die Entnahmestellen verteilt wird. Das klingt zunächst komplizierter, kann aber einen großen Vorteil haben: Euer zentrales, maßgeblich für die Beheizung zuständiges Brennwertgerät kann in Verbindung mit einem meist separatem Warmwasserspeicher auch für die Trinkwassererwärmung genutzt werden. Dabei ist es egal, ob dieses mit Öl, Gas oder Holzpellets betrieben wird.

Durch das Zusammenspiel von Brennwertgerät und Warmwasserspeicher ist nicht nur eine leistungsfähige, sehr homogene und damit komfortable Versorgung mit Warmwasser garantiert, es kann bei größeren Verbrauchsmengen, wie sie in einem Mehrpersonenhaushalt normal sind, auch die Energiekosten senken. Dazu solltet ihr allerdings an ein paar Stellschrauben drehen.

Zunächst hilft es bei einem zentralen System enorm, wenn ihr die Warmwasserbereitung im Haus sehr genau plant. Zum einen, das ist ein Ratschlag meines Energieberaters, solltet ihr auf möglichst kurze Warmwasserleitungen Wert legen und diese richtig gut dämmen. Zum anderen könnt ihr in einem Einfamilienhaus darüber nachdenken, ob ihr auf ein Zirkulationssystem, mit dem das warme Wasser im Leistungssystem auf Temperatur gehalten wird, eventuell verzichten könnt. Das gilt besonders dann, wenn die Wege bei der Warmwasserbereitung im gesamten Haus nicht sehr lang sind. Auf jeden Fall bietet es sich an, das Zirkulationssystem mit einer Zeitschaltuhr zu versehen, damit beispielsweise nachts oder wenn tagsüber niemand zu Hause ist, nicht ungenutzt warmes Wasser in den Leitungen zirkuliert. Der zentrale Warmwasserspeicher sollte zur Vermeidung unnötiger Wärmeverluste sehr gut gedämmt sein. Dabei kann man sich an der Energieeffizienzklasse orientieren – sie sollte bei A oder A+ liegen.

Passt perfekt: Warmwasserbereitung mit Hybridheizung

Eine zentrale Trinkwassererwärmung bietet eine Chance, die für mich dafür ausschlaggebend ist, bei meiner Warmwasserbereitung auf ein solches System zu setzen. Denn ein zentrales Warmwassersystem lässt sich perfekt mit alternativen Energien wie Solarthermie oder Photovoltaik kombinieren.

Wie solche Hybridheizungen genau funktioniert, hat euch mein Kollege Marc ja schon mal erklärt. Ich will hier aber noch einmal drauf hinweisen, warum eine Hybridheizung für die Warmwasserbereitung einen großen Vorteil hat. Egal, ob ihr auf Solarthermie oder eine solarstrombetriebene Warmwasser-Wärmepumpe setzt, diese sonnenbasierte Energiegewinnung funktioniert am besten in der warmen Jahreszeit. Für die kalte Jahreszeit ist dann das Brennwertgerät umso wichtiger, welches dank des eigenen Energievorrats im Heizöltank problemlos auch in dieser ungemütlichen und sonnenarmen Zeit zuverlässig Wärme für Heizung und Wasser liefert.

 

Kurz & knapp:

Wer die Warmwasserbereitung im Haushalt neu plant, kann zwischen einem zentralen und dezentralen System wählen. Ein dezentrales System funktioniert meist mit Elektro-Durchlauferhitzern oder kleinen Elektro-Warmwasserspeichern. Ein zentrales System nutzt die Wärmeerzeugung des ohnehin vorhandenen Heizungskessels, kann dank größerem Warmwasserspeicher einen besonders hohen Warmwasserkomfort bieten und dank des zentralen Wärmespeichers hervorragend mit Solarenergie kombiniert werden.

 

 

Über diesen Autor

Nico, 30, baut mit seiner Freundin in ein Häuschen mit Garten um. Ganz oben auf der Liste: eine neue Heizungsanlage. Die Frage der besten Art der Warmwasserbereitung ist dabei auch ein wichtiges Thema.

 

Fotos: rh2010 – stock.adobe.com; Jürgen Fälchle – stock.adobe.com

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