Video-Drohnen: Das eigene Nest aus der Vogelperspektive

Sinkende Temperaturen draußen sorgen drinnen für erhöhte Gemütlichkeit: Uns doch egal, wenn draußen der Sturm eiskalte Regentropfen waagerecht durch die Straßen peitscht – wir sorgen im Haus mit Kerzen für warmes Licht und legen die Füße hoch. Bis es dann passiert: „Hast du das auch gehört?“ Oh ja. Das unheilvolle Krachen kann nur eins bedeuten: Nachbars Kirschbaum hat’s umgehauen. Was ist kaputt gegangen? Sind nur ein paar Dachpfannen hinüber, hängt die Regenrinne am seidenen Faden oder hat es gleich den ganzen Schornstein mitgerissen? Aber um den Schaden zu begutachten und Fotos zu machen, braucht’s eine hohe Leiter und schwindelfreie Hausbewohner – oder eine Video-Drohne.

Kaputt oder nur Laubbefall? Eine Video-Drohne klärt auf. Vom Hauscheck bis zum Video-Exposé

Seit es Drohnen zu erschwinglichen Preisen gibt, kann sich jeder ganz ohne halsbrecherische Kletterpartie ein Bild vom eigenen Dachschaden machen. Aber die kleinen Flugobjekte sind nicht nur nützlich, wenn es um einen Gesundheitscheck an den eigenen vier Wänden geht: Auch, wer Wohnung, Haus oder Schloss vermieten oder verkaufen möchte, kann mit Unterstützung der wendigen kleinen Luftflitzer spektakuläre Bilder von oben machen und beim Selfie mit Haus fröhlich in die Kamera winken. So ein Wechsel in die Vogelperspektive zeigt nicht nur reizvoll die ganze Schönheit eines Anwesens, sondern sorgt auch für einen klaren Überblick über Gartenfläche und Grundstücksgrenzen. Ein attraktiver Pluspunkt für jedes Exposé – und vergrößert und gerahmt macht sich so ein Schnappschuss aus luftiger Höhe auch hübsch an der eigenen Wand.

Strikte Regulierungen

Bevor jedoch alle übermütig in die Luft gehen, ist ein kurzer Blick auf die Gesetzeslage Pflicht: Seit es Drohnen gibt, gibt’s natürlich auch die dazugehörige Drohnenverordnung, offiziell: „Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten“. Die besagt zunächst einmal: In bestimmten Zonen dürfen die Dinger erst gar nicht starten. Schlechte Chancen für alle, die neben Krankenhäusern, Bundesstraßen und Autobahnen, Bahnanlagen, Bundeswasserstraßen, aber auch Gefängnissen, Kraftwerken, Botschaften oder Polizeidienststellen wohnen: Hier müssen 100 Meter Abstand gehalten werden. Das gilt übrigens auch generell für Menschenansammlungen: Findet neben Ihrem Haus gerade ein Flashmob statt, wird’s mit der Drohnen-Fotosession leider nichts. Für internationale Flughäfen gilt sogar eine Verbotszone von 1,5 Kilometer Abstand. Die Liste ist damit noch nicht vollständig – Genaueres ist in der Luftverkehrs-Ordnung, §21, nachzulesen. Tipp: Per App lassen sich Verbotszonen ganz einfach feststellen.

Wer eine Drohne steuern will, die über zwei Kilogramm wiegt oder höher als 100 Meter steigt, der braucht darüber hinaus einen Führerschein. Für die gewerbliche Nutzung, also um z. B. Bilder für den Verkauf und nicht nur zum Privatvergnügen zu machen, ist auch dann zusätzlich immer noch eine Aufstiegserlaubnis notwendig. Und dann braucht das Kind auch noch einen Namen: Seit Oktober 2017 müssen Drohnen, die mehr als 250 Gramm wiegen, mit einer Plakette versehen werden, die eindeutig den Besitzer identifiziert. Aber bevor hier die Laune in den Sinkflug geht: Viele Einsteigermodelle, mit denen sich Fotos schießen lassen, bleiben deutlich unter der Gewichtsgrenze.

Egal, ob Mini-Drohne oder größeres Modell: Der Abschluss einer dazugehörigen Haftpflichtversicherung empfiehlt sich in jedem Fall. Denn wenn doch mal eine unvorhergesehene Notlandung auf Nachbars Wäschespinne stattfindet, übernimmt die normale Haftpflichtversicherung den Schaden leider meist nicht.

Privatsphäre beachten

Und dann ist da noch die Sache mit der Privatsphäre: Niemand will auf der eigenen Terrasse oder im Garten Besuch von Paparazzi aus der Luft bekommen, darum bitte das Einverständnis von allen einholen, die mit im Bild landen können – oder deren Grundstücke und Häuser mit abgelichtet werden. KFZ-Zeichen oder Namensschilder sowie Gesichter sollte man unkenntlich machen, sofern das fertige Video veröffentlicht wird. Wer Aufnahmen von größeren Wohnanlagen machen will und nicht alle Mieter persönlich anfragen kann, muss mindestens per Aushang früh genug informieren. Sonst kann es passieren, dass dem waghalsigen Piloten plötzlich die Polizei auf die Schulter tippt. Wem das alles zu unsicher ist, der kann für professionelle Fotos von oben natürlich auch einfach ein Unternehmen beauftragen und spart sich damit gleichzeitig die Nachbearbeitung und mühselige Suche nach den besten Aufnahmen.

Wer Lust auf eine Flugrunde hat, für den spricht höchstens noch der Anschaffungspreis dagegen, sich die eigenen vier Wände mal von oben anzusehen: Einfache Video-Drohnen gibt’s mittlerweile schon für unter 100 Euro, bessere Modelle mit guten Kameras kosten zwischen 800 und 1.500 Euro.

P.S.: Die Flugrunde hat’s gezeigt – am Ende war’s zum Glück nur ein dicker Ast vom Kirschbaum, der uns ein paar Dachpfannen gekostet hat. Der Dachdecker kam prompt und die Nachbarin lieferte zum Trost ein Glas Kirschmarmelade. Ob man der Drohne auch das Pflücken beibringen könnte…

Kurz und knapp

  • Drohnenverordnung regelt Flugbedingungen
  • Drohnen bis 2 kg dürfen bis 100 Meter Höhe fliegen
  • Ab 250 Gramm Gewicht müssen Drohnen eine Besitzer-Plakette haben
  • Die Kosten für bessere Drohnen liegen zwischen 800 und 1.500 Euro

Fotos: Aleksandr Simonov – stock.adobe.com; oxie99 – stock.adobe.com

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3 Kommentare

  1. Mit der Drohne wollten wir die Vermessung des Grundstückes ausführen. Die Aufnahme könnte mir bei der Planung helfen. Für die Infos zu den Drohnen danke!

  2. Ich danke Ihnen für den interessanten Artikel. Wenn man mit einer Drohne gut umgehen kann, kann das wirklich sehr praktisch sein.
    Mit besten Grüßen,
    Paul

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