Unsere neue Blogovela „Mitten im LandLeben“ – Teil I

Nach unserer Blogovela „The Tomato-Diaries“ gibt es jetzt endlich die Fortsetzung von MeinWohn-Bloggerin Tine: Es geht um das Familienleben zwischen Dorf-Alltag und Großstadt-Pendelei, neu gewonnene Freunde und natürlich wieder um die Liebe. Viel Spaß mit unserer neuen Blogovela „Mitten im LandLeben“.

Unverhofft kommt oft: Am Anfang war der Vorgarten

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem Schröder und ich uns zum ersten Mal trafen: Ich stand mit meinen alten, verdreckten Shorts vor unserem Haus und versuchte verzweifelt, mit Gartenhandschuhen und Unkrautstecher dem verwilderten Anblick des Vorgartens Herr zu werden. Allerdings sind meine Hilfsmittel eigentlich für Gärten gedacht, in denen sämtlicher Wildwuchs schon im Kleinstzustand ausgerupft und vernichtet wird. Bei uns wären eher Motorsense und Radlader vonnöten gewesen, um die meterhohen Gewächse zurückzuschneiden und zumindest kurzzeitig ein vorzeigbares Ergebnis zu erzielen.

Ursprünglich hatte ich die Idee, vor unserem Haus ein richtiges Wildblumenbeet zu kultivieren. Es sollte knallbunt sein, quasi den ganzen Sommer über blühen und nach dem Aussäen, der von mir ausgesuchten Blumen, möglichst  keine Arbeit mehr machen, da ja alles „verwildern“ sollte.

Diese Beete sind nicht nur optisch ein Highlight, sondern ziehen aufgrund der unterschiedlichen Pflanzen auch mittlerweile bedrohte Insektenarten an. Besonders Hummeln, Bienen und Schmetterlinge fühlen sich in der farbenprächtigen Umgebung sauwohl und so hatte ich die Hoffnung, meinen kleinen Anteil zur Artenvielfalt mit dem Projekt zu leisten. Leider hatte ich mit dem Vorgarten den komplett falschen Standort gewählt und zwar gleich aus zwei Gründen: 1. Die Nachbarn in unserem Dorf konnten sich mit dem Beet so überhaupt gar nicht anfreunden und 2. der Boden des Vorgartens hätte zu Beginn des Projekts einer genauen Begutachtung und Vorbereitung bedurft. Der erste Fehler wurde schon nach wenigen Wochen deutlich, als unsere (eigentlich) sehr nette Nachbarin fragte, ob wir denn im Vorgarten gar kein Unkraut mehr zupfen würden und was genau ich denn jetzt schon gepflanzt hätte und was ich noch einsetzen wolle, da ja auch die Aussamungen auf ihr Grundstück zu bedenken seien. Im ersten Moment hatte ich mir noch nichts weiter dabei gedacht, aber als mich nach und nach alle sechs Parteien aus unserer Straße angesprochen hatten und sich leider auch noch keine Blüte zeigte, bekam ich erste Zweifel an dem Projekt.

Und auch ein paar Wochen später war es nicht viel besser. Überall mittlerweile mannshohe Grüngewächse, die kein bisschen blühen wollten, aber weit und breit keines meiner ausgesäten Blümchen. Nur der Löwenzahn, den ich eigentlich ganz nett, aber nicht besonders außergewöhnlich fand, sprießte vor sich hin. Ein Gespräch mit meiner Freundin Lise hat mir dann die Augen geöffnet, dass das Wildblumenbeet in dieser Form keine Chance haben würde… Typisch Großstädterin! Lise ist hier geboren und hat nicht nur einen grünen Daumen, sondern liebt unsere kleine Idylle so sehr, dass sie nach wenigen Jahren – für Studium und Berufseinstieg in Lüneburg – nun wieder zurück in unserem Dorf ist. Als sie dann hörte, dass ich vor dem Anlegen des Beetes weder die Bodenbeschaffenheit berücksichtigt – Wildblumenbeete brauchen kalkhaltige, magere Böden – noch das komplette Unkraut entfernt hatte, was sonst die zarten Samen oder auch vorgezogene Jungpflanzen verdrängt, lachte Lise mich aus und bot an, dass wir das Projekt noch mal ganz neu und mit ihrer tatkräftigen Unterstützung angehen sollten. Dankbar für ihre Unterstützung und im Hinblick auf die unzufriedenen Nachbarn machte ich mich also an diesem Samstagvormittag dran und versuchte, den Wildwuchs in einen halbwegs unkomplizierten Vorgarten zurückzuverwandeln.

Während ich also rupfend und ausreißend im Vorgarten stand, sah ich ihn das erste Mal: „Schröder“! Direkt vor unserem Zaun blieb er stehen und strahlte mich mit seinen treuen Augen an. Interessiert guckte er, was ich da so trieb. Ich unterbrach mein Tun kurzerhand, um den braunhaarigen Schönling mit dem unglaublich muskulösen Körper näher zu betrachten. Während ich noch umständlich meine Gartenhandschuhe auszog, hörte ich einen lauten Pfiff. Und schwupps: Schon lief der wunderschöne Labrador umgehend in die Richtung, aus der er gekommen war und ward nicht mehr gesehen.

Da ich die Gartenhandschuhe jetzt schon mal aus hatte, ging ich ins Haus, um mir eine kleine Pause und einen Kaffee zu genehmigen. Und siehe da, Glück gehabt: Die Kids und das Herzblatt waren gerade fertig mit ihren Bastelarbeiten und konnten direkt als Hilfe wieder mit raus kommen. Keine zehn Minuten später kam der Labrador wieder an unserem Zaun an und freute sich offensichtlich noch mehr darüber, dass ich diesmal nicht allein war. Das Herzblatt ist sofort hingeeilt, um näher zu ergründen, wem das schöne Tier wohl gehören möge, da ihm klar war, dass der Hund definitiv nicht aus unserem Dorf stammen kann (nach fünf Jahren kennt man nicht nur alle Menschen, sondern auch alle Hunde in einer 500-Seelen-Gemeinde). Als das Herzblatt gerade über den Zaun stieg, um dem freudig mit dem Schwanz wedelndem Hund noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken, ertönte wieder der laute Pfiff und das Tier machte sofort kehrt. Sehr wohlerzogen! Keine zehn Sekunden später – das Herzblatt stellte gerade fest, dass er kurz nach seinem 40. Geburtstag nicht mehr so ganz locker-flockig über unseren Zaun springen konnte wie noch sechs Jahre zuvor – kam der Hund samt Besitzer im Schlepptau zurück. Mittlerweile ganz Dörfler grüßten wir den Fremden mit einem norddeutsch herben „Moin“ und waren gespannt, ob sich mit dem offensichtlichen Städter – trendige Klamotten und coole Sneaker, sogar beim Hundespaziergang – ein Gespräch entwickeln würde. Und tatsächlich, nach nicht mal zehn Minuten beendeten wir das Projekt „Vorgarten“ für diesen Tag komplett und gingen mit den Kids, Schröder und seinem sympathischen Besitzer in unseren Garten hinter dem Haus. Jan, unser zukünftiger Nachbar hatte gerade den großen, leerstehenden Hof in der Dorfmitte gekauft. Seit einigen Jahren lag das alte Backstein-Ensemble im Dornröschenschlaf und wartete darauf, dass sich endlich jemand seiner annahm. Und genau das hatte Jan vor: Der ambitionierte Tierarzt hatte gerade seine Scheidung hinter sich und wollte jetzt raus aus der Stadt. „Ich möchte jetzt Vieles in meinem Leben ganz neu starten“, erzählte er uns. Da er seine beide Söhne aber im Wechselmodell jede zweite komplette Woche bei sich hatte, sollten die Jungs weiterhin auf ihre alte Schule in Hamburg gehen können. Daher war unser Dorf mit der direkten Busverbindung optimal. Jan wollte nach den vielen Jahren in der Stadt endlich wieder näher an seinen Patienten und deren Besitzern sein. Sein Traum: ein uriges Wohnhaus mit allem modernen Komfort und direkt angrenzend eine Praxis. Und genau diesen Traum erfüllte er sich jetzt mit dem alten Hof bei uns im Dorf.

Das Ganze ist jetzt über ein Jahr her und inzwischen habe ich mit Lises Unterstützung tatsächlich ein ganz tolles Wildblumenbeet angelegt, das genauso geworden ist, wie ich es mir gewünscht hab: bunt, abwechslungsreich und summend vor lauter Insekten, die sich angesiedelt haben. Außerdem ist im Vorgarten mittlerweile eine Wiese, die zwar keine ungewöhnlichen Pflanzen ziert, aber auf der Löwenzahn, Klee und Gänseblümchen sich frei entfalten können. Vor dem Holzzaun zum Gehweg und zum Nachbargrundstück haben wir ein Öko-Vlies ausgelegt und mit Feldsteinen belegt, so dass auch die Nachbarn von unserem „Wildwuchs“ verschont bleiben. So sind alle glücklich und ich habe als Eyecatcher noch eine alte Holzbank neben dem Eingang platziert. Wie ich diese gefunden und aufgearbeitet hab und wie es unserem Nachbarn Jan mit seinem Großprojekt „Resthof sanieren“ geht, lest ihr in der nächsten Folge unserer neuen Blogovela „Mitten im LandLeben“.

Über diesen Autor

Tine, 37, lebt mit ihrem Herzblatt und zwei Kindern auf dem Land! In unregelmäßigen Abständen schreibt sie die Blogovela `Mitten im LandLeben´

Fotos: Udo Kruse – stock.adobe.com; Sabine Dietrich – stock.adobe.com; Marc Scharping – stock.adobe.com

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1 Kommentar

  1. Da musste ich sowas von herzlich lachen beim Lesen. Heißt doch unser Hund Schröder, mein Herzblatt ist mein Herzilein und wir haben gerade eine Reetdachkate vor den Toren Hamburgs auf dem Land gekauft. Im Garten schneide ich gerade wie wild herum, worüber sich sicherlich die neuen Nachbarn ( die meisten aus dem Garten-und Landschaftsbau ) sehr wundern. Wird wahrscheinlich alles eingehen, aber im November darf man doch nicht mehr schneiden, hab ich irgendwo gelesen. Nun erwecken wir dieses in den Dornröschenschlaf gefallene Anwesen mit zusammen 6 Kindern, (gemeinsam haben wir keine) und zwei Hunden, die da wären: Wilma die 12 jährige sehr senile gelbe Labradordame und der riesengroße, mit einem Schaf zu verwechselnde braune Pudelmischling Namens Schröder. Wir freuen uns auf das Landleben, doch nun werden erst einmal die Ärmel hochgekrempelt und das Haus und die Scheune renoviert. Liebe Grüße Sany

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