Umbau für jeden: So wird das Badezimmer barrierefrei

EIne jüngere Frau hilft einer älteren im Rollstuhl

Barrierefreies Bauen hat nicht nur für alte oder Menschen mit Behinderungen Vorteile. Es macht das Leben im eigenen Zuhause komfortabler und wird unter bestimmten Bedingungen sogar von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert. Bloggerin Tine hat sich mit den Voraussetzungen auseinandergesetzt, die Waschbecken, Toilette und Dusche erfüllen müssen, damit das Badezimmer als barrierefrei gilt.

Der Grund, warum ich mich in letzter Zeit ausgiebig mit dem Thema beschäftigt habe, ist der Umbau des Badezimmers meiner Schwiegereltern. Sie haben sich entschieden, vorausschauend auf Barrierefreiheit im höheren Alter zu setzen und ihr Haus, insbesondere ihr Badezimmer barrierefrei zu gestalten. So ein Umbau vermeidet im Allgemeinen nicht nur das Unfallrisiko im Eigenheim, sondern macht das Wohnen für jeden komfortabler – egal, ob man uneingeschränkt oder mit Behinderung lebt. Da es aber in der Regel eine teure Angelegenheit ist, Bäder zu renovieren, können Haushalte für barrierefreies Bauen bzw. Umbauen finanzielle Unterstützung erhalten. Denn jeder könnte eines Tages auf Barrierefreiheit angewiesen sein. Die KfW Bank bietet daher den Kredit 159 (bis zu 50.000 Euro) für altersgerechtes Umbauen und den Investitionszuschuss 455-B (bis zu 6.250 Euro) zur Reduzierung von Barrieren an. Ich habe mich hierfür mal mit den Anforderungen auseinandergesetzt. So können wir meinen Schwiegereltern im Seniorenalter bei den Umbaumaßnahmen zum Abbau von Barrieren unter die Arme greifen.

Was bedeutet eigentlich „barrierefrei“?

Barrierefreies Wohnen setzt voraus, dass Räumlichkeiten in der „allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind“ (§4, BGG). Es gibt zwei DIN-Standards, die den Mindeststandard für „barrierefrei nutzbar“ und den R-Standard für „barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar“ festlegen. Diese sind unter DIN 18040-2 aufgeführt und bieten Nutzungserleichterungen für Menschen mit motorischen Einschränkungen, Seh- oder Hörbehinderung, bereits ältere oder jüngere und kleinwüchsige oder großwüchsige – kurzum: für so gut wie jeden.

Barrierefreies Badezimmer
Ein barrierefreies Bad benötigt vor allem viel Platz und unterstützende Haltegriffe

Welche Kriterien muss ein barrierefreies Badezimmer in privaten Wohnräumen erfüllen?

Grundsätzlich gilt, dass Bauteile, Bedien- und Ausstattungselemente keine scharfen Kanten aufweisen. Denn gerade im Bad könnten meine Schwiegereltern ausrutschen und sich an diesen verletzen. Außerdem wollen wir darauf achten, dass sämtliche Griffe und Lichtschalter in Greif- und Bedienhöhe für Rollstuhlfahrer sind, falls einer der beiden mal auf einen Rollstuhl angewiesen sein wird. Damit es auch mit nachlassender Sehkraft keine Probleme bei der Nutzung des barrierefreien Bades gibt, müssen sich die Ausstattungselemente optisch von der Umgebung – also von Wänden und dem Boden – deutlich abheben.

Türen, Wände und Bewegungsfläche

Bei der Badezimmertür ist es wichtig, dass sie breit genug ist, damit problemlos ein Rollstuhl hindurch kann. Wir haben uns für eine Drehangeltür entschieden, die man sowohl nach außen und innen öffnen und entriegeln kann. Die Ganzglastüren im Duschbereich werden wir mit roten Markierungen versehen, um sie deutlich sichtbar zu machen. Denn selbst Menschen mit perfekter Sehkraft sind schon gegen Glastüren und Fenster geprallt. Dieses Risiko wollen wir mit den Markierungen verhindern.

Eines der wichtigsten Kriterien von barrierefreien Bädern ist eine ausreichende Bewegungsfläche, die für Rollstuhlnutzer in der Regel 1,50 x 1,50 Meter betragen sollte. Diese wird leider in den wenigsten herkömmlichen Badezimmern geboten. Oft werden WC, Waschbecken und Dusche auf kleinstmöglichem Raum untergebracht. Das ist nicht nur alles andere als barrierelos, sondern auch für jeden Nutzer bzw. jede Nutzerin mit oder ohne Handicap ziemlich unkomfortabel.

WC

Natürlich gibt es auch bei der Toilette viele Kriterien, die wir beachten müssen, damit das Badezimmer barrierefrei wird. Neben einer speziellen Rückenstütze werden beidseitige, hochklappbare Stützklappgriffe benötigt. Die WC-Spülung muss mit der Hand oder dem Arm bedienbar sein und sich im Greifbereich des Sitzenden – ohne Veränderung der Sitzposition – befinden. Auch der Toilettenpapierhalter muss ohne Veränderung der Sitzposition erreichbar sein.

Armaturen und Waschbecken

Was wir bei dem Umbau des Bades besonders beachten müssen, ist die Unterfahrbarkeit des Waschtischs. Nur so gibt es auch mit dem Rollstuhl keine Probleme, an das Waschbecken zu kommen. Für mehr Komfort werden wir Einhebelarmaturen mit schwenkbarem Auslauf und verlängertem Hebel installieren. Direkt über dem Waschtisch wird sich – wie in herkömmlichen Bädern auch – ein Spiegel befinden, während daneben spezielle Handtuchhalter gleichzeitig als Stütz- und Haltegriffe dienen.

Dusche und/oder Badewanne

Eine herkömmliche Dusche oder Badewanne kommt nicht in Frage, wenn das Badezimmer barrierefrei sein soll. Der Duschbereich muss einen stufenlosen Zugang gewähren und genügend Platz bieten. In einer barrierefreien Dusche ist es notwendig, dass der Boden rutschhemmend und die Neigung zum Abfluss nicht allzu stark ist. Auf Wunsch meiner Schwiegermutter werden wir einen Dusch-Klappsitz an der Wand anbringen. Daher müssen wir auch darauf achten, dass der Hebel der Einhebel-Duscharmatur aus der Sitzposition erreichbar ist. Auf eine Badewanne werden wir in dem barrierefreien Bad verzichten. Allerdings sind manche Menschen mit Handicap auf das Baden für therapeutische Zwecke angewiesen. Diese sollten über die Anbringung eines Lifters zum Einstieg oder eine Badewanne mit Tür nachdenken.

Kurz & knapp:
Die Checkliste der „Aktion Barrierefreies Bad“ unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie:
https://www.aktion-barrierefreies-bad.de/checkliste-barrierefreie-baeder/
Kredit und/oder Zuschuss bei der KfW Bank beantragen:
https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilien/Barrierereduzierung/
Die DIN-Norm für barrierefreies Bauen in privaten Wohnräumen:
https://www.din.de/de/mitwirken/normenausschuesse/nabau/veroeffentlichungen/wdc-beuth:din21:142706210

Über diesen Autor

Tine, 40, lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern auf dem Land – gar nicht weit entfernt vom Haus ihrer Schwiegereltern, die dabei sind, ein barrierefreies Bad zu bauen.

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