Sound Masking: Wie Geräusche in den eigenen vier Wänden für Ruhe sorgen sollen

Die Geräuschkulisse ist ein oft unterschätztes Element – egal ob bei der täglichen Fahrt zur Arbeit in der überfüllten Bahn oder wenn es um eine angenehme Wohnsituation geht. Leider können wir dabei nicht immer auf alle Faktoren einwirken. Sound Masking verspricht zwar nicht die Lösung aller Lärmprobleme, aber zumindest eine Linderung. 

Lärm nervt. Besonders, wenn er uns in unserem Zuhause trifft. Lebensqualität und Wohlbefinden gehen verloren, wenn eine permanente Geräuschkulisse, wie sie von der Straße vor dem Haus, dem angrenzenden Flughafen oder den Nachbarn ausgehen können, in unsere vier Wände dringen. Abhilfe verspricht eine Technologie, die unter der Überschrift „Sound Masking“ heutzutage schon in vielen Großraumbüros zum Einsatz kommt. In den vergangenen Jahren kamen zusätzlich erste Sound Masking-Systeme für den Heimgebrauch auf den Markt. Wir haben sie uns genauer angesehen.

Was ist Sound Masking?

Beim Sound Masking werden als störend empfundene Geräusche mit anderen Geräuschen überlagert, die als neutral empfunden werden. Dabei können sowohl natürliche Sounds – wie Vogelgezwitscher oder Meeresrauschen – zum Einsatz kommen als auch künstlich klingende Geräusche wie das leichte Surren eines Ventilators. Sound Masking, auf Deutsch „Schallmaskierung“, macht sich eine biologische Besonderheit des menschlichen Gehörs zunutze. Sie liegt darin, dass das Innenohr manche Frequenzen besser wahrnehmen kann als andere. Erreichen diese Frequenzen das Ohr, so entsteht ein sogenannter Maskierungseffekt, weil sich in unserer Wahrnehmung diese Frequenzen wie eine Maske über andere, als störend wahrgenommene Geräusche legen.

Für Sound Masking gibt es in unserer Welt mit hoher Geräuschkulisse schlagkräftige Argumente

In der Praxis arbeiten Sound Masking-Systeme mit einem Schallspektrum, das unterhalb einer als störend empfundenen Grenze bleibt. Es wird auch als weißes Rauschen („white noise“) bezeichnet. Dabei sollte Sound Masking nicht mit einer anderen aktiven Lärmschutztechnik verwechselt werden, die zum Beispiel in Headsets zum Einsatz kommt: dem Noise-Cancelling. Beim Noise-Cancelling werden Außengeräusche dadurch abgeblockt, dass ein Gegenschall erzeugt wird, der störende Signale gewissermaßen wie ein Schwamm aufnimmt, bevor sie das Ohr erreichen. So gut dieses „Antischall-Prinzip“ auch funktioniert, hat es in der Praxis doch den Nachteil, dass es technisch recht aufwendig umzusetzen ist und sich nur für abgegrenzte Umgebungen eignet, wie einen Kopfhörer. Diese Systeme sind damit besonders gut für unterwegs geeignet und können so beispielsweise Gespräche anderer Leute in Bussen und Bahnen unterdrücken.

Sound Masking-Systeme lassen sich hingegen auch in – akustisch gesehen – schwierigeren Räumen einsetzen: zum Beispiel an Arbeitsplätzen oder im Wartebereich von Arztpraxen. Dort erzeugen sie ein vom Gehirn möglichst nicht als störend wahrgenommenes Hintergrundrauschen, das sich über den geschäftigen Lärm des Arbeitsbetriebes, besonders menschliche Stimmen legt und auf diese Weise den Eindruck größerer Ruhe vermittelt. Während komplexe Sound Masking-Systeme in vielen Großraumbüros heutzutage längst zum Alltag gehören, bieten sie im Wohnbereich jedoch noch viel ungenutztes Potenzial.

Sound Masking in den eigenen vier Wänden

Einen guten Eindruck des Effekts von Sound Masking im Alltag geben Smartphone-Apps, die – oft unter dem Titel „weißes Rauschen“ – diverse Hintergrundgeräusche produzieren. Sie fallen in ihrer Wirkungsweise allerdings weit hinter die ausgefeilten Bürosysteme zurück. Etwas weiter auf den Wohnbereich zugeschnitten sind White-Noise-Geräte, die als Einschlafhilfen mit Timer für den Nachttisch oder zum Entspannen im Sessel konstruiert sind. Bei ihnen können gestresste Menschen zwischen zahlreichen Soundkulissen wählen – vom klassischen Meeres- und Regenrauschen über Vogelgezwitscher bis zu knisternden Lagerfeuern. Mit denen soll entspannte Ruhe in den Wohnbereich einziehen. In den USA kommen diese „White Noise Machines“ bereits seit einigen Jahren in vielen Haushalten zum Einsatz, in deutschen Onlineshops gibt es hingegen oftmals noch nicht einmal eine einheitliche Produktkategorie, unter der sie zu finden sind.

Um so mehr Aufmerksamkeit wurde der Firma Bose zuteil, als sie im vergangenen Jahr ihre „Noise-Masking Sleepbuds“ in Deutschland auf den Markt brachte. Sie sehen aus wie kabellose In-Ear-Kopfhörer, können jedoch „weder zum Streamen von Musik noch zur aktiven Lärmreduzierung verwendet“ werden, wie das Unternehmen auf seiner Webseite warnend schreibt. Die Sleepbuds sind, der Name sagt es schon, In-Ear-Stöpsel, die ihre Träger ohne störende Geräusche durch die Nacht begleiten, auf Zugfahrten oder im öffentlichen Nahverkehr entspannen oder während des kleinen Nickerchens zwischendurch abschalten lassen und mit einem sanften Ton in den Tag zurückholen. Dazu spielen sie nur ein Set festgelegter Sounds ab, die vom Hersteller auf das Gerät übertragen wurden. Gesteuert werden sie über eine App, in der zwischen den Sound Masking-Tönen wie Lagerfeuer, Windrascheln, Höhenflug oder Meereswogen gewählt werden kann.

 

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You can’t wrap a good night’s sleep. So we made these. #sleepbuds

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Wie gut Sound-Masking tatsächlich funktioniert, hängt letztlich von der individuellen Wahrnehmung ab. Manche Menschen empfinden die eher monotonen Sounds als perfekte Geräuschkulisse um abzuschalten. Bei anderen erreichen die Rauschschnipsel das Gegenteil: Sie werden selbst zum Folterinstrument, das die Herzfrequenz nach oben treibt und den Blutdruck zum Rasen bringt. Oft hilft es allerdings länger nach dem richtigen Sound zu suchen, der dem eigenen Empfinden am besten entgegenkommt. Außerdem sollte immer daran gedacht werden, dass die Lautstärke der Geräusche so gering wie nötig sein sollte. Sound Masking-Experten haben darüber hinaus festgestellt, dass ein entscheidendes Kriterium für die positive oder negative Wirkung des weißen Rauschens die Frage seiner Struktur ist: Langfristig entspannend wirken demnach Geräusche, die möglichst „unstrukturiert“ sind. Es darf also nicht der Eindruck entstehen, dass sich etwa der beruhigend prasselnde Regen wie in einer Soundschleife oder auf einer Schallplattenseite alle paar Minuten genau gleich wiederholt. Denn dann wird er von unseren Sinnen schnell als störend empfunden.

Sound Masking mit Style

So unbekannt Sound Masking-Systeme bei uns noch sind, stammt eines der abgefahrensten Anwendungsbeispiele für den Heimgebrauch dennoch von einer kleinen Firma aus Köln: Der sonic chair. Wenngleich sich dieser futuristisch anmutende Stuhl auch für entspannendes Sound Masking einsetzen lässt, so steht im Mittelpunkt dieses zukunftsweisenden Konzeptes nicht so sehr die Lärmabwehr, als vielmehr das perfekte Multimedia-Erlebnis. Es vereint HiFi-Anlage, Lautsprecher und Hörplatz in einem stylischen Möbelstück. Dabei überträgt der sonic chair nicht nur Klänge, sondern macht die Akustik durch seinen speziellen Aufbau mit Hilfe von Körperschallmembranen auch physisch erlebbar: Basedrum des Rockschlagzeugs oder der Paukenwirbel in einem klassischen Konzert werden über Schallwandler im Klangchassis des Soundsessels auf direktem Weg an den Körper des Hörers weitergeleitet. Das führt nicht nur zu einem besonderen Sounderlebnis. Die tiefen Frequenzen können auch viel leiser sein, ohne an Wirkung zu verlieren. Der sonic chair wird so zur akustischen Insel im Wohnzimmer: Trotz angenehmer Lautstärke im Innern des Stuhls, bleibt die Umgebung von der Musik weitgehend ungestört – und umgekehrt.

Kurz & knapp:

Sound Masking ist eine interessante Technik zur Reduzierung der Lärmbelästigung. Sie funktioniert, indem einer als störend empfundenen Geräuschkulisse ein sogenanntes weißes Rauschen hinzugefügt wird, durch das die Geräuschkulisse in der Wahrnehmung in den Hintergrund tritt. Ursprünglich für Büros entwickelt, kommt diese Technik zunehmend im privaten Bereich zum Einsatz.

Fotos: kvdkz – stock.adobe.com; Africa Studio  – stock.adobe.com

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