So wurde unser Wohnzimmer zur „Echo-Kammer“

Die Zeit rennt – und mit ihr bricht die technologische Weiterentwicklung alle Sprint-Rekorde. Wer den Anschluss nicht verlieren will, muss am Ball bleiben. Eine gute Portion Neugier und Aufgeschlossenheit sollte man dafür schon mitbringen – und die hat unsere Freundin Mellie. Sie lebt mit Ehemann und Katze in einer Kleinstadt in Schleswig-Holstein und hat sich vor Kurzem Amazons Echo angeschafft. Was sie bislang mit dem digitalen Assistenten erlebt hat, erzählt sie uns.

„Viele von uns sind ja schon im Besitz von etlichen mehr oder weniger smarten Alltags-Helferlein, ob es Zeitschaltuhren für die Beleuchtung oder die Heizungsanlage sind oder schlaue Lampen. Das Problem: Für alles gibt’s separate Systeme – alle autonom, auch bei der Steuerung. Also liegen jede Menge Fernbedienungen rum, die Mehrfachsteckdosen sind übervoll, auf dem Smartphone drängeln sich die Apps um einen Platz auf dem Home Screen. Kurzum: Da kann man schon mal den Überblick verlieren.

Was für Echo sprach

Deshalb war uns klar: Wir brauchen ein Gerät, das uns dabei hilft, Ordnung ins Chaos zu bringen – und das am besten mit Sprachsteuerung. Schnell hatten wir uns für Amazons Echo entschieden und zwar für die kleinere Variante, denn einen guten Lautsprecher haben wir schon. Und der lässt sich problemlos mit Echo verbinden.

So kam es, dass wir – Sparfüchse, die wir sind – an einem Amazon-Rabatt-Tag den Echo Dot bestellt haben.

Bereits am nächsten Tag zog er bei uns ein. Mitten in unserem kombinierten Wohn-/Ess-/Küchenbereich fand er seinen Platz. Anfangs hörte er noch auf den Namen Alexa – blöd nur, wenn man wie wir Freunde hat, die so oder ähnlich heißen. Gut, dass man das anpassen kann – in Echo oder Computer. Andere Optionen gibt es nicht. Aber okay – wer sonst heißt Echo?

Ein neuer Name für den neuen Mitbewohner

Jetzt reagiert der neue Mitbewohner also auf Echo – antwortet aber mit der bekannten weiblichen Alexa-Stimme. Man gewöhnt sich schnell daran, mit einem kreisrunden Gerät zu sprechen, das im Durchmesser keine neun Zentimeter misst und gerade Mal 163 Gramm auf die Waage bringt – „Echo, wie wird das Wetter?“. Den kleinen schwarzen Zylinder mit „Computer“ anzusprechen, das fühlte sich für uns zu sehr nach „Raumschiff Enterprise“ an.

Erste Erfahrungen: Cool – ersetzt das Radio. Immer super Empfang. Alle Sender, die man sich vorstellen kann, per Sprachkommando aufzurufen und abspielen zu lassen, faszinierte uns bestimmt eine ganze Stunde lang. Danach befassten wir uns mit den üblichen Spielchen, die wir ja schon von der ersten Begegnung mit dem Sprachassistenten beim Smartphone kannten („Echo, was ist der Sinn des Lebens?“; „Echo, du bist doof.“...). Lustig! Für eine Weile. Aber auch lehrreich. Schnell haben wir gelernt: Man sollte Hochdeutsch sprechen.

Anders als mein Vater, der aus Hessen kommt und seine Herkunft sprachlich nicht verbergen kann. Für Echo jedenfalls blieb sein Gebabbel völlig unverständlich. Bei meinem Mann und mir dachte ich ja, dass wir sauberes Hochdeutsch sprechen. Aber Alexa – äh Echo – liest auch zwischen den Zeilen und mag es nicht, wenn man Silben „vernuschelt“, was die Norddeutschen gern tun. Sie/er/es (wie auch immer) reagiert entsprechend kühl und distanziert mit:

„Entschuldigung, das habe ich leider nicht verstanden.“

Vom genervten Unterton bei der dritten Wiederholung eines Sprachbefehls lässt sich Echo so gar nicht beeindrucken, sondern wird kreativ bei der Interpretation des Gesagten.

Echo lernen lassen – noch geht das kostenlos

Aber Echo ist ja noch erweiterbar. Über den „Skill Shop“ lassen sich Sprachen und Slangs hinzufügen, dazu etliche Add-ons, Features, kleine Spiele und Verknüpfungen (sogenannte „Skills“). Das geht über den Browser, per App oder per Sprachbefehl. Mittlerweile gibt es über 15.000 dieser mal mehr, mal weniger sinnvollen Erweiterungen (Verbindung mit „Chefkoch“, „Notapothekensuche“, „Stadt, Land, Fluss“, „Löwengebrüll“, diverse Nachrichten-Flash-Briefings und viele mehr). Noch sind diese Skills in Deutschland kostenlos – ob wohl der Name der Plattform auf die zukünftige Geschäftsstrategie schließen lässt? Ja: In den USA kosten die ersten „Skills“  – ähnlich wie Apps fürs Tablet oder Smartphone – inzwischen Geld.

Wir haben unseren Echo jedenfalls schon mal mit ein paar zusätzlichen Skills versehen, die unser Zuhause noch smarter machen:

Connecten mit dem Beleuchtungssystem Hue

Licht an, Licht aus, Licht rot, grün, blau, hell, gedimmt – all das können wir jetzt per Sprachsteuerung bestimmen. Sehr praktisch, wenn man die Hände voll hat. Trotzdem behalten wir die normalen Schalter, sie sind eine sinnvolle Ergänzung, wenn Echo uns mal gar nicht versteht. Doof bloß, wenn man das Licht „manuell“ ausgeschaltet hat – analog via festinstalliertem Lichtschalter – dann hilft auch die Sprachsteuerung nichts.

Connecten mit Spotify

Eigene Playlists ansteuern, nach Künstlern oder Songs suchen, abspielen – klappt meistens, auch wenn Echo nicht alle Namen, die wir hinterlegt haben, versteht. Apropos Playlist: Gut dass wir nicht in einer Wohnung leben, sondern in einem Haus. So bleibt uns das Schicksal eines jungen Mannes aus Pinneberg erspart, dessen Nachbarn wegen Ruhestörung die Polizei riefen – Echo hatte beschlossen, eine Party zu feiern, während der Hausherr unterwegs war, und die Musik bis zum Anschlag aufgedreht.

 

 

 

Wenn man mal angefangen hat, ist der nächste Schritt nicht weit.

Wie war das: Wer A sagt, muss auch B sagen? Wir planen jetzt, auch die Heizungsthermostate auf „smart“ umzurüsten. Thermostate, die sich an Echo anbinden lassen, gibt’s natürlich praktischerweise online zu bestellen – was wir jetzt auch per Sprachsteuerung erledigen können, also ohne Laptop, Tablet oder Handy. Irgendwie magisch.

Demnächst regeln wir also auch unsere Heizung über Smart-Connection ganz individuell. Entweder per Sprachbefehl mit Echo zu Hause oder remote über die App. Das ist perfekt für uns, weil total flexibel – und soll am Ende die Heizkosten stark reduzieren, durch automatische An-/Abwesenheitserkennung, Integrierung der Wettervorhersage sowie Einbezug der Gebäudeeigenschaften, Einzelraumsteuerung und Regelalgorithmen. Wir sind gespannt – und werden berichten.

Es geht natürlich noch viel mehr: Die Steuerung und Automatisierung des Fernsehers, der Jalousien etc. Ab kommendem Jahr gibt’s ja auch das „Smart Lock“ – also das schlaue Haustürschloss, das Paketboten zur Auslieferung die Tür öffnet, wenn keiner zu Hause ist. Ich frage mich, ob das wirklich so smart ist. Mal ehrlich, wer möchte schon, dass in seiner Abwesenheit wildfremde Menschen Zutritt zur sonst so heiligen Wohnung erhalten. Das geht dann doch einen Schritt zu weit… Oder?

Fazit

Man gewöhnt sich recht schnell an den neuen Mitbewohner namens Echo (oder Alexa, oder Computer), der hin und wieder auch mal von sich aus das Wort ergreift. Kurzzeitig dachten wir, es spukt bei uns, als wir das erste Mal beim Abendessen von einer Frauenstimme aufgeschreckt wurden, die ohne jeden Zusammenhang sagte:

„Ich kann die Playlist Spezialkeks auf Spotify nicht finden.“

Wir schauen nicht mehr in die Wetter-App, sondern fragen nach dem Wetter, schalten Lichter und das Radio an, stellen mehr oder weniger schlaue Fragen, auf die Echo mehr oder weniger schlaue Antworten gibt.

Die Anschaffungskosten sind derzeit überschaubar (die kleinste Variante, den Echo Dot gibt’s für 59,99 Euro) – im Gegenzug gibt’s bei der Usability aber auch noch Luft nach oben.

So richtig clever ist der smarte Echo noch nicht. Solange man sich einigermaßen an den programmierten Eingabebefehlen orientiert, funktioniert die Sprachsteuerung ganz gut, Freestyle ist aber nicht. Kurzum – Echo lernt nicht, uns zu verstehen, sondern wir lernen, Echo zu steuern.“

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