So geht Energiewende zu Hause

Die Energiewende ist ein Generationenprojekt. Und beginnt in den eigenen vier Wänden: durch reduzierten Energieverbrauch und im Idealfall die Einbindung von erneuerbaren Energien. Aber wie kann die heimische Energiewende gelingen – mit welcher Technologie wird sie auch umsetzbar? Ein Haus im hessischen Wolfhagen macht es vor: mit einer Hybridheizung, die smart und hocheffizient verschiedene Energien und Systeme verbindet.

Preis, Lage, Quadratmeter – das sind nicht die einzigen Faktoren, die ihr beim Kauf eines Eigenheims oder der Wahl einer Mietwohnung im Kopf haben solltet. Denn langfristig spielen auch die Energiekosten eine sehr wichtige Rolle. Genauso wie die Frage, woher die Energie für elektrische Geräte und die Wärmeversorgung kommt – Stichwort Energiewende.

Sparen ohne Bibbern

Dieser Bewusstseinswandel ist längst bei den Verbrauchern angekommen, wie eine repräsentative Umfrage des Energie- und IT-Unternehmens Lichtblick zeigt: Für 52 Prozent der Teilnehmer ist die Energiebilanz beim Kauf eines Hauses oder einer Wohnung sogar am wichtigsten. 54 Prozent sehen zudem eine effiziente Heizungsanlage als entscheidenden Faktor an.

Und das ist auch gut so. Je mehr Menschen sich Gedanken über ihren Energieverbrauch machen, desto besser gelingt die Energiewende. Und bei der geht es nicht nur um Solar- und Windparks, Biogasanlagen und Bioraffinerien, sondern auch um den heimischen Heizungskeller. Ideal für Kontostand und Umwelt ist effizientes Heizen (Gute Energiespartipps findet ihr hier). Zugleich sollte die Wärmeversorgung natürlich unter allen Wetterbedingungen gesichert sein, damit wir an kalten Tagen nicht bibbern müssen.

Grauer Himmel? Ist der Hybridheizung egal!

Also: Effizient, zuverlässig und klimaschonend heizen – aber geht das in einem älteren Haus überhaupt? Klar, das funktioniert ganz smart, bestes Beispiel ist das Innovationshaus in Wolfhagen. Es ist mit hochmoderner Gebäude- und Heiztechnik ausgerüstet, auf dem Dach sind Photovoltaikzellen angebracht. Das Wichtigste aber: Strom- und Wärmeversorgung sind intelligent als Hybridheizung verbunden. Diese besteht aus einer elektrisch betriebenen Wärmepumpe und einem Öl-Brennwertgerät.

Scheint die Sonne, erhitzt die strombetriebene Wärmepumpe das Heizwasser und sorgt für Wärme. Ist es draußen finster und die Sonnenenergie aufgebraucht, springt das Brennwertgerät ein und greift auf den Tank zu. Hier lagert mittlerweile ein neuer klimaschonender, flüssiger Brennstoff, der ebenfalls aus erneuerbarer Energie produziert wurde. So ist es drinnen immer angenehm warm – egal, wie lange sich die Sonne versteckt.

Und das ist noch nicht alles. Unterstützung gibt’s zusätzlich vom Ökostrom aus dem öffentlichen Netz. Die kleine, nordhessische Stadt Wolfshagen wird das ganze Jahr über mit erneuerbarem Strom aus einem örtlichen Solar- und Windpark versorgt. Ein Haken dabei: Wie viel Energie produziert wird, hängt vom Wetter ab. Bei besonders sonnigem und windigem Wetter gibt es also ein Überangebot an Ökostrom.

Zukunftsmusik war gestern

Dieser überschüssige Strom wird im Innovationhaus automatisch durch eine spezielle Energiemanagement-Software zusätzlich zur PV-Anlage für die elektrische Wärmepumpe genutzt. Zu besonders günstigen Tarifen, die variabel dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage angepasst werden. Und sollte noch mehr Ökostrom übrig sein, wird dieser für den Haushalt genutzt oder sogar die große Hausbatterie damit aufgeladen. Als Stromreserve, wenn Sonne und Wind nicht genügend Power erzeugen können.

Ihr seht: Eine umweltgerechte und zuverlässige Energieversorgung ist keine reine Zukunftsmusik mehr. Ein hybrid beheiztes Zuhause ist effizient, nachhaltig und spart Energie. Die Verbrauchskosten für Strom und Brennstoff sinken, wenn die Sonne scheint, der Wind weht und damit genügend Heizenergie zum Null- oder Vorzugstarif vorhanden ist. Zugleich seid ihr maximal unabhängig durch die sichere Ölreserve und die Batterie im Keller – selbst das mieseste Regenwetter kann eurem gemütlichen Zuhause nichts anhaben.

Dabei ist es kaum zu glauben: Das Innovationshaus ist bereits 25 Jahre alt. Eine Modernisierung der Heiztechnik kann sich also lohnen, unabhängig davon, wie viele Jahre euer Häuschen schon auf dem Buckel hat. Und sie wird gefördert: Eine neue Ölheizung wird zum Beispiel mit ca.1.000 Euro und mehr vom Staat unterstützt. Auch für eine Photovoltaik- oder Solarthermieanlage auf dem Dach könnt ihr Förderung beantragen – beim Schritt zum eigenen Innovationshaus werdet ihr also nicht allein gelassen.

2 Kommentare

  1. Ich finde des Satz, dass es ein Überangebot an Ökostrom gibt, etwas komisch. Ist es nicht gut, wenn die Photovoltaik läuft und man sogar zu viel Strom produziert?

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