Weniger Strom verbrauchen, weniger heizen – immer wieder nehmen wir uns das vor. Wegen der Umwelt. Und wegen unseres Kontostands. Kann die neue Smart-Home-Technik uns dabei helfen? Wir wollten es genau wissen und haben einen Technik-Fan besucht, der sein Häuschen im Grünen zum schlauen Zuhause umgebaut hat.

Es piepte komisch, hatte ständig Hunger und starb, wenn man ihm nichts zu fressen gab – eigentlich eine ziemlich nervige Erfindung, so ein Tamagotchi. Patrick Seibold war trotzdem stolz, denn mit neun Jahren besaß er als einer der Ersten in seiner Klasse so ein virtuelles Haustier. Einige Jahre später kaufte er sich von seinem ersten selbst verdienten Geld eine nigelnagelneue Playstation 2. Und nachdem Steve Jobs 2007 das erste iPhone vorgestellt hatte, campierte er vor dem Apple Store.

Patrick ist ein echter Techniknarr, immer auf der Höhe der Zeit:

»Die Technik vollbringt Wunder – sie macht unsere Welt zu einem spannenderen Ort. Deswegen wollte ich schon immer den heißesten Scheiß haben.«

Heute ist er 28 und Vater einer kleinen Tochter. Seitdem die Familie in ein Häuschen in einem Bremer Vorort gezogen ist, steht für Patrick der Fun-Faktor nicht mehr im Vordergrund: „Früher habe ich viel in technische Gimmicks investiert, die neu und cool waren. Heute ist es mir wichtiger, dass uns die Technik den Alltag erleichtert.“

Smart Home: Steuerung mit Smartphone

Deshalb hat er sein Haus zu einem Smart Home umgebaut. Das war nicht billig – lohnt sich aber langfristig. Denn das schlaue Wohnen ist nicht nur komfortabel und sicher, sondern hilft auch beim Energiesparen. Wie das geht? Gemütlich lehnt sich Patrick auf seiner Couch zurück, zückt das Smartphone und wischt einmal über das Display – schon sitzt er im Dunkeln. Ein weiterer Wisch, und das Wohnzimmer ist wieder hell erleuchtet. Besonders praktisch ist diese smarte Fernsteuerung unterwegs: „Auf dem Weg zum Büro überprüfe ich meistens noch schnell, ob auch alle Lichter aus sind. So wird bei uns kaum Strom verschwendet, auch wenn wir mal vergessen haben, Geräte abzuschalten“, sagt der Hausherr.

Mit Smartphone oder Tablet steuert ihr euer Haus von überall. Ganz easy!

Oder die Fenster zu schließen: Bleibt eines an einem kalten Tag offen, fühlt sich das Wohnzimmer abends wie ein Iglu an. Das Problem: Umso mehr muss dann geheizt werden, und das geht ins Geld. Kosten, auf die Patrick dank smarter Fernsteuerung gut und gern verzichtet – ein Touch auf das Display, und das Fenster ist zu.

Das schlaue Zuhause denkt mit

Beim Lüften geht es sogar noch bequemer. „Gerade beim kurzen Stoßlüften im Winter vergisst man schnell mal, dass die Heizung noch auf vollen Touren läuft“, gibt Patrick zu. Wir sollen die Temperaturanzeige am Heizkörper genau im Blick behalten, während er die Terrassentür öffnet. Wie von Zauberhand purzelt die Anzeige auf Null. „Im ganzen Raum sind kleine Sensoren, die genau registrieren, wenn kalte Luft hereinkommt“, erklärt er mit einem triumphierenden Grinsen. Dann schließt er die Tür wieder, und die Heizung fährt automatisch hoch. Weder Wärme noch Geld werden so zum Fenster hinausgeschmissen – die jährliche Heizkostenabrechnung bringt Patrick jetzt deutlich weniger ins Schwitzen als früher.

Aber auch im Sommer bringt das schlaue Zuhause handfeste Vorteile. Eine eingebaute Wetterstation registriert, wenn die Sonnenstrahlen das Haus erhitzen, und fährt sofort die Rollos herunter. Statt mit Sauna-Feeling kann die Familie den wohlverdienten Feierabend im Kühlen verbringen: „Im Sommer schwitzt man doch eh schon genug – zu Hause kann ich die Hitze dann nicht auch noch brauchen“, sagt der Technik-Fan. Eine stromfressende Klimaanlage oder einen Ventilator kann er sich nun sparen.

"Die Entwicklung ist noch ganz am Anfang": Smart-Home-Besitzer Patrick freut sich auf das, was noch kommt

Intelligente Stromzähler

Ziemlich effizient, dieses schlaue Zuhause. Patricks neueste Anschaffung nennt sich „Smart Metering“: intelligente Energiezähler, die ihm auf dem Smartphone anzeigen, wie viel Wasser, Heizöl und Strom verbraucht wurden. Und wie voll die Füllstände im Stromspeicher und Öltank sind. Alles auf einen Blick. Die smarten Zähler geben ihm sogar Ratschläge, zu welcher Zeit der Stromtarif besonders günstig ist. So kann er Waschmaschine und Trockner genau dann anschmeißen, wenn es wenig kostet.

Der Vorort-Techie denkt jedoch schon weiter. Bald soll auch die Küche intelligent werden. Eine Kaffeemaschine, die sich kurz vor dem Aufstehen selbst einschaltet? Ein Backofen, den man per Fernsteuerung vom Badezimmer aus aufheizt? Patrick freut sich auf diese smarte Zukunft: „Die Entwicklung ist ja noch ganz am Anfang. Ich bin echt gespannt, was da noch alles kommt“, sagt er freudestrahlend. Vielleicht besitzt er auch irgendwann einen Kühlschrank, der ihm mitteilt, dass er mit Lebensmitteln gefüttert werden will. So wie das kleine Tamagotchi damals in der vierten Klasse.

Fotos: AA+W/stock.adobe.com; REDPIXEL/stock.adobe.com; narvikk/iStockphoto.com

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1 Kommentar

  1. Ich danke Ihnen für den tollen Artikel. Das ganze Haus mit dem Smartphone oder Tablet zu kontrollieren ist eine interessante Vorstellung. Natürlich sollte man sich da vorher sehr gut informieren.
    Mit besten Grüßen,
    Bernd

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