Sesam, öffne dich: Das bringt ein smartes Türschloss

Zauberhaftes Smart Home – die Realität hat das Märchen von Ali Baba tatsächlich überholt: Statt mit einem Zauberwort öffnen wir unsere Wohnungstür per Fingerabdruck-Sensor, mit einem Klick oder berührungslos über die Smartphone-App. Aber wie war das noch mal mit den 40 Räubern – hält ein smartes Türschloss einem Test auf Sicherheit stand? Unser Blogger Marc hat sich so seine Gedanken gemacht.

Der Gulli war’s, der meinen Freund Jan endgültig vom smarten Türschloss überzeugte. Spät abends kam er nach einer Dienstreise nach Hause, bepackt mit Reisetasche, Notfall-Einkäufen und einem Riesenhunger – und dann rutschte ihm der Schlüssel durch die müden Finger und schlitterte zielstrebig durchs Gitter an der Bordsteinkante. Den Fluch hätte ich gern live gehört. Das Ganze ging glimpflich aus und Jan bekam seinen Schlüssel mit etwas Nachbarschaftshilfe, einem Draht und freundlicher Gewalt zurück. Aber kurz danach rüstete er sein Türschloss mit Nuki auf Smart-Home-Standard auf. Seitdem öffnet es sich schon respektvoll, wenn Jan bloß in die Nähe kommt – oder viel mehr: wenn sein Android-Smartphone in den Geofencing-Bereich der Tür gerät. Zauberei, die es in vielen Varianten gibt: angepasst an Bedarf und Geldbeutel der Smart-Home-Besitzer.

Nuki, Danalock & Co.: So funktionieren die smarten Türschlösser

Schließanlagen, für die man keinen Schlüssel braucht, gibt es nicht erst seit gestern. Bei älteren Varianten muss über ein Tastenfeld neben der Tür eine PIN eingegeben werden. Üblich waren die eher im gewerblichen Bereich und mussten aufwendig installiert werden.

Neue smarte Schlösser sind unkomplizierter anzubringen und zu bedienen und bieten dem Schlossherrn bzw. Wohnungsbesitzer eine Vielzahl an Möglichkeiten, den Zugang zur den eigenen vier Wänden zu regulieren. Neben Varianten, bei denen mit einer eigenen Fernbedienung das Schloss angesteuert wird, gibt es auch solche, die sich per Smartphone-App per Bluetooth aus der Nähe oder übers Internet vom anderen Ende der Welt aus steuern lassen – und manches Smartlock lässt sich sogar per Fingerabdruck oder Stimme öffnen. Viele der smarten Produkte werden einfach auf ein normales Türschloss montiert und drehen dann über einen kleinen Motor selbstständig den Schlüssel. Nur bei wenigen speziellen Formaten ist ein Austauschen des kompletten Schließzylinders notwendig.

Berechtigungen können bei den meisten Systemen individuell und auf Wunsch auch nur temporär verteilt werden. Das ist nicht nur praktisch für die eigenen vier Wände, sondern auch für gemeinsam genutzte Büros und andere Arbeitsräume. Manche Modelle bieten neben einer Steuerung per Android- oder iOS-App auch kleine schlüsselähnliche Elemente, die z.B. an Kinder ausgegeben werden können, die kein eigenes Smartphone haben. Welches Modell geeignet ist, zeigt am besten ein persönlicher Test, bei dem auch auf Details wie z.B. die Lautstärke oder auch das Design geachtet werden sollte. Denn etwas eigenwilliger als ein normales Türschloss sind Nuki und Co. optisch durchaus.

Kann mehr als nur abschließen: ein Türschloss mit Smart-Home-Anbindung

Kommunikation im Smart Home: Bluetooth, Wlan oder ZigBee?

Wie die smarten Türöffner kommunizieren, ist unterschiedlich und kann vom Nutzer nach Wunsch eingerichtet werden. Nur lokal und ohne Internetanbindung werden Schlösser über Bluetooth oder den Funknetz-Standard ZigBee angesteuert. Das klappt zum Beispiel mit einer Smartphone-App oder auch schon per Smartwatch. Bei manchen Schlössern muss dazu nicht einmal das Smartphone aus der Tasche geholt werden: Dank Geofencing erkennen ein cleveres Lock selbstständig, wenn jemand mit Zutrittsberechtigung sich ihnen nähert und öffnet sich, auch wenn wir mit den Armen voller Einkaufstaschen, Kindern oder Hunden nach Hause kommen. Teils lässt sich dabei sogar festlegen, wie viel Zeit zwischen dem ersten Kontakt und dem Öffnen der Tür vergehen soll – damit sie nicht schon aufspringt, während wir noch mehrere Stockwerke hochsprinten.

Noch mehr Möglichkeiten fürs Smart Home als Bluetooth eröffnen Angebote mit Wlan: Ist ein smartes Schloss ans Internet angebunden, kann man es per App auch aus weiter Ferne steuern und z.B. dem Kind öffnen, das seinen Schlüssel vergessen hat, oder Handwerkern und der Haushaltshilfe. Das Schweizer Unternehmen Nuki kooperiert sogar schon mit AirBnB, um das Einlassen von Hausgästen auch aus der Ferne unkompliziert und sicher zu gestalten. Gibt es zusätzlich zum schlauen Schloss noch eine Türklingel mit Videokamera, lässt sich auch aus dem Urlaub einfach überprüfen, wer vor der Tür steht und reingelassen werden darf. Aber auch ohne Kamera geben einige Smartlock-Produkte via Internet einen Überblick darüber, wer wann die Tür geöffnet hat. Dafür ist allerdings zusätzlich eine sogenannte Bridge notwendig, die das Schloss mit dem Router verbindet.

Sicherheit im Test: Ist zu wirklich zu?

In den meisten Fällen wird das smarte Schloss auf einen normalen Schließzylinder aufgesetzt. Der sollte also entsprechend solide sein, um grundsätzlich Sicherheit zu gewährleisten. Und dann gilt: Kein Schloss ist unüberwindbar, doch ein smartes Türschloss zu knacken, erfordert von einem Eindringling mehr als nur etwas Gewalt oder Fingerfertigkeit. Der Sicherheitsvorteil der smarten Schlösser liegt aber vor allen Dingen auch in der komfortablen Kontrolle: Es gibt keine Schlüssel, die gestohlen werden können. Per App und dank individueller Zugangsberechtigungen lässt sich nachvollziehen, wer wann die Haustür geöffnet hat. Und die meisten Systeme bieten darüber hinaus noch Extra-Features wie automatisches Verschließen nach einer bestimmten Uhrzeit oder dem Verlassen des Hauses und warnen, falls wir versuchen, aus der Ferne eine noch geöffnete Tür abzuschließen. Umgekehrt verfügen die meisten Schlösser aber auch über eine Möglichkeit, sie noch mit einem normalen Schlüssel oder per Knopfdruck von innen zu öffnen, falls das Wlan oder gleich die ganze Elektronik ausfallen sollte – z.B. das Danalock. Ein Sicherheits-Sonderfall sind die Schlösser, die sich per Wlan mit Alexa von Amazon und Google Assistant verbinden. Sie können durch ein Stimmkommando geöffnet werden – aber nur, wenn man es mit einer entsprechenden PIN kombiniert. Das schützt auch diese anfälligere Variante vor allzu leichtem Missbrauch.

 

Vor- und Nachteile auf einen Blick:

  • Pro: Ohne viele Schlüssel zu verteilen, lässt sich einfach und individuell bestimmen, wer wann die Wohnung betreten darf.
  • Contra: Etwas Affinität zu Technik ist notwendig, um ein smartes Türschloss zu programmieren.
  • Pro: Viele Modelle können ohne großen Aufwand montiert und auch wieder abgenommen werden – wichtig für Mieter.
  • Contra: Smarte Schlösser funktionieren über Batterien. Die müssen regelmäßig ausgetauscht werden.
  • Pro: Eingebettet in ein Smart-Home-System sorgen die Schlösser auch gleich dafür, dass beim Betreten ein warmes Licht angeht.
  • Contra: Günstige Modelle gibt es für unter 200 Euro zu kaufen – aber je mehr Funktionen, desto kostspieliger wird das Ganze.
  • Pro: Schlüssel verlieren war gestern: Das Smartphone lässt uns rein und das haben wir ohnehin immer dabei. Notfall-Absicherungen wie ein analoger Schlüssel beim Nachbarn sind trotzdem noch möglich.
  • Pro: Die Apps gibt’s mittlerweile für Android und iOS.
  • Contra: Wenn das Smartphone leer ist, kommt man ohne Notschlüssel nicht mehr ins Haus.

Über diesen Autor

Marc, 45, lebt in Hamburg in Hafennähe. Und das leidenschaftlich gern. In seiner Mietwohnung gibt es jede Menge Design und Hightech. Seine einstige Scheu vor smarten Gadgets hat er mittlerweile abgelegt – und ist begeistert von neuer Technik wie smarten Türschlössern.

 

Fotos: Daniel Krasoń – stock.adobe.com; Sensay – stock.adobe.com

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