Schlaft gut! Tipps für eine ruhige Nacht

Licht aus, Augen zu – erholsam schlafen könnte so einfach sein. Doch viele Menschen leiden unter Schlafproblemen. So wie unsere Autorin Tine, die sich fragt: Ist es besser, das Schlafzimmer komplett frei von Technik zu halten? Oder brauchen wir digitale Sleep-Tracker und voll vernetzte Matratzen?

„Siehst du aber heute müde aus, Tine! Alles okay bei dir?“ Das kriege ich bei der Arbeit leider viel zu oft zu hören. Und was mich doppelt ärgert: Die Kollegen haben ja recht, ich fühle mich oft nicht fit. Der Grund: Häufig schlafe ich schlecht. Mal kann ich nicht einschlafen, weil mir tausend Gedanken durch den Kopf gehen. Mal wache ich mitten in der Nacht auf, weil es zu hell, zu warm oder zu stickig ist – oder weil mein Mann wieder hemmungslos schnarcht oder die Kinder nicht schlafen können und damit natürlich auch Mama und Papa wach halten.

Und ich bin nicht allein. Viele Menschen klagen über Schlafprobleme, die Internetforen sind voll davon. Immer wieder stoße ich dort auf den Begriff „Digital Detox“, also digitale Entgiftung. Die Idee dahinter: Kurz vor dem Einschlafen Mails checken, die letzten News lesen und ein paar Likes vergeben – all das stresst und hält uns wach. Außerdem bringen uns Elektrostrahlen und das blaue Licht des Smartphones um unseren wohlverdienten Schlaf. Im Kopf abschalten funktioniert nur, wenn wir auch unsere Geräte abschalten – und aus dem Schlafzimmer eine komplett technikfreie Zone machen.

Smartphone raus aus dem Bett

Geweckt werden wie früher. Hilft das unserem Schlaf?
Geweckt werden wie früher. Hilft das unserem Schlaf?

Ich probiere es aus: Eine Stunde vor dem geplanten Einschlafen lege ich mein Smartphone in der Küche ab. Stattdessen wird mich am nächsten Morgen ein altmodischer Ticktack-Wecker mit Ziffernblatt wecken. Auch das Tablet liegt seelenruhig auf dem Wohnzimmertisch. Ein altmodisches Buch tut es auch.

Ergebnis: Am nächsten Morgen fühle ich mich wie immer – ziemlich gerädert. Und nach ein paar Tagen habe ich zwar endlich wieder einmal ein Buch durchgelesen, meinen Schlaf hat die digitale Fastenkur jedoch nicht verbessert. Aber für all diejenigen unter euch, die schon länger denken, dass sie zu viel Zeit in der digitalen Welt verbringen, ist das internetfreie Schlummern einen Versuch wert.

So trackt ihr euren Schlaf

Als ich meiner Freundin Andrea von meinem erfolglosen Experiment erzähle, gibt sie mir einen anderen Tipp. Andrea schwört seit einiger Zeit auf das komplette Gegenteil von Digital Detox: Smart Sleep. Digitale Gadgets messen dabei das eigene Schlafverhalten bis ins kleinste Detail: Wie lange schlafe ich wirklich? Wie lange ist die Tiefschlafphase? Und welche äußeren Faktoren stören den Schlaf?

Für den Einstieg rät mir Andrea zu einer Sleep-Tracker-App. Einfach herunterladen und das Smartphone (am besten im Flugmodus) vor dem Einschlafen neben das Kopfkissen legen. Der eingebaute Bewegungssensor misst dann in der Nacht die Bewegungen. Und am nächsten Morgen seht ihr auf dem Display, zu welcher Nachtzeit ihr euch besonders schwungvoll umhergewälzt habt. Meine unruhigste Phase war zwischen zwei und drei Uhr, als auch die Temperatur im Raum am niedrigsten war. Es war mir also zu kalt im Bett, trotz Sommer.

Einige Apps wie „Sleep Better“ berechnen zusätzlich die Auswirkungen von Ernährung, Sport oder Stressbelastung auf die Schlafenszeit. Mit einer Sleep-Tracker-App bekommt ihr also vor allem eines: Informationen. Die richtigen Schlüsse und Konsequenzen müsst ihr dann aber selbst aus den Daten ziehen.

Sleep-Tracker-Apps können helfen unseren Schlafrhythmus zu verstehen.
Sleep-Tracker-Apps können helfen unseren Schlafrhythmus zu verstehen.

Ganz anders ist das bei den Smart-Home-Geräten, die aktuell Einzug ins Schlafzimmer halten. So hat das New Yorker Start-up Eight einen Matratzenbezug entwickelt, in dem unzählige kleine Sensoren versteckt sind. Diese messen in der Nacht mehr als 15 Faktoren, darunter Körperwärme, Bewegungen, Herzschlag, aber auch Geräusche und Raumtemperatur.

Guter Schlaf für ungleiche Paare

Neben exakten Messungen hat das smarte Bettlaken den Vorteil, dass es selbstständig Maßnahmen ergreift, die den Schlaf verbessern. Es kann sich zum Beispiel je nach individueller Körpertemperatur erwärmen. Und beugt so Streitereien um die richtige Temperatur im Bett vor, da die Wärme auf beiden Seiten der Matratze variieren kann. Meinem Mann ist es zum Beispiel meist zu kalt im Bett, während ich ein ziemlicher Backofen bin. Da sich in dem Moment nur die Seite der Matratze erwärmen würde, auf der mein Mann schläft, müsste keiner von uns unnötig schwitzen oder frieren.

Die Smart-Box gibt die gesammelten Informationen aus dem Matratzenbezug an die Hersteller-App weiter.
Die Smart-Box (am Boden links) gibt die gesammelten Informationen aus dem Matratzenbezug an die Hersteller-App weiter.

Das Laken ist zudem mit anderen Smart-Home-Geräten vernetzbar. Geht ihr ins Bett, schalten sich automatisch alle Lichter im Haus aus. Ist es euch trotz erwärmter Matratze immer noch zu kalt, springt über den smarten Thermostatregler automatisch der Heizölkessel im Keller an und schafft wohlige Wärme im Raum. Ein echter Zugewinn für den nächsten Tag ­– denn gerade aus der so erholsamen Tiefschlafphase sollte man nicht unnötig gerissen werden. Und kurz vor dem Aufwachen am nächsten Morgen kriegt die Kaffeemaschine ein „Go!“. Der Cappuccino steht dann schon fix und fertig bereit, wenn ihr die Küche betretet.

Schnarchen war gestern!

Über eine Innovation freue ich mich ganz besonders: das ZEEQ Smart Pillow. Ein Kopfkissen, das smart genug ist, die Schnarchlaute meines Mannes zu erkennen und sofort zu vibrieren. Folge: Der Übeltäter dreht sich schnaubend zur Seite und hört im besten Fall auf zu schnarchen. Endlich gibt meine bessere Hälfte im Schlafzimmer Ruhe – perfekt für den Frieden in jeder Beziehung. Zudem dient das Kissen auch als Wecker: Ein leichtes Vibrieren rüttelt sanft aus dem Schlaf.

Letztlich müsst ihr natürlich selbst entscheiden, wie viel und welche Technik ihr in euer Schlafzimmer lasst. Denn durch die neuen Smart-Sleep-Geräte werden natürlich auch wieder Daten gesammelt, und nicht jedem ist wohl bei diesem Gedanken. Für die Propheten des Digital Detox sind die neuen Schlafhelfer wahrscheinlich sowieso Teufelszeug. Ich werde mir das ein oder andere Gadget zulegen, wenn es mein Geldbeutel zulässt. Und hoffentlich werde ich dann seltener gefragt, ob alles okay ist, sondern höre nur noch: „Du siehst aber heute fit aus.“

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