Ruhe, bitte: So machst Du mit Schallschutz Deine Wohnung leise

Während ihres Studiums wohnte Nina drei Jahre im Studentenwohnheim. Danach konnte man neben ihr ein Bohrmaschinenkonzert veranstalten, ohne im mindesten ihren Schlaf zu stören. Mittlerweile hat der Effekt nachgelassen – und manchmal fragt sie sich, wie viel eigentlich ihre Nachbarn unfreiwillig über ihre Netflix-Vorlieben und die Montag-Morgen-Playlist wissen. Darum hat sie sich zum Thema Schallschutz ein paar Informationen verschafft.

Zu viel Lärm nervt nicht nur, er kann sogar krank machen. Mit bestimmten akustischen Störquellen wie der Baustelle vor dem Haus oder dem Bimmeln der Straßenbahn um die Ecke müssen wir einfach leben. Doch wenn es um Scheppern, Rumpeln, Rauschen und Dröhnen in und um unsere eigenen vier Wände geht, lässt sich noch so Einiges für mehr Schallschutz tun.

Nur laut oder schon Lärm – was ist eigentlich erlaubt?

Zuerst mal muss man wissen: Was wir hören, sind Schwingungen. Nicht nur das Meeresrauschen, auch der Zahnarztbohrer-Sound pflanzt sich in Wellen fort – und zwar nicht nur als hörbarer Luftschall, sondern auch über feste Körper und Flüssigkeiten. In der Wohnung sind das zum Beispiel Wände und Decken, Heizungsrohre, Wasserleitungen und Möbel. Je massiver ein Körper ist, desto weniger lässt er sich von ein bisschen Luftschall aus der Ruhe bringen. Stattdessen bremst er ihn aus. Umgekehrt geben Körper untereinander die Schwingungen prima weiter, wenn sie engen Kontakt haben. So kann am Ende das ganze Haus dröhnen, weil an einer Ecke gebohrt wird.

Für die Akustik in Gebäuden gibt es bauliche Normen. Ein Hausbesitzer und Vermieter hat dafür zu sorgen, dass diese Bedingungen für den Schallschutz erfüllt sind. Entscheidend sind dabei allerdings die Verordnungen, die zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes gültig waren. Zur nachträglich schallschluckenden Aufrüstung hat der Vermieter keine Verpflichtung.

Aber trotz Schallschutz-Normen kann es beim Wohnen mit Nachbarn an allen Seiten unangenehm laut werden. Wie viel freie akustische Entfaltung erlaubt ist, müssen immer wieder Gerichte entscheiden. Grundsätzlich gilt das Gebot der Rücksichtnahme: Ich darf mein Musikinstrument üben, unter der Dusche singen oder Sport treiben – solange es den Nachbarn nicht stört. Von 22 bis 6 Uhr gilt grundsätzlich Nachtruhe, an Sonn- und Feiertagen sollte man ganztägig etwas leiser treten. Das gilt übrigens auch für Handwerker. Nerve ich dauerhaft meine Mitmenschen mit geräuschintensiven Hobbys und lauter Musik, darf mir mein Vermieter im Extremfall sogar fristlos kündigen oder mich zahlen lassen, wenn meine Nachbarn aus Frust die Miete mindern. Zu viel Lautstärke kann ein Mietmangel sein. Umgekehrt steht es mir natürlich auch zu, die Miete zu kürzen, wenn die Nachbarn über längere Zeit rücksichtlos Lärm produzieren und mein Vermieter nichts unternimmt.

Wenn’s wirklich leise sein muss: professionelle Schalldämmung

 

Lärm reduzieren: Schallschutz schon beim Bau

Der beste Weg ist, schon beim Bau eines Hauses oder beim Sanieren einer Wohnung den Schallschutz mit einzubeziehen. In Decken, Wänden und Böden bremst man Schall aus, indem man ihm den Übergang von einem zum nächsten Material erschwert. Dafür kommt auf den Boden z.B. ein schwimmender Estrich: Er liegt auf einer Folie und weiteren dämmenden Materialien, die sowohl Trittschall dämpfen als auch die Temperatur regulieren. Die Schallwellen können sich hier nicht gut fortsetzen. Das Gleiche gilt für abgehängte Decken: Hier lässt man zwischen der Verkleidung und der Wand etwas Freiraum, so dass die Schallübertragung entkoppelt wird. Auch bei Aufbau und Isolierung des Dachs sollte schon an Schalldämmung gedacht werden. Für sehr laute Wohngegenden empfehlen sich besonders schallisolierte Fenster.

Mute-Knopf für die Wohnung: Plüsch ist Trumpf

Selbst wenn alle Schallschutz-Normen erfüllt sind, kann es in einer Mietwohnung mit vielen Nachbarn drumherum laut werden. Als Mieter kann man zwar nicht einfach Boden und Decken neu zaubern und so dem Schall ein Schnippchen schlagen. Aber ein paar Tricks helfen der Raumakustik.

Jeder, der schon mal in einer leeren Wohnung gesprochen hat, merkt: wo keine Gegenstände im Weg sind, hat der Schall freie Bahn. Ohne Schalldämmung prallt er an glatten, großen Flächen wie Wänden, Decken und Böden ab und wirkt dadurch gleich dreimal lauter. So schön die schlicht eingerichtete Altbauwohnung mit der hohen Decke und dem Parkettboden auch ist: was den Leise-Faktor angeht, ist die „zugeplüschte“ Wohnung mit den dicken Sofas und dem flauschigen Teppichboden ihr überlegen. Für alle Textilien gilt: Mehr ist leiser. Lange Vorhänge, dicker Samtstoff oder viele Falten in der Gardine schlucken mehr Schall als hauchdünne Rollos. Ein dicker Teppich im Kinderzimmer ist also nicht nur schön zum Spielen, sondern besänftigt auch trotz Hopsen die Nachbarn.

Wandteppiche sind etwas aus der Mode gekommen, würden aber akustisch durchaus ihren Zweck erfüllen. Die moderne Alternative: Wandbespannungen, die wie große Gemälde aufgehängt oder an Türen positioniert werden. In der richtigen Farbe können sie auch optisch für Ruhe sorgen – zum Beispiel im Schlafzimmer. Spiegel über der Bettlandschaft? Ruhiger wird’s mit einer Textilbespannung…

Möbelschach: Wer richtig stellt, schluckt Schall

Wer so viel Kuschelatmosphäre aber nicht will, sollte insgesamt für mehr dreidimensionale Schallunterbrechungen im Raum sorgen: Das können kleinere Möbelstücke, Pflanzen oder auch funktionale Raumteiler sein.

Überhaupt solltest Du Möbel strategisch positionieren: Ein Bücherregal oder ein großer Schrank vor der Wand zum nachtaktiven Nachbarn schmettert schon einen Teil der Geräusche ab – unter einer Bedingung: Es muss eine Luftschicht dazwischen bleiben, damit der Schallschutz wirkt. An der Wand fest verschraubte Regal- oder Schrankwände schwingen einfach zu stark mit und geben den Lärm weiter.

Wenn’s ganz still sein muss: Profi-Schallschutz

In manchen Zimmern reicht das Tricksen mit der Einrichtung nicht: Wer für erholsamen Schlaf absolute Ruhe braucht, sein Heimkino vor Hall schützen will oder in den eigenen vier Wänden Jam Sessions mit den besten Freunden veranstaltet, braucht Profi-Schalldämmung. Sogenannte Schallabsorber dämpfen entweder den Hall innerhalb eines Raumes oder schlucken Geräusche, bevor sie sich über die Wände in anderen Räumen verteilen. Der Trick dahinter ist simpel: Sie bestehen aus porösem Schaumstoff, der die Schallschwingungen auffängt und umwandelt, anstatt sie zurückzuwerfen oder weiterzuleiten. Schon mal in ein Tonstudio geschaut? Da befinden sich oft Flächen aus Pyramiden- oder Noppenschaumstoff zu genau dem Zweck. Der Nachteil: Optisch sind diese Produkte gewöhnungsbedürftig.

Eine dezentere Schalldämmung und auch fürs eigene Zuhause geeignet sind Stellwände, in denen solche Geräusche absorbierenden Schaumstoffe verarbeitet wurden, und die z.B. auch im Büro oder bei Veranstaltungen zum Einsatz kommen. Wem auch das zu unattraktiv ist, dem bleiben sogenannte Akustikbilder: Die werden wie ein normales Deko-Objekt an der Wand montiert – aber hinter dem Lieblingsfoto versteckt sich ein Schallabsorber. Daneben gibt es uni-farbene Schallabsorber mittlerweile in vielen Formenvarianten, die sich an der Wand dezent zurückhalten.

Eine andere Möglichkeit der Schalldämmung: statt der Wände die Decke verändern. Auch hier gibt eine große Auswahl an Platten und Segeln, die z.B. an Drahtseilen mit etwas Abstand zur Decke installiert werden und Schall ausbremsen.

Und wenn am Ende alles nix hilft, weil die Nachbarin gerade ausgelassen in ihren Geburtstag reinfeiert, hilft nur der Griff zur Flasche: Schleife dran, rüberbringen, mitfeiern.

 

Zahlen und Fakten:

  • Der „Blaue Engel“ kennzeichnet als Prüfzeichen nicht nur besonders umweltfreundliche, sondern auch leise Produkte – zum Beispiel elektrische Küchengeräte.
  • Laut, aber erlaubt: Tobende oder schreiende Kinder müssen im Normalfall einfach ausgehalten werden. Wir waren doch alle mal so.
  • Die Einheit für Lautstärke ist Dezibel (dB). Etwa 10 dB entsprechend fallendem Schnee oder Blätterrascheln. Ein Kühlschrank summt mit 55 dB, die Waschmaschine schafft sogar 75 dB beim Schleudern. Ab etwa 85 dB nimmt das menschliche Gehör Schaden. Ab 120 dB tut’s richtig weh – das ist die Lautstärke eines Presslufthammers oder eines lauten Konzertes.

Über diesen Autor

Nina, 38, wohnt im Hamburger Speckgürtel, liebt das stadtnahe Leben im Grünen und ihren Balkon. Bisher war ihre Mietwohnung noch weitgehend ruhig – doch wie sieht es mit dem neu eingezogenen Nachbarn aus?

Fotos: Aaron Amat– stock.adobe.com; sveta – stock.adobe.com

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1 Kommentar

  1. Ja das kann schon ein Problem sein.Wir wohnen in einer Altbauwohnung wo man auch immer viel Lärm hört von draussen.Bei uns haben die richtigen Markisen auch etwas gbracht.Wir haben uns mal ganz unverbindlich hier informiert,
    https://www.markisenwelt24.de/

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