Retro-Deko in Grün: Das Comeback der Zimmerpflanzen

Von wegen spießige Büro-Kultur: Gummibäume & Co haben ihr welkes Image beim letzten Umtopfen hinter sich gelassen und sind derzeit wieder auf dem aufsteigenden Ast! Firmen schmücken ihre Räumlichkeiten mit exotischen Gewächsen, Individualisten legen in den eigenen vier Wänden einen ausgefallenen „Urban Jungle“ an. Welche Trends sind besonders spannend, worauf müssen Indoor-Gärtner achten? Unser Autor Mark nimmt euch mit in die stetig wachsende Welt der Zimmerpflanzen und versorgt euch mit dem Guide zu eurer Lieblingspflanze.

Vielleicht kennt ihr das: Manchmal merkt man erst, dass einem etwas gefehlt hat, wenn es plötzlich da ist. So ging es mir, als meine Freundin mir vor einem Jahr eine Zimmerpflanze zum Geburtstag schenkte. Meine praktische Erfahrungen mit Pflanzen beschränkten sich zu diesem Zeitpunkt auf das gelegentliche Aushelfen im Garten meiner Eltern: Hier mal ein paar Blumen gießen, da mal ein paar Sträucher stutzen. Ich war nie auf den Gedanken gekommen, mir eine Zimmerpflanze anzuschaffen. Doch die farbenfrohe Orchidee ließ meine kleine Bude damals – im wahrsten Sinne des Wortes – aufblühen. Das machte Lust auf mehr: Ich informierte mich, brachte meiner Orchidee gute, grüne Gesellschaft und kann mir heute den Sommer kaum noch ohne blühende Flora in meiner Wohnung vorstellen. Für die von euch, denen es ähnlich geht, oder die einfach nach neuen Tipps und Anregungen für ihre Zimmerpflanzen suchen, habe ich mein Wissen hier zusammengetragen:

Evergreens: Bewährte Zimmerpflanzen-Klassiker

Pflanzen peppen seit Jahrhunderten Deutschlands Wohnräume auf. Einige Gewächse erfreuten sich bereits blühender Prominenz und lassen sich als verlässliche Klassiker feiern. Zu ihnen gehört die Feige, auch Ficus genannt. Besonders der immergrüne Blätterschirm des „Ficus elastica“, des Gummibaums, schmückt heute wieder viele Zimmer.

Nicht minder bekannt, dafür eine auffälligere Zimmerpflanze, ist die Orchidee: Ob weiß, rot, rosa, orange, gelb, grün oder lila – mit ihren vielen verschiedenen Formen und einer Farbenpalette, die in der Botanik ihresgleichen sucht, bleibt ihre oft mehrfarbige Blüte ein Highlight.

Drachenbäume bestechen nicht durch Farben, sondern durch eindrucksvoll gewachsene Blätter. Bei einigen Arten umsäumen sie die Krone wie eine dichte Lockenmähne, andere tragen eine ungezügelte Sturmfrisur. Auch Kletterpflanzen wie der Efeu dienen, oft in hängenden Kübeln, als organische Dekoration. Klassische Zimmerpflanzen haben zudem oft einen relativ geringen Pflegeaufwand, was sie ideal für Einsteiger macht. Insbesondere Sukkulenten wie Aloe Vera oder Kakteen brauchen weniger Aufmerksamkeit, da sie nicht so oft gegossen werden müssen.

Aufregend: Skurrile Zimmerpflanzen-Trends

Enthusiastische Gärtner und kreative Dekorateure entdecken weltweit immer wieder ausgefallene botanische Phänomene für sich. Bonsai-Bäume sind seit Jahren bekannte Hingucker, die ein hohes Maß an Geduld und Präzision erfordern: Durch regelmäßiges Stutzen der Zweige, Blätter und Wurzeln in einem kleinen Gefäß, entwickelt sich ein Bonsai langsam zu einer Miniaturversion seiner natürlich gewachsenen Artgenossen.

Fleischfressende Pflanzen, wie die Venusfliegenfalle, verspeisen genüsslich Insekten und knabbern auch gerne Mal liebevoll an euren Fingern, wenn ihr ihnen die Gelegenheit dazu gebt. Kokedamas, japanische Mooskugeln, bieten eine ausgefallene Alternative zu den üblichen hängenden Zimmerpflanzen.

Aktuell begeistern mich die Hydroponik: Anstatt Wurzeln im Substrat zu schlagen, schwimmen die Pflanzen in einer klaren Lösung aus Wasser und Dünger. Kombiniert mit einem durchsichtigen Gefäß sind die Wurzeln der Pflanze gut sichtbar und bringen einen neuen dekorativen Look mit sich.

Mehrzweck-Zimmerpflanzen: Diese Hydroponik-Installation sieht nicht nur gut aus, sie dient außerdem als Lampe

Und jetzt? Der Guide zu Zimmerpflanze und Pflege

Ob erprobter Klassiker oder exotische Trendgewächse – für die Auswahl einer Zimmerpflanze ist entscheidend, ob ihr Zeit und Lust habt, ihren individuellen Bedürfnissen nachzugehen.

1. Geht euch schon ein Licht auf?

Pflanzen ziehen aus Licht wichtige Nährstoffe, die sie zum Gedeihen brauchen. Schwache Bestrahlung kann zu kümmerlichem Wachstum ohne Blüten führen, zu viel Licht kann Hitzeschäden bewirken. Den Standort eurer Zimmerpflanze solltet ihr also an ihr Naturell anpassen. Angenommen, ihr möchtet eine Pflanze, die auf ausgiebige Sonnenbäder angewiesen ist, wie z. B. eine Yucca: Stellt sie am besten an ein südlich oder westlich gelegenes Fenster, dort bekommt sie die volle Breitseite der Sonnenstrahlen ab.

Tipp: Falls nicht genug Tageslicht in eure Räume fällt, bieten sich Schattenpflanzen oder flexible Gewächse wie der Bogenhanf an. Alternativ gibt es die Möglichkeit, Zimmerpflanzen künstlich zu beleuchten. Am besten wirken spezielle LEDs, deren Licht über das richtige Farbspektrum für die Photosynthese verfügt.

2. Verliert nicht den Boden unter den Füßen…

Auch die Beschaffenheit ihrer Erde hat einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden eurer Zimmerpflanze. Bei der Auswahl solltet ihr euch vorher informieren, ob ein Substrat, eine spezielle Mischung aus Dünger, Erde und anderen Stoffen, notwendig ist. Hochwertige Substrate sind jedoch teuer, wer also nicht allzu tief in die Tasche greifen möchte, sollte eine Zimmerpflanze wählen, die auch in handelsüblicher Erde gut gedeiht.

Allgemein gilt: Das Substrat oder die Erde sollte einen passenden Säuregehalt haben, damit die Pflanze die Nährstoffe optimal aufnehmen kann. In den Lebenslauf einer Zimmerpflanze gehören auch regelmäßige Umzüge in einen größeren Topf, meistens im Abstand von zwei Jahren. Dabei ist der Zeitpunkt wichtig: Im Frühling erwacht eure Pflanze aus der Ruhephase und kann mit genügend Tageslicht, einem neuen Boden und mehr Platz für ihre Wurzeln so richtig durchstarten!

3. …und folgt eurem Gedankenfluss!

Neben Licht und Erde ist der Wasserhaushalt eures Schützlings entscheidend für seine Entwicklung. Auch hier heißt es wieder: Die Art macht die Dosis! Eure Zimmerpflanze wird euch mit prachtvollen Blüten und/oder Wachstumsschüben danken, wenn ihr sie nach den Bedingungen ihres natürlichen Lebensraumes bewässert. Sukkulenten stammen aus trockenen Gefilden. Sie speichern Wasser in ihren Blättern und können so Tage – im Winter sogar Wochen – ohne ein Nachgießen auskommen. Viele Feigenarten bevorzugen dagegen einen ständig feuchten Boden und nehmen deshalb mehr Zeit für ihre Wasserversorgung in Anspruch.

Das Überwässern einer Zimmerpflanze ist mindestens so schlimm wie ihr Austrocknen, da so Staunässe entstehen kann, in der die Wurzeln schnell faulen. Um zu testen, ob eure Pflanze Wasser braucht, könnt ihr einfach mit dem Finger die obere Bodenschicht abtasten. Ist der Boden feucht, hat sie auf jeden Fall genug Wasser.

Tipp: Um Staunässe bei eurer Zimmerpflanze zu vermeiden, benutzt einen Boden, der Ton enthält. Ton speichert überschüssiges Wasser und schützt so die Wurzeln. Auch eine Kiesschicht am Boden im Topf hat einen ähnlichen Effekt.

Nun solltet ihr eine erste Übersicht darüber haben, auf was es bei der Auswahl und der Versorgung von Zimmerpflanzen ankommt.

Viel Spaß beim Suchen und Entdecken eurer Lieblingspflanzen!

 

Über diesen Autor

Marc, 45, lebt in Hamburg in Hafennähe. Und das leidenschaftlich gern. Für Zimmerpflanzen war seine Mietwohnung lange tabu. Jetzt hat er seine Leidenschaft für die grünen Mitbewohner entdeckt.

 

Fotos: ronstik – stock.adobe.com; zhu difeng – stock.adobe.com

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