Recycling, Upcycling, was noch Cycling? Ideen für nachhaltige Möbel

Für diesen Schrank starb kein Baum: Mittlerweile gibt es Möbel aus Pappe, Paletten und anderen recycelten Materialien. Unsere Autorin Tine begibt sich aus gegebenem Anlass auf eine kleine Entdeckungsreise.

Die Aussage, dass es zu unseren Aufgaben gehört, unseren Kindern eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen, kann ich voll und ganz unterschreiben. Ökologisches Denken fängt für mich schon bei den kleinen Dingen an. Zum Beispiel bei Möbeln. Das kommt nicht ganz von ungefähr, denn auf dem Gebiet steht für unsere beiden Kinder – die eine geht in die Schule, die andere ist noch im Kindergarten – gerade etwas Neues an: Beide sollen in unserem verwunschenen alten Traumhaus eine neue Einrichtung für ihre Zimmer bekommen. In ihrem neuen Reich sollen sie spielen, mit Freunden toben und lernen können. Am besten mit nachhaltigen Möbeln.

Aber was sind eigentlich „nachhaltige Möbel“? Für mich sind dabei zwei Dinge wichtig: Erstens sollen die Möbel aus umwelt- und ressourcenschonenden Materialien unter sozial verträglichen Umständen hergestellt worden sein. Und zweitens sollen es Produkte sein, die für ein angenehmes Raumklima sorgen. Wenn ihr ins Netz geht und nach Nachhaltigkeit und Möbeln sucht, werdet ihr superschnell fündig. Es gibt mittlerweile viele, oftmals kleinere lokale Hersteller und Händler, die den Nachhaltigkeitsansatz ganz unterschiedlich interpretieren bzw. an unterschiedlichen Stellen ansetzen. Deshalb gebe ich euch im Folgenden einen kurzen Überblick über die wichtigsten Aspekte.

Möbel aus nachhaltigen Rohstoffen

Holz ist nicht gleich Holz. Hersteller, die auf nachhaltig produzierte Holzmöbel setzen, verbauen Hölzer, die aus ökologischer Holzwirtschaft in Deutschland oder den europäischen Nachbarstaaten kommen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass für die Holzgewinnung keine wertvollen Waldflächen geschreddert werden und die Transportwege nicht zu lang sind. Bei der weiteren Möbelproduktion wird zudem auf die Verwendung natürlicher Rohstoffe wie Baumwolle, Leinen oder Bambus Wert gelegt. Durch ein intelligentes Möbeldesign kann außerdem auf Kleber oder Metallverbindungen verzichtet werden. Seriöse Hersteller von nachhaltigen Ökomöbeln erkennt ihr an der Zertifizierung der verwendeten Materialien durch Öko-Siegel wie FSC, „Der Blaue Engel“ oder PEFC.

Auch Design kann nachhaltig sein

Ein bekannter Leitsatz der Designer lautet bekanntlich „Form follows function“ – also „Die Form folgt der Funktion“. Diese alte Weisheit bei der Gestaltung von Produkten machen sich in den letzten Jahren immer mehr Designer bei der Konstruktion nachhaltiger Möbel zunutze. Für diesen Trend gibt es sogar schon ein Modewort: Es lautet „Ecodesign“. Beim Ecodesign hört die Idee der Nachhaltigkeit nicht bei den verwendeten Materialien auf, sondern wird auf die gesamte Konstruktion der Möbel erweitert. Das bedeutet, nachhaltige Möbel sollen zusätzlich bestimmte Eigenschaften haben: zum Beispiel besonders langlebig gebaut sein, sich in der Wohnung flexibel verwenden lassen oder ressourcen- und umweltschonend hergestellt und entsorgt werden können. Wenn ihr euch für nachhaltig produzierte Möbel interessiert, solltet ihr allerdings von vornherein wissen: ganz billig geht das nicht.

Altes neu entdecken: Secondhand

Die Klassiker für einen nachhaltigen Umgang mit Möbeln sind natürlich Flohmärkte, Secondhand-Läden und Antiquitätenhändler. Hier findet ihr Möbel für so ziemlich jeden Geschmack – und Geldbeutel. Bevor ich mit meinem Liebsten zusammengezogen bin, habe ich dort auch herzlich gern nach Fundstücken gesucht, um meine eigene kleine Wohnung geschmackvoll und günstig zu verschönern. Und was ist ökologischer, als ein altes Möbelstück weiter zu verwenden? Ich muss allerdings zugeben, dass ich mit der Zeit die Lust an alten Möbeln etwas verloren habe. Warum? Irgendwie passen sie heute von ihrem Style nicht immer zu hundert Prozent zu meinen persönlichen Designvorstellungen.

Besonders beliebt: Trendige Sofas aus Euro-Paletten – zum Beispiel für eine gemütliche Ecke auf dem Balkon

Aus alt mach neu: Vom Recycling zum Upcycling

Damit sind wir bei der derzeit angesagten Alternative zu Secondhand-Möbeln: dem Recycling oder Upcycling von alten Materialien. Frei nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht“, werden hier alte Möbel oder andere ausrangierte Produkte mit ökologischen Materialien aufgearbeitet und mit kreativen Ideen aufgehübscht. Mittlerweile gibt es dafür eine stetig wachsende Szene. Die Spannbreite reicht von Do-it-Yourself-Projekten – bei denen Euro-Paletten mit wenigen Handgriffen zu trendigen WG-Sofas umgearbeitet werden – bis hin zum abgefahrenen Recycling-Designer, der aus dem echten sprichwörtlichen Schrott kleine Kunstwerke für ein abgefahrenes Wohnambiente schafft. Was ich besonders cool daran finde: Dieser Ansatz ist kreativ und ökologisch zugleich und hat für jeden Budget-Topf den richtigen Deckel.

Die Quintessenz der Geschichte: Die Große bekommt ein neues Bett mit Öko-Zertifikat und der Kleine das aufgearbeitete Bett der Großen. Außerdem haben wir jetzt unser eigenes Upcycling-Projekt gestartet. Codename: Kinderzimmer. Beziehungsweise sind es eigentlich gleich mehrere kleine Projekte, die wir zusammen mit unseren Kids planen und umsetzen wollen. Dazu zählen ein ergonomischer Schreibtisch, eine kleine Sitz- und Spiellandschaft sowie – damit werden wir beginnen – Aufbewahrungsboxen aus alter Pappe für Spielsachen und Bücher. Was wir schon gelernt haben: Wenn man erst einmal damit anfängt, nach Ideen zu forschen, wird schnell eine Lawine der Fantasie losgetreten. Sie muss sich in den kommenden Monaten in der Realität bewähren.

 

Kurz & knapp

Nachhaltige Möbel sind ein wichtiges Thema für zeitgemäßes Wohnen. Sie schonen die Ressourcen der Umwelt, schaffen in den eigenen vier Wänden ein gesünderes Klima und sprechen die eigene Kreativität an. Dabei gibt es verschiedene Ansätze, wie Möbel zu nachhaltigen Produkten werden können. Sie reichen von der Verwendung bestimmter Materialien bis zum Design der Produkte.

Über diesen Autor

Tine, 37, lebt mit ihrem Herzblatt und zwei Kindern in einem alten Haus auf dem Land. Jetzt sollen die Kinderzimmer zum Teil neu eingerichtet werden. Dabei will Tine mit nachhaltigen Möbeln ein Zeichen setzen.

 

Fotos: alho007 – stock.adobe.com; Mario – stock.adobe.com

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2 Kommentare

  1. Die sehen klasse aus. Und wenn man beim nächsten Mal beim Umzug kein Platz hat oder sich die Umzugsfirma sparen möchte, dann macht man damit ein schönes Feuer. 😀 Sehen in jedem Fall toll aus!

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