Pro und Contra: Das Eigenheim als Altersvorsorge

Vier Wände, ein glücklicher Lebensabend: In Zeiten von Niedrigzinsen sehen viele Menschen das Eigenheim als stabile Altersvorsorge. So wie Tine, die vor sechs Jahren in ein Haus auf dem Land gezogen ist – und euch hier die Vorteile erklärt. Ganz anders Marc: Er lebt zur Miete in einer Stadtwohnung und spricht sich gegen das Eigenheim als Alterssicherung aus.

Tine: 

Wie die Zeit vergeht: Seit inzwischen sechs Jahren wohnen das Herzblatt, unsere Kinder und ich in unserem Haus auf dem Land. Und ich muss sagen, es ist ein tolles Gefühl, in den eigenen vier Wänden zu leben. Mittlerweile ertappe ich mich manchmal sogar bei der Vorstellung, wie das Herzblatt und ich als Rentner – beide natürlich innerlich und äußerlich jung geblieben – unglaublich glücklich auf der Veranda unseres eigenen Häuschens sitzen. Eine schöne Vorstellung.

Und eine gute Idee, denn die eigenen vier Wände haben als Altersvorsorge gleich mehrere Vorteile. Erstens: Der Bau oder Kauf einer Immobilie geht zwar erst einmal kräftig ins Geld, irgendwann jedoch ist das Eigenheim vollständig abbezahlt. Wenn wir also im Alter in unserem eigenen Haus wohnen, zahlen wir keine Miete – und müssen auch keine Mieterhöhungen fürchten. Wir haben schließlich unser eigenes kleines Reich, sind unabhängig vom Wohnungsmarkt und können unser sonstiges Erspartes für andere schöne Dinge ausgeben – die Spielsachen unserer Enkel zum Beispiel.

Zweitens: Sollten das Herzblatt und ich im Alter doch wieder in eine Stadtwohnung ziehen wollen, können wir das Haus ja immer noch vermieten – so kommt jeden Monat genügend Geld rein, um gut davon leben zu können. Am liebsten wäre mir allerdings, dass wir in unserem Häuschen einfach so glücklich bleiben wie im Moment – und es in ferner Zukunft an unseren Nachwuchs weitergeben können.

Mietvertrag mit Schlüssel
Ein Eigenheim ist eine schöne Sache – der Schlüssel zu einem erfüllten Lebensabend kann aber auch in eine Mietwohnung führen.

Marc: 

Ich liebe es, zur Miete in einer Großstadt zu leben. Vor allem wegen der Unabhängigkeit, die das städtische Leben in einer Mietwohnung mit sich bringt: Ich kann zum Beispiel problemlos in ein anderes Viertel ziehen, einen Job in einer neuen Stadt annehmen oder Hals über Kopf mit meiner Partnerin zusammenziehen. Ein Eigenheim würde mich hingegen zu stark an einen Ort binden – schließlich möchte ich auch im Alter die Möglichkeit haben, einen Tapetenwechsel vorzunehmen und noch einmal ganz neu anzufangen.

Ich muss jedoch gestehen: Die Vorstellung, als Rentner im eigenen Zuhause zu leben, nicht mehr Wand an Wand mit den Nachbarn zu wohnen und von keinem Vermieter abhängig zu sein, hat absolut ihren Reiz – wenn da nicht die Gegenargumente wären. Zum Beispiel, dass ich mich in einem Eigenheim – egal, ob Haus oder Wohnung – um viel mehr kümmern müsste. Den Handwerker zum Beispiel würde ich selbst organisieren und bezahlen müssen. Wenn ich einen Garten habe, wäre ich verantwortlich für Rasenmähen und Heckeschneiden – sonst ist Nachbarschaftsstreit angesagt. Und im Alter hätte ich auf all das wahrscheinlich noch weniger Lust als heute.

Dazu kommen die Kosten. Denn auch wer sein Eigenheim bereits voll abbezahlt hat, wohnt nicht zum Nulltarif. Man muss zum Beispiel Geld für die Gebäude-Versicherung ausgeben und Grundstücksteuer zahlen. Kurzum: Ich kann jeden verstehen, der seinen Lebensabend in einem Häuschen im Grünen verbringen möchte – neben dem Eigenheim sollte man aber auf jeden Fall zusätzlich finanziell vorsorgen, um im Alter „flüssig“ zu bleiben.

Apropos flüssig: Deutlich wichtiger als ein eigenes Haus ist es mir, auch im Rentenalter immer genügend Geld zur freien Verfügung zu haben. Der Grund: Ich träume davon, mit achtzig Jahren auf Weltreise zu gehen – und mich überall dort zu Hause fühlen, wo es mir auf der Welt am besten gefällt.

Fotos: Erich Mücke – stock.adobe.com; Ralf Kleemann – stock.adobe.com

Über diesen Autor

Tine war früher ein absoluter Stadtmensch. Mittlerweile hat sie das Leben im Eigenheim auf dem Land aber voll überzeugt. Zu ruhig wird es ihr dort nie – dafür sorgen schon ihre Kinder.

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Für diesen Beitrag musste Marc über seinen Schatten springen. An die eigene Rente denkt er normalerweise nämlich eher ungern – das Thema hat zu viel mit dem Älterwerden zu tun.

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