Pflanzen vorziehen: Auf die Plätze, fertig, grün!

Wenn ihr mit Gemüse, Kräutern und Blumen im Garten oder auf dem Balkon optimal aus der Winterpause starten wollt, solltet ihr spätestens jetzt loslegen. Unsere Autorin Nina erklärt euch, wie es geht und worauf ihr beim Vorziehen von Pflanzen achten müsst.

Seit ich im letzten Jahr in unserem Garten die Patenschaft für zweit Hochbeete übernommen habe, tauche ich immer tiefer in die Kunst des Gärtnerns ein. Eine tolle Technik, mit der ihr frühzeitig gesunde kräftige Pflanzen in die Beete bekommt, ist das Vorziehen. Dabei werden verschiedene Blumen, Obst- und Gemüsesorten zum Ende des Winters in der Wohnung eingesät und aufgezogen, um dann mit dem Ende der Nachtfröste als Jungpflanzen draußen eingepflanzt zu werden.

Diese Methode hat zwei Vorteile: Ihr verlängert für alle Gemüsesorten, Kräuter und Sommerblumen, denen unsere klimatischen Bedingungen nicht mild genug sind, die Wachstumssaison und könnt dabei zugleich eure eigenen Pflänzchen heranziehen. Ein schöner Nebeneffekt für mich als begeisterte Hobbygärtnerin besteht darin, dass so die Pflanzsaison eher beginnt und ich die ersten Lebenswochen meines Grünzeugs hautnah miterleben kann.

Welche Pflanzen sich für das Vorziehen eignen – und welche nicht

Fast alle Gemüsesorten von Tomaten (damit kennt sich vor allem meine Kollegin Tine gut aus ????) über Paprika, Peperoni, Chili, Zucchini, Kürbis, Gurken und Salat bis hin zu Kohlsorten wie Kohlrabi, Weißkohl oder Broccoli können vorgezogen werden. Es gibt aber auch Gemüsesorten, bei denen die Methode nicht angebracht ist: Dazu zählen alle Wurzelgemüse wie Möhren, Rote Bete oder Radieschen. Bei anderen Gemüsesorten wie Erbsen oder Bohnen lohnt sich hingegen der Aufwand des Vorziehens nicht, weil sie auf unsere klimatischen Verhältnisse perfekt angepasst sind und nach der Aussaat ohnehin sehr schnell wachsen und Früchte tragen.

Bei den Kräutern kommen für das Vorziehen alle mehrjährigen Sorten wie zum Beispiel Rosmarin, Thymian, Basilikum, Estragon, Salbei, Oregano, Minze, Estragon, Bohnenkraut oder Zitronenmelisse in Betracht. Für die Mühe werdet ihr mit gesunden Pflanzen belohnt, an denen ihr viele Monate Freude habt. Bei den Blühpflanzen lassen sich alle Sommerblumen gut vorziehen, die dann nach dem Einpflanzen noch schneller ihre ganze Blütenpracht im Beet entfalten.

Lohn der Mühe: Wer Pflanzen vorzieht, erntet ein tolles Ergebnis

Wie funktioniert das Pflanzen vorziehen?

Wenn ihr einige wenige Dinge beachtet, könnt ihr die Methode ohne viel Aufwand sehr gut bei euch Zuhause anwenden. Alle Zutaten, die ihr dazu benötig, sind Saatgut, Töpfe, Anzuchterde und ein geeignetes Plätzchen. Dazu ein paar Tipps: Achtet darauf, dass die Samen nicht zu alt und noch keimfähig sind, sonst sind all eure Mühen umsonst. Als Töpfe kommt alles Mögliche infrage: ob klassische Blumentöpfe aus Plastik oder Ton ober DIY-Lösungen wie Eierkartons oder Klopapierrollen – wenn ihr nicht so viele kleine Töpfe im Haushalt habt. Bei der Erde solltet ihr hingegen unbedingt richtige Anzuchterde verwenden, die ihr im Fachhandel findet. Denn die Keimlinge müssen genau die richtige Menge an Dünger bekommen, sonst wachsen sie entweder gar nicht oder zu schnell und bleiben spiddelig dürr.

Alternativ könnt ihr auch Quelltöpfchen nehmen. Das sind kleine Ballen aus einem vorgefertigten Substrat, die von einem feinen Netz zusammengehalten werden. Sie werden kurz vor dem Pflanzen-Vorziehen für wenige Minuten zum Aufquellen gewässert und sind dann einsatzbereit. Während ihr die Samen im Topf nach dem Einpflanzen – dazu jeden Samen immer einzeln etwa einen Zentimeter tief sanft unter die Erde drücken – vorsichtig angießen müsst, benötigen die Quelltöpfchen nach dem Quellen fürs erste auch kein Wasser mehr. Was bei Quelltöpfchen außerdem sehr praktisch ist: Wenn die Setzlinge „erwachsen“ sind und rausgepflanzt werden können, könnt ihr sie einfach in dem Töpfchen lassen, es zersetzt sich später mit der Zeit von selbst.

Bevor es nach draußen geht, müssen die Samen aber zunächst zu kräftigen Jungpflanzen heranwachsen. Dazu müssen sie regelmäßig gewässert werden und benötigen viel Licht sowie die richtige Temperatur. Letztere sollte etwa bei 25 Grad Celsius liegen. Da das wahrscheinlich mehr ist, als ihr bei euch in der Wohnung habt, müsst ihr euch mit einem Trick behelfen: Bastelt euch mit einem kleinen Kasten und etwas Frischhaltefolie ein kleines Gewächshaus und stellt es mit den Anzuchttöpfen auf eine Fensterbank, auf der sie viel Licht – aber keinen Luftzug – bekommen. Wenn euch das zu vage erscheint, könnt ihr auch hier mit Hilfsmitteln aus dem Fachhandel auf Nummer sicher gehen: So gibt es für diesen Zweck nicht nur kleine Gewächshäuser aus Holz, Glas oder Plastik zu kaufen, sondern auch spezielle Anzuchtlampen, die den kleinen Pflänzchen die perfekten Startbedingungen garantieren.

Worauf ihr beim Pflanzen-Vorziehen achten solltet

Als ich das erste Mal Samen aufgezogen habe, war ich sogleich aus dem Häuschen als die ersten Triebe aus der Erde schossen. Das ist aber nicht das einzige, worauf es ankommt. Vielmehr sollen die Jungpflanzen gesund und kräftig werden. Und das geht am besten, wenn sie langsam wachsen. Sprießen sie zu rasch aus der Erde, spricht der Gärtner von „Vergeilen“: Da das junge Pflänzchen mit zu wenig Licht oder zu vielen Nährstoffen versorgt wird, treibt es zu schnell aus und endet als ein langes dünnes Etwas.

Wenn ihr Pflanzen vorziehen wollt, ist auch der richtige Zeitpunkt der Aussaat wichtig. Dabei gilt: Je länger die Keimdauer einer Pflanze ist, desto früher solltet ihr anfangen. Für Gemüse wie Paprika oder Chili liegt der beste Starttermin Ende Februar bis Anfang März, bei Tomaten hingegen eher gegen Ende März bis Anfang April. Tipp: Achtet auf die Saatgutpackung, da sollte der richtige Zeitpunkt für die Aussaat im Haus angegeben sein.
Und ihr müsst beim Gießen Acht geben. Der Keimling darf weder austrocknen noch zu feucht werden, denn dann bilden sich, ehe ihr euch verseht, hässliche Schimmelpilze. Hier ist der Tipp: Regelmäßig, aber vorsichtig und mäßig gießen. Sprießen die Keimlinge aus der Erde, nehmt ihr dazu am besten eine Sprühflache.

Kurz & knapp:

Was ist pikieren? Wenn ihr mehrere Samen zusammen in Saatschale aufzieht, müssen die Keimlinge rechtzeitig vereinzelt werden. Man nennt das Pikieren. Dabei wird jedes Pflänzchen vorsichtig einzeln mit seinem Wurzelballen aus dem Beet genommen und in einen eigenen Topf gesetzt, in den dafür zuvor mit einem Pikierstab ein kleines Pflanzloch gebildet wurde.

Über diesen Autor

Nina, 39, liebt das stadtnahe Leben im Grünen und ihren Balkon. Seit letztem Jahr kümmert sie sich in dem gemeinsam genutzten Garten um zwei Hochbeete, in denen sie Gemüse und Kräuter zum eigenen Verzehr anbaut.

Fotos: Petra Schueller – stock.adobe.com; Vesna – stock.adobe.com

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