Ölheizung: So funktioniert ein Brennwertkessel

Der Austausch ineffizienter Heizungen durch moderne Öl-Brennwertkessel schont die Umwelt und hilft, Kosten zu sparen. Nico erklärt euch wie sie funktionieren.

Jetzt im Sommer ist der beste Zeitpunkt, um über die Modernisierung eurer Heizung nachzudenken. Schließlich kann man derzeit ganz bequem Umbauarbeiten an der Heizungsanlage vornehmen, ohne Gefahr zu laufen, sich bei einem plötzlichen Kälteeinbruch in der heimischen Wohnung den zarten Hintern abzufrieren. Daran lag es auch, dass wir letztens bei einem der ersten Gartentreffen mit einem befreundeten Paar nach der Corona-Sperre auf das Thema Heizung zu sprechen gekommen sind. Denn die beiden sind, genau wie wir, seit kurzer Zeit Landeier und Hausbesitzer – und planen jetzt an ihrem Schätzchen aus den 70er Jahren diverse Umbaumaßnahmen.

Bei dieser Konstellation war es naheliegend, dass wir schnell auf Brennwertkessel zu sprechen kamen. Die beiden haben sich gewundert, dass wir bei der Modernisierung nicht beispielsweise auf Gas umgestellt, sondern die „alte“ Ölheizung behalten haben. Damit haben sie bei mir natürlich sofort den richtigen Punkt getriggert. „Alte Ölheizung?“ Wir haben nach dem Einzug einen topmodernen Öl-Brennwertheizkessel im Keller einbauen lassen, der das Zentrum unserer Heizungsstrategie für die kommenden Jahre bildet. Ich musste einmal kurz durchatmen und habe dabei gemerkt, dass in puncto Brennwertkessel noch immer reichlich Aufklärungsbedarf besteht. Dem erteile ich im Folgenden sehr gern Abhilfe 😉:

Was verbirgt sich hinter der Brennwerttechnik?

Das Herzstück einer Ölheizung ist der Kessel. Dort wird das Heizöl in Wärme verwandelt und damit das Wasser für die Heizung auf die jeweils benötigte Temperatur gebracht. Dieses Heizungswasser wird in einem geschlossenen Kreislauf durch alle Heizkörper in eurem Haus gepumpt. So wird die Wohnung beheizt. Bei einem alten Heizkessel ist es so, dass bei diesem Prozess relativ viel Heizenergie im wahrsten Sinne des Wortes zum Schornstein hinausgepustet wurde. Bei der Verbrennung entsteht neben der Wärme, die an das Heizungswasser abgegeben wird, viel heißer Wasserdampf. Und der entweicht bei konventionellen Heizungskesseln ungenutzt als Abgas durch den Schornstein.

Moderne Öl-Brennwertkessel schieben dieser offensichtlichen Verschwendung einen Riegel vor. Und das geht so: Die heißen Abgase werden im Heizgerät über einen Wärmetauscher geführt – und  ihre Wärme an das  Heizsystem übertragen. Während bei einem konventionellen Standardkessel die Abgase rund 160 Grad heiß sind und noch entsprechend viel Energie enthalten, wenn sie das Heizgerät verlassen, sind sie bei einem modernen Brennwertkessel nur noch etwa 40 Grad warm. Dieser Temperaturunterschied und die damit verbundene Kondensationswärme sorgt für die zusätzliche Energie, die mit Hilfe der Brennwerttechnik zum Heizen erschlossen wird.  Der Vorteil: es wird weniger Brennstoff benötigt, um das Haus zu beheizen.

Was ist effizienter – Öl- oder Gas-Brennwertkessel?

Ein langjähriges Missverständnis, das ich oft höre, lautet: Gasbrennwertkessel seien energetisch effizienter als Öl-Brennwertgeräte. Das stimmt aber nicht. Die Energieeffizienz – also das Verhältnis von zugeführter Energie zum Energieertrag – ist bei einem Öl-Brennwertkessel genauso hoch wie bei einem modernen Gas-Brennwertkessel. Beide Heizsysteme können typischerweise rund 98 Prozent des Energieinhalts des jeweiligen Brennstoffes für das Heizsystem nutzen. Der Energieinhalt berechnet sich aus dem Heizwert, also der Energie, die aus der Verbrennung des Energieträgers ohne Kondensation resultiert, und der Kondensationswärme. Wie effizient ein Heizgerät ist, hängt also nicht davon ab, ob Öl oder Gas genutzt wird, sondern ausschließlich von der Konstruktion und den Betriebsbedingungen des Heizkessels.

Blick in den Heizungskeller: Hybridger‰t, Warmwasserspeicher, Stromspeicher, Heizˆltank

Warum eignet sich ein Öl-Brennwertkessel so gut für eine Hybridheizungen?

Wir haben hier schon oft über Hybridheizungen geschrieben. Deshalb nur noch einmal ganz kurz: Eine Hybridheizung ist eine Kombination aus mehreren Wärmeerzeugern und Energieträgern – meist mit einer Kombination aus fossilen und erneuerbaren Energien. Bei den erneuerbaren Energien kann es sich genauso um Holz handeln wie um Sonnenenergie. Eine Hybridheizung ist gerade bei bestehenden Gebäuden oft der perfekte Einstieg in klimaschonende Technologie in den eigenen vier Wänden.

Natürlich kann man sagen, dass ein modernes Plus-Energiehaus, das  allein Solarthermie oder Photovoltaik für die Energieversorgung nutzt, noch besser wäre. Aber es ist nun einmal eine Tatsache, dass wir in Deutschland nicht von heute auf morgen alle Häuser abreißen und für viel Geld wiederaufbauen können. Und an kalten Wintertagen würde auch das nicht reichen. Mit einem Umbau eurer veralteten Heizung zu einer Hybridheizung mit modernem Öl-Brennwertkessel könnt ihr hingegen auch mit einem kleineren Geldbeutel aktiv in den Klimaschutz einsteigen – und günstiger heizen als mit der veralteten Heizung. Aber das nur nebenbei.

Zurück zum Thema: Um eine Heizung mit einem Öl-Brennwertkessel zu einer Hybridheizung zu erweitern, müsst ihr nur sehr wenige Veränderungen vornehmen. Neben einer Anlage für die Verwertung der erneuerbaren Energie – also einem Kaminofen oder einer Solaranlage – benötigt ihr im Großen und Ganzen noch einen Wärmespeicher, der die zentrale Stelle für Heizwärme und das Brauchwasser im Haushalt wird. Dieser wird dann – je nachdem, was gerade von Vorteil ist – mit fossiler oder erneuerbarer Energie beheizt. Angenommen, eure Hybridheizung würde Öl und Solarenergie kombinieren, könntet ihr in den Sommermonaten die Wärmeenergie für das Brauchwasser maßgeblich über die Solaranlage abdecken. In der Übergangszeit wäre eine Kombination aus Öl und Sonne euer Wärmelieferant. Und im Winter, wenn die Sonne wenig ertragreich ist, könnt ihr Dank eurem energieeffizienten Öl-Brennwertkessel immer auf eine warme Wohnung vertrauen.

 

Kurz & knapp:Förderung: Wird ein moderner Öl-Brennwertkessel mit Solarthermie ergänzt und zu einer Hybridheizung umgebaut, ist eine finanzielle Förderung durch den Staat möglich.

ÜBER DIESEN AUTOR

Nico, 30, baut mit seiner Freundin ein älteres Häuschen mit Garten um. Ganz oben auf der Liste stand: Die Heizungsanlage mit einem modernen Öl-Brennwertkessel auszustatten, um sie zu einer Hybridheizung umzubauen.

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