Ölheizung mit Solaranlage ergänzen: So wird Klimaschutz im Eigenheim gefördert

Moderne Ölheizungen lassen sich hervorragend mit einer Solarthermie-Anlage oder Photovoltaik erweitern: Das hilft nicht nur der Umwelt und schont den Geldbeutel, sondern wird vom Staat auch finanziell gefördert. Einstieg in ein spannendes Thema für Hausbesitzer findet Autor – und noch frischer Hausbesitzer – Nico.

Etwas für den Klima- und Umweltschutz tun, geringere Kosten haben, mehr Wohnkomfort genießen – es gibt viele gute Gründe, die alte Ölheizung in einem Einfamilienhaus zu erneuern. Wenn man erst einmal anfängt, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen, wird schnell klar, dass sich dabei eine weitere Überlegung quasi aufdrängt: die Ergänzung der Ölheizung durch Sonnenenergie. Denn beide bilden – sowohl energetisch als auch finanziell – ein äußerst sinnvolles Doppel.

Zauber der Hybridheizung

Das Zauberwort lautet: „Hybridheizung“. Wie so eine Hybridheizung, bei der eine erneuerbare Energie mit einem konventionellen Energieträger kombiniert wird, genau funktioniert, haben wir euch hier im Blog schon einmal ausführlich erklärt. Deshalb hier nur noch einmal die wichtigsten Fakten zur Kombination von Solarenergie mit einer Öl-Brennwertheizung: Da rund 70 bis 80 Prozent der Sonnenenergie in unseren Breiten im Sommerhalbjahr anfallen, im Winterhalbjahr jedoch der Bedarf an Wärme am größten ist, braucht jede Solaranlage für den sorglosen Betrieb im Eigenheim eine Ergänzung. Hier kommt der Öl-Brennwertkessel ins Spiel: Denn er kann seine Energie unabhängig von der Energiequelle Sonne auch nachts und bei Regenwetter aus dem Heizöltank beziehen.

Mit Solarthermie wird die Wärmeversorgung durch solarerwärmtes Wasser unterstützt

 

Die Sonnenenergie lässt sich bei einer solchen Kombination auf zwei verschiedene Arten nutzen: über Solarthermie (Umwandlung von Sonnenenergie in Wärme) oder Photovoltaik (Umwandlung von Lichtenergie in Strom). Was ist der Unterschied? Bei der Solarthermie wird die Sonnenenergie direkt in Wärme umgewandelt. Die Solarthermie-Anlage ergänzt so die Aufgaben einer Ölheizung bei der Versorgung des Haushalts: Sie produziert Warmwasser für Bad und Küche und kann sogar, das hängt von der Art der Solarthermie-Anlage ab, die Heizung bei der Erwärmung der Räume unterstützen. Dieses System übernimmt dann im Sommer – hier kann die Heizung meist komplett ausgeschaltet werden – und unterstützt in den Übergangszeiten im Frühling und Herbst. Im Winter übernimmt aufgrund nicht ausreichender Solarerträge die Ölheizung.

Bei der Photovoltaik (PV) wird die Energie der Sonne direkt in Strom umgewandelt. Das heißt: Die PV-Anlage kann die elektrischen Geräte im Haushalt mit selbsterzeugtem Solarstrom versorgen. Hierdurch reduziert ihr euren externen Strombedarf und damit auch eure Stromrechnung. Immer wenn mehr Solarstrom produziert als von den üblichen elektrischen Geräten im Haushalt benötigt wird, kann bei Öl-PV-Hybridsystemen eine intelligente Regelung dafür sorgen, dass der ansonsten ins Stromnetz eingespeiste Solarstrom auch für die Wärmeversorgung im Haus genutzt wird. Eine solarstrombetriebene Warmwasser-Wärmepumpe kann dank eigenem Wärmespeicher die Energie aus der PV-Anlage unabhängig davon nutzen, wann sie entsteht. Seid ihr tagsüber nicht zuhause und die Sonne scheint, könnt ihr daher dennoch abends oder am nächsten Morgen mit dem Wasser aus dem Speicher warm duschen. Der Solarstrom, der nicht im Haus genutzt werden kann, wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist – dafür erhaltet ihr für jede Kilowattstunde (kwh) über einen Zeitraum von 20 Jahren eine festgelegte finanzielle Vergütung, die sogenannte EEG-Förderung.

Wann lohnt sich die Umstellung auf eine Hybridheizung?

Egal, ob ihr eure Energieversorgung mit Photovoltaik oder Solarthermie erweitern wollt, einen grundsätzlichen Vorteil habt ihr als Besitzer einer Öl-Brennwertheizung von Anfang an: Beide Nutzungsarten der Sonnenenergie können mit einer aktuellen Ölheizung betrieben werden.

Wenn ihr einen älteren Ölkessel habt, solltet ihr ihn durch ein modernes und effizienteres Öl-Brennwertgerät ersetzen. Als Faustregel gilt dabei: Heizungen, die älter als 20 Jahre sind, sollten in der Regel ersetzt werden. Moderne Öl-Brennwertheizungen nutzen die Energie aus dem Heizöl nahezu vollständig für die Wärmeversorgung. Nicht zu vergessen: Auch die Modernisierung der Heizung wird finanziell gefördert. Infos dazu findet ihr auf www.besser-fluessig-bleiben.de.

Wie ihr seht, fließen also zahlreiche Faktoren in die Bewertung einer Hybridheizung mit ein. Ein neues Komplettsystem mit Öl-Brennwertgerät und Solarthermie für Warmwasser kostet nach meinen Recherchen inklusive Montage ganz grob überschlagen um die 16.000 Euro – allerdings kann die Investitionssumme je nach den Gegebenheiten vor Ort, den ausgewählten Geräten und dem ausführenden Betrieb auch davon abweichen. Bei einem Hybridsystem mit Photovoltaik hängen die Kosten besonders von der Größe der Solarstromanlage ab. Ganz grob kann man hier derzeit von 1.600 Euro je Kilowatt (kW) Spitzenleistung bzw. je 1.000 kWh jährlichem Solarstromertrag ausgehen. Ein Öl-PV-Hybridsystem mit Öl-Brennwertgerät, 6,2 kW-PV-Anlage und solarstrombetriebener Warmwasserwärmepumpe kostet nach meiner Recherche etwa 24.200 Euro (inkl. Montage). Davon entfallen rund 14.450 Euro auf den Heizungspart und rund 9.750 Euro auf die PV-Anlage.

Eine nachhaltige Investition

Dem gegenüber steht natürlich zum einen die bessere Klima- und Umweltbilanz eures Haushaltes. Ihr senkt den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 bei eurer Strom- und Wärmeversorgung und schont dabei zugleich durch die Nutzung der Sonnenenergie unsere natürlichen Ressourcen. Was unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes auch nicht vergessen werden sollte: Mit einer Ölheizung steht euch außerdem in Zukunft die Möglichkeit offen, statt oder neben konventionellem Heizöl auch die neuen umweltfreundlichen E-Fuels zum Heizen zu verwenden.
Zum anderen könnt ihr langfristig auch finanziell von der Umstellung auf ein Hybridsystem profitieren. Zum einen natürlich, weil ihr bei den Heizkosten einiges sparen werdet. Zum anderen, weil bei einer Photovoltaikanlage der selbsterzeugte Solarstrom zusätzlich stromseitig für eine deutliche Entlastung eurer Haushaltskasse sorgt. Was außerdem bei der Bilanz nicht vergessen werden darf: Die Umstellung auf Hybridsysteme wird vom Staat mit zahlreichen Zuschüssen gefördert. Darüber gebe ich euch im Folgenden einen kurzen Überblick.

Viele Töpfe versüßen den Brei

Bei der Frage der staatlichen Förderung eurer neuen Hybridheizung gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute lautet, dass der Staat die Umstellung auf eine effiziente und klimafreundliche Nutzung der Energieressourcen auf vielfältige Weise finanziell unterstützt. Die schlechte ist, dass man sich dabei als Laie in einem Förderdschungel wiederfindet, in dem man schnell den Durchblick zu verlieren droht. Es ist auch wichtig zu wissen, dass alle Förderungen an genau definierte technische und bauliche Bedingungen geknüpft sind. Das Bedeutet: Um einen guten Expertenrat kommt man hier als Bauherr nicht herum. Das kann ein Energieberater oder Fachbetrieb vor Ort sein, oder ihr wendet euch an die Fördermittelexperten vom IWO auf www.zukunftsheizen.de.

Für alle, die sich ergänzend gern selbst ein Bild machen möchten, hier sind die wichtigsten Fördermöglichkeiten:

  • Die staatliche Förderbank KfW ist euer erster Unterstützer bei der Umstellung auf eine Hybridheizung. Dabei habt ihr grundsätzlich die Wahl zwischen zwei Förderoptionen: Zum einen könnt ihr einen prozentualen Zuschuss zu den anfallenden Investitionskosten und einen besonders günstigen Ergänzungskredit bekommen. In diesem Fall bekommt ihr 10 Prozent bis maximal 5.000 Euro pro Wohneinheit von den anfallenden Kosten erstattet und könnt die restlichen Kosten der Modernisierung mit einem günstigen Kredit finanzieren. Er hat derzeit einen festen Zinssatz von 1,09 Prozent mit einer Laufzeit von 10 Jahren. Oder ihr verzichtet auf die 10 Prozent Kostenerstattung und erhaltet dafür einen noch günstigeren Kredit, der sich derzeit auf einen effektiven Jahreszins ab 0,75 Prozent beläuft. Zusätzlich unterstützt euch die KfW bei der Planung der Modernisierungsmaßnahme durch die Übernahme der Kosten für einen Experten für Energieeffizienz: dabei werden 50 Prozent der Kosten bis zu einer Höhe von 4.000 Euro übernommen.
  • Der zweite wichtige Fördertopf ist das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle). Die Behörde gewährt eine Basisförderung für die Errichtung oder Erweiterung einer Solarthermie-Anlage. Sie richtet sich nach der weiteren Nutzung der Sonnenenergie im Haushalt und unterscheidet dabei, ob die Solarthermie-Anlage zur ausschließlichen Warmwasserbereitung oder zur kombinierten Warmwasserbereitung und Raumheizung genutzt wird. Die Höhe der Förderung ist zusätzlich abhängig von der Größe der Bruttofläche eurer Sonnenkollektoren, beträgt jedoch pro Anlage mindestens 500 (wenn nur die Warmwasserbereitung mit den Solarmodulen unterstützt wird) bis 2.000 Euro.
  • Bei einer Photovoltaik-Anlage profitiert ihr zusätzlich durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es garantiert nach Inbetriebnahme der Solaranlage für einen Zeitraum von 20 Jahren einen festen Vergütungssatz für jede kWh Solarstrom, die in das öffentliche Netz eingespeist wird. Die Höhe dieser sogenannten Energieeinspeisevergütung wird von der Bundesnetzagentur festgelegt und richtet sich ebenfalls nach dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme sowie der Größe der Anlage. Derzeit sind das bei Photovoltaik-Anlagen mit maximal 10 kW-Spitzenleistung (bei Einfamilienhäusern sind PV-Anlagen typischerweise kleiner 10 kW) rund 12 Cent/kWh. Wichtig: Durch den kontinuierlichen Ausbau der Solarenergie in Deutschland sinkt die Höhe Vergütung für künftig errichtete Anlagen weiter ab. Wer mit Photovoltaik plant, sollte die Inbetriebnahme also nicht auf die allzu lange Bank schieben.
    Diese drei Töpfe sind der wichtigste Ausschnitt möglicher Förderquellen. Daneben gibt es aber möglicherweise auch noch kommunale Geldtöpfe, die euch bei der Erneuerung eurer Heizung finanziell unter die Arme greifen können.

 Zahlen und Fakten

  • Geschätzte Kosten einer Hybridheizung mit Solarthermie: Rund 16.000 Euro inklusive modernem Öl-Brennwertgerät inkl. Solarthermie-Anlage zur Unterstützung der Trinkwassererwärmung und inkl. Montage
  • Geschätzte Kosten für ein Öl-PV-Hybridsystem bestehend aus Öl-Brennwertgerät, 6,2-kW-Peak-PV-Anlage und solarstrombetriebener Warmwasser-Wärmepumpe: rund 24.200 Euro (inkl. Montage und MwSt.). Davon entfallen rund 14.450 Euro auf das neue Heizsystem und rund 9.750 Euro auf die Photovoltaik-Anlage.

Über diesen Autor

Nico, 29, ist mit seiner Freundin in ein kleines Häuschen mit Garten gezogen. Seitdem heißt es fast jedes Wochenende „Schaffe, schaffe, Häusle (um)baue“. Ganz oben auf der Liste: eine neue Heizungsanlage und die Einbindung von Sonnenenergie in die häusliche Energieversorgung.

Foto: tl6781 – stock.adobe.com

1 Kommentar

  1. Wenn moderne Öl-Brennwertheizungen die Energie aus dem Heizöl nahezu vollständig für die Wärmeversorgung nutzen, dann brauche ich, Gott sei Dank, keine ernste Umrüstung. Die Idee mit der Hybridtechnik hat gut gefallen, braucht aber noch einige Überlegungen. Meinen Dank für die sinnvollen Tipps zum Heizen!

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