Nachhaltig heizen: Wie gut ist die Pelletheizung?

Beim Blick auf sein eigenes Häuschen wird MeinWohn-Blogger Nico immer noch warm ums Herz – aber das reicht zum Heizen leider nicht aus. Über die Vor- und Nachteile sowie die Kosten verschiedener Heizungssysteme macht er sich schon eine ganze Weile Gedanken und hat jetzt die Pelletheizung unter die Lupe genommen.

Es sieht ein bisschen aus wie Kaninchenstreu, was mir meine Freundin Ella da unter die Nase hält, soll aber modernes Heizen sein und auch noch wenig kosten. Ella und ihre Frau Katharina haben sich gerade ein kleines Häuschen gekauft und müssen die marode alte Heizungsanlage ersetzen. Eine Idee, die dabei auf den Tisch kam, ist eine Pelletheizung. Die soll das Haus mit Holzresten warmhalten und dabei noch das Klima und, auch dank Förderung, den Geldbeutel schonen. Klappt das tatsächlich? Zeit für einen kleinen Faktencheck.

Pelletheizung: So funktioniert’s

Anders als bei einer Heizung für Öl oder Gas verfeuert eine Pelletheizung eben keine fossilen Brennstoffe, sondern üblicherweise Holz. Aus einem Lagerbehälter werden die kleinen „Presslinge“ nach Bedarf an den Pelletkessel, bzw. die Brennkammer verfüttert. Die beim Verbrennen entstehende Wärme wird wie gewohnt über den Heizkreislauf und die Heizkörper im ganzen Haus verteilt, damit’s überall muckelig warm wird. Eine Zentralheizung, die mit Holzpellets läuft, kann sowohl Ein- und Zweifamilienhäuser als auch größere Wohnanlagen mit Wärme versorgen, entsprechend leistungsstark muss die Anlage sein. Daneben gibt es auch den Pellet-Einzelofen, der die Wärme aber anders als eine zentrale Pelletheizung nur direkt in die Umgebung des Wohnraums abgibt.

Sinnvollerweise ist bei Pelletheizungen der Kessel mit einem Pufferspeicher gekoppelt, der doppelt wirkt: Zum einen sorgt er dafür, dass der Pelletkessel nicht so häufig an- und ausgeht, denn das mag der Pelletkessel gar nicht. Stattdessen speichert er nach dem Anspringen die Wärme zwischen, bis sie irgendwo im Haus angefordert wird. Das sorgt für verbesserte Emissionen und höhere Effizienz, denn der Pufferspeicher nimmt nach dem Abschalten auch Restwärme auf, bis die Brennkammer im Pelletkessel abgekühlt ist.

Voraussetzungen für eine Pelletheizung

Zuerst einmal braucht’s für eine neue Pellet-Anlage finanziellen Spielraum – eine Pelletheizung einzubauen, fällt in der Regel durchaus teurer aus als die Modernisierung einer Öl- oder Gasheizung. Wenn Ella und Katharina sich für eine Pelletheizung entscheiden, dann nur mit der Option eines Förderprogramms, das sie bei den Kosten unterstützt. So eine Förderung kann sich auf mehrere tausend Euro belaufen – Informationen dazu gibt’s zum Beispiel beim BAFA, dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

Förderung hin oder her, Pellets brauchen auch Lagerplatz: im Vergleich ungefähr dreimal so viel wie zum Beispiel ein Heizöltank für die gleiche Energiemenge. Das Haus von Ella und Katharina hat einen trockenen und gut belüfteten Kellerraum für die Heizung, in dem sich die Pellets lagern lassen – und das ist wichtig. In feuchten Räumen quellen die Pellets auf und können, wenn’s blöd läuft, verkleben. Das führt zu Störungen bei der automatischen Pelletbeförderung vom Lagerbehälter zum Kessel. Ist zu wenig Belüftung da, kann es sogar gefährlich werden, wenn die Pellets in einem möglichen schleichenden chemischen Prozess giftiges Kohlenmonoxid abgeben und sich dieses Gas im Lagerraum anreichert.

Wer sich für eine Pelletheizung entscheidet, muss auch mit kürzeren Wartungsintervallen rechnen. Zwar werden die Pellets automatisch mit einer Förderschnecke oder über ein Ansaugsystem an den Brennkessel geliefert, doch das Pellet-Lager braucht öfter Nachschub als z.B. ein großer Öltank. Obendrein entsteht beim Verbrennungsprozess Asche, die regelmäßig entsorgt werden muss. Wer leicht zur Bequemlichkeit neigt wie ich, überlegt sich das lieber zweimal.

Holz statt Heizöl – aber sind Pellets so viel klimafreundlicher?

Öl oder Pellets aus Holz: Was heizt effizienter?

Pelletheizungen haben typischerweise höhere Abgastemperaturen als effiziente Gas- oder Öl-Brennwertgeräte. Auch die Wärmeverluste des Kessels an den Aufstellraum sind typischerweise höher als bei effizienten Gas- oder Öl-Brennwertgeräten. Um die gleiche Nutzwärme für Heizung und Warmwasser bereitstellen zu können, benötigen Pelletheizungen im Vergleich zu Brennwertheizungen daher mehr Brennstoff.

Entscheidend ist jedoch die tatsächliche Effizienz im praktischen Betrieb mit schwankenden Auslastungen und Temperaturen sowie An- und Abfahrvorgängen über ein komplettes Jahr. Übrigens: Für einen aussagekräftigen Vergleich sind die häufig genannten feuerungstechnischen Wirkungsgrade nicht geeignet – sie beschreiben nur ganz bestimmte Betriebspunkte auf dem Prüfstand.

Darüber hinaus gilt auch: Je besser ein Haus gedämmt ist, umso weniger muss die Heizung ran. Das reduziert zwar die Heizkosten in puncto Brennstoff, weil weniger Pellets verbraucht werden – umso langsamer rentiert sich aber auch die Investition in eine teure Pelletheizung.

Klimabilanz: Wie schneiden Pelletheizungen ab?

Am Ende bleibt für mich die wichtigste Frage: Ist eine Pelletheizung in Sachen Umweltfreundlichkeit wirklich einer modernen Öl- oder Gasheizung überlegen? Fossile Brennstoffe sind nicht CO2-neutral und nicht endlos verfügbar, keine Frage. Holz ist ein regional nachwachsender Rohstoff und die Pellets bestehen doch ohnehin aus Resten – so dachte ich zumindest. Ein Streifzug durchs Internet hat mich aber eines Besseren belehrt: Durch die stark gestiegene Nachfrage seit Aufkommen der Pelletheizungen Ende der 90er Jahre stehen die Pellet-Hersteller mittlerweile in starker Konkurrenz zu anderen Bereichen der holzverarbeitenden und der Papierindustrie, wenn es um die Nutzung von Restholz, aber auch Stammholz geht. Gegen gesteuert wird mit Plantagen aus schnell wachsenden Holzarten und einer Intensivierung der Forstwirtschaft.

Und dann ist da die Sache mit der CO2-Bilanz: Grundsätzlich ist Holz CO2-neutral. Bei der Verbrennung wird genau so viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt, wie der Baum auch vorher aus der Atmosphäre aufgenommen hat. Ein neu gepflanzter Baum kann diese Menge dann wieder aufnehmen und binden. Einziger Haken: Das schafft er nicht von heute auf morgen. Es braucht Jahrzehnte, um das beim Verbrennen in der Pelletheizung freigesetzte CO2 auch wieder einzufangen. Auch wenn Ella es mir ein bisschen übelnimmt, dass ich an ihrem Traum vom klimafreundlichen Heizen säge: Ganz so harmonisch ist die Geschichte eben nicht. Natürlich bleibt aber das Argument, dass Holz kürzere Transportwege hat und für die Nutzbarmachung als Heizstoff insgesamt weniger Energie verbraucht wird. Auch der Treibhausgasausstoß pro Kilowattstunde fällt bei einer Holz-Heizung besser aus als bei klassischem Gas oder Öl. Was weitere Emissionen angeht, hat die Pelletheizung aber das Nachsehen gegenüber modernen Gas- oder Ölheizungen.

Nachhaltig heizen: Was geht noch?

Für Ella und Katharina ist die Pelletheizung zwar nicht komplett vom Tisch – aber ihre Suche nach einer anderen nachhaltigen Lösung für die Heizung ist noch nicht zu Ende. Auch wenn Katharina eigentlich weg vom Heizöl wollte, findet sie inzwischen auch die Vorteile einer Hybrid-Anlage einleuchtend: Eine Solaranlage auf dem Dach in Kombination mit einer Brennwertheizung. Die Photovoltaik-Panels produzieren – wann immer es geht – sauberen Solarstrom für die Haushaltsgeräte und für die Heizung. Der vorhandene Vorrat im Heizöltank wird nur dann benötigt, wenn die Sonne sich rarmacht. Und auch wer auf diese Technik setzt, kann sich über Förderung freuen. Mit weiteren guten Aussichten: an CO2-armem regenerativem Heizöl wird bereits intensiv geforscht.

 

 Zahlen und Fakten

  • Laut Bund der Energieverbraucher waren Holzpellets Ende 2018 rund 26 Prozent billiger als Heizöl. (Quelle: www.energieverbraucher.de) Bei einem Vergleich einer Pelletheizung mit einer Öl-Brennwertheizung ist jedoch zu berücksichtigen, dass man aufgrund der unterschiedlichen Effizienz etwas mehr Pellets kaufen und verbrennen muss, um eine vergleichbare Nutzwärmemenge für Heizung und Warmwasser erzeugen zu können.
  • Neben Pellets aus Holz werden auch welche aus Torf, Kokosnussschalen oder den Resten der Olivenölherstellung (Kerne und Presskuchen) produziert.
  • Pelletheizungen haben einen erhöhten Wartungs- und Reinigungsaufwand
  • Ein Lagerraum für Pellets braucht Platz (rund dreimal mehr als ein Heizöltank für eine entsprechende Wärmeleistung)
  • Holz ist ein nachwachsender, aber trotzdem auch ein begrenzter Rohstoff
  • CO2-neutral erfolgt die Verbrennung nur mit Holzpellets aus nachhaltiger Forstwirtschaft
  • Es entstehen höhere Feinstaub-Emissionen als durch Öl- und Gasheizungen

Über diesen Autor

Nico, 29, ist mit seiner Freundin in ein kleines Häuschen mit Garten gezogen. Seitdem heißt es fast jedes Wochenende „Schaffe, schaffe, Häusle (um)baue“. Ganz oben auf der Liste: eine neue Heizungsanlage und die Einbindung von Sonnenenergie in die häusliche Energieversorgung. Aber er riskiert auch mal einen Blick auf eine moderne Pelletheizung.

 

Fotos: tiero – stock.adobe.com; Kange Studio – stock.adobe.com

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