Möbel renovieren 2.0: So werden alte Schachteln zu neuen Schätzchen „gehackt“

Schön und individuell wohnen muss nicht teuer sein. Mit etwas Kreativität und handwerklichem Geschick lassen sich alte Möbelstücke ohne großen finanziellen Aufwand nicht nur restaurieren, sondern mit viel Spaß in etwas ganz Neues verwandeln. Dafür gibt es sogar schon ein eigenes Buzzword: Möbel Hacks. Tine outet sich als Fan dieser Bewegung.

Mein persönliches Aha-Erlebnis hatte ich vor ein paar Jahren. Es war bei meiner Freundin Katha. Sie hatte sich mit ihrem Mann eine ziemlich renovierungsbedürftige Altbauwohnung gekauft und über Monate umgebaut. Kurz nach dem Einzug schaute ich mit meinem Herzblatt vorbei. Wir saßen in der Küche und freuten uns, wie schön alles geworden war. Für viele neue Möbel war so kurz nach dem Wohnungskauf noch wenig Geld vorhanden. Aber wir durften auf ihrer neuen kleinen Sitzbank Platz nehmen. „Die ist von Ikea“, sagte Katha und lachte. Ich stand auf, lüftete das Sitzkissen und staunte: „Aber das ist ja ein Regal!“ Sie hatte das ausrangierte Möbelstück – übrigens das Model Kallax – auf die Seite gelegt und mit selbst genähten Kissen, die auf der Sitzfläche und an der Küchenwand befestigt waren, in eine hübsche Bank verwandelt. Unter den Sitzen entstand gleichzeitig ein praktischer kleiner Stauraum. Einfach, aber genial.

Alte Möbel mit Spaß und Kreativität individuell renovieren

Ich weiß nicht, ob damals schon von „Möbel Hacks“ die Rede war oder meine Freundin Katha eine heimliche Vorreiterin auf dem Gebiet war. Kreativ und eigensinnig war sie ja schon immer. Mittlerweile ist aus diesem Do-it-Yourself-Ansatz jedenfalls eine regelrechte Bewegung zum Aufarbeiten von Möbeln geworden. Möbel Hacks sind im Grunde eine Spielart des Möbel-Recyclings, über das ich vor Kurzem schon geschrieben hatte.

Aus alt macht neu: Möbel-Transformation in die Zukunft

Neben dem ökologischen Aspekt steht bei dieser Form der Möbelrenovierung jedoch stärker der Spaß an der Kreativität im Mittelpunkt. Denn es geht nicht so sehr darum, alte Möbel zu restaurieren, sondern mit etwas Geschick so aufzuarbeiten, dass sie im Haus oder Garten, Bad oder Wohnzimmer, auf der Terrasse oder dem Balkon eine ganz neue Funktion bekommen. Also lasst uns eintauchen in diese neue Welt alte Möbel zu renovieren. Aber Achtung, Möbel Hacks können süchtig machen!

Ikea ist schuld

Wenn ihr im Netz nach „Möbel Hacks“ sucht, findet ihr irre viele Projekte, die sich den Möbeln des schwedischen Einrichtungshauses Ikea widmen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ikea-Möbel sind ein weltweites Phänomen und stehen fast in jedem Haushalt: Wer nach der Lehre oder dem Studium seine erste Wohnung einrichtet, wird dort zumeist für relativ kleines Geld fündig. Später haben sich immer mehr Möbel in der Wohnung angehäuft, deren weitere Verwendung mit der Zeit fraglich wird. Außerdem sind günstige Möbel nicht so haltbar und schreien irgendwann danach, entsorgt, für kleines Geld verkauft oder eben renoviert zu werden.

Für letzteres eigenen sich Ikea-Möbel besonders gut: Schließlich sind sie zumeist relativ einfach konstruierte Bausätze aus Holz, die geradezu dazu einladen, auseinandergenommen und wieder neu zusammengebaut zu werden. Die Idee hinter den Ikea-Möbel-Hacks besteht deshalb auch nicht darin, Werbung für das Unternehmen zu machen, sondern um zum Beispiel zu zeigen, wie mit ein bisschen Kreativität aus zwei Kommoden und einer Platte im Schlafzimmer ein gemütlicher kleiner Arbeitsplatz entsteht:

Inspiration ohne Ende

Natürlich könnt ihr nicht nur Ikea-Möbel „hacken“. Günstige Möbel vom Flohmarkt, der Oma oder sogar dem Sperrmüll des Nachbarn sind ein mindestens ebenso fruchtbares Suchgebiet für passionierte Möbel-Hacker. Tatsächlich lassen sich nicht nur alte Möbel oder Möbelteile verwenden. Besonders beliebt sind zum Beispiel auch Europaletten, die findet ihr dazu mittlerweile sogar im Baumarkt, Holzkisten oder alte Türen. Materialien aus massivem Holz eignet sich zum Umbauen grundsätzlich besser, aber selbst die Oberfläche einer furnierten Spanplatte oder eines alten Metallteils könnt ihr mit Folie bekleben beziehungsweise Lackfarbe streichen und so im Handumdrehen wieder zu neuem Glanz verhelfen. So werden ein paar alte Kisten kinderleicht zum Hingucker im Wohnzimmer:

Mein Tipp: Googelt einfach im Netz nach „möbel hacks“ oder „furniture hacks“ und ihr findet Tausende Ideen, die euch zeigen, wie phantasievoll sich Möbel renovieren und als alle möglichen Einrichtungsgegenstände wieder zu neuem Leben erwecken lassen. Die Suche im Netz lädt euch gleichzeitig dazu ein, viele clevere und zauberhafte Inspirationen für die Ausstattung eurer vier Wände zu finden, an die ihr zuvor bestimmt noch nicht gedacht habt. Oder wärt ihr von allein auf die Idee gekommen, ein altes Lattenrost als superpraktisches Küchenregal weiterzuverwenden?

Möbel renovieren für Dummies

Das schönste an dieser kreativen Art des Renovierens von alten Möbelstücken ist für mich jedoch, dass man keine Schreinerlehre absolviert haben muss, um zum Erfolg zu kommen. Etwas handwerkliches Geschick und ein paar Materialien aus dem Baumarkt reichen vollkommen aus, um mit deinem DIY-Projekt loszulegen. Oft reicht es schon mit einer Klebefolie oder einem hübschen Lack einen farbigen Akzent auf der Oberfläche zu setzen, damit dein altes Möbelstück in einem ganz neuen Licht erscheint. Mit einer Säge, Holzschrauben, Holzleim, etwas Farbe, Pinsel und Schleifpapier hast du bereits eine gute Grundausstattung, mit der sich zahlreiche DIY-Ideen umsetzen lassen.

Am Anfang würde ich dir den Tipp geben, mit einfachen Ideen loszulegen. Und wenn du bei der technischen Umsetzung einmal nicht weiterweißt, findest du auf YouTube oder in Blogs schnell kompetente Hilfe. Ober du fragst mal in deinem Bekanntenkreis rum. Ich selbst bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen mit Möbel Hacks schon Erfahrungen gemacht haben – auch wenn sie es vielleicht gar nicht so nennen.

 

Kurz & knapp:

Mit Möbel Hacks renovierst du alte Möbel nicht nur, sondern hast zugleich die Möglichkeit, ihnen eine neue Funktion oder einen ganz anderen Style zu geben. Dafür brauchst du oftmals keine besonderen Fachkenntnisse. Im Internet gibt es eine große Community, in der du viele Anregungen und Hilfestellungen findest.

Über diesen Autor

Seitdem Tine, 37, mit ihrem Herzblatt und ihren zwei Kindern in einem alten Haus auf dem Land wohnt, ist Selbermachen ihre Devise. Bevor sie neue Möbel kauft, fragt sie sich immer öfter, ob es nicht eine smarte Alternative gibt, etwas Altes in etwas Neues zu verwandeln.

 

Fotos: aerogondo – stock.adobe.com; haiderose – stock.adobe.com

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