Mobilitätskonzepte für die Zukunft: Sharing, Hailing, Bikes, Scooter, Uber, Moia & Co.

Neue Mobilitätskonzepte erobern derzeit die Großstädte. Blogger Nico hat recherchiert, welche neuen Arten der Fortbewegung uns heute schon zur Verfügung stehen und welche Perspektive sie für Menschen auf dem Land bieten.

Arbeit, Freunde, Shoppen, Ausgehen ‒ Landluft macht zwar glücklich, aber ganz ohne das städtische Leben kommen wir trotz unseres wunderbaren Wohnidylls am Rande des Speckgürtels doch nicht aus. Bis vor ein paar Jahren gab es für uns nur zwei Möglichkeiten, in die Stadt – in unserem Fall nach Hamburg – zu gelangen und dort mobil zu sein: entweder ganz mit dem eigenen Auto fahren oder sich mit Auto oder Fahrrad in Kombination mit dem öffentlichen Nahverkehr fortbewegen.

In letzter Zeit hat sich in Sachen Mobilität in Deutschland jedoch einiges getan. Es gibt eine neue Infrastruktur, um in der Stadt unterwegs zu sein. Sharing, Hailing, E-Bikes, E-Scooter, Uber, Moia und Co. bieten euch zahlreiche Möglichkeiten, um in Metropolregionen von A nach B zu kommen. Da ich jetzt einige dieser Möglichkeiten ausprobiert habe, möchte ich euch hier einen kurzen Überblick über die verschiedenen Mobilitätskonzepte geben und von meinen Erfahrungen berichten.

Carsharing: Gute Alternativen zu Bahn, Bus und Taxi

Dass ihr euch beim Carsharing ein Auto mit anderen Menschen teilt, ist sicher nichts Neues, aber wusstet ihr auch, wie viele unterschiedliche Modelle es dabei gibt?

Für die stationsbasierte Form des Carsharings stehen Unternehmen wie Cambio, Flinkster oder Ubeeqo. Hier könnt ihr zwischen Fahrzeugen wählen, die an festen Plätzen über die Stadt verteilt sind. Nach Gebrauch müssen sie wieder an einen vorgegebenen Platz zurückgebracht werden. Der Vorteil: Bei diesen Mobilitätskonzepten habt ihr wie bei Mietwagen kaum Begrenzungen, wie lange ihr einen Pkw mieten könnt und wohin ihr damit fahren dürft. Der Nachteil: Wollt ihr sichergehen, dass euch das Fahrzeug auch wirklich zur Verfügung steht, solltet ihr es frühzeitig reservieren. Sonst könnt ihr Pech haben und für euren Wunschzeitraum steht kein Fahrzeug mehr bereit oder ihr müsst es an einem weiter entfernten Standort abholen. Die Preise werden in der Regel aus einem Mix aus Mietdauer und zurückgelegter Strecke berechnet. Das ist oft günstiger als ein Mietwagen und auch praktischer, weil die Autos dichter über die Stadt verteilt sind als die Stationen der Verleiher. Zumal der Mietvorgang über eine App nach Abschluss der obligatorischen Mitgliedschaft auch wesentlich stressfreier ist.

Besonders flexibel ist das stationsbasierte Carsharing nicht: Wollt ihr in der Stadt zum Beispiel von einem Treffpunkt zum anderen fahren und braucht das Auto danach nicht mehr, sind flexiblere Mobilitätskonzepte passender. Dafür bieten sich sogenannte Free-floating-Unternehmen wie ShareNow oder WeShare an: Hier findet ihr in der Regel spontan ein Auto, das irgendwo in der Nähe steht, per App kurzfristig reserviert und nach der Fahrt einfach auf einem beliebigen Parkplatz abgestellt werden kann. Der Betrag für die Benutzung wird anschließend nach Nutzungsdauer (pro Minute) und (bei WeShare) einer geringen Grundgebühr berechnet und über die App abgebucht. Weitere Kosten entstehen nicht.

Eine Alternative zum Free-floating-Carsharing sind Mobilitätskonzepte, die auf nach dem Ridesharing-Prinzip funktionieren. Der große Unterschied zwischen beiden Modellen besteht darin, dass euch beim Ridesharing ein professioneller Chauffeur durch die Straßen fährt. Dabei gibt es zwei Arten: Das Ridehailing, bei dem ihr wie beim Taxi über eine App einen Wagen mit Fahrer bestellt, der euch an eurer Wunschadresse abholt und zu eurem Ziel fährt. Bekannte Anbieter sind Uber oder FreeNow. Und das Ridepooling mit Anbietern wie Moia (Hamburg, Hannover) oder BerlKönig (Berlin). Hier gibt es feste Abhol- und Haltepunkte, die über die Stadt verteilt sind – sie liegen etwa ein- bis zweihundert Meter auseinander. Die Idee der Ridepoolings besteht darin, dass ihr euch die Fahrt mit anderen Menschen teilt, damit sie für euch günstiger wird und weniger schädlich für die Umwelt ist, als wenn ihr allein durch die Stadt kutschiert (werdet).

Valencia, Spain – April 29, 2019: Group of electric scooters for rent from the company Lime, arranged in the most tourist streets of the city.

Fahrräder, E-Scooter und E-Bikes: Wenn euch der Wind um die Ohren fegt

Viele der neuen Sharing-Anbieter setzen auch auf Elektromobilität und bieten E-Autos oder E-Vans als Sharing-Fahrzeuge an. Und wer sich den Wind um die Nase wehen lassen möchte, findet Miet-Fahrräder, E-Scooter oder E-Bikes. In Hamburg gibt es mit StadtRAD schon seit einigen Jahren ein günstiges Fortbewegungsmittel zur Kurzmiete. Es wird nur mit Muskelkraft betrieben und – das gebe ich zu – lässt sich auch sehr gut dazu nutzen, um am Wochenende von einer Party zur anderen zu kommen. Seit kurzem lassen sich dafür auch E-Scooter verwenden, die mittlerweile so ziemlich überall in der Stadt verteilt sind.

Apropos Party: Ihr solltet dabei aber beachten, dass für E-Scooter die gleichen Alkoholgrenzwerte gelten wie für Pkw-Fahrer. Überhaupt sollte man wissen, dass man mit den kleinen wendigen Rollern nicht auf Fußwegen oder in Fußgängerzonen fahren darf. In Hamburg kommt ihr mit einem E-Scooter nicht einmal in die Einkaufsmeile in der Innenstadt. Für weitere Fahrten könnt ihr in Berlin, München, Hamburg, Düsseldorf und Stuttgart alternativ auch die bis zu 50 Stundenkilometer schnellen Elektroroller von Emmy mieten. Zum Fahren benötigt ihr lediglich einen normalen Pkw-Führschein.

Fazit: Mehr Spaß und Flexibilität in der City

Für Menschen, die in der Stadt wohnen und kein Auto haben oder in der Stadt zu Besuch sind und denen Bahn und Taxi zu anstrengend oder teuer sind, sind die neuen Möglichkeiten der Sharing-Mobilität eine echte Alternative. In Ballungsgebieten kann man sich schon heute sehr genau nach seinen individuellen Bedürfnissen fortbewegen: Kurze Stecken können schnell mit dem Fahrrad oder E-Scooter zurückgelegt werden, auf mittellangen Wegen bieten sich E-Bikes oder E-Roller an und für größere Distanzen, bei schlechtem Wetter, in der Nacht oder wenn ihr mit einer kleineren Gruppe unterwegs seid, existieren viele gute Car-Sharing-Angebote.

Gibt es zwischen diesen flexiblen Mobilitätskonzepten auch das eine oder andere Haar in der Suppe? Ja, nach meiner Erfahrung schon. Für jedes Sharing-Verkehrsmittel gibt es eine eigene App in die man seine Daten eingeben muss. Durch die vielen Anbieter und Preismodelle ist oft auch nicht sehr transparent ersichtlich, welches Verkehrsmittel in welcher Situation wirklich am günstigsten ist. Da zahlt man das eine oder andere Mal im wahrsten Sinne des Wortes Lehrgeld.

Dennoch: In der Stadt gibt es viele Lösungen, auch ohne eigenes Auto mobil zu sein. Wie es auf dem Land aussieht, wird Euch einer meiner Kollegen demnächst berichten. ????

Kurz & knapp:

Moderne Mobilitätskonzepte bieten uns dank Carsharing, Ridesharing, E-Scooter und Co. schon heute ein breites Angebot an flexiblen Verkehrsmitteln. Der größte Wehrmutstropfen besteht jedoch darin, dass sie auf absehbare Zeit auf städtische Ballungsgebiete beschränkt bleiben werden.

 

Über diesen Autor

Nico, 30, hat mit seiner Freundin die Stadt verlassen und ist in ein kleines Häuschen mit Garten in der Nähe von Hamburg gezogen. Die Frage, wie sie dort in Zukunft mobil sein können, ist für die junge Familie von großer Bedeutung.

 

Fotos: Johann Müller – stock.adobe.com; Joaquin Corbalan – stock.adobe.com

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