Wetter in der Wohnung: Warum ein Blick auf die Luftfeuchtigkeit lohnt

Für ein gutes Wohnklima ist ein Blick aufs Hygrometer Pflicht. Das hilft nicht nur zur Schimmel-Prophylaxe, sondern auch der Gesundheit – wenn man entsprechende Maßnahmen ergreift.

Wetterbericht: 23 Grad bei angenehmen 52 Prozent Luftfeuchtigkeit

Jedenfalls im Wohnzimmer! Denn jede Zone in der Wohnung hat ihr eigenes optimales Raumklima. Ist die Luftfeuchtigkeit dauernd zu niedrig oder zu hoch, nagt das nicht nur an der Bausubstanz – auch unsere körpereigenen Barrieren geben nach. Atemwege reagieren gereizt, Augen und Haut trocknen aus. Das Immunsystem hat zu kämpfen und Schimmelpilze, die sich in feuchtem Klima wohlfühlen, schädigen mit ihren Sporen zusätzlich unsere Gesundheit.

Wir können das Klima aber einfach retten – zumindest in der Wohnung. Zuerst muss ein Hygrometer (Feuchtigkeits-Messgerät) her, um die Luftfeuchtigkeit präzise zu messen. Und dann öfter mal einen Blick darauf werfen! Der Wert darf gelegentlich nach oben oder unten schwanken, aber auf die Dauer soll die Luftfeuchtigkeit nicht von der Norm abweichen. Nur: was ist die Norm?

Entscheidend ist nicht nur, wie viel Gramm Wasser in einem Kubikmeter Luft unterwegs ist, sondern auch die Temperatur. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen. Enthält ein Kubikmeter sommerwarme Luft zehn Gramm Wasser, ist das relativ gesehen weniger als zehn Gramm Wasser in einem Kubikmeter Winterluft, weil die warme Luft theoretisch noch mehr aufnehmen könnte.

Mehr als 80 Prozent Luftfeuchtigkeit unbedingt vermeiden

Wichtig fürs Wohnklima ist die relative Luftfeuchtigkeit in Prozent. Sie vergleicht, wie viel Feuchtigkeit, die Luft gerade aufnehmen könnte – und wie viel Wasser tatsächlich im Raum hängt. Stark vereinfacht bedeuten 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, dass die Luft theoretisch doppelt so viel Wasser aufnehmen könnte. Werte von mehr als 80 Prozent Luftfeuchtigkeit sollte man jedoch in jedem Fall vermeiden, um langfristige Bauschäden zu verhindern.

Woher kommt aber die ganze Feuchtigkeit? Ganz einfach: Wir duschen, waschen ab – und wir (und unsere Haustiere) atmen durchgehend feuchte Luft aus und geben noch dazu Feuchtigkeit über die Haut ab.

Das hat Folgen: Dort, wo die Wandtemperaturen deutlich kälter sind als die Raumluft, kondensiert die Feuchtigkeit in der Luft zu Wasser. Ihr kennt das zum Beispiel von beschlagenen Fensterscheiben oder dem Badezimmerspiegel nach dem Duschen. So schlägt sich hohe Luftfeuchtigkeit gerade in kalten Ecken oder hinter Schränken sowie im Schlafzimmer und in anderen kühlen Räumen regelmäßig an den Wänden nieder und Schimmel wuchert in diesem Milieu fröhlich vor sich hin. In Bad und Küche ist es zwar wärmer, dafür aber umso feuchter: Auch hier muss regelmäßig die nasse Luft durch trockenere ersetzt werden.

Zu viel Luftfeuchtigkeit und niedrige Oberflächentemperaturen auf der Innenseite der Wände/Bauteile = Schimmelbildung in der Wohnung
Zu viel Luftfeuchtigkeit und niedrige Oberflächentemperaturen auf der Innenseite der Wände/Bauteile = Schimmelbildung in der Wohnung

Wohnungen haben also zur Nutzung passende Klimazonen. Am wärmsten sind Räume, in denen wir am meisten Zeit verbringen: In Wohnzimmer, Kinderzimmer und Arbeitszimmer liegt die Wohlfühltemperatur eindeutig über 20 Grad Celsius. Im Schlafzimmer darf es kühler sein: Temperaturen unter 20 Grad empfinden viele als angenehm und schlaffördernd – warm und gemütlich ist es schließlich unter der Bettdecke.

Die Luftfeuchtigkeit sollte immer zwischen 40 und 60 Prozent liegen. In Küche und Bad ändert sich schnell mal das Wetter: Vor dem Vollbad wird die Heizung aufgedreht, der Backofen feuert, Dampfschwaden aus Dusche oder Suppentopf lassen Fenster beschlagen und machen die Luft feucht.

Regelmäßiges Lüften ist entscheidend

Kein Problem: zeigt der Blick aufs Hygrometer zu feuchte Luft, ist Lüften die wichtigste Maßnahme – am besten mehrmals täglich kurz, aber intensiv. Das heißt: Gegenüberliegende Fenster weit öffnen, so dass Bewegung in die Raumluft kommt, und ein paar Minuten durchhalten – schon ist viel trockenere Luft im Raum. Das klappt optimal im Winter, wenn die Luft draußen kalt und trocken ist. Im Sommer muss spät abends, nachts  oder früh morgens gelüftet werden, wenn die Außenluft kühl ist. Denn nach dem Erwärmen der Luft im Raum sinkt die relative Feuchtigkeit der Luft und es kann neue Feuchtigkeit aufgenommen werden. Lässt man hingegen im Sommer warme Außenluft in den kalten Keller, wird es dort sogar feuchter. Daher sollten die Kellerfenster bei warmer Außenluft geschlossen sein.

Frischer Wind vertreibt feuchte Luft schnell und einfach
Frischer Wind vertreibt feuchte Luft schnell und einfach

Bei hoher Luftfeuchtigkeit drinnen helfen zudem Entfeuchter oder Behälter mit Salz und anderen Feuchtigkeit anziehenden Substanzen. Sinnvoll ist auch, die Abgabe von Wasser in die Raumluft zu minimieren, also: Dunstabzugshaube nutzen, keine Wäsche in der Wohnung trocknen und Aquarien abdecken.

Meldet das Hygrometer hingegen Wüstenklima unter 40 Prozent Luftfeuchte, leiden Haut und Schleimhäute. Tipps: Schalen mit Wasser zum Verdunsten auf die Heizung stellen, Wäschetrocknen in der Wohnung, Zimmerspringbrunnen oder Pflanzen. Im Härtefall muss ein Gerät zur Luftbefeuchtung her.

Richtig Heizen!

Wohlfühlklima heißt auch: richtig heizen! Bei Abwesenheit empfiehlt es sich, die Wohnung nicht ganz auskühlen zu lassen. Erstens kostet das Aufwärmen mitunter mehr, als die Heizung auf niedriger Einstellung eingeschaltet zu lassen. Zweitens schlägt sich an abkühlenden Außenwänden schnell Feuchtigkeit nieder – perfekt für Schimmelbildung.

Um kein Geld zu verbrennen, muss spätestens beim Neubau ein zeitgemäßes Heizsystem her. Wer sich keine Experimente mit Holzpellets oder Erdwärme leisten will, kann auch mit einer modernen Ölheizung ressourcenbewusst heizen. Moderne Brennwertkessel sind im Einbau vergleichsweise kostengünstig, verbrauchen wenig und lassen sich sogar mit Solaranlagen kombinieren. Wunschwetter in den eigenen vier Wänden: läuft doch.

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Zusammenfassung: Für ein angenehmes Wohnklima, das Bauschäden durch Schimmel vorbeugt und somit auch die Gesundheit schützt, muss man vor allen Dingen die Luftfeuchtigkeit im Blick zu haben. Ein regelmäßiger Blick aufs Hygrometer und die richtige Technik beim Lüften helfen dabei.

Fotos: Robert Kneschke – stock.adobe.com; Yabresse – stock.adobe.com

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4 Kommentare

  1. Unter Schimmelbefall leidet die Wohnung von meiner Busenfreundin. Recht vielen Dank für die überzeugenden Argumente zum Lüften und Heizen! Es könnte noch der Verbot hinzugefügt werden, die Wäsche im Badezimmer nicht abtrocknen zu lassen, was Irma aber regelmäßig macht.

  2. Schimmel wurde auch bei uns im Büro im Dachgeschoss entdeckt, wo mein Kollege seinen Arbeitsplatz hat. Zu hohe Luftfeuchtigkeit in dem nördlichen Seitenflügel. Dankbar für die Tipps zum Lüften! Ein Filter zur Luftreinigung würde wohl nicht schaden, damit der Schimmel nicht weiter kommt. Oder wäre es sinnvoller, die Fassade im Außebreich zu dämmen?

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