Licht rein, Lächeln an: Wie der Balkon zum Wintergarten wird

Mit einer Verglasung wird der in der kalten Jahreszeit ungenutzte Balkon zum Wintergarten, der im Sommer trotzdem viel Licht und Luft in die Wohnung lässt. Unser Autor Marc hat recherchiert, welche Möglichkeiten ihr dabei habt und was es beim Umbau alles zu beachten gilt.

Der urbane Balkon ist so etwas wie die Südsee des kleinen Mannes (und der kleinen Frau natürlich). An lauen Sommerabenden entspannen wir hier und lauschen dem Rauschen der Stadt. Leider ist er auch der Ort der Wohnung, der in der kalten Jahreszeit zum Open-Air-Abstellraum wird. Das hat zwar den Vorteil der Vorfreude auf die ersten warmen Balkontage im Frühling. Trotzdem: Ich ärgere mich jedes Jahr im Herbst, dass ich meinen Balkon jetzt kaum noch nutzen kann. Grund genug also, um an einem nasskalten Winterabend in der warmen Stube darüber zu sinnieren, wie hier Abhilfe geschaffen werden könnte.

Am Anfang steht die Ernüchterung

Ihr wisst natürlich schon, wie die Antwort lautet: Bau ihn zum Wintergarten um! Nach kurzer Recherche wird aber schnell klar: Als DIY-Projekt ist das gar nicht so einfach zu stemmen. Das beginnt schon mit der Frage: Darf man das überhaupt „so einfach“ machen? Die Antwort ist schnell gefunden: Nein, darf man nicht. Als Mieter muss man zuerst den Vermieter um Erlaubnis fragen, als Eigentümer in einem Mehrfamilienhaus müssen die anderen Parteien zustimmen. Und damit nicht genug. Wer seinen Balkon verglasen und zum Wintergarten umgestalten will, sollte sich vorher auch beim Bauamt erkundigen, ob das genehmigungspflichtig ist. Ist das der Fall müsste später eine Baugenehmigung beantragt werden – dafür solltet ihr so etwa 500 Euro ins Sparschwein stecken. Und bei Altbauten ist es ratsam, sicherheitshalber ein Statiker hinzuzuziehen, um zu beurteilen, wie viel Traglast dem Balkon – eine Balkonverglasung kann ein beträchtliches Gewicht haben – überhaupt zugemutet werden kann.

Nach diesem ernüchternden Einstieg ist es an der Zeit wieder ins Träumen zu kommen: Was geht denn so alles an Wintergarten auf dem Balkon? Am Anfang müsst ihr euch darüber klar werden, wie ihr den Balkon nutzen wollt: Das ganze Jahr über oder nur im Sommer beziehungsweise in der Übergangszeit. Denn die Experten unterscheiden zwischen einem Wohn- und einem Kaltwintergarten. Wofür ihr euch entscheidet, hat grundsätzliche Folgen für die Art und Weise, wie der Wintergarten geplant, gestaltet und genutzt werden kann – und natürlich auch, was der Spaß am Ende kosten wird. Als schnelle Entscheidungshilfe habe ich für euch im Folgenden die wichtigsten Unterschiede zusammengestellt.

Mit dem Kaltwintergarten habt ihr mehr vom Balkon

Der größte Vorteil gleich vorweg: Ein Kaltwintergarten ist die weitaus günstigere Lösung. Denn hier reicht eine Einfachverglasung mit einer simpleren Konstruktion aus, was wesentlich weniger ins Geld geht. Außerdem fallen keine weiteren Heizkosten an. Bei Kälte kann der Kaltwintergarten sogar als Puffer für den angrenzenden Wohnraum wirken und damit zusätzlich die Heizkosten senken. Und was besonders für lärmgeplagte Städter angenehm sein kann: Auch eine Einfachverglasung schluckt einiges an Geräuschen!

Gerade bei Häusern, die einen innenliegenden oder gut geschützten Balkon haben, der am besten auch noch nach Süden raus geht und viel Sonnenlicht abbekommt, kann der Kaltwintergarten somit eine gute Lösung sein, mit der ihr die Nutzungszeit eures Balkons über das Jahr ein ganzes Stück verlängern könnt. Was ich auch charmant finde: Wenn der Balkon auf diese Weise frostfrei bleibt, habt ihr fantastische Möglichkeiten, ihn in der kalten Jahreszeit mit Pflanzen zu dekorieren oder als Gewächshaus zu nutzen. Da Wind und Wetter draußen bleiben, lässt sich das Mobiliar außerdem das ganze Jahr auf dem Balkon parken.

Einen Wohnwintergarten gibt es nicht von der Stange: Alles ist Massanfertigung

Mit dem Wohnwintergarten schafft ihr einen neuen Wohnraum

Der wahre Luxus ist ein Kaltwintergarten aber nicht. Den erhaltet ihr erst dann, wenn ihr den Balkon zu einem Wintergarten umbaut, der das ganze Jahr über wie der Rest der Wohnung genutzt werden kann. Euer Balkon wird damit sozusagen zum erweiterten Wohnzimmer, in dem ihr an drögen Wintertagen ordentlich Licht tanken könnt. Dafür müsst ihr aber wesentlich tiefer in die Tasche greifen: Die Fenster müssen zwei- oder dreifachverglast sein und benötigen eine stabilere Rahmenkonstruktion. Während bei einem Kaltwintergarten vieles beim Alten bleiben kann, ist es zudem sinnvoll, den Wohnwintergarten in das angrenzende Zimmer zu integrieren. Zum Beispiel, indem der Übergang neu gestaltet wird oder der Fußboden des Balkons an den des angrenzenden Zimmers angeglichen wird.

Energetisch solltet ihr wissen, dass der Treibhauseffekt durch das Aufheizen des Wintergartens bei einem Balkon in vielen Fällen generell nicht so effektiv ist. Zum Beispiel, weil der Boden keine Wärmedämmung hat oder weil über dem Balkon häufig ein weiterer Balkon liegt, der einen Großteil der Sonnenwärme schluckt. Da sich die Wohnfläche durch den Balkon vergrößert, müsst ihr außerdem sehr wahrscheinlich eine weitere Heizung einbauen lassen – wird der Wintergarten nicht mehr durch eine Balkontür oder ähnliches von der Wohnung abgegrenzt, ist die zusätzliche Heizung sogar Pflicht.

Die Balkonverglasung: Das Herz des Wintergartens

Gläser sind so ein Thema für sich: Es gibt Ein-, Zwei-, Dreifachverglasungen, Sicherheitsglas, Isolierglas, Glas mit Schallschutz, Glas mit Spezialbeschichtung, Sonnenschutzglas und noch so einiges mehr. Der Punkt dabei ist: Die Wahl des richtigen Glases ist extrem wichtig, hängt aber von der Konstruktion und Nutzung eures Balkons ab. Sie entscheidet auch über den größten Teil der Kosten, die auf euch zukommen. Übrigens: Es ist schwierig, eine vorgefertigte Verglasung zu verwenden, weil das die Montage sehr kompliziert macht. Hier ist Maßarbeit gefragt.

Was außerdem wichtig ist: Bei der Planung eines verglasten Balkons müsst ihr nicht nur bedenken, mit welchem Glas ihr die Wärme einfangen wollt, ihr müsst euch auch Gedanken darüber machen, wie ihr künftig das Raumklima auf dem Balkon steuern wollt: Dazu müsst ihr Lüftungsklappen einplanen oder Schiebefenster nehmen, die sich zum Lüften öffnen lassen. Eventuell benötigt ihr einen Sonnenschutz. Besonders im Sommer kann sich der Balkon-Wintergarten sonst schnell in eine Balkon-Sauna verwandeln.

Kurz & knapp:

Wenn ihr euren Balkon in einen Wintergarten umbauen wollt, habt ihr die Wahl zwischen einem Kalt- und einem Wohnwintergarten. Als Kosten starten je nach Ausstattung, Größe und Beschaffenheit des Balkons bei etwa 3.000 Euro für einen Kaltwintergarten beziehungsweise 10.000 Euro für einen Wohnwintergarten – nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt.

 

Über diesen Autor

Marc, 45, lebt in Hamburg in Hafennähe. Schon seit langem spielt er mit dem Gedanken, aus seinem Balkon einen Wintergarten zu machen.

 

Fotos: Martina Berg – stock.adobe.com; Hermann – stock.adobe.com

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