Kalte Zahlen für mollige Wärme: Heizkörper ablesen

Zur Kasse, bitte! Jedes Jahr geht’s in vielen Wohnungen zur Sache, auch bei Blogger Marc: Es wird mit Hilfe kleiner Kästchen ermittelt, wie warm es war – und damit indirekt, wie hoch die Rechnung fürs Heizen wird. Wie funktionieren diese Geräte, welche Möglichkeiten gibt es, welche Kosten entstehen – und gibt es Einsparmöglichkeiten?

Funkt ihr schon oder kommt bei euch noch der Heizkörper-Ableser vorbei? Bei uns ist es bald wieder so weit. Unten im Treppenhaus hängt ein großer Zettel, auf dem der Termin für die Ablesung der Heizung in unserem Mietshaus angekündigt wird. Ich habe deswegen mit dem Verwalter unseres Wohnhauses telefoniert – und bin anschließend in die mysteriöse Welt der Heizkostenverteiler eingetaucht. Aber von Anfang an.

Wenn ihr in einem Haus mit mehreren Wohneinheiten und einer zentralen Heizungsanlage wohnt, kennt ihr das: Einmal im Jahr müssen diese kleinen weißen Kästchen abgelesen werden, die an den Heizkörpern angebracht sind. Das sind die sogenannten Heizkostenverteiler. Im Gegensatz zum Strom- oder Wasserzähler könnt ihr das in der Regel nicht selbst erledigen, sondern zum Heizung-Ablesen kommt der Mitarbeiter einer externen Firma bei euch vorbei und notiert bei einem Rundgang durch die Wohnung die Werte auf den seltsamen kleinen Geräten.

So funktioniert das Ablesen der Heizung mit Heizkostenverteilern

Aber was hat es mit diesen kleinen Kästen genauer auf sich? Die Ausgangslage ist ja wie folgt: Mehrere Parteien hängen an einem großen Heizungskreislauf, für den am Ende des Jahres ein bestimmter Betrag an Heizkosten anfällt. Diesen Betrag einfach auf die Anzahl an Quadratmetern oder Zimmern umzulegen wäre jedoch nicht gerecht. Schließlich wollen diejenigen, die wenig heizen, nicht für diejenigen aufkommen, die aus ihrer Wohnung eine Sauna machen. Hier kommen die Heizkostenverteiler ins Spiel. Was wichtig ist: Heizkostenverteiler messen nicht den tatsächlichen Wärmeverbrauch, sondern helfen dabei, die Temperaturdifferenzen zu ermitteln, die zwischen den verschiedenen Wohneinheiten bestehen. Sie sind ein Hilfs-Mess-Verfahren.

Und das funktioniert so: Jeder Heizkostenverteiler misst über das Jahr die Wärme, die an einem Heizkörper entsteht anhand einer Skala mit vergleichbaren Einheiten. Durch das Ablesen aller Geräte im gesamten Haus ergibt sich zum Ende des Abrechnungszeitraums ein bestimmter Gesamtwert, der die Summe aller dieser Einheiten darstellt. In einem zweiten Schritt werden die im Haus insgesamt angefallenen Heizkosten durch diese Gesamtzahl geteilt. Auf diese Weise erhält man für jede Einheit, die an einem Heizkostenverteiler gemessen wurde, einen Grundwert für die zu bezahlenden Heizkosten. Er wird in einem dritten Schritt mit den Einheiten multipliziert, die auf den Heizkostenverteilern in jeder Wohneinheit gemessen wurden. Das ist euer Verbrauch.

Klingt kompliziert? Ist es auch. Denn damit diese Rechnung auch wirklich gerecht aufgeht, muss jeder Heizkostenverteiler genau auf den Heizkörper abgestimmt sein, an dem er angebracht ist. Schließlich hat jeder Heizkörper seine eigene Wärmeleistung und der Wärmeübergang zwischen Heizkörper und Heizkostenverteiler kann ebenfalls variieren. Deshalb hat jeder Heizkostenverteiler zusätzlich einen eigenen Bewertungsfaktor. Dieser wird entweder schon bei der Zählung der Einheiten am Gerät berücksichtigt oder bei der Heizkostenabrechnung als Umrechnungsfaktor ausgewiesen.

Warten auf den Heizungsableser? Bei Ablesungen per Funk muss das nicht mehr sein

Analog oder elektronisch – so funktionieren Heizkostenverteiler

Aber wie messen die Heizkostenverteiler denn nun die Einheiten, die auf der Heizung abgelesen werden? Da gibt es zwei Möglichkeiten. Die älteren Geräte sind sogenannte „Verdunster“. Sie bestehen – wie ein Thermometer – aus einem langen Glasröhrchen mit einer Skala, in dem sich eine Flüssigkeit befindet, die tatsächlich nichts anderes macht, als im Laufe des Jahres zu verdunsten. Und je wärmer es ist, desto mehr ist am Ende des Ablesezeitraums verdunstet. Obwohl eine neuere Generation dieser Verdunster mit einem dünnen Kapillarröhrchen versehen sind, das genauere Werte anzeigt, ist diese Art der Messung sehr fehleranfällig. So reagieren Verdunster empfindlich auf andere Wärmequellen wie zum Beispiel hohe Außentemperaturen oder direkte Sonneneinstrahlung, können Fertigungstoleranzen haben und leicht falsch abgelesen werden.

Wesentlich genauer lassen sich Heizkörper mit elektronischen Heizkostenverteilern ablesen. Im Detail gibt es bei diesen Geräten zwar unterschiedliche Funktionsweisen, grundsätzlich arbeiten die meisten elektronischen Heizkostenverteiler aber als batteriebetriebene Zweifühlergeräte: Sie messen über Sensoren die Temperatur der Oberfläche des Heizkörpers und des Wohnraums. Der Verbrauchswert, den sie auf ihrem digitalen Display anzeigen, errechnet sich dann aus der Differenz zwischen diesen Werten. Neben der genaueren Messung haben sie noch einen weiteren Vorteil: Sie können Verbrauchswerte speichern und zu einem Stichtag oder beim Mieterwechsel zum Monatsende ausgeben.

Heizkörper ablesen – am besten per Funk!

Und damit kommen wir wieder zum Beginn dieses Blogbeitrags zurück: Meinem Telefonat mit dem netten Verwalter unseres Wohnhauses. Also rein mietrechtlich ist es so, dass ihr zur Ermittlung des Verbrauchs dem Ableser Zugang zu euren vier Wänden gewähren müsst. Dass finde ich persönlich auch nicht weiter problematisch. Was mich aber seit Jahren nervt, ist die Sache mit den Terminen. Um nicht für das Ablesen der Heizkörper extra zahlen zu müssen, sollte man als Mieter spätestens bei der zweiten Terminvergabe zuhause anzutreffen sein. Letztes Jahr musste ich dafür den Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt mit den lieben Kollegen sausen lassen.

Dabei könnte das Ablesen der Heizkörper auch einfacher sein: Die Lösung sind elektronische Heizkostenverteiler mit Funktechnik. Diese Geräte übertragen die Werte an einem Stichtag automatisch an den Messdienstleister. Wie mir unser Verwalter am Telefon mitteilte, sind diese Geräte jedoch teurer und diese Mehrkosten würden dann – wie generell die Kosten für die Heizkostenverteiler – im Rahmen der Heizkostenabrechnung direkt an die Mieter weitergegeben. Und da ich es mir mit meinen Nachbarn nicht verscherzen will, werde ich mich wohl noch ein paar Jahre gedulden müssen, bis dieser kleine Luxus in unser Haus einziehen wird.

Wie ihr bei den Heizkosten sparen könnt

Beim Betrachten der Heizkostenverteiler an den Heizkörpern werden sich schon viele Menschen überlegt haben, ob sie diese kleinen Dinger nicht überlisten können. Aber Vorsicht! Die Heizkostenverteiler sind verplombt und werden vom Messdienstleister mit einem Punktschweißgerät fest am Heizkörper angebracht. Wer versucht, sie zu manipulieren betrügt nicht nur seine Nachbarn, sondern riskiert als Mieter auch die Kündigung. Außerdem kann eine unsachgemäße Manipulation schnell dazu führen, dass ihr genau das Gegenteil erreicht und eure Heizkosten künstlich in die Höhe treibt.

Viel sinnvoller und ganz legal ist es hingegen, bei den Heizkörperthermostaten anzusetzen. Gerade bei einer Zentralheizung könnt ihr mit elektronisch geregelten Thermostaten eure Heizkostenabrechnung sehr einfach absenken. Wie das genau funktioniert, haben wir euch in einem anderen Post schon einmal erklärt.

Kurz & knapp:

Es gibt zwei Arten elektronischer Heizkostenverteiler:

  • Fortlaufende Geräte zeigen auf dem Display nur den aktuellen Verbrauchswert an
  • Stichtagsprogrammierte Geräte haben Bedientasten und können neben dem aktuellen Verbrauchswert auch den Wert zu einem bestimmten Stichtag anzeigen.

Über diesen Autor

Marc, 45, lebt in Hamburg in Hafennähe – also mitten in der City. Einmal im Jahr kommt eine Ablesefirma auch in seine Mietwohnung und liest die Heizung ab. Das war für ihn Grund genug nachzuforschen, wie das eigentlich funktioniert.

Fotos: Dan Race – stock.adobe.com; nakedking – stock.adobe.com

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