Immer für ein Gespräch gut: Die Wetterstation für zu Hause

Wetterstation in Wohnung

Sensoren und smarte Funktionen machen es möglich: Moderne Wetterstationen können mehr als nur Luftdruck und Temperatur anzeigen. Aber worauf solltet ihr beim Kauf achten und wie viel Geld müsst ihr in etwa einplanen? Unser Wohnblogger Marc berichtet aus eigener Erfahrung.

Wer erst einmal tiefer in die Welt des Smart Homes eingestiegen ist, kommt da so einfach nicht wieder heraus. Und wenn dann – so wie bei mir – erst einmal die Musik, das Licht und die Heizung „connected“ sind, wird einem relativ schnell klar, dass es dabei nicht bleiben kann. Weil mein Kühlschrank bis auf Weiteres nicht ans Netz soll, begann ich mich für das Wetter zu interessieren. Ehrlich gesagt, habe ich anfangs mehr aus Nerdigkeit nach Wetterstationen recherchiert. Denn ich war zunächst skeptisch, ob so eine Station einen Mehrwert hat oder mit der Zeit zum smarten Staubfänger wird. Ich musste dabei auch immer an diese analoge Wetterstation mit dem klassischen Dreigestirn aus Barometer, Hygrometer und Thermometer denken, die bei Onkel Ferdinand im Wohnzimmer hing. Außerdem habe ich, wie ihr sicherlich auch, auf meinem Handy eine App, die mir rund um die Uhr zahlreiche Wetterdaten in Echtzeit präsentiert. Als Hamburger ist der Regenradar meiner Wetter-App für mich wichtiger geworden als mein Faltschirm mit dem roten Punkt.

Wer eine Wetterstation im Einsatz hat, weiß jedoch, dass dieser Vergleich etwas hinkt. Denn mit einer Wetterstation könnt ihr auch die Temperatur, beziehungsweise das Wohnklima, innerhalb der Wohnung messen. Zudem sind die Messwerte für den Außenbereich, sofern ihr eine Wetterstation mit Außensensor habt, genauer als es die einer App sein können. Das gilt im selben Maße für den ländlichen Raum, wo die nächste Messstation des Wetterdienstes, auf den eure App zurückgreift, einige Kilometer von eurem Wohnort entfernt sein kann, wie für die Stadt, in der es durch die jeweilige bauliche Lage durchaus Unterschiede beim Mikroklima geben kann.

Ein aktueller Anwendungsfall für meine Wetterstation: Während ich hier in Hamburg sitze und tippe, sind es draußen 29 Grad, während in meiner Wohnung 27 Grad gemessen werden, die Luftfeuchte liegt draußen bei 47 und drinnen bei 52 Prozent. Mit diesen Daten von der Wetterstation kann ich viel einfacher beurteilen, wann es sich lohnt, die Fenster zu öffnen, ohne dass ein Hitzestrom den gefühlten Backofen, in dem ich hier sitze, noch weiter aufheizt. Wer während der Corona-Zeit im Homeoffice am Laptop schwitzt, wird es außerdem zu schätzen wissen, die Luftfeuchtigkeit im Raum angezeigt zu bekommen, die immer zwischen 40-60 Prozent liegen sollte. Denn trockene Luft reizt die Augen und fördert Atemwegserkrankungen. Aber zurück zum Thema Wetterstation.

Mann mit Smartphone in Wohnung
Die smarten Wetterstationen lassen sich über das Mobiltelefon steuern und sogar ins Smart-Home-System einbinden

Vielseitigkeit: Was kann eine Wetterstation?

Die Antwort auf diese Frage ist sicherlich der wichtigste Punkt, wenn ihr euch für den Kauf einer digitalen Wetterstation interessiert. Wie bei vielen technischen Geräten gilt auch bei Wetterstationen: Je größer die Vielseitigkeit ist, desto höher ist der Preis. Einfache Wetterstationen können nur Basisdaten wie Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit messen. Die Werte ermitteln sie mit einem digitalen Thermometer, Hygrometer oder Barometer im Hauptgerät, das die Daten anzeigt und dementsprechend in der Wohnung steht – vielleicht noch zusätzlich über einen weiteren Temperatursensor, der im Außenbereich angebracht wird. Je ausgefeilter eine Wetterstation ist, desto mehr Messwerte kann sie über weitere Sensoren oder Messgeräte erfassen und anzeigen – wie den Kohlendioxid- oder Ozongehalt, die Niederschlagsmenge, die Windgeschwindigkeit oder die Windrichtung. Bessere Geräte zeigen auch Informationen über Mondphasen oder die Zeiten von Sonnenaufgang und -untergang an. Die Top-Wetterstationen greifen über das Netz Wetterberichte von professionellen Wetterstationen ab und kombinieren sie mit den vor Ort erhoben Daten.

Neben der Datenerfassung unterscheiden sich die Stationen auch bei der Auswertung stark: Während die einfachsten nur aktuelle Werte für den Ort anzeigen, an dem sie stehen, können bessere Stationen über Funk das Wetter für mehrere Regionen und Tage anzeigen. Während eine Uhr in der Regel zum Standard gehört, haben einige Stationen sogar eine Funkuhr eingebaut und lassen sich als Wecker verwenden. Wirklich smarte Wetterstationen – wie die Geräte des Smart-Home-Spezialisten Homematic – können darüber hinaus per WLAN ins Smart-Home-System eingebunden werden. So lassen sie sich dafür nutzen, Markisen-, Jalousie- oder Rollläden zu steuern, indem sie zum Beispiel bei Sonneneinstrahlung oder Sturm das Kommando zum Runterfahren geben.

Ausbaufähigkeit: Wie lässt sich die Station erweitern?

Bevor ihr euch für ein Gerät entscheidet, würde ich auf jeden Fall dazu raten, genauer zu recherchieren, welche Möglichkeit ihr habt, die Station später einmal um weitere Messmöglichkeiten zu erweitern: Denn, wer weiß, vielleicht findet ihr es im nächsten Sommer doch spannend, wenn euch die digitale Wetterstation die Niederschlagswerte für euren Garten anzeigen kann. So könntet ihr besser beurteilen, ob es wirklich notwendig ist, abends noch einmal den Rasensprenger anzustellen oder das Gemüsebeet zu wässern. Dabei lohnt es sich auch darauf zu achten, wie teuer und funktional zusätzliche Sensoren und Messstationen sind und wie sie im Netz oder in Tests bewertet werden. Damit sich das vermeintliche Schnäppchen nicht im Nachhinein als Kosten- oder Funktionsfalle entpuppt.

Konnektivität: Wie praktisch und zukunftssicher ist die App?

Neben der Erhebung der Daten unterscheiden sich die Geräte aber auch stark darin, wie sie euch die Messwerte präsentieren: Auf einem monochromen oder bunt leuchtenden LCD-Display, das ihr in der Wohnung aufstellt, oder per App auf dem PC oder Smartphone. Nach meiner Ansicht gibt es dabei kein besser oder schlechter, sondern nur die individuelle Vorliebe: Habt ihr lieber ein weiteres Display in der Wohnung, von dem euch den ganzen Tag sechs, acht, zehn oder 16 Werte anlachen? Oder mögt ihr es diskreter, mit einem Programm, in dem ihr zusätzlich auf zahlreiche, grafisch aufbereitet Statistiken zugreifen könnt?

Als Smart-Home-Nerd gehöre ich natürlich zur zweiten Gruppe. Ich bin dabei aber durchaus etwas kritisch. Nicht so sehr wegen dem Spaß, den der Umgang mit den ganzen – auf den ersten Blick streckenweise vielleicht nutzlosen – Daten machen kann. Das empfinde ich eher als positiven Nebeneffekt: Ich merke, dass ich immer mehr zum Hobbymeteorologen werde, der zum Beispiel auf der Webseite vom Deutschen Wetterdienst nach weiteren Informationen sucht, die ich dann zusammen mit den zu Hause erhobenen Daten in das nächste Gespräch über das Wetter einfließen lasse. Das ist ja immer ein Thema 😉.

Was ihr beim Kauf einer digitalen und smarten Wetterstation bedenken solltet, ist hingegen, dass ihr mit so einem Gerät immer von dem Betreiber abhängig seid, der zum Beispiel Sicherheitsupdates bereitstellen oder eine Schnittstelle pflegen muss, damit die Station zusätzliche Daten von professionellen Wetterdiensten empfangen kann. Außerdem muss die App gepflegt werden, damit sie nach dem Kauf des übernächsten Smartphones noch mit dem Betriebssystem der Zukunft kompatibel ist. Da die vernetzten Wetterstationen in der Regel teurer sind, ist es ärgerlich, wenn es irgendwann aus diesem Grund nicht mehr funktioniert. (Ich selbst hatte vor kurzem einen ähnlichen Fall mit einer smarten Aktivbox, für die der Hersteller – einer der Marktführer auf dem Gebiet – praktisch über Nacht die Unterstützung eingestellt hat.) Bei smarten Wetterstationen mit WLAN außerdem wichtig: Ihr müsst vor dem Kauf auf jeden Fall checken, ob die Station eure technische Infrastruktur wie iOS oder Android, Windows oder macOS unterstützt und sich in euer Smart-Home-System einbinden lässt.

Zu guter Letzt: Was kostet der Spaß?

Die einfachsten Wetterstationen mit einem zusätzlichen Funk-Außensensor starten bei etwa 20 bis 30 Euro. Dazu ein Tipp: Achtet beim Funksensor unbedingt auf die Reichweite der Verbindung. Von Geräten, die nur 30 Meter angeben, würde ich abraten, weil dieser Wert in der Praxis niemals erreicht wird, wenn der Sender durch eine Mauer oder sogar mehrere Wände funken muss. 100 Meter sollten es schon sein. Bei etwa 40 bis 80 Euro liegt die Klasse der besseren Geräte mit bunten Displays und recht vielen Daten. Da sie die Infos oft sehr groß und übersichtlich anzeigen, eignen sie sich meiner Meinung nach auch sehr gut als Geschenk für ältere Freunde oder Verwandte. Ausgefeilte smarte Wetterstationen – zum Beispiel von Netatmo oder Homematic – beginnen bei etwa 150 Euro und können mit Außensensor und Regenmesser schnell einige hundert Euro schwer werden. Kein ganz billiges Hobby.

Kurz & knapp:
Während analoge Wetterstationen früher oft nur aus einem Thermometer, Hygrometer und Barometer bestanden, verfügen moderne Wetterstationen über Außensensoren, haben eine Wettervorhersage und lassen sich über WLAN ins Smart-Home-System einbinden.

Über diesen Autor

Marc, 46, lebt in Hamburg in Hafennähe – also mitten in der City. Und das leidenschaftlich gern. In seiner Mietwohnung gibt es jede Menge Design und Hightech.

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