Tipps zum Ausbau eines eigenen Wohnmobils

Frei und ungebunden durch die Welt reisen: Lange galten Wohnmobile als Erkennungszeichen für Campingplatzspießer. Aber diese Zeiten sind vorbei. Immer mehr junge Menschen entdecken die Magie eines Roadtrips im selbst ausgebauten Camper. Diese Bewegung hat unlängst auch den Freundeskreis unseres Autors Nico erreicht. Er fasst die Erfahrungen für euch zusammen: Der lange Weg zum eigenen Wohnmobil.

Wow, das war ein echt emotionaler Moment. Meine Freundin und ich hatten Tränen in den Augen, als wir die Umrisse von Grobi am Horizont verschwinden sahen. Wer dieser „Grobi“ ist? Grobi ist gewissermaßen das erste Kind unserer alten Bekannten Tobi und Marla (deswegen der Name: Tobi/Grobi). Er hat vier Räder, ist mehr als fünf Meter lang, wiegt über zwei Tonnen – und war keine ganz leichte Geburt. Entstanden ist er vor mehr als drei Jahren als eine Party-Spinnerei: Wäre es nicht krass fantastisch, in einem selbst ausgebauten Camper nach Süden aufzubrechen? Tobi und Marla haben diesen Traum Wirklichkeit werden lassen, im August ging es auf die erste Camping-Reise. Ich berichte euch im Folgenden von den wichtigsten Erfahrungen, die sie in der Zeit davor beim Ausbau ihres Wohnmobils gemacht haben.

1. Am Anfang steht der schwerste Schritt: Das richtige Auto für das Wohnmobil finden

Klar, es geht natürlich auch ganz einfach. Wenn ihr das entsprechende Kleingeld habt, kauft ihr euch einfach einen fertig ausgebauten Camper. Die günstigsten Wohnmobile sind nach meinen Recherchen von auf Umbauten spezialisierten Anbietern ab etwa 30.000 Euro aufwärts neu zu haben, gute Gebrauchte gibt es ab 10.000 Euro. Allerdings sehen viele dieser „Broschüren-Modelle“ stark nach „Rentner auf Reisen“ aus. Ein selbst ausgebauter Camper hat hingegen eine individuelle Note: den gibt es nur einmal – und er ist genau so, wie ihr ihn haben wollt. Außerdem könnt ihr auf diese Weise auch viel Geld sparen – sofern ihr einen geeigneten Kastenwagen zum Umbauen findet. Denn genau das ist der Punkt, der beim Wohnmobil-Ausbau am heikelsten ist.

Eines müsst ihr von Anfang an bedenken: Habt ihr euch erst einmal für ein Modell entschieden, werdet ihr in dieses Schätzchen in der nächsten Zeit viel Geld und Herzblut investieren. Da ist es mehr als ärgerlich, wenn ihr nach einiger Zeit feststellt, dass die ganze Arbeit und die Investitionen für die Katz waren. Deshalb solltet ihr vor Beginn des Selbstausbaus auf zwei Dinge besonders achten.

Erstens: Das wichtigste ist der Zustand des Fahrzeugs. Die beste Grundlage für ein Wohnmobil ist ein Kastenwagen, zum Beispiel ein VW-Bulli oder ein Sprinter von Ford, Mercedes, Fiat oder Renault. Das Problem ist, dass die meisten dieser gebrauchten Fahrzeuge in ihrem vorherigen Leben gewerblich genutzt und dabei oftmals wenig pfleglich behandelt wurden. Hinzu kommt: Besonders für die äußerst beliebten Kleintransporter von VW werden auf dem Markt inzwischen wahre Mondpreise verlangt. Und wie bei vielen alten Autos hat jedes einzelne Modell seine ganz eigenen Tücken. Deshalb kommt man beim Kauf nicht darum herum, einen Experten hinzuzuziehen, der sich mit dem Modell auch wirklich auskennt. Als Klassiker gelten die Modelle VW T4 und T5, die Mercedes Sprinter, ein Ford Transit oder – als günstige Alternative – ein Fiat Ducato.

Zweitens: Fragt euch, bevor ihr mit der Suche nach einem geeigneten Kleintransporter beginnt, welche Größe euer Campingbus einmal haben soll. Ein rollendes Wohnzimmer auf vier Rädern scheint auf den ersten Blick sehr attraktiv zu sein, hat aber auch Nachteile – zum Beispiel hinsichtlich der Beweglichkeit oder beim Spritverbrauch. Nicht zuletzt lässt sich ein kleinerer Campingbus auch etwas leichter und günstiger umbauen, weil ihr nicht so viel Fläche habt. Was gerade am Anfang von Vorteil ist.

2. Erst kommt das Fahrzeug, dann das Ambiente

Tobi und Marla hatten bei der Auswahl ihres Fahrzeugs ziemliches Glück. Nach einiger Internet-Recherche und Kfz-Mechaniker-im-Bekanntenkreis-Ausfragerei erfuhr ein Onkel von Tobi von ihrem Projekt: Er hatte einen VW-Bulli T4 aus privater Nutzung – Garagenwagen (!) – zu einem fairen Preis abzugeben. Nachdem sie den gekauft hatten, dachte ich, dass es jetzt sicher bald mit dem Innenausbau losgehen würde. Aber so einfach ist das nicht. Der Umbau eines Wohnmobils benötigt zunächst eine ausgiebige Vorbereitung. Dabei muss in einem ersten Schritt das Fahrzeug grundlegend gecheckt und überarbeitet werden: Motor durchgehen, Rost entfernen, lackieren und so weiter.

Dann muss in einem zweiten Schritt der Innenraum des zukünftigen Campers für den Ausbau vorbereitet werden. Das Augenmerk gilt dabei als erstes dem Boden, dann den Seitenwänden. Da man in einem Wohnmobil auch bei kälteren Temperaturen übernachten will, ist eine gute Isolierung die Voraussetzung für entspannte Reisenächte. Außerdem müsst ihr darauf achten, mit dem Ausbau zugleich der Entstehung von Rost vorzubeugen. Eine gute Vorbereitung des Innenraums ist zwar ziemlich aufwändig, verschafft euch aber eine gute Grundlage für den phantasievollen Selbstausbau eures Campingbusses.

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3. Was man alles können oder wen man alles kennen muss

Klar ist, ohne ein bisschen handwerkliches Geschick und einer extra großen Portion Bastel-Leidenschaft solltet ihr das Projekt Wohnmobil-Ausbau nicht angehen. Dabei müsst ihr euch darüber im Klaren sein, dass so ein Umbau gleich mehrere „Gewerke“ betrifft: Zu den typischen Auto-Kenntnissen – Motor, Lack, Karosserie – kommen insbesondere der Innenausbau mit Holz sowie die Planung und Umsetzung der Bord-Elektronik. Die technischen Details rund um das Auto kann euch dabei eine vertrauensvolle Kfz-Werkstatt abnehmen.

Klingt immer noch kompliziert? Ihr habt bei dem Projekt noch einen großen Vorteil: Ihr seid nicht die ersten Menschen, die einen Kastenwagen zum Wohnmobil ausbauen. Es gibt mittlerweile einen großen Markt für so ziemlich alles, was mit dem Wohnmobil-Ausbau zusammenhängt: Das Angebot reicht von allen möglichen Einzelteilen speziell für den Selbstausbau bis hin zu maßgeschneiderten Komplettpaketen für einen fertigen Innenausbau.

4. Wie ihr in euer Camper-Ausbau-Projekt starten solltet

Zudem findet ihr im Netz und in Büchern viele praktische Informationen zum Thema. Und genau an dieser Stelle solltet ihr mit euerem Projekt auch starten: besorgt euch Informationen und schaut, ob ihr im Bekanntenkreis Leute findet, die auf dem Gebiet schon Erfahrungen gesammelt haben. Sie werden euch gern davon berichten, euch klüger machen und vielleicht auch ein bisschen von der Scheu nehmen.

Tobi und Marla sind übrigens Anfang September von ihrer ersten großen Tour zurückgekehrt. Und wie war’s? Hammer, sagen sie. Das wichtigste: Ihr Wohnmobil hatte keine größere Panne und sie waren im Allgemeinen voll des Lobes für ihren Grobi. Trotzdem haben sie uns mit leuchtenden Augen schon eine ganze Liste mit Ideen vorgestellt, was sie bis zum nächsten Urlaub noch alles umändern wollen. Als ich dabei in ihre Gesichter geblickt habe, kam mir die vielleicht wichtigste Erkenntnis über den Ausbau eines Wohnmobils: Es ist ein Abenteuer, das vor der eigenen Haustür beginnt.

 

Kurz & knapp:

Wenn ihr einen Transporter zu einem Wohnmobil ausbauen wollt, solltet ihr zunächst sorgfältig auf die Auswahl des richtigen Autos achten. Wichtige Kriterien sind Preis, Zustand und Größe. Bevor ihr mit dem Innenausbau beginnen könnt, muss der Wagen zunächst gut vorbereitet werden. Beim Innenausbau könnt ihr auf ein gutes Angebot vorgefertigter Komponenten zurückgreifen.

Über diesen Autor

Nico, 30, und seine Freundin verfolgen seit Jahren ihr eigenes großes Projekt: den Umbau eines Häuschens mit Garten. Vielleicht folgt diesem Traum von einem unabhängigen Leben bald ein zweiter – im eigenen Wohnmobil die Welt erkunden.

 

Fotos: Manuel Fernandes – stock.adobe.com; Charlie – stock.adobe.com

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