Hybridheizung: Doppelt heizt besser

Beim Begriff „Hybrid“ denken die meisten an Hybridautos. Die sind nicht nur mit einem, sondern gleich mit zwei Motoren unterwegs: einem Elektromotor und einem klassischen Verbrennungsmotor. Nutzt man für den Elektromotor Wind- oder Solarstrom, schont man die Umwelt. Dumm nur: Wind- und Solarstrom stehen nicht immer und nicht unbegrenzt zur Verfügung und müssten in einer Batterie gespeichert werden. Bei längeren Strecken geht jedoch dem Elektromotor eventuell der Saft aus. Dann kommen der Tank und damit Diesel oder Benzin ins Spiel – nur so kommt das Hybridauto ohne Probleme ans Ziel.

Hybridheizung
Hybridheizung (v. l.): zwei Öltanks, Warmwasserspeicher, Öl-Brennwerttherme

Aber eine Hybridheizung? Wie soll das gehen? Ganz einfach: ebenfalls mit zwei oder mehr Energiequellen. Zum Beispiel Sonnenenergie per Photovoltaikanlage oder Solarthermie und Heizöl aus dem Tank. Damit verbindet die Hybridheizung nachhaltige mit sicherer Wärme. Die Erneuerbaren haben grundsätzlich Vorrang, die konventionelle Energie schaltet sich dann automatisch zu, wenn die Sonne zum Heizen oder für Warmwasser nicht reicht.

Das Hybrid-Prinzip

Smart Heater: Schnittstelle zwischen Photovoltaikanlage und Heizung

Leider scheint die Sonne eher unregelmäßig: Drei Viertel der jährlichen Sonnenenergie erreichen unsere Breitengrade in den Monaten zwischen Juni und September. Im Winter, wenn der Wärmebedarf in Gebäuden besonders hoch ist, macht sie sich jedoch rar. Aber auch im Frühjahr und Herbst herrscht draußen oft gähnendes Grau. Und gerade in den Abendstunden, wenn wir es zu Hause schön warm haben möchten, hat sich die Solar-Diva längst aus dem Staub gemacht.

Christian Halper ist unser Experte für Hybridheizungen am Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO) in Hamburg. Auch er findet: „Die Sonne steht uns nicht immer mit der gleichen Intensität zur Verfügung. Deswegen braucht man zum einen Energiespeicher (zum Beispiel um die Sonnenenergie vom Mittag auch abends nutzen zu können) und zum anderen ein zuverlässiges Back-up, das beispielsweise in der sonnenarmen Winterzeit genügend Energie bereitstellt.“ Ein solches Back-up ist bei der Hybridheizung der Ölbrennwertkessel, der seine Energie witterungsunabhängig und zuverlässig aus dem Heizöltank bezieht. Ist es draußen kalt oder dunkel, ist es also die im flüssigen Energieträger gespeicherte Energie, die zu einer soliden Wärmeversorgung führt.

Sonnenenergie nutzen mit Solarthermie oder Photovoltaik?

Fangfrage: Verbringt ihr etwa das ganze Jahr auf einer Finca in Südspanien oder an der kalifornischen Westküste? Eben. Bei unserem wankelmütigen Wetter ist die Hybridheizung daher eine clevere Lösung. Denn mit ihr schlagt ihr zwei Fliegen mit einer Klappe: saubere Sonnenenergie an den schönen, hellen Tagen und ein sicherer Wärmepuffer für die nicht so schönen, grauen Tage.

Bei der Auswahl, welche Heizquellen ihr nutzen wollt, habt ihr völlig freie Hand. Auf dem Dach lässt sich zum Beispiel eine Solarthermie- und/oder eine Photovoltaikanlage anbringen. Wo liegt der Unterschied?

Das Potenzial der Sonnenkraft nutzen – am besten im Zusammenspiel mit einer Ölheizung

Bei der Solarthermie werden die Sonnenstrahlen vom Dach direkt in Heizwärme und Warmwasser umgewandelt. Anders bei der Photovoltaikanlage – Achtung, jetzt wird es technisch! Die Solarzellen wandeln die Sonnenstrahlen direkt in Strom um: für den Kühlschrank, den Fernseher, die Kaffeemaschine. Und in Hybridheizungen lässt sich der Strom auch für die Wärmeversorgung nutzen. Das Wichtigste: Ihr könnt selbst entscheiden, für was ihr euren exklusiven Solarstrom nutzen wollt. Für unseren Heizungsexperten ein wichtiger Pluspunkt:

»Ein Vorteil der Photovoltaikanlage ist sicherlich die Flexibilität, die man gewinnt, weil der Strom für unterschiedliche Dinge im Haushalt gebraucht werden kann.«

Und was dann noch übrig bleibt, wird gegen eine Vergütung von derzeit rund 12 Cent/kWh ins öffentliche Stromnetz eingespeist.

Schlaue Selbstversorgung

Am meisten lohnt sich die Photovoltaikanlage aber für diejenigen unter euch, die tagsüber viel Zeit zu Hause verbringen. Zum Beispiel weil ihr euch um den Haushalt und die Kinder kümmert. Oder weil ihr im Home Office arbeitet. Denn dann könnt ihr euren Strom unmittelbar verbrauchen – ideal für leidenschaftliche Selbstversorger.

Aber auch wenn ihr tagsüber nicht zu Hause seid, kann eine Photovoltaikanlage sinnvoll sein: zum Beispiel wenn ihr euch einen Speicher installiert, der den überschüssigen Strom zwischenlagert. Oder, was die günstigere Alternative wäre, wenn ihr eure Hybridheizung so einstellt, dass sie PV-Stromüberschüsse nutzt, um den Puffer- oder Warmwasserspeicher zu erhitzen. Kommt die Familie abends nach Hause, kann so mit der tagsüber geernteten Sonnenenergie geheizt oder geduscht werden – die Sonnenenergie wurde in den Abend gerettet.

Flexibel und unabhängig

Aber ganz egal, welche Heizquellen ihr am Ende wählt – fest steht, dass ihr durch die Hybridheizung flexibel und unabhängig seid. Zum einen von den Launen des Wetters: Wenn es regnet und graue Wolken euch den Tag vermiesen, lehnt ihr euch gemütlich in der Badewanne zurück – schließlich könnt ihr euch darauf verlassen, dass das Badewasser auch ohne Sonne heiß wird. Zum anderen macht euch die erneuerbare Energie unabhängiger und spart Brennstoffkosten. Die Installation einer Solaranlage kostet zwar erst mal Bares – im Betrieb erntet sie aber saubere Energie, die kostenlos vom Himmel fällt.

Die Hybridheizung schenkt euch somit das Beste aus zwei (Energie-) Welten – der erneuerbaren und der konventionellen. Für echte Sparfüchse bietet sich vor allem die Ölbrennwertheizung als Partner für erneuerbare Energien an – denn im Gegensatz zum Gasnetz fallen hier keine Grundgebühren an. Und ihr könnt euren Tank in Zeiten günstiger Ölpreise auffüllen.

Unser Fazit: Die Hybridheizung ist eine clevere Sache für alle, die eine nachhaltige und verlässliche Lösung für ihr Eigenheim suchen. So wie man mit einem Hybridauto sauber und sicher durch den Straßenverkehr gelangt, kommt man mit einer Hybridheizung zuverlässig durch alle Jahreszeiten.

Weitere Infos zum Thema findet ihr hier:

https://www.zukunftsheizen.de/oelheizung/hybridheizung.html

Fotos: iwo

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