Hinterher weiß man‘s immer besser: Nachträgliche Wärmedämmung

Bessere Dämmung für ältere Häuser: In manchen Situationen ist sie gesetzlich vorgeschrieben. Manchmal sind aber auch schlicht die Heizkosten zu hoch und motivieren Eigentümer zum Nachbessern. Blogger Nico erklärt worauf man achten muss – und welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Solltet ihr auch neuer Besitzer eines alten Hauses sein, müsst ihr wissen: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Es drohen theoretisch bis zu 50.000 Euro Bußgeld! Okay, das ist jetzt ein bisschen alarmierend, aber dafür habe ich jetzt eure Aufmerksamkeit, oder? Schließlich geht es in diesem Blogbeitrag um ein eher dröges, für Hausbesitzer aber sehr wichtiges Thema: die Wärmedämmung. Oder wusstet ihr, dass laut Energieeinsparverordnung (EnEV), die bereits seit 2014 in Kraft ist und 2016 und 2020 noch einmal verschärft wurde, Käufer von Ein- und Zweifamilienhäusern dazu verpflichtet sind, in ihren Häusern für einen „Mindestwärmeschutz“ zu sorgen?

In puncto Wärmedämmung betrifft diese Verordnung zum einen die Dämmung der obersten Geschossdecke zu einem unbeheizten Raum im Haus, um Wärmeverluste  zu vermeiden. Zum anderen greifen die Anforderung zur Verbesserung der Dämmung bei einem bestimmten Umfang der Sanierung der Hausfassade: Wird beispielsweise die Fassade neu verputzt oder werden die Fenster ersetzt, müssen bei der Sanierungsmaßnahme zugleich bestimmte Anforderungswerte in Bezug auf die Wärmedämmung erfüllt werden.

Welche Vorteile hat eine verbesserte Wärmedämmung?

Jetzt fragt ihr euch vielleicht: Was soll das alles? Nun, die Antwort ist recht einfach: Etwa zwei Drittel des Energieverbrauchs im Haushalt gehen durchschnittlich allein für die Heizung drauf. Oder um die Bedeutung der nachträglichen Wärmedämmung einmal in einem etwas größeren Maßstab zu betrachten: Etwa 40 Prozent unseres gesamten Energieverbrauchs entfällt auf Gebäude, das entspricht immerhin rund einem Drittel aller CO2-Emissionen in Deutschland. Hier besteht durch die Dämmung der Fassade ein großes Einsparpotential.

Das gilt nicht nur im großen Maßstab, sondern auch ganz individuell für euch als Eigenheimbesitzer: Bei einer Sanierung der Fassade mit einer Verbesserung der Wärmedämmung könnt ihr auf lange Sicht bei den Heizkosten Geld sparen. Denn ein Teil der teuer eingekauften Energie entweicht in schlecht gedämmten Häusern über die Außenwände. Was ihr bei einer Kalkulation der Kosten außerdem beachten solltet: Gut gedämmte Wohnungen und Häuser bieten einen wesentlich besseren Wohnkomfort durch höhere Temperaturen auf der Innenseite der Außenwände/-bauteile. Außerdem beseitigt eine richtig ausgeführte Dämmung Wärmebrücken, die zu kalten Oberflächen auf den Innenseiten der Außenwände führen und die einer der Hauptgründe für Schimmelbildung in Altbauten sind.

Eine verbesserte Wärmedämmung spart Energie und schafft mehr Wohnkomfort

Welche Möglichkeiten gibt es, ein Haus besser zu dämmen?

Im Grunde genommen geht es bei der Dämmung darum, die energetischen Schwachstellen eines Hauses zu finden und durch gezielte Maßnahmen mit einer Sanierung zu beseitigen: Wo entweicht im Winter die Wärme? Beim Dämmen kann man an verschiedenen Stellen ansetzen: Ihr könnt die oberste Geschossdecke, die Dachschrägen, bei unbeheizten Kellern die Kellerdecke und die Außenwände dämmen. Dabei kommen verschiedene Dämmstoffe zum Einsatz, die auf den jeweiligen Einsatzzweck und Ort abgestimmt sein sollten.

Eine für viele Hausbesitzer wichtige Frage ist dabei letztlich immer, wie hoch die Energiekostenminderung im Vergleich zur notwendigen Investition ist bzw. mit welchen Maßnahmen mit dem investierten Euro am meisten Energiekosten gespart werden können. Bevor ihr mit dem Dämmen beginnt, solltet ihr auf jeden Fall fachmännischen Rat von Energieberatern und/oder Planern einholen. Diese Experten können euch nach einer genauen Inspektion des Hauses sehr genau sagen, wo die energetischen Schwachstellen sind und an welchen Stellen eine Verbesserung der Wärmedämmung besonders effektiv ist.

Hinzu kommt, dass ihr einige Maßnahmen wie die nachträgliche Wärmedämmung der obersten Geschoss- oder Kellerdecke oder – als fortgeschrittener Heimwerker – die Dämmung der Dachschrägen nach guter Beratung zwar selbst vornehmen könnt, bei einer komplexeren Sanierung kommt ihr jedoch um die Beauftragung eines erfahrenen Fachbetriebs nicht herum. Und damit sind wir beim letzten Punkt: den Kosten.

Zuckerbrot und Peitsche: Wie der Staat eine nachträgliche Wärmedämmung fördert

Zu Beginn habe ich geschrieben, wie Hauseigentümer mit der Energieeinsparverordnung durch ordnungsrechtliche Verpflichtungen dazu gebracht werden sollen, in die Verbesserung der Wärmedämmung zu investieren. Dabei darf aber nicht verschwiegen werden, dass der Staat euch dabei auch finanziell unter die Arme greift. Dazu gibt es verschiedene Förderprogramme von der KfW-Bankengruppe. Dazu solltet ihr vier Dinge wissen:

  • Erstens müssen die Anträge für die Dämmung in der Regel vor Beginn der Bauarbeiten gestellt werden. Macht euch also rechtzeig schlau, welche Fördermittel bei der Sanierung für euch in Frage kommen und wie ihr sie beantragen könnt.
  • Zweitens gibt es spezialisierte Energieberater, die euch bei der Beantragung von Fördermitteln und bei der Planung und Umsetzung der Dämmmaßnahmen unterstützen. Wenn sie bei der KfW-Bankengruppe akkreditiert sind, kann ihre Tätigkeit ebenfalls mit einem Förderprogramm bezuschusst werden.
  • Drittens können auch Maßnahmen, die ihr selbst durchführt, von der KfW in Form von Zuschüssen bei den Materialkosten gefördert werden. Dazu ist es aber notwendig, dass die von euch durchgeführte Wärmedämmung anschließend von einem Energieberater oder Fachbetrieb abgenommen wird.
  • Viertens solltet ihr bei der Planung wissen, dass KfW-Gelder zwar vor Beginn der Maßnahme beantragt werden müssen, aber erst nach dem Ende der Ausführung ausgezahlt werden. Das bedeutet, ihr solltet bei eurer Finanzplanung der Dämmung berücksichtigen, dass ihr die Fördergelder zunächst immer selbst vorstrecken müsst.

Dabei solltet ihr wissen, dass der Fenster- und Türentausch neben der Dämmung von Dachschrägen und der Fassadendämmung eher aufwändiger und damit auch teurer im Vergleich zur damit eingesparten Energiemenge ist. Ist euer Haus bisher überhaupt nicht gedämmt, würde ich euch auf jeden Fall zu einer Dämmung der Kellerdecke und der obersten Geschossdecke raten. Wenn ihr es in Eigenleistung umsetzt, solltet ihr mit Materialkosten zwischen 20 und 60 Euro pro Quadratmeter auskommen.

 

Kurz & knapp:

Mach den Energiesparcheck: Wenn ihr wissen wollt, wie viel Energie euer Haus verbraucht und wieviel ihr durch energetische Verbesserungen sparen könnt, führt einfach den kostenlosen Energiesparcheck des Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO) durch. Dort erfahrt ihr nach wenigen Schritten in einem ausführlichen Kosten-Nutzen-Vergleich, mit welcher Maßnahme ihr am effektivsten Heizenergie und damit Kosten sparen könnt.

 

Über diesen Autor

Nico, 30, ist mit seiner Freundin in ein kleines Häuschen mit Garten gezogen. Neben dem Umbau der alten Ölheizung zu einer modernen Hybridheizung steht die Frage der Fassadendämmung ganz oben auf ihrer To-do-Liste.

Fotos: U. J. Alexander – stock.adobe.com; brizmaker – stock.adobe.com

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