Wenn sich der Spätsommer plötzlich nach Herbst anfühlt und es in der Wohnung klamm wird, brauchen wir eine Heizquelle. Aber ab wann muss eine Heizung eigentlich eingeschaltet werden – oder wann ist Überbrücken mit einem unabhängigen Heizgerät sinnvoller? Wohn-Blogger Marc hat sich ein paar Gedanken gemacht und Tipps gefunden.

Ich erinnere mich an den Sommer in meiner ersten eigenen Wohnung: Das Haus war alt, die Heizung ein launisches Biest und die Vermieter der Meinung, dass dieses Monster von Mai bis Oktober einfach abgeschaltet sein sollte. Und dann kam der Juli, in dem eine Woche lang die Temperatur nachts einstellig wurden und am Tag nicht mal mehr die 15-Grad-Marke knackten. Es zog durch meine Fenster, es war klamm und ich saß an meinem Schreibtisch und fror. Die Anlage mal eben in die Gänge zu bringen, war aber einfach nicht drin. Am Ende habe ich mir mit einem geliehenen mobilen elektrischen Heizkörper geholfen und wollte das Ding am liebsten mit ins Bett nehmen. Heute weiß ich, dass Mieter ein Recht auf Wärme haben und nicht nur im Winter heizen dürfen.

Mietrecht: Kein Mieter muss frieren

Die Regel, dass die Heizung im Sommer ausgeschaltet bleibt, war zwar vielleicht ökologisch und ökonomisch sinnvoll, diese Regel hat aber auch Grenzen. Richtig ist: Eine gesetzlich festgelegte Heizpause, in der Mieter eben Pech gehabt haben, gibt es so pauschal nicht. Vermieter dürfen die Zentralheizung im Sommer abschalten. Und meistens wird sie ja auch wirklich nicht gebraucht. Wenn es aber dann tatsächlich eine Weile so kalt wird, dass die Zimmertemperatur dauerhaft unter 18 Grad sinkt, haben Mieter auch im Sommer ein Recht darauf, die Heizung nutzen zu dürfen. Zwischen 20 und 22 Grad tagsüber müssen für ein angenehmes Leben sein, über diese Regelung sind sich viele Gerichte einig. Und es ist auch im Interesse des Vermieters und die Pflicht des Mieters, die Wohnung so warm und trocken zu halten, dass sie keinen Schaden durch Feuchtigkeit und Schimmel nimmt. Und das geht eben in kalten Sommern nur mit der Heizung.

Automatischer Sommerbetrieb bei modernen Heizungen

Nicht nur für Mieter und Vermieter, auch für Hausbesitzer ist Heizen im Sommer vs. Energiesparen ein Thema. Die Heizung meiner ersten Vermieter war ein altes, ineffizientes Biest und nicht besonders schlau. Viele moderne Heizsysteme können längst selber messen, wie warm oder kalt es draußen ist und fahren dann – zumindest bei richtig eingestellter Regelung – selbstständig den Betrieb runter oder eben wieder rauf. Der Warmwasserbedarf wird bei modernen Heizungen automatisch bedarfsgerecht gedeckt.

Im Notfall hilft kurzfristig ein Heizlüfter oder Radiator

Für den Notfall: Heizlüfter und Co.

Elektrische Heizlüfter oder elektrische Radiatoren sind mobil und relativ günstig in der Anschaffung, fressen dafür aber auch ordentlich Strom. Darum sollten sie nur im Notfall eingesetzt werden. Komfortabler sind Modelle, die ihre Heizleistung automatisch so regulieren, dass die gewünschte Raumtemperatur genau erreicht wird. Im Bad oder auch am Wickeltisch ist ein Spritzwasserschutz wichtig.

Seit meiner ersten Wohnung hat sich eine Menge getan: Mittlerweile ist mein Zuhause eine hervorragend wärmegedämmte, energieeffiziente Wohnung, die auch an kühleren Tagen ohne Heizung nicht ungemütlich wird. Und für die ganz schäbigen Sommertage mit kaltem Regen habe ich vorgesorgt: Sehr weit oben auf meiner Wunschliste stand eine große Badewanne. Peitscht der Regen draußen quer über die Elbe, tauche ich eben einfach in meiner eigenen Südsee ab.

 

Zahlen & Fakten

  • In Mietwohnungen müssen folgende Temperaturen möglich sein: Tagsüber bis 23 Uhr mindestens 20 Grad und nachts 18 Grad.
  • Mietminderung: Sind die Mindest-Temperaturen in der Wohnung länger nicht erreichbar, dürfen Mieter die Miete mindern. Gut zu wissen, hilft allerdings natürlich auch nicht gegen Zähneklappern.
  • Fakten zu Heizlüftern und Co.: Bei einem Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde kostet eine Stunde Betrieb je Kilowatt Heizleistung 30 Cent. Beim deutschen Strommix entstehen dabei rund 550 Gramm CO2. Insofern sollten Heizlüfter und Co. wirklich nur als Notlösung dienen.
  • Wer heizt, sollte dies stets bewusst und bedarfsgerecht tun. Ein Grad weniger in der Raumtemperatur kann schon sechs Prozent Heizkostenersparnis ausmachen.

Über diesen Autor

Marc, 45, lebt in Hamburg in Hafennähe. Und das leidenschaftlich gern. Doch wenn im Spätsommer der Regen an die Fenster klatscht, wünscht er sich eine Umarmung mit dem warmen Heizkörper.

Fotos: otsphoto – stock.adobe.com; maryviolet – stock.adobe.com

Diesen Artikel teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.