Heimkino: Das perfekte Kino-Erlebnis zuhause, Film ab!

Serienmarathon auf dem Tablet? Große Filme brauchen große Leinwände. Mit diesen Tipps holen Sie sich das Kino nach Hause.

Ein eigenes Kino? Klingt nach Luxusvilla – dabei ist ein solides Heimkino heute auch für ganz normale Filmfans erschwinglich. Wer sich für epischen Filmgenuss zu Hause richtig einrichten will, braucht dazu die richtige Technik und ein paar Tricks.

Keller-Kino oder Blockbuster im Wohnzimmer?

Einen eigenen Raum fürs Heimkino zu reservieren ist bei den meisten nicht drin. Muss auch nicht sein, wenn man bei der Raumausstattung Folgendes beachtet: Statt Vorhang auf, besser Vorhang zu – je dichter sich der Raum abdunkeln lässt, desto besser. Darum ist ein Kellerraum fürs Heimkino gar keine schlechte Wahl. Viel störendes Licht in normalen Wohnräumen muss durch einen leistungsstarken Beamer und eine reflektierende Leinwand ausgeglichen werden.

Und hast Du Dich schon mal gefragt, warum im Kino alles so plüschig ist? Das dient nicht nur der Bequemlichkeit: Teppiche, Vorhänge und Polster dämpfen Hall ab, der sonst die Akustik versaut. Das ist besonders wichtig, wenn Dein Heimkino Fliesenboden oder viele glatte Flächen hat. Auch für die Optik sind matte Oberflächen bzw. viel Textil gut: Auf Parkett und Scheiben spiegelt sich sonst der Film – und das stört.

Heimkino-Sessel: Bequemer geht’s nicht

Wer im Heimkino den Küchenstuhl vor die Leinwand stellt, ist selbst schuld. Ansonsten ist der Sitzkomfort im eigenen Heimkino unschlagbar: So breit und weich wie man will und nach vorne ist genug Platz, um die Füße hochzulegen. Wichtig ist, Sessel (oder Liegelandschaft) optimal zu Leinwand und Lautsprechern auszurichten. Zudem dürfen die Boxen des Sound-Systems nicht verdeckt werden. Zumindest während der Kino-Vorführung müssen alle zusätzlichen Möbel, Deko-Objekte und Stehlampen aus dem Weg, damit zwischen Box und Zuhörer die Bahn frei ist.

Nicht umsonst wollen an der Kinokasse immer alle „hinten Mitte“: Je größer das Bild, desto mehr Abstand brauchen die Zuschauer – etwa anderthalb mal bis doppelt so viel wie die Diagonale der Leinwand. Bei 65 Zoll macht das also schon fast drei Meter. Auch das muss bei der Einrichtung des Heimkinos berücksichtigt werden.

Leinwand oder Bildschirm? Die richtige Optik

Kino-Feeling klappt nicht auf dem Laptop. Für eine große Bildfläche gibt es verschiedene Optionen: Ein Fernseher mit Ultra-HD bzw. 4k-Auflösung zaubert schon ein umwerfendes Bild, wenn er entsprechend groß ist. Mit 65 oder 75 Zoll Diagonale (also 1,65 bzw. 1,90 Meter) haut das hin. Vorteil: Es muss kein Beamer angeschafft werden, mit integriertem Receiver werden auch Tagesschau und „Tatort“ zum Kino-Erlebnis und aufwendiges Einrichten entfällt, weil moderne Modelle sich selbstständig den Lichtverhältnissen anpassen.

Eine Leinwand hingegen ist noch größer und kann das Format der Filme voll ausnutzen: Die werden oft in einem breiteren Format gedreht als die fürs Fernsehen übliche 16:9. Weil sie unser Blickfeld vollständiger ausfüllt, sorgt die Leinwand für das echte Rundum-mittendrin-Kinogefühl, kann aber je nach Modell eingerollt und aus dem Blickfeld entfernt werden, wenn der Raum anderweitig genutzt wird. Wichtig bei der Auswahl ist das Material: Je nach Helligkeit des Raumes muss eine Leinwand mehr oder weniger stark das Licht reflektieren. Dafür ist der sogenannte Gain-Faktor wichtig. Nur in einem sehr dunklen Raum darf er unter 1,5 liegen. Außerdem ist entscheidend, ob die Leinwand akustisch transparent ist, damit Boxen dahinter positioniert werden können und sie weniger Hall erzeugt. Auch die Anbringung ist wichtig: Pull-down-Leinwände sind praktisch, doch je stabiler der Rahmen installiert ist, desto glatter bleibt andererseits die Bildfläche.

Beam me up: Was ein Beamer braucht

Für eine Leinwand wird ein angemessener Beamer gebraucht: Pflicht ist FullHD-Auflösung, damit das Bild in ganzer Größe ohne Pixel-Effekt rüberkommt. Weil normale Wohnräume selten so stockdunkel sind wie Kinosäle, ist genügend Leuchtkraft (über 2.000 Lumen) nötig. Und damit wir bei Schwarz auch richtig Schwarzsehen, muss der Kontrastwert entsprechend hoch sein: 10.000:1 dürfen’s schon sein.

Filmgenuss zuhause – mit der richtigen Heimkino-Technik

Wer den Beamer fest unter der Decke installiert, freut sich über eine gute Lensshift-Funktion. Die ermöglicht das korrigierende Verschieben des Bildes, ohne den Beamer neu auszurichten. Zoom, Weitwinkeloptik, Leistung der Lampe in Watt und Betriebsstunden sowie die Laufgeräusche sind weitere wichtige Kriterien beim Kauf – da hilft am Ende nur der Vergleich, um das individuell optimale Produkt fürs Home Entertainment zu finden.

Ordentlich auf die Ohren: Lautsprecher, Subwoofer & Co.

Gladiator, Der Herr der Ringe und Bohemian Rhapsody: Was diese Filme gemeinsam haben, ist ein Oscar für den besten Ton. Wer sich fragt, warum eigentlich, guckt Filme wahrscheinlich auf dem Tablet und mit Kopfhörer. Rauschiges Audio zum Video war vorgestern – auch bei der Home-Variante: Viele Blu-Ray Discs bieten mittlerweile dank Dolby TrueHD optimalen Raumklang, also: Surround Sound – wenn die richtige Ausstattung da ist. Beim bewährten Modell Surround-Sound 5.1 werden fünf Lautsprecher strategisch im Raum positioniert – möglichst alle im gleichen Abstand zum Hörer. Der Center-Lautsprecher befindet sich in der Mitte vor oder hinter der Leinwand und kann auch an der Decke montiert werden. Dazu kommen weitere Stereo-Lautsprecher: zwei symmetrisch links und rechts vor der Leinwand und zwei hinter dem Hörer. Komplettiert wird das System vom Subwoofer, der für die tiefen Bässe zuständig ist und gefühlt die Erde beben lässt. Er wird im vorderen Bereich aufgestellt und braucht etwas Freiraum, um seine Magie zu entfalten – also nicht direkt an der Wand oder dem Sofa postieren.
Manche modernen Heimkino-Systeme stellen die Lautsprecher automatisch optimal ein, indem sie über ein am Sitzplatz aufgestelltes Mikrofon testen, was ein Heimkino-Gast hört und den Sound aus den Boxen entsprechend optimieren.

Heimkino-Herzstück: der AV-Receiver

Ein AV-Receiver als Verstärker ist das Herzstück der Sound-Anlage. An den können auch CD-Spieler oder iPod angeschlossen werden – auch die Lieblingsmusik profitiert dann vom Surround-Sound.
An dieser Stelle ein paar Worte zum Kabelsalat: Keine Frage, Du wirst viele davon brauchen und die Anschlüsse sind eine bunte Mischung. Ein HDMI-Kabel spielt die Hauptrolle, um Bilder und Audio vom DVD- oder BluRay-Player, aber auch vom Laptop oder der Spielkonsole zum AV-Receiver zu bringen. Der schlüsselt Sound- und Bildsignale auf und verteilt sie. Dafür wird er wiederum ebenfalls über HDMI mit dem Beamer oder TV-Bildschirm verbunden und gibt über Standard-Lautsprecherkabel das Audiosignal ans Surround-System weiter. Kleinere Spielzeuge wie der iPod können mit einem Klinke-Anschluss den Receiver erreichen. Praktisch ist’s, wenn er sich ins Wlan einklinkt und mit dem Multiroom-System vernetzt: Dann können Streams aus dem Internet ganz ohne Kabel eingespielt und mehrere Räume mit Sound versorgt werden.

Optional wird bei einem TV mit eingebautem Receiver noch ein optisches Kabel (Toslink) gebraucht, um den Ton vom Fernsehprogramm in ganzer Pracht digital auf die Sound-Anlage zu bringen. Um dem Wirrwarr Einhalt zu gebieten, sind Kabelkanäle nützlich – mindestens für den fest installierten Beamer an der Decke muss einer her, in dem Strom-, HDMI- und weitere Kabel verlaufen.

Soundbar statt großer Lautsprecher und Surround-Sound?

Je nach Ansprüchen kann sie eine günstige Alternative zur mehrteiligen HiFi-Anlage sein: die Soundbar, also eine einzige Lautsprecherbox, die mit ein paar elektronischen Tricks den Raumklang imitiert. Dazu gehört noch ein separater Subwoofer für volumige Bässe, oft über Bluetooth verbunden. Wie der Name „bar“ schon verrät, ist das Gerät kompakt, flach und länglich und kann bestens unter TV oder Leinwand untergebracht werden. Den vollen Raumklang einer HiFi-Anlage, die den Zuschauer auch von hinten erwischt, können diese Produkte nicht liefern. Dafür bieten sie auch für normale TV-Geräte schon eine akustische Aufwertung für kleines Geld und eignen sich, je nach Ausstattung, auch für MP3-Player oder Audio-Streaming.

Von HiFi-Anlage bis Leinwand: Alles in allem ist die Heimkino-Einrichtung nichts, was man mal eben zwischendurch erledigt: Die Technik und Einrichtung individuell an die Wohnung oder das Haus anzupassen, braucht umfangreiches Planen und Ausprobieren. Ist das geschafft, fehlt nur noch ein letztes Stück Zubehör: eine Popcorn-Maschine – und dann Füße hoch und Film ab.

Zahlen und Fakten:

  • An der Entwicklung des Mehrkanal-Sounds waren maßgeblich die Disney-Studios beteiligt: Sie wollten Ende der 30er Jahre den besten Klang für den Film „Fantasia“ erreichen. (Quelle: Wikipedia)
  • Wer für authentisches Nostalgie-Gefühl echte Kinosessel sucht, wird im Netz fündig: Immer wieder verkaufen Kinos ihre gebrauchten Sitze.
  • Die Eintrittspreise im Kino steigen: 2016 waren es im Schnitt 8,45 Euro – schon 2,50 Euro mehr als noch 2012. Popcorn-Maschinen gibt’s übrigens schon für weniger als 50 Euro.

 4th Life Photography – stock.adobe.com; Proxima Studio – stock.adobe.com

Diesen Artikel teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.