Hast du das gewusst? Diese Gartenvögel überwintern bei uns

Ein Vogel sitzt auf einem winterlichen ast

Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar? Bleiben im Winter wo? Wir haben das mal herausgefunden. Und Nina erklärt dir, wie du die hier überwinternden Vögel in der kalten Jahreszeit am besten unterstützen kannst.

Das Laub hat sich bereits orange bis gelb gefärbt und fällt gemächlich zu Boden. So wie sich die Blätter von den Bäumen lösen, verlassen einige Vögel das Land – die Zugvögel: Mauersegler, Nachtigallen, Störche etc. überwintern in den südlicheren Ländern, weil sie nicht an den mitteleuropäischen Winter angepasst sind. Doch nicht jeder kann es sich leisten, in der Sonne zu überwintern. Die Vögel, die nicht genügend Energie für Langstreckenflüge haben, überwintern in unseren Gärten und Parks oder – wie bei mir – auf dem Balkon. Weil ich Blaumeisen, Rotkehlchen und Co. unfassbar süß finde, gebe ich ihnen jedes Jahr Futter und beobachte sie im Winter von meiner Wohnung aus. So erfreut mich der Anblick meines Balkons – trotz fehlender Pflanzenpracht – auch bei Frost und Schnee.

Welche Vögel bleiben im Winter hier?

Zur Übersicht liste ich im Folgenden die 35 am häufigsten vorkommenden Vogelarten auf, die bei uns überwintern.

  • Wenn man eine Meise (natürlich nur im winterlichen Garten) hat, ist es wahrscheinlich eine von ihnen: Blau-, Hauben-, Kohl-, Schwanz-, Sumpf- und Tannenmeisen.
  • Diese Singvögel erfreuen uns auch im Winter mit ihrem Gesang: Amsel, Bergfink, Buchfink, Erlenzeisig, Feldsperling, Grünfink, Haussperling, Gimpel (Dompfaff), Goldammer, Hausrotschwanz, Heckenbraunelle, Kernbeisser, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen, Seidenschwanz, Star, Stieglitz und Zaunkönig.
  • Hör mal, wer da hämmert: Buntspecht und Kleiber bleiben ebenfalls bei uns.
  • Intelligent und mythenbehaftet: Von den Rabenvögeln sind im Winter vor allem Dohle, Elster, Nebelkrähe, Rabenkrähe, Saatkrähe und Eichelhäher zu sehen.
  • Gurr-gurr: Die am weitesten verbreiteten unter den bei uns überwinternden Taubenarten sind Ringel- und Türkentaube.
  • Obacht für Kleintiere: Auch im Winter gehen Greifvögel, wie z.B. Sperber und Habicht, auf Jagd.

Warum im Winter für Vögel das Futter knapp wird

Einfach haben es die bei uns überwinternden Vögel nicht. Da sie weder Winterschlaf noch -ruhe halten, sind sie darauf angewiesen, aktiv in der Kälte nach Futter zu suchen. Doch davon ist im Winter in der Natur nur wenig verfügbar. Die Insekten, die viele der Vögel sonst fressen, ziehen sich im Winter nämlich zurück. Für die Wintervögel sind sie draußen in der Natur nur noch unter Baumrinden, zwischen Wurzeln oder in Komposthaufen zu finden. Deshalb steigen z.B. Meisen auf Nüsse, Samen und Körner um. Auch Beeren und Hülsenfrüchte, die von Herbst bis Winter an einigen Sträuchern und Büschen hängen, stehen für Vögel in kälteren Jahreszeiten auf dem Speiseplan.

Was die Nahrungssuche der Vögel in der Natur zusätzlich erschwert, sind die verkürzten Tage und die längeren Dunkelphasen. Ähnlich wie wir Menschen legen sich dafür einige Vögel für die kalten Monate Vorratsspeicher an (also ich denke da an früher, wo meine Großmutter noch eingekocht hat). Im Boden verstecken die Eichelhäher dann zum Beispiel Eicheln, während in den Rindenspalten von Bäumen Samen und Kerne das glücklich wiedergefundene Fressen für viele Meisenarten sind.

Der Kampf gegen die Kälte

Bei Minusgraden müssen Vögel als gleichwarme Tiere ihre Körpertemperatur von 38 bis 42 Grad Celsius (außer an den Beinen) halten. Dafür plustern sie unter anderem ihr Gefieder auf – als würden sie eine dicke Daunenjacke tragen. Das ist ziemlich schlau von den kleinen Vögeln: Mit ihrer Kugelform minimieren sie das Verhältnis von Körpervolumen und Körperoberfläche, wodurch sie am wenigsten Wärme verlieren. Mit ihren dunklen Gefiederstellen nutzen sie optimal die Sonnenwärme. Wenn es mal besonders kalt ist und die Vögel keine Chance haben, ihre Körpertemperatur aufrechtzuerhalten, verfallen sie in eine Art Starre. Dazu fahren sie ihre Körpertemperatur herunter, was ihren Stoffwechsel und Energieverbrauch herabsetzt. Das sieht ziemlich besorgniserregend aus, doch regungslos ist zum Glück nicht gleichbedeutend mit leblos.

Um den Vögeln das Überwintern zu erleichtern, kannst du ihnen in erster Linie bei der Nahrungszufuhr helfen. Sie freuen sich im Winter besonders über Meisenknödel und Futterkörner. Denn um ihre Körperwärme aufrechtzuerhalten, nützt ihnen eine hohe Energiezufuhr in Form von Fetten und Kohlenhydraten.

Was solltest du beim Füttern von Vögeln in der Natur beachten?

Ähnlich wie unsere Haustiere gewöhnen sich die Vögel im Garten an die Fütterungen. Das bedeutet: Du musst sie täglich bis zum Ende des Winters füttern, da sie sich auf die Futterplätze verlassen und ansonsten verhungern könnten. Außerdem ist zu beachten, dass nicht jeder Vogel jedes Futter frisst. Es gibt zum einen Körnerfresser mit kräftigen Schnäbeln, die keine Probleme damit haben, harte Schalen aufzuknacken. Hierzu gehören Finken, Sperlinge, Zeisige, Gimpel und Dompfaffen. Zu den Weichfutterfressern, die Haferflocken, Kleie, Mohn, Obst und Trockenfrüchte lieben, zählen Rotkehlchen, Amsel, Heckenbraunelle, Zaunkönig und Star. Meisen, Spechte und Kleiber hingegen fressen sowohl Weichfutter als auch Körner.

Mit dem richtigen Futter kannst du demnach entsprechene Vogelarten in deinen Garten oder auf deinen Balkon locken. Du solltest die Vögel allerdings nicht mit Essensresten oder Brot füttern. Die Gewürze und das Salz schlagen ihnen auf den Magen oder können sie sogar umbringen. Wer den Tieren also etwas Gutes tun möchte, kauft spezielles Vogelfutter oder stellt es selbst her.

So stellst du dein eigenes Vogelfutter für den Winter her

Körnerfutter:
Erhitze 300 Gramm Kokosöl, sodass es sich verflüssigt, aber nicht kocht. Gebe einen Esslöffel Speiseöl und 300 Gramm Körner hinzu. Bei den Körnern empfiehlt sich eine Mischung aus Sonnenblumenkernen, gehackten Nüssen und Hanfsaat.

Weichfutter:
Statt der Körnermischung verwendest du für das oben beschriebene Rezept einfach Haferflocken, Weizenkleie und Rosinen. Die warme, flüssige Mischung kannst du dann z.B. in eine ausgehöhlte halbe Kokosnussschale oder kleine Blumentöpfe füllen und aufhängen. Alternativ nimmst du Ausstechformen für Plätzchen und kreierst beispielweise Vogelfutterplätzchen, die du wie Christbaumkugeln an den Ästen in deinem Garten oder auf deinem Balkon aufhängst.

Eine Meise sitzt im Winter auf einem Futterspender
Ein Futterspender ist für die Vögel hygienischer als das Vogelhaus.

Vogelhaus, Futterspender und Katzenabwehr

Ich habe mir vorige Woche für meinen Balkon einen Futterspender gekauft. Warum? Die sind hygienischer als Vogelhäuser. Zwar trauere ich meinem hübschen, bunten Vogelhäuschen der letzten Jahre ein bisschen hinterher, aber dafür weiß ich, dass ich den Vögeln etwas Gutes tue. Denn wenn die Tiere im Futter herumlaufen, übertragen sich schnell Krankheiten. Wer trotzdem nicht auf das Vogelhäuschen verzichten möchte, sollte es regelmäßig mit heißem Wasser ausspülen und nur wenig Futter am Tag nachlegen. Um dich selbst zu schützen, solltest du bei der Reinigung Handschuhe tragen.

Übrigens: Um zu vermeiden, dass die Vögel bei dir gegen die Scheibe fliegen, solltest du die Futterstelle mindestens zwei Meter von Fenstern entfernt anbringen. Eine weitere Herausforderung ist das Fernhalten von Katzen. Damit die neugierigen Vierbeiner nicht auf die Bäume mit den Meisenknödeln klettern, kannst du am Stamm einen sogenannten Katzen-Abwehr-Gürtel aus dem Gartenhandel befestigen.

Weitere Tipps für einen vogelfreundlichen Garten

Wer im Garten eine Eberesche, einen Weißdornstrauch oder einen Zierapfelbaum stehen hat, der versogt die Vögel im Winter automatisch mit Nahrung und macht ihnen das Leben einfacher. Diese solltest du dann aber erst gegen Ende des Winters beschneiden. So bleiben Früchte und Samen über die kalten Monate an der Pflanze erhalten und dienen als Nahrung. Auch Laub und Totholz können für Vögel von Nutzen sein. Dort siedeln sich Insekten an, die für viele Vogelarten eine wichtige Nahrungsquelle sind.

Kurz & knapp:
Die Vögel, die im Winter bei uns bleiben, benötigen eine ausreichende Nahrungszufuhr aus Fetten und Kohlenhydraten. Nur so können sie ihre Körpertemperatur aufrechterhalten und überleben. Wer sie füttert, sollte sie regelmäßig an derselben Stelle versorgen und darauf achten, welche Vogelarten Weich- oder Körnerfutter fressen. Darüber hinaus raten Experten von einem Futter mit Ambrosiasamen ab und empfehlen aus Hygienegründen eher einen Futterspender als ein Vogelhaus.

ÜBER DIESEN AUTOR

Autorenportrait NIna
Nina, 40, liebt das stadtnahe Leben im Grünen und ihren Balkon. Während sie im Sommer die Blüten- und Blätterpracht ihrer Balkonpflanzen pflegt, versorgt sie im Winter Kleinvögel mit Fett- und Körnerfutter.

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