Grünes Glück: Der Kleingarten feiert ein Comeback

Am Puls der Großstadt wohnen und trotzdem ein grünes Fleckchen haben, wo die Welt in Ordnung ist und einem die Erdbeeren in den Mund wachsen: Kleingärten haben ihr spießiges Image längst hinter sich gelassen und erfreuen sich größter Beliebtheit in einer Generation, die grün denkt und der Nachhaltigkeit am Herzen liegt. Doch wie gelangt man an sein eigenes grünes Glück? Autorin Nina hat ein paar Tipps für Euch.

Ursprünglich waren Kleingärten vor allen Dingen eine Maßnahme gegen allgegenwärtigen Hunger: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung rasant und immer mehr Menschen drängten in die Städte. Gleichzeitig wurde es schwieriger, alle mit Nahrung zu versorgen. Armut war ein großes Problem und kleine Landparzellen, auf denen sich die Menschen selbst versorgen konnten, eine Maßnahme dagegen. Erst später kam der Aspekt der Erholung für die ganze Familie hinzu. Heute ist der Grund, sich einen Kleingarten zuzulegen, viel mehr der Traum von der Rückkehr zur Natur, auch wenn der Lebensmittelpunkt urban und die Altbauwohnung traumhaft ist. In Umfragen nennen Kleingartenbesitzer als Reiz des kleinen Grundstücks besonders oft, dass es eine tolle Umgebung für Kinder ist und ungünstige Wohnverhältnisse ausgleicht. (Quelle: statista.com).

Wie findet man den Garten Eden in der Stadt?

Ohne Verein kommst Du leider auf keinen grünen Zweig: Die kleinen Gartengrundstücke sind immer Teil einer größeren Anlage und haben links, rechts, vorne und hinten Nachbarn. Diese Kleingartenanlagen werden in Deutschland von Vereinen verwaltet, in denen man Mitglied werden muss, um überhaupt erst eine Parzelle pachten zu können. Am schönsten ist natürlich ein Kleingarten in Fahrrad-Entfernung fernab von lautem Verkehr, am besten noch mit netten Nachbarn, die ähnliche Vorstellungen vom Gärtnern haben. Ein wenig Glück oder sehr viel Geduld sind da gefragt: In Großstädten übersteigt die Nachfrage nach den lauschigen Gärten längst das Angebot und viele Vereine führen mehr oder weniger lange Wartelisten. Dazu ist etwas Startkapital notwendig, um die Expedition ins Grüne starten zu können. Je größer die Stadt, desto höher die Übernahmepreise für einen Kleingarten: Für einen kleinen Berliner Gartentraum mit mäßigen 400 Quadratmetern liegt der durchschnittliche Übernahmepreis schon bei 10.000 Euro und mehr. Das ist aber auch einsamer Rekord: Alle anderen Städte bleiben unter der 5.000-Euro-Grenze (Quelle: statista.com). Dazu kommen noch die Pacht, der Mitgliedsbeitrag für den Verein und die Nebenkosten für Strom, Wasser und Kommunalabgaben. Etwa einen Euro pro Tag sollte man für den Traum vom eigenen Paradies also durchaus veranschlagen. Aber was ist das schon gegen lauschige Sommerabende vor der eigenen kleinen Hütte? Nachmittage in der Hängematte oder die eigene Erdbeerernte? Eben.

Urban leben und auf Natur nicht verzichten: Ein Kleingarten macht es möglich

Mein Garten, mein Gesetz? Was erlaubt ist – und was nicht

Hat eben noch jemand gesagt, dass Kleingärten längst nicht mehr spießig rüberkommen? Ein bisschen kleinkariertes Image lässt sich aber nicht abschütteln: Es gibt ein Bundeskleingartengesetz (kurz: BKleingG), das die wichtigsten rechtlichen Fragen rund um die kleinen Grünflächen klärt. Es deckelt zum Beispiel die Pacht, die auch in heiß begehrten Anlagen nicht in die Höhe schießen darf wie junge Triebe im Frühjahr. Gekündigt werden darf sie außer in Sonderfällen jeweils zum 30. November eines jeden Jahres. Das Kleingartengesetz regelt auch eindeutig, was im Garten gebaut werden darf: Wer schon von der Mini-Villa im Grünen träumt, muss sich bremsen. Maximal 24 Quadratmeter Grundfläche sind für die Gartenlaube in Ordnung. Der Trick, einfach zwei Parzellen zu verbinden und doppelt so groß zu bauen, wurde vor Gericht im Übrigen auch schon entlarvt und für nicht rechtens erklärt. Es bleibt also bei klein und beschaulich – zumindest, was die Hütte angeht. In Sachen Obst- und Gemüseernte kannst Du dann deutlich größer denken als mit der kleinen Balkonbepflanzung.

Bremst wilde Triebe: Der Verein und seine Regeln

Alle Details, die das Bundeskleingartengesetz offen lässt, regelt die Satzung oder Verordnung einer jeden Kleingartenanlage. Es empfiehlt sich darum, bei der Suche nach einem Grundstück auch Stimmung und Kultur im jeweiligen Verein zu prüfen. Das geht zum Beispiel mit einem Besuch auf der Website, denn auch viele Kleingartenvereine sind mittlerweile im 21. Jahrhundert angekommen und stolz darauf – dort ist übrigens auch häufig die Anzahl der freien Parzellen vermerkt. Schau‘ also genau hin, wo Du zukünftig Deinen Mitgliedsbeitrag zahlen willst – und mit wem Du Hand in Hand arbeiten möchtest, denn auch das Pflegen und Instandhalten von gemeinschaftlich genutzten Einrichtungen wie Spielplätzen oder Vereinsheim gehören verpflichtend zur Mitgliedschaft dazu. Der Verein gibt außerdem oft vor, wie der Garten gestaltet werden darf. Das betrifft Art und Form der Bepflanzung, die Höhe der Hecken und Sträucher oder das Mitbringen von Haustieren. Und Gartenfreunde, die auch mal eine laue Sommernacht im Paradies verbringen wollen, müssen besonders gut in die Satzung schauen: Dauerhaftes Wohnen im Kleingarten untersagt das Gesetz, doch manche Kleingartenvereine verbieten auch einzelne Übernachtungen.

Ordnung im Paradies: Auch ein kleiner Garten will gepflegt sein

Bei aller Liebe zur Natur kann es Schwierigkeiten geben, wenn man ihr allzu ungebremst freien Lauf lässt. Wer seinen Garten überhaupt nicht pflegt, muss je nach Verein früher oder später mit der Kündigung rechnen. Leider ist auch eine reine Rasenfläche meistens nicht erlaubt. Aber das will ja auch kein Kleingärtner: Schließlich lockt die eigene Ernte im Sommer. Und da hast Du absolut freie Hand: Ob Tomaten, Zucchini oder eine ganze Erdbeerplantage, entscheidet der eigene Geschmack. Und hier kommt auch wieder ein unschlagbarer Vorteil des Anbaus im eigenen Beet zum Tragen: Du kannst es so bio haben, wie Du möchtest. Vielen Kleingärtnern gerade der jüngeren Generation liegen Umweltschutz und Nachhaltigkeit am Herzen, so dass sie lieber auf eigenen Kompost statt synthetischen Dünger setzen und auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten. Das freut wiederum auch Insekten und Singvögel – und macht aus dem kleinen Stück Garten erst recht ein Paradies.

 

Zahlen und Fakten:

  • Andere Namen für den Kleingarten sind Schrebergarten, Familiengarten, Parzelle oder Datsche.
  • Rund 15.000 Kleingartenvereine in Deutschland gehören dem Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. (BDG) an, der seinen Sitz in Berlin hat (Quelle: Wikipedia).
  • Unter den deutschen Großstädten ist Berlin mit fast 68.000 Kleingärten Spitzenreiter, gefolgt von Hamburg mit 35.000 und Leipzig mit 32.000. Die Metropole München kommt hingegen nur auf 8.600 Kleingärten (Quelle: Wikipedia).
  • Auch wenn eine neue Generation von Kleingarten-Fans entsteht: Die meisten Kleingärtner sind nach wie vor über 55 Jahre alt (Quelle: Statista.com).

Über diesen Autor

Nina, 38, liebt das stadtnahe Leben im Grünen und ihren Balkon. Ein Kleingarten würde ihr aber auch zusagen. Höchste Zeit also, sich mit dem Thema einmal genau zu beschäftigen.

Fotos: shaiith – stock.adobe.com; Stefan Körber – stock.adobe.com

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