Grüne Oase über den Dächern der Stadt: Tipps zum Aufbau eines Dachgartens

Ein Dachgarten ist ein grünes Refugium in der Stadt

Wer ganz oben wohnt und eine Fläche zur Verfügung hat, um sie zu begrünen, kann sich ein einmaliges Refugium schaffen. Selbst auf einem kleinen Flachdach kann man mit wenig Aufwand eine wunderbare Ruheoase errichten, findet Bloggerin Nina.

Mein geschätzter Blogger-Kollege Marc hat hier vor wenigen Monaten darüber berichtet, wie ihr einen Balkon zum Wintergarten umbauen könnt. So reizvoll ich die Vorstellung finde, an regnerischen Herbst- oder kalten Winternachmittagen in so einem Glaskasten zu sitzen und mit Freundinnen Tee zu schlürfen oder in einem Buch zu schmökern, mein persönlicher Favorit für städtisches Wohnen ist ein Wintergarten nicht. Denn im Sommer, wenn man gerade in der Stadt viel an der frischen Luft sein möchte, herrscht dort schnell stickige Hitze. Ganz anders als bei einem Dachgarten: So eine Ruheoase mit Blick auf den Großstadtdschungel (naja, bei mir hier sind das eher die letzten Ausläufer der Großstadtsteppe 😊) ist schon seit langem mein ultimativer Wohntraum. Grund genug, dass ich mich einmal etwas ausführlicher damit beschäftigt habe, wie dieser Traum eines Tages vielleicht wahr werden könnte.

Am Anfang braucht ihr eine geeignete Fläche – und einen Plan

Wie das Wort Dachgarten schon sagt, handelt es sich bei einem Dachgarten logischer Weise um einen Garten, der sich auf einem Dach befindet. Dabei muss es sich jedoch nicht zwangsläufig um ein superluxuriöses Penthaus oder ein hippes Terrassenhaus handeln. Dachgärten können grundsätzlich auf jedem Flachdach errichtet werden – in Frage kommen zum Beispiel auch ein einfacher Anbau, eine große Dachterrasse oder eine schnöde Garage. Besonders letztere kann mit einem Dachgarten vom architektonischen Schandfleck zum Blickfang der ganzen Straße aufgewertet werden. Soll darauf ein Garten mit Erde angelegt werden, muss das Flachdach jedoch einiges an Gewicht halten können: Experten rechnen pro Quadratmeter je nach Art der Bepflanzung mit 40 bis zu mehreren hundert Kilogramm.

Das ist jedoch nicht der einzige Grund, warum die Anlage eines Dachgartens eine gute Planung benötigt. Denn auch das Bauamt hat bei einem Dachgarten nach der gängigen Rechtsprechung etwas mitzureden. In der Praxis haben die Behörden gegen einen Dachgarten nach meiner Recherche zumeist nichts einzuwenden, können aber zusätzliche Vorgaben wie die Anbringung eines Geländers oder einer Ummauerung machen. Zusammengenommen bedeutet das: Bevor ihr in die konkrete Planung eines Dachgartens einsteigen könnt, müsst ihr zuerst einen Fachmann wegen der Statik zu Rate ziehen und bei der entsprechenden Behörde eine Baugenehmigung einholen. Erst wenn ihr von diesen beiden Stellen grünes Licht erhalten habt, solltet ihr mit der eigentlichen Planung des Dachgartens beginnen. Neben eurer Kreativität muss in diesen Schritt auch etwas gärtnerisches und bauliches Wissen einfließen.

Schicht auf Schicht: Ein Dachgarten braucht ein solides Fundament

Zu einem echten Dachgarten gehört natürlich die Dachbegrünung. Und für deren Pflanzen müsst ihr die Versorgung des Dachgartens mit zwei Dingen sicherstellen: ausreichend Erde und Wasser – beginnen wir mit letzterem. Damit das Wasser beim Gießen der Pflanzen keine Schäden am darunter liegenden Gebäude anrichten kann, benötigt ein begrünter Dachgarten eine hundertprozentige Abdichtung gegen Nässe. Experten sprechen dabei von einer Dampfsperre. Sie bildet die unterste Schicht eurer Dachbegrünung und besteht in der Regel aus Bitumenbahnen oder einer speziellen Kunststoffplane für Dachgärten. Darüber kommt eine Drainageschicht, die den Ablauf des Wassers, das beim Gießen oder bei Regen durch die Erde sickert, in „geregelte Bahnen“ lenkt. Ein Ablaufrohr und Notüberläufe sorgen dafür, dass selbst bei den heftigsten Regenfällen kein Wasser in das darunter liegende Gebäude läuft. Zusätzlich muss darauf geachtete werden, dass die Abläufe nicht verstopfen – zum Beispiel durch Laub oder andere Gartenabfälle. Apropos Wasser: Wenn ihr bei der Planung auf dem Dachgarten gleich einen Wasseranschluss oder ein komplettes Bewässerungssystem einplanen könnt, seid ihr ganz weit vorn.

Dachgärten in der Stadt
Dachgärten erscheinen Stadt-Menschen als der reine Luxus

Pflanzen satt: Die Möglichkeiten der Dachbegrünung

Als drittes wird schließlich eine Erdschicht aufgetragen. Wie dick diese sein sollte, hängt davon ab, was ihr auf dem Dach pflanzen wollt. So kommt eine Dachbegrünung mit Gräsern mit einer viel dünneren Substratschicht aus als die Bepflanzung mit Sträuchern oder Bäumen. Und damit sind wir bei einem der spannendsten Punkte der Dachbegrünung angelangt: den Pflanzen. Die nötige Dicke der Erdschicht beziehungsweise des Substrates, in dem eure Pflanzen auf dem Dachgarten eine gute Figur machen sollen, ist ein weiterer Punkt, der zeigt, wie wichtig eine genaue Planung bei der Umsetzung eines Dachgartens ist. Aber dafür müsst ihr natürlich wissen, welche Art von Pflanzen sich auf einem Dachgarten überhaupt so richtig wohlfühlen. Neben standortbedingten Faktoren, wie Sonneneinstrahlung oder der Temperatur, solltet ihr dabei beachten, dass Pflanzen auf einem Dachgarten möglichst winterhart sind, nicht zu tief wurzeln, damit das Dach nicht beschädigt wird, über der Erde ebenfalls kein allzu ausgeprägtes Wachstum haben, damit sie sich nicht zu breit machen, und am besten auch nicht zu viel Durst haben.

Im Gärtner-Sprech unterscheidet man bei der Bepflanzung zwischen einer extensiven und einer intensiven Dachbegrünung. Bei der extensiven Dachbegrünung beträgt die Erdschicht nur etwa 3 bis 25 Zentimeter. Auf diesen nährstoffarmen Untergrund passen sehr gut Ziergräser, Mose und trockene Blühpflanzen wie Fetthennen und andere Sedum-Arten. Bei einer intensiven Bepflanzung des Dachgartens müsst ihr, wie gesagt, auf die Tiefe der Wurzeln und die Belastung der Statik durch Gewicht von Erde und Pflanzen achten. Aus diesem Grund werden auf Dachgärten bevorzugt Ziersträucher und -bäume angepflanzt: dazu zählen zum Beispiel diverse Birnen-Arten, Zierapfel, -quitte und -kirsche, Weißdorn, Ginkgo, Bambus und Chinaschilf. Diese Aufzählung ist zwar nicht komplett, zeigt aber, welche reichhaltigen Möglichkeiten ihr bei der Begrünung eines Dachgartens habt.

So wird der Dachgarten zur Dachterrasse

Damit ein Dachgarten ein loungiger Ort zum Entspannen wird, dürfte auf meinem Traumdachgarten auf keinen Fall ein kleiner Sitzbereich mit bequemen Holzmöbeln fehlen, die bei gutem Wetter mit vielen großen Kissen so richtig gemütlich gemacht werden. Um optisch für etwas Abwechslung zu sorgen, würde ich diese Dachterrasse zusätzlich mit ein paar großen Kübelpflanzen bestücken. Dazu ein Tipp: Pflanzkübel haben auf einem Dachgarten zusätzlich den Vorteil, dass ihr hierein auch nicht-winterharte Pflanzen setzen könnt, da sie in der kalten Jahreszeit einfach eingepackt werden können.

Gut zu wissen:
Für die meisten Stadt-Menschen erscheint ein Dachgarten als der reine Luxus. Das stimmt aber nur halb. Denn ein Dachgarten kann auch finanziell reizvoll sein: Er isoliert das darunter liegende Dach und hilft so im Winter, Heizenergie zu sparen. Im Sommer schützt er bei Hitze gegen die Erwärmung und wird so zur ökologischen Klimaanlage. Weil Dachgärten ein Mittel gegen die Versiegelung der Landschaft sind, stellen mache Städte sogar Fördergelder bereit. Und die KfW unterstützt euch mit günstigen Krediten.

Kurz & knapp:
Bevor du mit der Planung deines Dachgartens beginnst, brauchst du zunächst grünes Licht vom Statiker und eine behördliche Baugenehmigung. Danach hast du erstaunlich viele Möglichkeiten für die Bepflanzung – und kannst mit deiner grünen Oase auf dem Dach sogar noch Energie sparen.

 

ÜBER DIESEN AUTOR

Autorenportrait NIna

Nina, 39, liebt das stadtnahe Leben im Grünen und ihren Balkon. In den letzten Jahren ist sie zu einer begeisterten Hobbygärtnerin geworden. Ihr großer Traum: Eine grüne Dachgarten-Oase mit Blick auf die Stadt.

Diesen Artikel teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.