Gründlich erklärt: So funktioniert die Grundsteuer

Gerade im ersten Jahr fallen im neuen Eigenheim einige Kosten an. Den Grundsteuerbescheid hat MeinWohn-Blogger Nico im ganzen Papierwust zum Beispiel nur am Rande zur Kenntnis genommen. Nun flatterte die Zahlungserinnerung ins Haus – Anlass für den frischen Hausbesitzer, sich genauer mit der Grundsteuer zu beschäftigen.

Was ist die Grundsteuer?

Eine Steuer auf bebaute und unbebaute Grundstücke, die jeder Eigentümer zahlen muss. Mieter übrigens auch: Vermieter dürfen den Betrag komplett umlegen. Die Grundsteuer zählt zu den wichtigsten Einnahmequellen der Gemeinden, rund 14 Milliarden Euro kamen 2017 bundesweit zusammen. Die Steuer gliedert sich in zwei Typen: Typ A gilt für Grundstücke, auf denen Forst- und Landwirtschaft betrieben wird, Typ B richtet sich an normale Hausbesitzer wie mich. So weit, so einfach.

Wie hoch ist die Grundsteuer?

Nun muss ich ein wenig ausholen. Die Höhe der Grundsteuer ergibt sich aus drei Faktoren: dem Einheitswert des Grundstücks, der vom Finanzamt ermittelten Steuermesszahl und einem je nach Gemeinde unterschiedlichen Hebesatz. Keine Angst: Das klingt jetzt schwieriger, als es ist – ich erkläre es euch.

Der Einheitswert berechnet sich nach den Werteverhältnissen des Grundstücks, wie sie 1935 in Ostdeutschland und 1964 in Westdeutschland herrschten. Für bebaute Grundstücke ist zusätzlich der Ertrags- oder Sachwert des Gebäudes entscheidend. Bauliche Veränderungen wirken sich ebenfalls aus. Heißt: Errichtet ihr zum Beispiel einen Wintergarten, kann der Einheitswert steigen.

Die Steuermesszahl bestimmt, welcher Teil des Einheitswerts steuerpflichtig ist. Für ein Einfamilienhaus sind das entweder 2,6 oder 3,5 Promille, in den neuen Bundesländern sogar zwischen fünf und zehn. Nun zum Hebesatz: Den bestimmen die Gemeinden individuell. Im nordrhein-westfälischen Witten liegt er etwa bei 910 Prozent, in Ingelheim am Rhein bei 80 Prozent – also Augen auf bei der Wohnortswahl, wenn ihr ein Haus baut oder kauft.

Alle diese Faktoren führen letztlich dazu, dass die Grundsteuer bei jedem unterschiedlich ausfallen kann – und sogar Nachbarn verschieden hohe Steuern zahlen müssen. Nur in Ausnahmen sinkt oder entfällt die Grundsteuer, etwa bei massiven Schäden oder denkmalgeschützten Häusern.

Wann wird die Grundsteuer fällig?

Die Gemeinden verlangen die Grundsteuer jährlich, üblicherweise zahlt man im Februar, Mai, August und November jeweils zur Monatsmitte ein Viertel des Gesamtbetrags. Aber aufgepasst: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man den Bescheid gerne mal übersieht – merkt euch die Überweisung also stets vor.

Zur Erinnerung: Um die Überweisung der Grundsteuer nicht zu vergessen, sollte man sich den Termin im Kalender notieren.

Wird die Grundsteuer bald reformiert?

Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht klar sagen. Schon einige Zeit diskutieren Politiker und Experten über eine Reform: Die veralteten Einheitswerte wurden 2018 für verfassungswidrig erklärt. Zur Neuberechnung sollen Eigentümer 2020 in ihrer Steuererklärung Eckdaten wie den Wert des Hauses und die Grundstücksfläche angeben. Bis 2025 haben die Finanzämter dann Zeit, die neuen Einheitswerte zu bestimmen. Doch wie genau die neue Grundsteuer danach ermittelt werden soll, bleibt umstritten. Für mich jedenfalls ist eines sicher: Bis dahin richte ich auf jeden Fall einen Dauerauftrag ein.

Fotos: Wayhome Studio – stock.adobe.com; Rawpixel.com – stock.adobe.com

Über diesen Autor

Als Nico noch zur Miete wohnte, hatte er mit Steuerfragen recht wenig am Hut. Umso erstaunter war er dann darüber, wie kompliziert die Berechnung der Grundsteuer ist – und dass sein Nachbar auf eine ganz andere Summe kommt.

Diesen Artikel teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.