Im Jahr 1957 hatten sich Ankes Großeltern ein schickes Haus im Grünen gebaut. Auf 190 Quadratmetern Wohnfläche fühlte sich die Familie viele Jahrzehnte lang zuhause. Nun hat Anke das Haus geerbt – und möchte mit ihrem Mann und den zwei Kindern genauso glückliche Jahre dort verbringen. Dafür musste das Haus zwar generalüberholt werden, aber das Ziel ist erreicht: das geliebte Zuhause der Großeltern wird erhalten und ist zukunftsfit.

Dafür musste das 60 Jahre alte Haus komplett gedämmt werden. Ebenso stand die Heizung ganz oben auf der To-Do-Liste. Der Ölkessel war über 20 Jahre alt und hat einfach zu viel verbraucht – ein neuer musste her. Nun steht ein modernes Öl-Brennwertgerät im Keller. Unterstützung bekommt die neue Heizung von der Solaranlage auf dem Dach. Die sorgt bei Sonnenschein dafür, dass die 300 Liter Wasser in einem Speicher warm gehalten werden. Scheint die Sonne nicht, tut das die Heizung.

Die neue Heizung verbraucht nun viel weniger. Der bisherige 5.000-Liter-Erdtank im Garten wird als Regenwasserspeicher genutzt. Das Energielager der neuen Heizung steht jetzt mit im Keller: Drei kompakte 1.000-Liter-Heizöltanks reichen für mehr als zwei Jahre. Die Entscheidung dafür haben Anke und ihr Mann bewusst gefällt: „Wir kaufen nach, wenn der Ölpreis günstig ist. Das geht beim Gas nicht.“

Großes Glück für Anke während der Sanierung war die Unterstützung durch ihren Bruder Jochen. Der ist Energieberater und weiß, was zu tun war. Mit großem Erfolg. Für knapp 100.000 Euro haben Anke und ihr Mann das Haus der Großeltern in ein modernes Zuhause verwandelt. Und ihren Energiebedarf um beachtliche 80 Prozent senken können. Hätten sie weder eine neue Heizung eingebaut noch die Wände gedämmt, würde das Haus 7.200 Liter jährlich verbrauchen. Jetzt liegt der Heizölbedarf bei rund 1.400 Litern.

Und Ankes neueste Tankfüllung ist sogar etwas ganz Besonderes: Die Familie nimmt an einem Praxistest des Instituts für Wärme und Oeltechnik (IWO) teil und nutzt jetzt einen Brennstoff, der zu 50 Prozent aus treibhausgasreduziertem Heizöl besteht: „CareDiesel“ des finnischen Unternehmens Neste. „CareDiesel“ wird aus biogenen Reststoffen wie z. B. Altspeisefetten und Wasserstoff hergestellt und gehört damit zu den erneuerbaren Biobrennstoffen der 2. Generation, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen. Damit hat das Haus nun eine noch bessere Klimabilanz, denn im Vergleich zu Zeiten, in denen Ankes Großeltern das Haus bewohnten, spart es nun sogar 90 Prozent von seinem ursprünglichen CO2-Ausstoß ein.

Damit zukünftig möglichst viele Gebäude die Ziele der Energiewende erreichen können, wird derzeit an unterschiedlichsten Verfahren zur Herstellung solcher klimaschonenden Heizöl-Alternativen geforscht. Am Ende sollen treibhausgasneutrale flüssige Brennstoffe stehen, die aus den Stoffen hergestellt werden, die bei der Verbrennung im Heizkessel entstehen, also hauptsächlich Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2). So entsteht ein geschlossener Kohlenstoffkreislauf und damit weitgehende Treibhausgasneutralität.

Übrigens: Auch die Natur ist über die pflanzliche Photosynthese Teil eines solchen geschlossenen Kohlenstoffkreislaufs. Denn die Pflanze bindet für ihr Wachstum den Kohlenstoff aus der Atmosphäre, der bei einer Verbrennung wieder frei wird. Und wird damit zur erneuerbaren Kohlenstoffquelle. So lassen sich beispielsweise aus vielen pflanzlichen Rohstoffen wie Algen, Restholz oder Stroh mit dem Biomass-to-Liquid-Verfahren (BtL) flüssige Brennstoffe mit einem Treibhausgas-Minderungspotenzial von bis zu 90 Prozent gegenüber einem mineralölstämmigen Kraftstoff herstellen. Der Kohlenstoffkreislauf lässt sich aber auch künstlich verkürzen: Beim Power-to-Liquid-Verfahren (PtL) kann Kohlendioxid direkt aus Industrieabgasen oder auch der Luft als Kohlenstoffquelle genutzt werden.

Der für eine sogenannte E-Fuel-Produktion zusätzlich benötigte Wasserstoff wird aus Wasser durch Elektrolyse mithilfe von Strom erzeugt – und dessen Herkunft ist ebenso entscheidend für die Treibhausgasbilanz des PtL-Produkts: Denn nur grüner Strom aus erneuerbaren Quellen ermöglicht der angestrebten CO2-Neutralität. Solche sogenannten Power-to-Liquid-Verfahren sind daher besonders in wind- und sonnenreichen Regionen sinnvoll, um die notwendige Strommenge klimaneutral zu erzeugen.

Einer, der sich mit den neuen Brennstoffen auskennt, ist Dr. Ernst-Moritz Bellingen, Leiter Energiepolitik beim IWO und Präsident des europäischen Heizölverbandes Eurofuel. Wir von MeinWohn.Blog haben ihn zu den Zukunftsoptionen in Sachen Ölheizung befragt.

MeinWohn.Blog: Derzeit wird an den treibhausgasreduzierten Energieträgern geforscht. Wie sieht es da aus? Wird es zukünftig wirklich eine Brennstoff-Alternative für die Ölheizung geben?
Dr. Ernst-Moritz Bellingen: Davon bin ich überzeugt. Es wird bereits mit Hochdruck und an vielen Stellen in Europa an synthetischen Energieträgern geforscht. Eigentlich ist das auch ganz einfach: Benötigt werden Wasser- und Kohlenstoff. Geklärt werden muss lediglich deren Herkunft. Dazu gibt es verschiedene Lösungsansätze: So könnte der Wasserstoff zum Beispiel mit Hilfe von Wind- oder Solarenergie gewonnen werden, der Kohlenstoff aus Industrieabgasen, Reststoffen oder auch aus der Atmosphäre. Und für ein vollständig erneuerbares Produkt muss dann natürlich auch die Energie zur Herstellung der neuen Fuels aus erneuerbaren Quellen stammen.

MeinWohn.Blog: Warum E-Fuels aus Ökostrom, wenn ich doch auch mein Haus ohne diesen Umweg direkt mit einer Strom-Wärmepumpe mit grünem Strom beheizen könnte?
Dr. Ernst-Moritz Bellingen: Mal abgesehen davon, dass eine Modernisierung mit einer Strom-Wärme-Pumpe eine im Vergleich teurere Variante ist, als der Umstieg von einer älteren Ölheizung auf eine moderne und effiziente Öl-Brennwertheizung, benötigen Strom-Wärme-Pumpen auch ein hochwärmegedämmtes Gebäude, um effizient betrieben werden zu können. Und eben elektrische Energie. Je mehr Gebäude also damit beheizt werden, umso mehr Strom muss folglich produziert werden. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, muss es Ökostrom sein. Der Strombedarf in Deutschland ist aber jetzt schon sehr hoch – und wird derzeit durchschnittlich nur zu rund  36 Prozent regenerativ erzeugt. Kommen nun noch deutlich mehr Elektro-Heizungen und -Autos dazu, kann sich jeder ausrechnen, wie viele Windenergieanlagen und Solarparks nötig wären, um den Bedarf zu decken. Mit flüssigen regenerativen Energieträgern würde nicht nur die Versorgungssicherheit deutlich erhöht, da auch bei Flauten und an bedeckten Tagen geheizt werden kann. Vor allem könnte sich der Ausbau von regenerativem Strom in verträglichen Grenzen halten.

MeinWohn.Blog: Gibt es – außer dem Haus von Anke und ihrer Familie – weitere Objekte, in denen die Alternativen bereits getestet werden?
Dr. Ernst-Moritz Bellingen: Ja, die gibt es. In Bastorf an der Ostsee steht ein Zwei-Familienhaus, was ebenfalls einen Anteil erneuerbaren Brennstoff im Tank hat – und damit völlig problemlos beheizt wird. Ein weiteres Objekt ist das Innovationshaus im hessischen Wolfhagen, das als nächstes eine treibhausgasreduzierte Alternative geliefert bekommt. Alle Häuser nutzen übrigens unterschiedliche Technik, die sie mit ihren modernen Öl-Brennwertheizungen kombiniert haben. Der eine hat eine Wärmepumpe, der andere nutzt Windstrom, der nicht vom Stromnetz aufgenommen werden kann, und betreibt damit einen elektrischen Heizstab, der das Wasser in einem Wärmespeicher aufheizt. Oder sie haben eine Solaranlage auf dem Dach, die die Heizung zusätzlich unterstützt.

MeinWohn.Blog: Dann ist die Perspektive für die Ölheizung auch langfristig eine gute?
Dr. Ernst-Moritz Bellingen: Absolut. Die neuen flüssigen Energieträger können ganz normal in den vorhandenen Öl-Brennwertheizungen genutzt werden. Damit kann das gewohnte Heizsystem bestehen bleiben. Und für den Hausbesitzer zahlen sich die Vorteile aus: Er ist weiterhin unabhängig von Netzen, kann seinen Energielieferanten frei wählen, seinen Energievorrat zu Zeiten günstiger Preise einkaufen und mit Solaranlage oder Holzkaminofen zusätzlich erneuerbare Energien ins Heizsystem einbinden. So ändert sich äußerlich nichts, nur die „inneren Werte“ der Heizung werden deutlich grüner.

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