Grell oder pastell, leuchtend oder dezent: Wie sich Farben auf das Wohnklima auswirken

Welcher Ton passt am besten zu welcher Wand? Bloggerin Nina hat für euch eine kleine Farbenlehre für die richtige Farbgestaltung für euer Zuhause zusammengestellt. Mit Tipps zum richtigen Mischen von Farben.

Alle paar Jahre bekomme ich einen Rappel. Dann weiß ich: Ich brauche in meinen vier Wänden dringend einen Tapetenwechsel. Wobei „Tapetenwechsel“ eigentlich gar nicht stimmt, denn die Tapeten sind gar nicht das Problem, viele Wände in meiner Wohnung sind nicht einmal tapeziert, sondern einfach nur gestrichen 😊. Deshalb bedeutet „Tapetenwechsel“ in meinem Fall: die Wohnung braucht neue Farben! Ihr dürft euch das allerdings nicht so vorstellen, dass ich dann in komplett neuen Farben wohnen muss und alles, was gestern Rot war, morgen Blau sein soll. Davon abgesehen, dass ihr so kräftige Farben in meiner Wohnung eher selten findet, geht es mir stärker darum, von Zeit zu Zeit neue farbliche Akzente zu setzen. Und damit verbunden auch ein bisschen umzudekorieren. Auf diese Weise zieht frischer Wind in die Wohnung ein. Das wirkt einfach belebend.

Im Laufe der Jahre habe ich dabei gelernt, wie man schon mit kleinen farblichen Akzenten das Wohngefühl verändern kann. Dabei verfahre ich zumeist nach dem Prinzip, probieren geht über studieren. Allerdings habe ich gelernt, dass man mit ein paar Grundkenntnissen aus der Farbenlehre bei der Wohnraumgestaltung schneller und besser ans Ziel gelangt. Wenn euch bei dem Wort „Farbenlehre“ jetzt der Schweiß auf die Stirn tritt und ihr euch in die Schulzeit zurückversetzt seht, könnt ihr aber entspannen. Es ist ganz einfach – und vielen von euch wird diese „Harmonielehre der Farben“ tatsächlich noch aus der Schule bekannt sein. Deswegen lasst uns zu Beginn kurz die Grundsätze der Farbenlehre auffrischen.

Farbenlehre für Dummies

Wie bei so vielen Dingen im Leben – und in der Theorie – gibt es auch bei der Farbenlehre verschiedene Methoden. Ich will das Thema hier aber nicht unnötig kompliziert machen und beschränke mich deshalb auf drei Basics:

  1. Die Grundfarben: Das Prinzip der Grundfarben kennt ihr sicherlich noch vom Tuschekasten aus dem Kunstunterricht. Dabei werden Farben unterteilt in:

– die drei Primärfarben Rot, Grün und Blau, deren Besonderheit ist, dass sie sich nicht über eine Mischung anderer Farben herstellen lassen,

– die Sekundärfarben Grün, Orange und Violett, die sich durch die Mischung von je zwei Primärfarben erzeugen lassen und

– die Tertiärfarben wie Hellgrün, Dunkelgelb oder Himmelblau, die aus einer Mischung von Primär- und Sekundärfarben entstehen.

  1. Der Farbkreis: Das Modell der Grundfarben lässt sich in der Farbenlehre besser veranschaulichen, wenn sie in einem Farbkreis abgebildet werden. Eine der gängigsten Veranschaulichungen ist der Farbkreis des Schweizer Malers Johannes Itten. Dieser Farbkreis besteht aus den drei Primärfarben Rot, Gelb und Blau, zwischen die Itten die drei Sekundärfarben Orange, Violett und Grün und sechs weitere Tertiärfarben gesetzt hat. Auf diese Weise entsteht ein Kreis mit einem Farbverlauf, in dem ihr ganz einfach ablesen könnt, wie harmonisch sich Farben zueinander verhalten.
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  1. Die Komplementärfarben: Stehen sich zwei Farben im Farbkreis gegenüber, spricht man in der Farbenlehre von Komplementärfarben. Komplementärfarben sind bei ihrem Zusammenwirken für unsere Augen in etwa das, was das Schreiben mit einem quietschenden Stück Kreide auf einer Tafel für die meisten Ohren ist: Eine schreckliche Überreizung unserer Sinne. Aus diesem Grund funktionieren zum Beispiel auch viele optische Täuschungen über jene Effekte, die das Zusammenspiel von Komplementärfarben auf unsere optische Wahrnehmung hat.

Farbenlehre in der Theorie: Wie Farben wirken

Puh, ich hoffe, ihr konntet mir so weit folgen. In der Farbenlehre lässt sich anhand des Farbkreises aber nicht nur darstellen, ob Farben miteinander harmonieren. Anhand der Lage innerhalb des Farbkreises könnt ihr Farben außerdem vier Eigenschaften zuschreiben: So wirken die Blau- und Grüntöne links kalt, während die Rot- und Orangetöne auf der rechten Seite Wärme ausstrahlen. Je näher ein Ton dem Gelb ganz oben kommt, desto heller wirkt er, je weiter er dem violett unten rückt, wird seine Wirkung dunkler.

Auf diese Art könnt ihr die Basics der Farbenlehre dafür verwenden, die psychologische Wirkung einer Farbe bereits im Vorhinein zu beurteilen. So haben kalte Farben eine kühle, aber auch beruhigende Wirkung, während sich warme Farben anregend auf das Gemüt auswirken, Gemütlichkeit und Nähe erzeugen. Helle Farben erzeugen Leichtigkeit und Freundlichkeit, dunkle Farben stimulieren hingegen ein Gefühlsspektrum, das von einengend bis geborgen reichen kann.

Farbenlehre in der Wohnung: Wie eine Wohnstimmung erzeugt wird

Die Farbenlehre zeigt sehr anschaulich, dass Farben eine geradezu energetische Wirkung auf das Wohnen haben. Diese Effekte könnt ihr euch gezielt zu Nutze machen, wenn ihr sie bei der Einrichtung und Gestaltung eurer Räume berücksichtigt – von der Wahl der geeigneten Wandfarbe bis zu den Möbeln. Dazu noch ein wichtiger Tipp: Da Farben erst mit Licht so richtig zur Geltung kommen, solltet ihr das Licht, das ihr in einem Raum zur Verfügung habt, bei der Auswahl der Farben immer mitberücksichtigen. Das gilt sowohl für das normale Tageslicht, das durch die Fenster die Räume flutet, als auch für die abendliche Beleuchtung, die ihr selbst gewählt habt. Dabei gilt: Je mehr Licht vorhanden ist, desto intensiver wirken Farben.

Das bringt uns zu der Frage, wie sich Farben auf das Wohnen direkt auswirken. Denn auch dazu lassen sich die Erkenntnisse der Farbenlehre heranziehen. Demnach könnt ihr ganz grundsätzlich davon ausgehen, dass warme Farbtöne aktivierend wirken und Gemütlichkeit erzeugen und deshalb besonders gut im Wohnbereich und in der Küche zur Geltung kommen. Im Gegensatz dazu sind im Schlaf- oder Badezimmer eher kalte Farben vorzuziehen, weil sie entspannen und ein Gefühl der Ruhe erzeugen. Im Essbereich sind meine Favoriten hingegen lebendige helle Farbtöne aus dem oberen Spektrum des Farbkreises, die Körper und Geist stimulieren und die Gespräche bei Tisch beleben. Solltet ihr in eurer Wohnung ein Arbeitszimmer haben, würde ich dort ebenfalls die helleren Farben aus dem oberen Kreis einsetzen.

Mischen & Co.: Tipps für die Wandfarbe

Kommen wir wieder zurück zum Anfang dieses Artikels: die Wände meiner Räume. Denn da dies der Teil meiner Wohnung ist, der sich am einfachsten verändern lässt, setze ich hier von zu Zeit zu Zeit gern den Pinsel an, um ein neues Wohngefühl zu schaffen (daneben sind Bilder und Grünpflanzen ein wichtiger Einflussfaktor für Neudekorationen). Ich war vor Jahren mal bei der Bekannten einer Bekannten zu Besuch, die damals ihre Grufti-Phase hatte und deshalb alle Wände ihrer Wohnung Schwarz gestrichen hatte. Mit glänzender Lack-Farbe! Jede so, wie sie es mag. Bei mir gilt jedoch der Grundsatz: Wandfarben sollten nie kräftig sein, sondern immer leicht wirken, damit sie den Raum nicht dominieren. Denn je dunkler eine Farbe gewählt wir, desto kleiner wirkt der Raum.

Aus diesem Grund streiche ich meine Räume fast immer in Pastelltönen. Früher bedeutete das zumeist, ich habe mir einen großen Eimer weiße Wandfarbe gekauft, die ich dann zu Hause mit einer Abtönfarbe gemischt habe, bis ich den gewünschten Pastellton hatte. Nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Zwischendurch habe ich einen größeren Bogen Raufasertapete angepinselt und als Farbtest vor die Wand gehalten. Feste Farbe lässt sich übrigens nicht zum Abtönen verwenden, den Fehler hätte ich einmal fast gemacht.

Heute gehe ich jedoch anders vor. Denn man kann sich im Baumarkt Farben mittlerweile nach Wunsch und festen Farbkodierungen ganz individuell mischen lassen. Das ist viel praktischer. Als Inspiration könnt ihr in den meisten Baumärkten zuvor kleine Farbkarten zum Testen mit nach Hause nehmen und an die Wand halten. Ein weiterer Vorteil der fertigen Farbmischungen besteht darin, dass ihr jede Farbe, wenn ihr eine Fläche nachstreichen wollt, im identischen Ton nachkaufen könnt. Denn die selbst zusammengemischte Farbe mit eigenen Mitteln nachzumachen ist praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, da hilft dann auch keine Farbenlehre.

Kurz & knapp:
Mit etwas Grundwissen aus der Farbenlehre könnt ihr gezielt auf die Wohnstimmung Einfluss nehmen. Grundlage dieser Theorie ist ein Farbkreis, der aus 12 Farben zusammengesetzt ist. Der Farbkreis zeigt dir, welche Farben untereinander zusammenpassen und welchen Effekt ein Farbspektrum auf das Wohnklimas hat.

 

ÜBER DIESEN AUTOR

Autorenportrait NIna

Nina liebt das stadtnahe Leben im Grünen. Von Zeit zu Zeit braucht sie in ihren vier Wänden jedoch einen Farbwechsel. Dann greift sie selbst zu Pinsel und Farben.

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