Fußbodenheizung nachrüsten: Elektrisch oder als Warmwassersystem?

Nie mehr kalte Füße: Eine Fußbodenheizung kann eine behagliche Alternative zu konventionellen Heizkörpern sein. Wenn ihr sie in eurem Haus oder eurer Wohnung nachrüsten wollte, steht ihr vor der Frage Elektro oder Warmwasser? Unser Autor Nico ist beiden Systemen nach einer Diskussion bei einem Grillabend auf den Grund gegangen.

Bei manchen Themen merkt man einfach, dass man älter wird. Zum Beispiel, wenn es um Wohnkomfort geht. Und das kam so: Als wir an einem entspannten Samstag im Mai mit Freunden die Grillsaison gestartet haben, kam es mit Einsetzen der Dämmerung bei einigen der Anwesenden zu kalten Füßen. Von da war es nicht mehr weit zu der Frage: Braucht man in den eigenen vier Wänden eine Fußbodenheizung? Und wenn ja: Was für eine? Dabei outete sich mein Kumpel Max als Fan elektrischer Fußbodenheizungen, zumindest zeigte er sich überraschend gut informiert. Und forderte mich damit geradezu heraus, hier einen kleinen Ratgeber zu dem Thema zu verfassen.

Warum Fußbodenheizungen so beliebt sind: pro und contra

In einer Sache waren wir uns alle sehr schnell einig: Besonders in einem Raum wie dem Badezimmer oder der Küche, wo man gern auch mal barfuß über die Fliesen läuft, ist eine Fußbodenheizung eine ganz feine Sache. Besonders in kleinen Räumen ist es zudem schick und praktisch, wenn keine Wandfläche durch einen Heizkörper belegt wird. Darüber hinaus haben Fußbodenheizungen für den Wohnkomfort noch einen weiteren Vorteil: Da es sich um eine Flächenheizung handelt, die den Raum gleichmäßig wärmt und weniger Luft verwirbelt, erzeugen sie ein angenehmes und gesundes Raumklima. Fußbodenheizungen werden deshalb besonders für Allergiker empfohlen.

Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Fußbodenheizungen haben auch den Ruf, bei Menschen mit Durchblutungsstörungen Venenleiden zu verschlimmern (wenn sie zu warm eingestellt sind). Werden sie mit dem falschen Bodenbelag kombiniert, können Temperaturdifferenzen entstehen, die kleine Taifune durch das Zimmer rauschen lassen. Die gewichtigsten Nachteile von Fußbodenheizungen sind jedoch, dass sie vergleichsweise teuer sind und der nachträgliche Einbau in ein Haus oder eine Wohnung nicht ganz unkompliziert ist. Und damit kommen wir zu der technischen Seite der Diskussion und der Frage: Lieber elektrisch oder als Warmwassersystem?

Was für eine elektrische Fußbodenheizung spricht

Hier kommt mein Kumpel Max ins Spiel: Er hatte sich relativ kurz vor unserem Grillabend darüber informiert, ob und wie er im Bad seiner neu gekauften Wohnung eine Fußbodenheizung einbauen kann. Dabei gilt es zwei Aspekte zu beachten: den Einbau an sich und den technischen Betrieb.

Beginnen wir mit dem Einbau. Eine Fußbodenheizung muss die gesamte Bodenfläche eines Raumes ausfüllen, um effizient arbeiten zu können. Baut ihr sie nachträglich zum Beispiel im Bad ein, so heißt das, der gesamte Boden muss neu gemacht werden. Bei einem Warmwassersystem muss dazu von einem Fachbetrieb ein Rohrsystem installiert werden, durch das das Wasser der Heizung zirkulieren kann. Am vorteilhaftesten ist hier ein Nasssystem, das direkt in den Estrich eingebracht wird. Bei einer Renovierung ist das jedoch relativ aufwendig und teuer, so dass hier häufig auf ein Trockensystem zurückgegriffen wird. Dabei werden die Heizungsrohre in Trockenestrichplatten auf dem alten Boden verlegt. Anschließend kommt auf diese Schicht ein neuer Bodenbelag. Für welches System ihr euch auch entscheidet: beides ist relativ aufwendig und hebt den Boden um einige Zentimeter an.

Elektroheizungen werden zwar auch auf den alten Boden gelegt und in Feinbeton oder Fließestrich eingegossen, haben aber, da sie aus flachen Folien oder Matten bestehen, einen wesentlich niedrigen Aufbau. Damit kommen wir zum zweiten Vorteil einer elektrischen Fußbodenheizung: Sie lässt sich vergleichsweise leicht verlegen und wird einfach an den Stromkreislauf angeschlossen. Das kann auch ein gewiefter Heimwerker mit etwas fachkundiger Beratung schaffen. Im Betrieb sind elektrische Fußbodenheizungen ebenfalls sehr praktisch: sie heizen sich schnell auf und benötigen deshalb nur eine sehr kurze Vorlaufzeit.

Einbau einer Fußbodenheizung mit Warmwassersystem vom Fachmann

Was für eine Fußbodenheizung mit Warmwassersystem spricht

Mit diesen Argumenten hatte Max sein Pulver aber auch schon verschossen. Denn im Betrieb werden die Nachteile einer elektrischen Fußbodenheizung schnell deutlich: Sie verbraucht eine Menge Strom und wird dadurch im Unterhalt schnell zur Kostenfalle. Zumal, wenn die Strompreise in den nächsten Jahren noch ansteigen werden. Es gibt zwar auch elektrische Fußbodenheizungen, die günstigeren Nachtstrom speichern. Aber auch sie haben das Manko steigender Preise. Außerdem stellt sich perspektivisch die Frage, ob Nachtstromtarife überhaupt zukunftsfähig sind. Was für mich aber am meisten zählt: ich finde es heute einfach nicht mehr zeitgemäß mit Strom aus dem Netz zu heizen. Schließlich hat die Erzeugung von Strom in Kraftwerken mit anschließender Umwandlung in Wärme eine sehr geringe Energieeffizienz. Und dieser klimafreundliche erneuerbare Strom steht gerade an kalten Tagen wohl nicht ausreichend zur Verfügung
Für eine Fußbodenheizung mit Warmwassersystem gilt das nicht. Denn sie lässt sich problemlos mit einer konventionellen Heizung betreiben. Dazu muss entweder ein separater, zweiter Heizkreis installiert werden oder der Heizkreis der neuen Fußbodenheizung wird raumweise an den Warmwasserkreislauf der bestehenden Heizkörper angeschlossen. Ein entsprechendes Ventil regelt die Temperatur und kann zusätzlich den Wasserfluss drosseln, um ihn besser an die Fußbodenheizung anzupassen. Warum? Eine Fußbodenheizung mit Warmwasser benötigt im Betrieb eine sehr viel geringere Vorlauftemperatur als der Heizkörper an der Wand. Ideale Voraussetzungen für den hocheffizienten Betrieb mit einem Brennwertgerät oder einer Wärmepumpe.

Am Ende noch ein kleiner Ausblick in die Zukunft

Ihr plant eine Haussanierung? Zusammen mit einer modernen Hybridheizung aus Öl-Brennwertgerät inklusive Warmwasserspeicher mit Wärmepumpe und Photovoltaik-Anlage kann eine Fußbodenheizung auch als Flächenheizung für die gesamte Wohnung eine energieeffiziente und komfortable Alternative sein. Dazu sollte sie flächendeckend als Nasssystem in Heizestrich verlegt werden. Durch die immense Rohrlänge wird das Warmwassersystem im Fußboden so zugleich zu einem Wärmespeicher, der die Effektivität der Heizungsanlage noch einmal erhöht. Der zweite Vorteil: Der grüne Strom vom eigenen Dach wird für die eigene Strom- und Wärmeversorgung verwendet, schafft mehr Unabhängigkeit und spart zugleich jede Menge Energiekosten und CO2-Emissionen. Und wenn die Sonne nicht scheint, dann beziehen die Haushaltsgeräte ihren Strom aus dem öffentlichen Netz. Und das Öl-Brennwertgerät sorgt – dank der Energiereserve im eigenen Tank – für ein warmen Zuhause und warmes Wasser. Künftig sogar mit neuen, CO2-armen Brennstoffen, die derzeit entwickelt werden.

 

Vorteile einer elektrischen Fußbodenheizung:

  • einfach zu installieren
  • relativ günstig in der Anschaffung und kaum Wartungskosten
  • kurze Aufheizzeit

Vorteile einer Fußbodenheizung mit Warmwassersystem:

  • kostengünstig im Betrieb
  • unkompliziert mit vorhandener Ölheizung zu verwenden
  • in Kombination mit Wärmepumpe und Solarthermie besonders umweltfreundlich
  • kann mit Wärmepumpe gekoppelt Räume auch kühlen

Über diesen Autor

Nico, 29, ist mit seiner Freundin in ein kleines Häuschen mit Garten gezogen. Seitdem heißt es fast jedes Wochenende „Schaffe, schaffe, Häusle (um)baue“. Ganz oben auf der Liste: eine neue Heizungsanlage und die Einbindung von Sonnenenergie in die häusliche Energieversorgung.

 

Fotos: Stefano Garau – stock.adobe.com; Digitalpress – stock.adobe.com

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