Fußboden renovieren: Welcher Bodenbelag ist am besten für welchen Raum geeignet?

Laminat, Vinyl, Holz, Teppich oder Linoleum? Wer in seiner Wohnung einen neuen Boden verlegen will, hat die Qual der Wahl. Tipps zu Materialien, Oberflächen und der Verlegung liefert unser Autor Nico.

Edel oder günstig, kalt oder kuschelig, aalglatt oder dezent mattiert: Über die Auswahl von Fußböden könnte ich mittlerweile ganze Romane schreiben. Denn bei unserer Hausrenovierung ist das Thema Fußboden-Renovierung zu einem Dauerbrenner geworden. Was in erster Linie daran liegt, dass wir unser Goldstückchen nicht in eins saniert haben, sondern Stück für Stück vorgehen – das kam unseren finanziellen Verhältnissen entgegen und hält uns außerdem auf Trab 😉 Aber keine Angst, es gibt hier jetzt keinen Roman, sondern eine kurze Übersicht zur Orientierung für Selbstverleger und solche, die es werden wollen.

Bevor ich loslege, noch ein grundsätzlicher Tipp: Als wir anfingen, unsere Fußböden zu renovieren, haben wir zuerst hauptsächlich im Netz und dann in Baumärkten (da sind wir sowieso Dauerkunden) recherchiert. Ich würde euch aber empfehlen, auch nach Fachmärkten vor Ort Ausschau zu halten. Die haben eine viel umfangreichere Auswahl und oft auch bessere Qualität als Baumärkte – ohne unbedingt teurer zu sein. Nicht zu vergessen: Bevor ihr einen Fußboden kauft, solltet ihr ihn in echt sehen, anfassen, riechen und am besten auch einmal probeweise in eurer Wohnung zur Ansicht hingelegt haben.

Robuste Klassiker: Dielenboden und Parkett

Es ist fußwarm, haltbar, natürlich schön und reguliert zugleich die Feuchtigkeit im Raum: Holz ist ein fantastischer Belag für Fußböden in allen Wohnräumen. Hochwertige Holzböden können mehrere Male abgeschliffen und damit auch nach Jahren wieder in den Neuzustand versetzt werden. Für die Verlegung gibt es zwei Möglichkeiten: als Dielen oder Parkett. Für mich persönlich sind Massivholzdielen die Königsklasse der Böden. Sie bestehen aus – wie es der Name schon sagt – massiven, stammlangen Planken, die parallel zur Längsseite eines Raumes verlegt werden. Sie sehen majestätisch aus und können, da sie aus zentimeterdickem Holz bestehen, sehr oft abgeschliffen werden. Nachteile: Robuste Holzdielen haben ihren Preis, müssen auf einer Unterkonstruktion verlegt und anschließend noch mit Öl oder Wachs versiegelt werden und dann längere Zeit ruhen.

Eine Alternative zum Dielenboden ist Massivholzparkett: Es besteht aus massiven, ebenfalls unbehandelten Holzstäben, die jedoch zum einfacheren Verlegen kürzer zugeschnitten und mit Feder und Nut versehen sind. Massivholzparkett kann direkt auf dem Boden verklebt werden. Das gilt auch für Fertigparkett, das aus einer dünneren Nutzschicht aus hochwertigem Holz sowie zwei Trägerschichten aus einer Span- oder Faserplatte und Sperrholz besteht. Fertigparkett ist in der Regel bereits ab Werk beschichtet und damit gleich nach der Verlegung begehbar. Optisch nehmen sich beide nicht unbedingt viel, Fertigparkett kann aber nicht so oft abgeschliffen werden. Das bedeutet: eure Enkel oder Urenkel werden es vielleicht nicht mehr ganz so gut nutzen können – je nach Qualität des Parkettbodens, der von der Holzart der Nutzschicht sowie deren Dicke abhängt.

Perfekt für Heimwerker: Laminat- und Vinylboden

Gute Holzböden haben ihren Preis und lohnen sich so richtig nur, wenn ihr Eigentum habt. Wer handwerklich begabt und einigermaßen fit in der Arbeit mit Holz ist, kann sie auch selbst verlegen. Bei dem Wert des Materials solltet ihr euch das aber vorher gut überlegen. Günstiger und einfacher zu verlegen ist hingegen Laminat- und Vinylboden. Er wäre auch immer dann meine erste Wahl, wenn ich in einer Mietwohnung wohnen und dort selbst den Boden renovieren würde. Das Gute an Laminat- und Vinylboden ist außerdem, dass es bei den Oberflächen eine megagroße Auswahl an Farben, Formen und Strukturen gibt.

Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen Laminat- und Vinylboden? Während beide an der Oberfläche mit einer Deck- und einer bedruckten Dekorschicht versehen sind, ist die Trägerschicht bei Laminat aus Holz und beim Vinylboden aus Polyvinylchlorid (PVC). Dadurch hat Vinylboden gegenüber Laminat den Vorteil, dass er bei Feuchtigkeit nicht aufquillt und somit sehr gut für Küchen und sogar Badezimmer geeignet ist. Verlegen lassen sich beide – dank Click-System – gleich gut. Vinylboden, der meist etwas teurer ist als Laminat, kann darüber hinaus auf absolut ebenen Untergründen auch direkt auf den Boden geklebt werden.

Zwei Tipps zur Auswahl des richtigen Bodens:

  1. Für die Click-Verlegung benötigt ihr zwingend eine Trittschalldämmung, die ihr auch bei der Kalkulation des Quadratmeterpreises berücksichtigen solltet.
  2. Die Qualität des Bodenbelags hängt wesentlich davon ab, wie stark der Abrieb der Deckschicht ist. Sie wird anhand von drei Nutzungsklassen angegeben: 21 steht für geringe (zum Beispiel zu Nutzung im Schlafzimmer), 22 für mittlere (z.B. im Wohnzimmer) und 23 für die höchste Qualität. Sind die Nutzungsklassen 31, 32 oder 33 angegeben, heißt das, der Boden ist auch für die stärkere Beanspruchung in gewerblichen Räumen geeignet.

Perfekt für Feuchträume: Fliesen

Solche Abriebklassen müsst ihr auch bei der Auswahl von (glasierten) Bodenfliesen beachten: Sie reichen von 1 (Badezimmer) bis 5 (starke gewerbliche Nutzung). Fliesen eignen sich besonders für alle Orte im Haus, wo der Boden auch mal richtig feucht wird und viel Wert auf Hygiene gelegt wird: Bad, Küche, Waschküche, Flur. Für mich sind Fliesen im Badezimmer die erste Wahl vor dem Vinylboden. Denn Fliesen halten länger und lassen sich besser reinigen. Preislich ist der Unterschied auch wesentlich geringer als der zwischen hochwertigen Holz- und guten Laminatböden.

Und das Verlegen? Das Wichtigste ist, dass ihr einen festen und absolut ebenen Untergrund habt. Ist das der Fall, müsst ihr euch, bevor ihr loslegt, nur noch darüber klar werden, wie ihr die Fliesen verlegen wollt: diagonal (hat besonders in quadratischen Räumen eine tolle optische Wirkung, ist aber etwas anspruchsvoller) oder parallel (für Anfänger und längliche Räume besser geeignet). Mit dem entsprechenden Werkzeug (ich würde mir im Baumarkt einen professionellen Fliesenschneider leihen) ist das Verlegen keine ganz große Kunst. Bei der Kalkulation des Quadratmeterpreises sollte ihr auch hier die zusätzlichen Kosten berücksichtigen: wie den Fliesenkleber, die Fugenmasse sowie eventuell anzuschaffende Werkzeuge.

Schön flauschig & einfach zu verlegen: Teppichware

Wer es nach dem Fußboden renovieren warm und gemütlich unter den Füßen haben will, entscheidet sich für einen Teppichboden. Das ist auch deshalb praktisch, weil Teppich am einfachsten zu verlegen ist. Meistens reichen hierzu ein Teppichmesser und ein doppelseitiges Klebeband aus. Dabei solltet ihr beachten, dass der Teppich zunächst an den Wänden großzügig überstehen sollte, damit er sich faltenlos legen kann. Teppich aus Naturfaser solltet ihr zudem einen Tag lang liegen lassen, bevor ihr ihn zuschneidet, damit er sich im Raum akklimatisieren kann. Übrigens: Naturfaserteppiche wirken sich positiv auf das Raumklima aus, weil sie die Luftfeuchtigkeit regulieren und Schadstoffe absorbieren können. Wer allergisch auf Staub reagiert, sollte dennoch einen Bogen um die „Auslegeware“ machen.

Ökologische Exoten: Linoleum und Kork

Unter ökologischen Gesichtspunkten sind Böden aus zertifiziertem Holz sicherlich am besten. Alternativ könnt ihr aber auch Linoleum und Kork in Betracht ziehen. Korkböden eignen sich besonders dann für die Renovierung eures alten Fußbodens, wenn ihr einen Boden mit Holzeffekt haben wollt (wobei es auch hier eine große Auswahl gibt). Neben der Optik zeichnet sich Kork als Fußbodenbelag aber auch durch seine besonderen Materialeigenschaften aus: er isoliert gut, ist wasserundurchlässig und fühlt sich elastisch und warm an. Kork könnt ihr als Korkfliesen oder Korkparkett verlegen. Da sich Kork stärker ausdehnt, müsst ihr an den Rändern zur Wand unbedingt darauf achten, Platz für Dehnungsfugen zu lassen. Solltet ihr euch bei der Fußboden-Renovierung für Kork entscheiden, achtet unbedingt darauf, dass er mit einem natürlichen Harz, Öl oder Wachs versiegelt wurde.

Korkböden geben ein angenehmes Fußgefühl

Während Kork eher der ökologische Belag für Schlaf- und Wohnräume ist, eignet sich Laminat beim Fußboden renovieren besonders für all jene Räume, in denen der Boden stark belastet und Wert auf Hygiene gelegt wird – wie auf dem Flur oder in der Küche. Auch im Kinderzimmer kann Linoleum eine robuste Alternative sein. Denn Linoleum ist ein umweltfreundliches Naturmaterial mit vielen herausragenden Eigenschaften: Es ist robust, langlebig, antistatisch, antibakteriell und fußwarm. Linoleum wird auf großen Rollen gelagert und in zwei bis drei Meter breiten Bahnen verlegt und fest mit dem Fußboden verklebt. Die Kanten zwischen den einzelnen Bahnen werden nach der Verlegung mit einer Fugenfräse bearbeitet und mit Schmelzdraht verbunden. Außerdem muss man beachten, dass sich die Linoleumbahnen, sobald sie erst einmal abgerollt wurden, nicht mehr zurückrollen lassen, sondern bretthart werden. Wer Linoleum selbst verlegen will, sollte sich deshalb vorher gut informieren – dann ist das mit etwas Geschick aber durchaus möglich. Außerdem müsst ihr wissen, dass Linoleum in den ersten Wochen nach dem Verlegen seine Farbe durch das Tageslicht etwas verändert. Entspricht der gelieferte Boden zunächst also nicht so ganz dem, was ihr bestellt habt, ist das kein Grund zur Panik (ich spreche aus Erfahrung).

Kurz & knapp:

Worauf ihr beim Fußboden renovieren achten solltet:

  • Wenn ihr eine Fußbodenheizung habt, müsst ihr euch unbedingt vorher schlau machen, ob der neue Boden dafür geeignet ist.
  • Thema Untergrund eins: Macht euch rechtzeitig darüber Gedanken, wie hoch der neue Bodenbelag sein wird – sonst passt womöglich die Zimmertür nicht mehr (und muss abgeschliffen werden) oder ihr könnt einen hohen Schrank oder die Badarmatur nicht wie vorher aufbauen.
  • Thema Untergrund zwei: Bevor ihr einen neuen Bodenbelag auswählt, muss erst der alte bearbeitet werden: Womöglich vorhandene Klebereste müssen entfernt werden, schiefer Estrich mit Ausgleichsmasse begradigt werden.

Über diesen Autor

Seit Nico, 30, baut mit seiner Freundin in ein Häuschen mit Garten um. Ein Thema kehrt dabei immer wieder zurück auf die Agenda der beiden: Fußboden renovieren.

Fotos: Syda Productions – stock.adobe.com; abcmedia – stock.adobe.com

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