Förderung von Elektroautos: Was man beachten sollte

E-Auto an der privaten Ladestation

Ist der Umweltbonus für Elektroautos gerechtfertigt? Ein Ziel der Elektromobilität ist es, das Klima zu schützen und möglichst auf fossile Energieträger zu verzichten. Im Rahmen der Energiewende fördert der Staat die Entwicklung von grünen Technologien und den Kauf von Autos mit alternativen Antrieben. Doch günstig sind Elektroautos und Plug-in-Hybride – trotz staatlicher Förderung – häufig noch nicht. Und am ökologischen Fußabdruck der Elektroautos könnte die Idee der Nachhaltigkeit eventuell scheitern. Unser Blogger Marc hat sich damit beschäftigt, ob und für wen sich der Umstieg auf ein E-Fahrzeug lohnt.

Früher war ein teures Auto mit Verbrennungsmotor das Statussymbol schlechthin. Heutzutage verlagert sich der Fokus eher auf Fahrzeuge mit geringem ökologischen Fußabdruck. Doch ungeachtet dieser Verschiebungen, wird sich eines so schnell nicht ändern: Menschen definieren sich weiterhin maßgeblich über die Art ihrer Mobilität. Meine Freundin radelt am liebsten mit dem Fahrrad, mein Vater setzt auf die Automarke, die er seit 30 Jahren fährt, meine Oma nimmt am liebsten die Bahn und mein alter Studienfreund Sven hat seit neuestem ein Elektroauto. Mit diesem Kauf hat er auch mich darüber nachdenken lassen, welche Vor- und Nachteile der Umstieg auf E-Mobilität mit sich bringt. Schließlich müsste es ja gut für die Umwelt sein, wenn das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die Produzenten und Käufer von Elektroautos oder Hybriden mit Innovationsprämien sowie einem Umweltbonus belohnt. Oder etwa nicht?

Elektroautos fördern und die CO₂- und Schadstoffausstöße mindern?

Die Welt verändert sich. Erderwärmung, Meeresspiegelanstieg, Naturkatastrophen – das alles sind Anzeichen des Klimawandels, der auch die Politik aufheizt. Die deutsche Bundesregierung hat daher ein Klimaschutzprogramm festgelegt, das sich bis 2030 Ziele für geringere CO₂- und Schadstoffausstöße gesetzt hat. Bis dahin sollen beispielsweise auf deutschen Straßen mindestens sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge unterwegs sein. Doch diese fahren nicht ohne Strom (der allerdings bei heutigem Bedarf derzeit etwa nur zur Hälfte aus erneurbaren Quelle stammt – aber dazu kommen wir später). Für die Stromversorgung der Elektroautos will der Staat bis 2022 mehr als 50.000 öffentliche Ladepunkte einrichten. Bis 2030 soll diese Zahl sogar auf eine Million ansteigen. Um diese hochgesteckten Ziele zu erreichen, subventioniert der Staat die Elektromobilität mit einem Umweltbonus.
Zum einen erhalten Verbraucher und Unternehmen Innovationsprämien und Steuererleichterungen beim Kauf eines Elektroautos sowie Zuschüsse für den Aufbau der Ladeinfrastruktur. Zum anderen fördert der Staat die Erforschung und Entwicklung von Elektromobilität. Wo der Strom fließen soll, fließen also auch die Gelder.

Umweltbonus und Innovationsprämie motivieren zur Investition

Ohne staatliche Förderung läuft aber bislang nicht viel: Weil Elektroautos immer noch vergleichsweise viel Geld kosten. Stromleitung, Steckdose und Wallbox, die in der eigenen Garage installiert werden müssen, gehen ebenfalls ins Geld. Einen Zuschuss für die private Ladestation gibt es allerdings nur, wenn der Strom zum Laden zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien generiert wird.

Auch mein langjähriger Studienfreund Sven hat sich von den staatlichen Subventionen motivieren lassen, ein Elektroauto zu kaufen. Und ich finde, das passt zu ihm! Er legt viel Wert auf Technologie und lebt mit seiner Familie einen ökologischen Lifestyle. Dafür scheut er keine hohen Kosten und findet trotzdem immer das günstigste Angebot. Um die 9.000 Euro Zuschuss erhielt er durch Umweltbonus und Innovationsprämie beim Kauf – und profitierte dabei sogar von der zwischenzeitlichen Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16 Prozent im Zuge der Corona-Pandemie. Doch ganz so einfach sei das mit der Förderung gar nicht gewesen, hat er mir erzählt. Er musste das Elektroauto z.B. erst kaufen und es zugelassen haben, bevor er überhaupt einen Antrag stellen konnte. Aber jetzt freut er sich über die steuerlichen Vorzüge: Er muss für sein Elektroauto in den nächsten Jahren keine Kfz-Steuer zahlen. Das gilt allerdings wirklich nur für reine Elektrofahrzeuge und nicht für Hybride, da diese aufgrund ihres Verbrennungsmotors auch auf fossile Kraftstoffe zurückgreifen müssen.

Emissionen aus konventioneller Stromerzeugung
Ohne Strom keine E-Mobilität: Aber wo kommt er her?

Der problematische Lebenszyklus eines Elektroautos

Elektrizität ist bei Elektroautos das entscheidende Stichwort – ohne Strom fährt der Wagen nicht. Aufgrund seines neuen, modernen Elektroautos verbraucht Svens Haushalt davon nun deutlich mehr. Natürlich erhält er hierfür ebenfalls Prämien – dieses Mal aber von seinem Energieversorger. Das klingt zunächst gut.

Aber ist das als umweltfreundlich angepriesene und mit Prämien überladene E-Auto wirklich so fortschrittlich? Die Forschungsvereinigung Verbrennungskraftmaschinen (FVV) hat dazu eine „Cradle-to-Grave -Lebenszyklusanalyse im Mobilitätssektor“ durchgeführt. Denn nur eine ganzheitliche Betrachtung aller Faktoren ermöglicht einen CO2-Systemvergleich: Von den Treibhausgasemissionen bei der Herstellung und ggf. Batterieproduktion, über den Betrieb des Autos bis hin zur Entsorgung und Recycling der noch brauchbaren Komponenten. Unter Beachtung dessen ergibt sich für alle Kombinationen von Antrieben und Energieträgern eine relativ ähnliche Gesamtemission während des Lebenszyklus. Denn: Berücksichtigt man auch die Herstellung des Fahrzeugs, zeigt sich, dass das E-Auto im Vergleich zu einem Verbrenner schon mit einem größeren „CO2-Rucksack“ startet, bevor es überhaupt einen Kilometer gefahren ist. Über die Fahrleistung und die weiteren Faktoren des gesamten Lebenszyklus kann sich die CO2-Bilanz dann angleichen. Als Fazit heißt das für Elektroautos: Besonders die Batterie trägt in der Herstellung und Entsorgung entscheidend zum CO2-Rucksack der E-Mobilität bei.

So oder so: Selbst wer mit seinem neuen Auto technologisch auf dem neuesten Stand ist, hat damit beim ökologischen Fußabdruck des Fahrzeugs nicht automatisch die Kühlerhaube vorn. Es kommt eben darauf an, wie grün die Gesamtbilanz wirklich ist und wie, wo und wozu ich mit meinem Auto unterwegs bin. Viele Experten empfehlen daher der Politik, alle technologischen Optionen offenzuhalten, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Gut, dass ich da mit meinem Vier-Liter-Benziner schon ein sehr sparsames Auto fahre. Und wenn zukünftig das Benzin noch „grüner“ wird, bin ich wohl ebenso auf der richtigen Spur.

Kurz & knapp:
Erst ein höherer Anteil von regenerativen Energien bei Produktion, Betrieb und Recycling wird bei Elektrofahrzeugen zu einer besseren Treibhausbilanz führen als bei Autos mit fossilem Verbrennungsmotor. Es stellt sich daher die Frage, ob für eine Reduzierung der CO2-Emissionen eine Bevorzugung wie eine alleinige Förderung von Elektroautos oder Plug-in-Hybriden bei heutiger Nutzung des deutschen Strommixes aus der Perspektive des Klimaschutzes wirklich zielführend ist.

Über diesen Autor

Marc, 47, lebt in Hamburg in Hafennähe – also mitten in der City, wo Elektromobilität eine immer größere Rolle spielt. Er liebt Hightech und ist immer den neuesten Trends auf der Spur.

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