Einfach, günstig und immer frisch: Kräuter durch Stecklinge ziehen

Kräuterstecklinge selbst ziehen

Ihr braucht regelmäßig Nachschub an frischen Zutaten in der Küche? Kein Problem: Viele Kräuter lassen sich ganz einfach mit Stecklingen kontinuierlich vermehren. Wohnbloggerin Nina, der in den letzten Jahren ein grüner Daumen gewachsen ist, erklärt euch, wie einfach das geht.

Viele Hobbygärtner stöhnen derzeit über den zu trockenen Sommer. Da ich das Elend in unserem ehemals so grünen Innenhof hautnah miterlebt habe, kann ich ihre Klage verstehen. Einstimmen muss ich aber nicht, denn meine beiden Hochbeete kamen dank des unermüdlichen Einsatzes von Frau Gießkanne und Herrn Gartenschlauch ganz prima durch die wasserarmen Wochen. Das Schöne an einem Gemüsegarten ist ja, dass er neben Gesprächsstoff immer wieder für Beschäftigung sorgt (ich weiß, auch bei diesem Thema habe ich mit meinen beiden Hochbeet-Babys gut lachen 😊). Denn die Natur steht nicht still. Als eine der letzten kleinen Aufgaben stand bei mir das Schneiden von Stecklingen auf dem Programm. Und da ich mir denke, dass das auch für andere Kräutergärtner – ob im Garten, auf dem Balkon oder in der Küche – interessant sein könnte, möchte ich euch kurz erzählen, warum es sich lohnt und wie ihr das erfolgreich selbst machen könnt.

Einfach und effektiv

Als Garten-Greenhorn kaufte ich mir meine ersten Kräuter als Samentütchen in einer Gärtnerei. Damals dachte ich, dies sei die gängige Methode, um Kräuter selbst zu ziehen. War am Anfang auch richtig, schließlich sprossen damals ja noch nicht Salbei, Thymian, Lavendel & Co. hinter meinem Haus. Außerdem war es spannend, zu sehen wie sich die kleinen Samen mit der Zeit zu buschigen Gartenkräutern entwickelt haben. Wollt ihr eure eigenen Pflanzen jedoch weiter vermehren, kann die Zucht über selbst geerntete Samenkapseln problematisch werden – viele moderne Züchtungen eignen sich dafür nur sehr bedingt. Außerdem geht das Kräuter ziehen mit Stecklingen ohnehin schneller, weil der Steckling gegenüber der Aussaat einen Wachstumsvorsprung hat.

Welche Kräuter lassen sich durch Stecklinge ziehen?

Nach Aussage meines Gärtners könnt ihr fast alle mehrjährigen Kräuter durch Stecklinge vermehren. Auf meiner persönlichen Positivliste stehen: Basilikum, Bohnenkraut, Currykraut, Estragon, Johanniskraut, Lavendel, Minze, Oregano, Pfefferminze, Rosmarin, Salbei und Thymian. Wichtig ist dabei aber, dass ihr darauf achtet, keine verholzten, blühenden oder zu mickerigen Mutterpflanzen auszuwählen. Also: Haltet nach jungen, kräftigen Trieben Ausschau und beginnt nach Möglichkeit mit dem Kräuter ziehen, bevor die Blüte einsetzt. Und damit sind wir bei der Frage nach dem geeigneten Zeitpunkt. Hier gehen die Angaben der Experten etwas auseinander. Einige sprechen vom Frühjahr oder frühen Sommer, andere bevorzugen die Hochsommermonate oder den Spätsommer. Ich habe mit dem Zeitraum zwischen Juni und Anfang September gute Erfahrungen gemacht, will damit aber nicht sagen, dass es nicht auch zu anderen Zeiten möglich wäre.

Basilikum ernten
Basilikum eignet sich hervorragend zur Stecklings-Vermehrung

Kleine Praxisanleitung zum Kräuter ziehen

Die eigentliche Prozedur ist sehr einfach. Habt ihr geeignete Triebe ausgewählt, schneidet ihr sie mit einer kleinen Gartenschere von der Mutterpflanze. Am besten säbelt ihr die Pflanze am Kopf ab (Kopfsteckling). Steht das Kraut jedoch schon in der Blüte, könnt ihr auch euer Glück versuchen, indem ihr einen Teil aus dem unteren Bereich herausschneidet (Teilsteckling). In beiden Fällen benötigt ihr anschließend ein sehr scharfes Messer, um den Steckling auf die geeignete Länge zu kürzen. Dabei ist es wichtig, darauf zu achten, dass bei diesem Schnitt der zarte Trieb sauber abgeschnitten wird, damit die Pflanzenfasern nicht gequetscht werden. Außerdem solltet ihr wie ein Chirurg im OP drauf achten, dass Messer und Schnittstellen sauber sind. Schließlich sollen sich keine ungeliebten Gäste an der Schnittfläche anlagern, denn das kann die Erfolgsquote schmälern.

Ihr habt schon das Messer angesetzt? Moment, ihr wisst doch noch gar nicht, wie lang der Steckling sein soll. Ihr lasst je nach Größe der Pflanze vier (großblättrige Kräuter) bis sechs (kleinblättrige Kräuter) Blattpaare stehen und schneidet anschließend die Hälfte der Blätter mit einem glatten Schnitt ab. Das ist wichtig, weil eine zu große Blattoberfläche dem Steckling sonst zu viel Wasser entzieht. Der fertige Steckling zum Kräuter ziehen sollte eine Länge zwischen fünf und zehn Zentimetern haben und auf der unteren Hälfte blattlos sein.

Anschließend müssen die kleinen sensiblen Kräuterstecklinge möglichst schnell in die schützende Anzuchterde kommen (zur Not in einem Glas Wasser zwischenparken). Zum Pflanzen könnt ihr Quelltöpfe nehmen oder auf eine DIY-Lösung aus Eierkartons oder Klopapierrollen zurückgreifen. Ausführlichere Infos zu geeigneten Zuchtgefäßen findet ihr in meinem Artikel über das Pflanzenvorziehen. Vor dem Einpflanzen bohrt ihr mit einem Bleistift oder etwas Ähnlichem ein tiefes Loch in die Erde. Dann steckt ihr den kleinen Kräuterzögling ungefähr zur Hälfte in die Erde, so dass der Teil mit den abgeschnittenen Blättern unter der Erde verschwindet.

Das war‘s eigentlich schon. Wenn ihr das Wachstum etwas beschleunigen wollt und dem Einsatz biochemischer Hilfen nicht abgeneigt seid, habe ich noch den Tipp eines Nachbarn: Taucht den Steckling vor dem Einpflanzen in sogenanntes Bewurzelungspulver! Das gibt es im Baumarkt oder Gartencenter zu kaufen. Es enthält natürliche Wachstumshormone und erhöht die Erfolgsquote beträchtlich. Solange es keinen Frost gibt, können die Kräuter draußen gezogen werden. Ist es noch sehr warm, schützt sie eine Folie gut vor dem Verdunsten der Feuchtigkeit.

Alternative: Teilen statt stechen

Zum Schluss eine Anregung, wie ihr Kräuter noch einfacher ziehen könnt. Einzige Voraussetzung: Die Kräuter müssen einen großen Wurzelballen haben. In diesem Fall könnt ihr die Pflanze samt Wurzelballen ausbuddeln und mit einer scharfen Schaufel von oben in mehrere, nicht zu kleine Stücke teilen. Anschließend pflanzt ihr die Ableger getrennt aus und schaut zu, wie sie sich in den nächsten Wochen von selbst vermehren. Ich wende diese Methode bei meinem Schnittlauch an, es soll aber auch mit Oregano, Salbei, Minze und Majoran funktionieren. So, jetzt habt ihr aber genug gelesen: Ab in den Garten zum Ausprobieren!

Kurz & knapp:
Die meisten heimischen Kräuter könnt ihr mit wenig Aufwand selbst ziehen: Von der Mutterpflanze wird ein Steckling geschnitten und in einen Aufzuchttopf gepflanzt. Ist sein Wurzelwerk stark genug ist, kann er in den Kräutergarten umgetopft werden.

ÜBER DIESEN AUTOR

Autorenportrait NIna

Nina, 39, liebt das stadtnahe Leben im Grünen und ihren Balkon. Seit dem vorigen Jahr kümmert sie sich in dem gemeinsam genutzten Garten um zwei Hochbeete, in denen sie Gemüse und Kräuter zum eigenen Verzehr anbaut.

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