Dein Home Office – deine Regeln

Die besten Ideen kommen uns oft nicht im Büro, sondern unter der Dusche, beim Spazierengehen oder in der Bahn. „Oder auf dem Balkon“, ergänzt Manuela Herbinger. Sie arbeitet mitten in Hamburg als Pressesprecherin in einem mittelständischen Unternehmen, lebt aber in einem Haus vor den Toren der Stadt. Wegen der Ruhe und weil sie die Natur und Pferde liebt. Zwei Tage im Monat kann sie von zu Hause arbeiten, im Home Office, was ihr gut gefällt. Vor allem wegen der Flexibilität: „Wer kennt sie nicht, die typischen Handwerker- oder Technikertermine zwischen 10 und 18 Uhr?“ An solchen Tagen kann Manuela zu Hause bleiben und arbeitet an ihrem Laptop, ob am Schreibtisch oder im Sommer eben auf dem Balkon.

70 Prozent der Deutschen wollen im Home Office arbeiten

So wie Manuela Herbinger möchte die Mehrzahl der Deutschen arbeiten. Laut einer aktuellen Umfrage wünschen sich 70 Prozent aller Arbeitnehmer, auch mal zu Hause arbeiten zu können. Die Vorteile liegen auf der Hand, vor allem für Pendler wie Manuela. Mehr als 30 Kilometer fährt sie zur Arbeit – pro Strecke:

»Neben der gewonnenen Flexibilität finde ich es super, dass ich mir die Fahrerei spare. Und damit viel Zeit, Nerven und Sprit – und ich schone die Umwelt.«

Und auch für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann es ideal sein, mehr Zeit im Home Office zu arbeiten.

Die Vorteile, die diese Modelle bieten, haben auch die deutschen Arbeitgeber erkannt. In etwa jedem zweiten Unternehmen gibt es inzwischen solche Angebote, wie Markus Albers bestätigt. Der Journalist und Autor hat schon vor neun Jahren in seinem Buch „Morgen komm ich später rein“ gezeigt, wie mehr Freiheit zu mehr Inspiration führen kann. „Es hat in den letzten Jahren tatsächlich einen massiven Schub in Richtung Arbeit 4.0 gegeben“, so Albers.

„Das Thema wird vor allem bei großen Unternehmen von Daimler bis Microsoft umgesetzt.“

Aber auch immer mehr kleinere Firmen ziehen nach.

Im Büro so richtig wohlfühlen – warum nicht?

Grundsätzlich gilt: Du hast mehr Freiheiten im Home Office. Das heißt auch, dass man sich neben dem Schreibtisch einen Sessel oder ein Sofa ins Home Office stellen kann, was im Firmen-Office selten möglich ist. „So ist es möglich, einen eigenen Raum zu haben, in dem du dich wohlfühlst“, sagt Albers. Wenn dir ein zehnminütiges Powernapping hilft – go for it! Im Home Office gelten deine Regeln.

Gefahr: Das Home Office kann zum Office Home werden

Aber: Auch wenn das Home Office heute vielerorts schon Alltag ist, heißt das nicht, dass alles perfekt läuft. Das hat auch Albers erkannt, dessen neues Buch zum Thema, „Digitale Erschöpfung“, im August erscheint: „Die Tools sind vorhanden, der richtige Umgang muss allerdings noch gelernt werden. Wann bist du erreichbar und auf welchen Kanälen, das muss geklärt werden“, sagt er. Sonst kann es schnell dazu führen, dass dein Home Office zum Office Home wird. Und du nicht selbstständiger, kreativer und zufriedener wirst, sondern anfälliger für Stress und Schlaflosigkeit.

Wer viel im Home Office arbeitet, vermisst manchmal den regelmäßigen Austausch mit den Kollegen. „Deshalb würde ich auch nicht unbedingt viel mehr Tage als bisher von zu Hause arbeiten wollen“, sagt Manuela Herbinger. „Soziale Kontakte und der regelmäßige fachliche Austausch mit den Kollegen sind für mich sehr wertvoll.“

Wichtig: Auch im Home Office sollten feste Arbeitszeiten gelten, du solltest eben nicht rund um die Uhr erreichbar sein. Damit kein Office Home draus wird. Die Arbeitszeiten können aber durchaus ungewöhnlich sein, sagt Albers: „Wer zum Beispiel Telefonkonferenzen auf die Zeit nach 21 Uhr verlegt, schafft sich vorher Freiraum für seine Familie, für ein gemeinsames Abendessen oder um die Kinder zu Bett zu bringen.“

Mehr Flexibilität, mehr Selbstständigkeit und kein Arbeitsweg als Basis für mehr Motivation und Produktivität – das Home Office kann für dich und deinen Arbeitgeber eine Ideallösung sein. Dafür musst du aber noch ein paar Punkte beachten, die wir in einer Checkliste zusammengefasst haben:

  • Ist deine Internetverbindung leistungsfähig genug?
  • Funktioniert deine Anrufweiterschaltung?
  • Stellt dein Arbeitgeber dir ein aktuelles Laptop und Smartphone?
  • Hast du für ausreichend Beleuchtung gesorgt?
  • Hast du genug Platz und geeignete Büromöbel zum Arbeiten?
  • Weiß deine Familie, wann du nicht gestört werden willst?
  • Kannst du Hintergrundgeräusche bei Kundentelefonaten vermeiden?
  • Wissen deine Kollegen, wann und wie du erreichbar bist – und wann nicht?

Sind diese Punkte erfüllt, steht einem Ausflug ins Home Office nichts mehr im Weg. Wenn ihr könnt: Probiert es aus!

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