„Death Cleaning“: Die schwedische Methode mit der Wohnung auch das Leben zu entrümpeln

Eine neue Philosophie des Aufräumens macht die Runde: Swedish Death Cleaning. Unsere Autorin Nina hat es ausprobiert und erzählt euch, wie ihr mit weniger Dingen in den eigenen vier Wände euer gesamtes Leben leichter machen könnt.

Ich gebe zu: In den Zeiten der Corona-Krise kann es für einige von euch auf den ersten Blick seltsam wirken, sich mit einer Aufräummethode auseinanderzusetzen, die den Tod im Titel trägt. Ihr werdet aber sehen, dass hinter „Death Cleaning“ ein absolut lebensbejahendes Konzept steht, über das es sich gerade in diesen schweren Wochen nachzudenken lohnt.

Eigentlich ist „death cleaning“ auch eine etwas reißerische Übersetzung des schwedischen Begriffs „döstädning“, der aus den Worten „Sterben“ und „Sauberkeit“ zusammengesetzt ist. Bekannt geworden ist die damit verbundene Methode durch ein Buch der schwedischen Autorin Margareta Magnusson, die über viele Jahre alten Menschen dabei geholfen hat, deren Wohnung zu entrümpeln, weil sie ihren Angehörigen nach dem Ableben weniger Ballast überlassen wollten. Dabei hat Frau Magnusson, die nach eigener Auskunft zwischen achtzig und hundert Jahre alt ist, entdeckt, dass das systematische Entrümpeln der eigenen vier Wände auch Menschen glücklich machen kann, die noch viele, viele Jahre auf der Erde wandeln werden.

Wie funktioniert „Death Cleaning“?

Ihr dürft „death cleaning“ oder „döstädning“ nicht mit einer systematischen Strategie zum Aufräumen à la Marie Kondo vergleichen, bei der ihr sehr genau angeleitet werdet, wie ihr beim Sortieren, Umschichten und Ausmisten vorgehen sollt. „Death Cleaning“ ist mehr wie eine Wohnphilosophie zu verstehen, die euch dabei helfen will, dass ihr euch in eurer Wohnung besser wohlfühlen könnt. Die wichtigste Erkenntnis beim „Death Cleaning“ lautet: In unserer Welt des Wohlstands ist weniger oft mehr. Dabei geht es aber nicht darum, einfach nur einen minimalistischen Lebensstil zu predigen und sich von allen Dingen zu trennen, die wir liebhaben. Vielmehr sollten wir uns selbst fragen, welche Gegenstände in unserem Haushalt überhaupt gebraucht werden und welche Dinge wir zum Glücklichsein benötigen.

Margareta Magnusson rät den Menschen dazu, mit dem 40. Lebensjahr mit dem „Death Cleaning“ zu beginnen und seine sieben – oder besser siebenhundert – Sachen regelmäßig neu zu organisieren. Da der 40. Geburtstag bei mir kurz bevorsteht, dachte ich, dass für mich jetzt genau der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um ihre Ratschläge in der Praxis auszuprobieren. Einen wichtigen Rat gibt sie uns zum Anfang mit auf die Reise: Beginne am besten mit den großen Dingen, denn die benötigen weniger Zeit und führen so zu einem schnelleren Erfolgserlebnis. Also lieber erst den alten ausgeranzten Sessel vom Dachboden entfernen als den Karton mit den alten Fotos durchzugehen, die aufwendig sortiert werden müssen – und dich schlagartig mit tausenden von Erinnerungen aus der Vergangenheit konfrontieren.

Die Wohnung entrümpeln und andere glücklich machen

Ich habe mit dem „Death Cleaning“ zuerst in meinem Keller losgelegt. Zu den Fundstücken, die ich anschließend beim Sperrmüll entsorgt habe, gehörten unter anderem: ein kaputtes Fahrrad, eine ramponierte Kommode, ein scheußlicher Badezimmerspiegel und ein defekter Drucker (warum ich den aufgehoben habe, weiß ich bis heute nicht). Danach folgten die Küche, der Kleiderschrank und meine über die Wohnung verteilte Sammlung von Schachteln und Kisten. Dabei haben sich zwei weitere „Death Cleaning“-Tipps von Frau Magnusson als sehr nützlich erwiesen.

Der erste lautet: vielleicht finden sich unter den Sachen, die wir selbst nicht benötigen, ja Dinge, für die andere Menschen Verwendung haben. In der Küche fielen die Spätzle-Reibe (in fünf Jahren zweimal benutzt) und die schwere Edelstahlpfanne, in der man ausgezeichnet Koteletts braten kann (was ich nie mache), unter diese Kategorie. Für beides fand ich in meinem Freundeskreis glückliche Abnehmer. Beim Durchforsten meines Kleiderschranks habe ich alle Klamotten, die ich nicht mehr benötige (für mich hieß das: die ich seit über einem Jahr nicht mehr getragen habe) in drei Ikea-Taschen gepackt: Flohmarkt, für Freundinnen zum Tauschen und Altkleidersammlung.

„Death Cleaning“ auf die – nicht ganz ernst gemeinte – harte Tour: Ein radikaler Schnitt kann beim Entrümpeln aber durchaus sinnvoll sein

Der zweite Tipp: Sachen, bei denen man sich nicht sicher ist, ob man sie weiter benötigt, kommen beim „Death Cleaning“ in eine Kiste mit der Aufschrift „Einfach wegschmeißen“. Bei Margareta Magnusson zählen hierzu all jene Dinge, von denen sie sich nicht trennen kann (wie Fotos und Briefe), bei denen sie sich aber wünscht, dass sie nach ihrem Ableben ohne hineinzuschauen entsorgt werden. Da ich davon ausgehe, dass der Zeitpunkt meines eigenen Ablebens noch weit in der Zukunft liegt, habe ich diesen Tipp etwas abgewandelt: Alle Dinge, über deren Verwendung ich mir noch nicht im Klaren bin, kommen in eine Gnadenfrist-Kiste. Sie soll regelmäßig einer Überprüfung unterzogen werden. Wenn ich in ein, fünf oder zehn Jahren der Meinung bin, dass ich sie nicht mehr benötige, dürfen auch sie eines Tages gehen.

„Döstädning“ als Wohltat für die Seele

An Anfang bedeutete „Death Cleaning“ ein Haufen Arbeit, die mein Leben zunächst eher ins Chaos gestürzt hat. Es wird viel Staub aufgewirbelt, überall in der Wohnung bilden sich Häufchen und stehen Kisten im Weg und die Entsorgung muss organisiert werden. Allmählich stellte sich aber ein Gefühl der Befriedigung ein: denn weniger ist tatsächlich oft mehr. Dabei ist mir allerdings aufgefallen, dass man sich für das „Death Cleaning“ ein wenig Zeit nehmen sollte. Denn das Ausmisten konfrontiert uns immer wieder mit verschiedenen Stationen unseres eigenen Lebens, mit denen die vielen Dinge, die bei uns in Schränken, Regalen und in vergessenen Nischen lungern, verbunden sind. Manchmal fand ich es wichtig, mir Zeit nehmen zu können und mich noch einmal mit ihnen auseinander zu setzen oder kurz in Erinnerungen zu schwelgen, bevor ich eine Entscheidung über ihre weitere Verwendung treffen musste. „Death Cleaning“ ist so gesehen auch eine Methode zur Besinnung und inneren Einkehr. Damit kann sie gerade in dieser seltsamen Zeit für den einen oder die andere einen ganz besonderen Mehrwert haben. Bleibt gesund!

 

Kurz & knapp:

„Death Cleaning“ ist eine Aufräummethode, die durch das Buch „Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen“ der schwedischen Autorin Margareta Magnusson bekannt geworden ist. Ihre Grundidee ist, dass wir uns das Leben einfacher machen können, wenn wir schon zu Lebzeiten darüber nachdenken, was über den Tod hinaus von uns bleiben soll.

Über diesen Autor

Nina, 39, liebt das stadtnahe Leben in ihrer Mietwohnung mit Balkon im Grünen. Der nahende 40. Geburtstag ist für sie der richtige Zeitpunkt, um in ihrer Wohnung und in ihrem Leben so richtig aufzuräumen.

Fotos: eyetronic – stock.adobe.com; fefufoto – stock.adobe.com

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