Café zu Hause statt Coffee to go: Tipps für Home Baristas

Handgemahlen und mit ganz viel Liebe gemacht: Kaffee trinkt Wohn-Bloggerin Nina nicht bloß, um wach zu werden, sondern aus purem Genuss. Klein und schwarz oder als Caffè Latte mit viel heißer Milch: Ihre persönlichen Empfehlungen für leckere Kaffee-Spezialitäten verrät sie hier.

Blitz-Quiz: Wie habe ich wohl das Geld aus meinem ersten Studentenjob investiert? In Klamotten, einen iPod oder eine Handkaffeemühle? Wer schon mal bei mir zu Hause war, kennt sie: die kleine schwarze Kiste mit der Kurbel, aus der es so verführerisch duftet – und die ich übrigens stur auch mit in den Urlaub schleppe. Halb Europa hat sie schon gesehen, die Kaffeemühle. Und ich liege damit wieder voll im Trend: Statt eines perfekt eingerichteten Kaffeevollautomaten, der auf einen Knopfdruck alles vom Espresso bis zum Cappuccino serviert, machen sich immer mehr Arabica-Fans ihren Kaffee wieder von Hand und mit ganz viel Liebe. Doch was braucht’s für eine Karriere als Home Barista?

Am Anfang war das Pulver: der richtige Kaffee

Auch die teuerste Espressomaschine fabriziert nur ungenießbare Brühe, wenn’s an den Bohnen hapert. Ein paar Eckdaten, auf die ich achte: Ich bevorzuge Arabica-Kaffee, weil der an Aroma mehr zu bieten hat als seine Schwester Robusta. Das alleine sagt aber noch nichts über die Qualität aus, weil es auch schlecht produzierten Arabica gibt. Darum schaue ich genau, wo meine Bohnen herkommen und nehme meistens keine Mischung, sondern Kaffee von einem bestimmten Anbauort – das hat entscheidenden Einfluss auf die Geschmacksnuancen. Und dann muss natürlich die Röstung zur Zubereitungsart passen: Espresso oder Filterkaffee? Man muss aber keine Wissenschaft daraus machen: Am Ende gewinnt die eigene Vorliebe. Ich mag lieber schokoladige Noten mit nicht zu viel Säure, weswegen ich meinem brasilianischen Bio-Kaffee seit Jahren treu bin. Und das ist übrigens auch nicht unwichtig: Kaffeeanbau kann ein schmutziges Geschäft sein, darum sollte ein Bio-Kaffee aus Fairtrade-Handel echten Genießern seinen Aufpreis wert sein.

Fein, feiner, staubig: der richtige Mahlgrad

Welcher Mahlgrad der richtige ist, hängt von der Zubereitungsart ab. Für Espresso wird das Wasser mit viel Druck durch sehr feines Pulver geschossen. In der French Press hingegen darf das Kaffeemehl länger im Wasser ziehen und sollte nicht zu fein sein. Ich mag’s am liebsten immer frisch gemahlen aus der Handkaffeemühle. Die schafft allerdings keinen Espresso-Mahlgrad. Eine elektrische Kaffeemühle schon – die sollte dann aber bitte die Bohnen nicht einfach mit Messern zerschlagen, sondern ein richtiges Mahlwerk haben. Wichtig ist, dass das Kaffeemehl schön gleichmäßig ist und sich nicht feinstes Pulver mit groben Brocken mischt. Dann wird auch das Aroma schön rund.

Der Klassiker: Kaffee mit dem Filter machen

Wurde eine Weile als dünne Brühe für spießige Kaffeetafeln gedisst, kann aber mit der richtigen Technik auch richtig lecker sein: Kaffee, der durch einen Filter aufgegossen wird. Das kann zwar eine Maschine übernehmen, viele machen’s aber gern von Hand. Dabei wird ein (Porzellan-)Aufsatz auf der Kanne platziert, hinein kommt ein angefeuchteter Papierfilter und das Kaffeepulver – am liebsten frisch gemahlen. Darüber wird heißes Wasser gegossen, möglichst langsam und gleichmäßig. Wie’s am Ende schmeckt, hängt stark vom Mahlgrad, der Geschwindigkeit und natürlich der Kaffeequalität selber ab. Der große Vorteil: Die Methode ist so simpel wie kaum eine andere und die Menge kann beliebig angepasst werden.

Oh là là: Kaffee aus der French Press

Auch diese Methode besticht durch ihre unkomplizierte Art. Nur braucht’s hier ein bisschen mehr Ausrüstung: Der French-Press-Apparat besteht aus einer Glaskanne mit einem Stempel, der den Kaffeesatz zu Boden drückt. Doch der Reihe nach: Erst mal wird das Kaffeemehl mit heißem (nicht mehr kochenden!) Wasser aufgegossen und darf 3 bis 4 Minuten ziehen. Und dann kommt der Stempel zum Zuge, der alles Feste unten hält und nur frischen, aromatischen Kaffee in die Tasse lässt. Kleiner Nachteil: Der Kaffee, der in der Kanne bleibt, zieht auch die ganze Zeit weiter Aromastoffe aus dem Kaffeesatz und wird irgendwann bitter. Also lieber kleine Mengen zubereiten und sofort genießen.

 

Milchschaum ohne Laktose? Kein Problem

Die Grundlage für Milchschaum-Magie: der Espresso

Wer als Home Barista zu Hause mehr als nur schlichten Kaffee will und von Milchschaum-Gemälden und Schoko-Latte träumt, braucht etwas anderes als Filterkaffee, nämlich einen Espresso. Muss der aus einer Handhebelmaschine kommen? Nun ja: Ich hab großen Respekt vor diesen technischen Meisterwerken, die wirklich Fingerspitzengefühl und Erfahrung in der Bedienung brauchen. Da wird vorgeheizt und das Espressopulver mit dem Tamper und genau dem richtigen Druck im Siebträger angedrückt, anschließend muss wiederum das Wasser in der richtigen Geschwindigkeit gleichmäßig durchgepresst werden und wehe, die Crema ist nicht schön – uff. Wem das auf die Dauer zu viel Aufwand für einen schnellen Kaffee ist, der hat mein volles Verständnis, wenn er sich einen (hochwertigen!) Vollautomaten anschafft. Nicht richtig Espresso, aber auch ganz schön lecker und überdies noch praktisch für den Camping-Urlaub ist übrigens eine kleine Caffettiera oder Mokka-Kanne, die direkt auf Herd oder Gaskocher gestellt wird. Kostet nicht viel und sollte in keiner Küche fehlen, wenn man mich fragt.

Latte Art: Zaubern mit Milchschaum

Okay: Herzchen, Smileys und filigrane Blattmuster auf dem Kaffee machen nicht, dass er besser schmeckt. Ich beharre trotzdem darauf, dass so eine liebevolle Deko zum Gesamtgenuss beiträgt. Und auch wer keine cremigen Bildchen braucht, kann sich an Aroma und Konsistenz eines perfekten Milchschaums erfreuen. Der muss cremig und viskos sein, aber bloß nicht zu steif und grobporig. Dazu braucht’s eigentlich nur Milch und heiße Luft. Meistens geht es mit vollfetter Milch besser, aber mit etwas Übung lassen sich nahezu alle Sorten aufschäumen (siehe unten). Am besten geht es an der Dampflanze einer Espressomaschine und in einer kleinen Kanne, die halbvoll ist und an der man die Temperatur abfühlen kann. Ist es zum Anfassen für die Home Barista zu warm, ist es auch für die Milch zu heiß und das Eiweiß gerinnt. Das passiert bei über 60 Grad Celsius. Guter Milchschaum muss frisch zubereitet werden, weil sich sonst schnell Flüssigkeit abtrennt. Wer (wie ich) keine Espressomaschine hat, die beim Aufschäumen hilft, muss sich mit Aufwärmen der Milch und anderer Technik helfen: Mit elektrischen kleinen Schaumschlägern oder einem manuellen Aufschäumer bekommt der Milchschaum zwar bei der Latte-Art-Meisterschaft vielleicht keinen Preis. Mir reicht’s für einen grandios leckeren Cappuccino aber allemal. Abgedrehte Latte Art schaue ich mir dann eben auf YouTube an.

Und was ist mit Laktose?

Eine engagierte Barista hat mir mal geschworen: Vollfett, Low Fat, No Fat, Soja – sie bringt jede Milch in Form. Gut zu wissen für alle, die tierische Milch nicht vertragen oder aus Gründen der Nachhaltigkeit lieber eine pflanzliche Variante möchten. Mein persönlicher Favorit im Milchkaffee ist neuerdings Hafermilch: Die gibt’s ganz aktuell auch in einer Barista-Variante, die luxuriös gehaltvoll daher kommt und sich cremig-lecker im Filterkaffee und auch als Milchschaum im Latte-macchiato-Glas macht.

Ob Home Barista oder nicht, puristisch-schwarz oder süß mit Milch, ich bin überzeugt: Kaffee verbindet. Und angeblich sagte schon Oscar Wilde: „Nach einem guten Kaffee verzeiht man sogar den Eltern.“

 

Zahlen und Fakten

  • Nicht überraschend: Brasilien ist der größte Kaffeeproduzent. Unerwartet: Direkt danach folgt Vietnam! Asiatische Länder wechseln sich im Ranking mit Südamerika ab. (Quelle: Wikipedia)
  • Für alle, die nicht nur Home Barista, sondern Profi sind: Es gibt wirklich Meisterschaften für Latte Art und Baristas. Sie werden von der SCA, der Specialty Coffee Association, ausgerichtet. (https://www.scagermany.coffee/)
  • Dass Kaffee ungesund ist, haben viele Studien mittlerweile für unrichtig erklärt. Ob er wirklich gesund ist, kann aber auch noch niemand beweisen. Fest steht: Wer einen säureempfindlichen Magen hat, kommt mit Espresso oft besser klar. Wem das Koffein schnell auf den Kreislauf schlägt, der kann auf viele verschiedene entkoffeinierte Produkte ausweichen.
  • Kaffee im Kühlschrank lagern? Ist nicht nötig – aber bitte trotzdem möglichst luftdicht und dunkel, damit das Aroma sich nicht verflüchtigt.

Über diesen Autor

Nina, 38, wohnt im Hamburger Speckgürtel, liebt das stadtnahe Leben im Grünen und ihren Balkon. Der Weg zum nächsten guten Café ist aber weit. Also probiert sie sich selbst mal als Barista.

Fotos: Mira – stock.adobe.com; Thongsuk – stock.adobe.com

 

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