Blogovela: The Tomato-Diaries Teil VIII

Mein-Wohn-Bloggerin Tine ist seit mittlerweile sechs Jahren stolze Hausbesitzerin und wohnt mit ihrem Mann und den zwei Kindern auf dem Land. Bis dahin war es aber ein weiter Weg und sie hat eine Menge Hochs und Tiefs beim Hauskauf erlebt, von denen sie hier Auszüge aus ihrem Tagebuch veröffentlicht. Im siebten Teil des Blogs scheint es nun endlich ein Traumhaus zu geben. Doch das steht auf dem Land – und zwar so richtig. Kein Laden, kein Bäcker um die Ecke. Und immerhin 18 Kilometer bis zu Hamburgs Stadtgrenze. Da heißt es, abwägen…

3. MÄRZ 2011
Die alte Schule geht uns einfach nicht aus dem Kopf. Sowohl das Herzblatt als auch ich denken ständig an das Haus im Grünen – es ist alles so, wie wir es haben wollen. Vielleicht sogar noch einen Tick besser – nur ist es halt auch ganz schön weit draußen. Wollen wir das? Reicht uns das Dorfleben? Klar, unsere „Olive“ hätte es gut da draußen. Der Garten ist so toll, da im Sommer mit der Kleinen zu spielen ist bestimmt herrlich. Aber was ist, wenn man beim Einkaufen mal etwas vergessen hat? Oder spontan Lust auf Kino? Setzt man sich dann jedes Mal ins Auto? Bestimmt nicht. Ach, Fragen über Fragen.

5. MÄRZ 2011
Das Herzblatt hatte eine tolle Idee – wir fahren in den Urlaub. Und zwar aufs Land. Und damit es auch richtig einsam und verlassen wird, fahren wir nach Dänemark. Da hat er ein Häuschen für uns gebucht. Mitten im Nirgendwo. Da können wir mal testen, ob wir zwei uns noch genug sind, sagt er. Dabei sind wir ja gar nicht mehr so lange zu zweit… 😉 Trotzdem: In meinem Schwangerschaftshormonkarussell finde ich sowas natürlich super. Eine Woche eingekuschelt Bücher lesen und nix machen – naja, und nebenbei eben auch mal eine Entscheidung in Sachen alte Schule fällen. Denn die wartet ja nicht ewig auf uns. Sobald jemand kommt und sie uns vor den Nase wegschnappt, ist es zu spät… Oder will ich das vielleicht sogar?

21. MÄRZ 2011
Wenn ich das gewusst hätte… 🙁 Wir sitzen hier gottverlassen auf einem ganz dünnen Landstrich zwischen Nordsee und einem Fjord. Hier ist nichts. Wirklich NICHTS. Frische Brötchen zum Frühstück gibt es nur, wenn einer von uns eine halbe Stunde unterwegs ist. Das Einzige, was hier abends noch hell ist, sind die Sterne und ein Leuchtturm in der Ferne. Um uns herum stehen zwar Häuser, aber da wohnt keiner. Klar, ist halt noch Nebensaison. Nee. SO hatte ich mir das NICHT vorgestellt. Und jeden Abend dieser Heißhunger auf Tomaten und Mozzarella… Bestimmt nur, weil das hier nicht mal eben zu kaufen ist. 🙂

24. MÄRZ 2011
Ich nehme alles zurück – es ist herrlich. Die Luft, die Weite, die Ruhe – das alles war ich gar nicht mehr gewohnt. Und auch das große Haus begeistert mich mehr und mehr. Endlich haben wir Platz und können uns mal ausbreiten – und auch mal etwas liegen lassen. In unserer kleinen Stadtwohnung versuchen wir, alles in Ordnung zu halten, weil sie für Chaos einfach zu klein ist – aber hier? Das ist einfach nur toll. Und eine weitere Erfahrung haben ich in den letzten Tagen gemacht: Ölheizungen müssen gar nicht so schlecht sein. Wir haben hier eine (übrigens genau so wie die alte Schule, das hat das Herzblatt doch mit Absicht so gedeichselt…) und man riecht es gar nicht. Und bisher hält sich unser Verbrauch, den wir hier ja abrechnen und bezahlen müssen, auch sehr in Grenzen. Und das, obwohl es recht stürmisch und kalt ist. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, ob das die Hormone sind, oder ob ich mich tatsächlich damit abfinden kann, für immer so zu leben. 😉 Und ich habe abends auch gar keinen Appetit mehr auf Tomaten und Mozzarella. 😉

26. MÄRZ 2011
Meine Entscheidung steht fest: Ich will aufs Land. Es ist so unbeschwert, dafür nehme ich die Fahrt in die Stadt gern in Kauf. Und wozu habe ich Gleitzeit? Dann muss ich halt dann fahren, wenn es noch nicht so voll ist – und erstmal kommt ja eh die Elternzeit. So, jetzt gilt es, das Herzblatt davon zu überzeugen. Oder muss ich das gar nicht? Seine Augen glänzen schon sehr, wenn wir über das Haus sprechen. Vielleicht bald UNSER Haus – oh mein Gott, wie aufregend.

1. APRIL 2011
So. Wir sind wieder zu Hause. Und was soll ich sagen? Mit geht die laute, enge Stadt fast ein bisschen auf den Wecker. Komisch, bis vor ein paar Tagen konnte ich mir nicht vorstellen, woanders zu wohnen als mitten in Hamburg. Klar, wir haben uns Häuser am Stadtrand angesehen, aber wirklich ernst ist es ja nie geworden – aber jetzt? Jetzt will ich raus. Nun habe ich ja auch die Verantwortung für die kleine Olive. Das Herzblatt zu überzeugen, war übrigens gar nicht schwer. Er wollte das Haus von Anfang an – wollte es mir nur nicht so sagen, damit ich meine eigene Entscheidung treffe. Wie süß ist das, bitte?

Tja, und nun wird es ernst. Wir müssen zur Bank, zum Notar, einen Sachverständigen organisieren, der sich das Haus nochmal anschaut, mit den jetzigen Besitzern sprechen und Handwerker finden, die unsere Wünsche umsetzen, unsere Wohnung kündigen, Möbel kaufen, ausmisten, ein Umzugsunternehmen finden… Äh, in welcher Reihenfolge eigentlich? Ich muss sofort zu Andrea und ihr erzählen, dass sie demnächst mehr Zeit einplanen muss, um mich und ihr kleines Patenkind zu sehen! 🙂 🙂 🙂

Über diesen Autor

Tine, 37, lebt mit ihrem Herzblatt und zwei Kindern auf dem Land! Wenn sie genug gespart hat, findet hoffentlich das ein oder andere Smart-Home-Gadget seinen Platz in ihrem Haushalt.

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