Blogovela: The Tomato-Diaries Teil VI

Mein-Wohn-Bloggerin Tine ist seit mittlerweile sechs Jahren stolze Hausbesitzerin und wohnt mit ihrem Mann und den zwei Kindern auf dem Land. Bis dahin war es aber ein weiter Weg und sie hat eine Menge Hochs und Tiefs beim Hauskauf erlebt, von denen sie hier Auszüge aus ihrem Tagebuch veröffentlicht. Im fünften Teil des Blogs ist der Traum von einem Objekt zerplatzt und unsere Wohnbloggerin leidet unter Rückenschmerzen und Magenbeschwerden. Im sechsten Teil der Blogovela wird die Haussuche von Hochzeitsvorbereitungen, Feiertagen und einer Überraschung unterbrochen…

SONNTAG, 12.12.2010
Ich hab immer noch nicht ein einziges vernünftiges Weihnachtsgeschenk!!! Es ist unglaublich – aber in diesem Jahr scheint mir das alles irgendwie überhaupt nicht von der Hand zu gehen… Ich schaffe es im Moment aber auch nicht mal, in Ruhe zu Bummeln und dann das Ein oder Andere zu besorgen. Und eine Location für die Hochzeit haben wir auch immer noch nicht. Alle um mich herum nerven mich, dass wir unbedingt ein „Save-the-date“ verschicken müssen, so dass dann zur Hochzeit auch wirklich alle kommen können. Aber wie sollen wir einen Termin festlegen, ohne zu wissen, ob der Veranstaltungsort dann auch frei ist?? Irgendwie drehen wir uns da gerade im Kreis. Eigentlich würde ich im Moment am liebsten eh nur auf dem Sofa liegen, heißen Kakao trinken und Zimtsterne essen.

Soll doch sonst wer die Hochzeit organisieren und ein Haus kaufen! Ich nicht! Das mit den Häusern scheint eh nicht zu klappen und die Liste mit den Gästen für die Hochzeit ist mittlerweile bei knapp 100 Leuten angekommen und wir wissen noch nicht mal, wo wir feiern wollen… Bei uns auf dem Balkon wäre es definitiv zu eng, auch wenn wir nächstes Jahr mal keine Tomaten pflanzen würden. Aber zum Glück geht das Herzblatt gerade total in dem ganzen Heiratsthema auf. Der hat mittlerweile fast täglich neue Vorschläge und Ideen, die er im Netz und in irgendwelchen Büchern findet. Aber gut, so bleibt mir das prophezeite „Bridezilla“-Dasein noch ein bisschen erspart und das Herzblatt erfindet einfach das „Groom-Monster“. 👿

Buchtipp: „Wer Ja sagt, muss auch Onkel Horst einladen“ von Theresa Selig

DIENSTAG, 14.12.2010
Steh‘ ich eigentlich seit Wochen total auf dem Schlauch???? Jetzt bin ich vorhin beim Yoga einfach so umgeplumpst, mitten in der Wechselatmung hat es mich einfach auf die Matte geschickt… Und als mich Jana dann fragte, ob ich angeschlagen bin oder und ich vielleicht meine Tage habe, da ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen!! Aber eigentlich kann das ja gar nicht sein – schließlich leben wir ja nicht mehr in den 1950er Jahren und man kann das ja schon „steuern“. Mh, andereseits würde das ja nun so einiges erklären… Ich bin dann direkt ungeduscht aus dem Studio raus und in den nächsten Budni geeilt und hab einen Schwangerschaftstest geholt – und nun sitz ich hier und WARTE!! Nein, aber nicht wie im Film auf das Ergebnis, sondern auf das Herzblatt. Das hab ich vom Yogastudio aus noch angerufen und ihm gesagt, dass er SOFORT alles stehen und liegen lassen MUSS und nach Hause kommen soll. Das ist jetzt 40 Minuten her und er ist immer noch nicht da. Scheiß-Stadtverkehr – da braucht man aus Hamburgs Norden hier zu uns nach St. Pauli doch echt fast eine Stunde. Das wäre in einem eigenen Haus auch anders, da würde das Herzblatt direkt von Zuhause aus arbeiten und wir hätten den Test jetzt schon gemacht und das Ergebnis wäre da.
Die „Bedienungsanleitung“ les‘ ich mir jetzt auch nicht zum fünften Mal durch. So kompliziert ist das ja nicht: Aufs Klo, warten und dann gucken, ob da ein rosa Strich in dem Fenster auftaucht. Und wenn da dann tatsächlich ein Streifen ist??? Dann wäre ich schwanger! OMG, so weit bin ich doch noch gar nicht. Und sind wir als Paar schon bereit für ein Kind? Das würde ja auf einen Schlag alles verändern. Nichts mehr mit nächtelang Serien gucken, Gin Tonics trinken (Oh NEIN!! Ich hab vorletztes Wochenende mit Andrea zwei Flaschen Wein gekillt…), jeder von uns macht so sein Ding… Und auch eine entspannte Haussuche unter dem Motto „wenn wir so schnell keines finden, dann dauert es eben noch eine Weile“ ist dann ein Problem. Wir können ja schlecht in unserer 50 m²-Butze bleiben, wenn wir ein Baby haben. Und die Hochzeitsreise nach Mittel- und Südamerika könnte ich dann wohl auch nicht mehr machen, also zumindest nicht wie geplant mit dem Rucksack... Aaaahhh mein Hirn fährt Karussell!

MITTWOCH, 15.12.2010
Was ist eigentlich mit den Gynäkologen in Hamburg los? Mein Frauenarzt ist im Urlaub und seine Vertretung nimmt krankheitsbedingt nur Notfälle an. Es ist Mittwochmorgen und heute Nachmittag hat doch kein Arzt mehr auf… Das Herzblatt sagt eh, dass ich mir den Stress sparen kann. Bei dem Test gestern Abend ist bereits nach einer Minute ganz deutlich ein Strich zu erkennen gewesen. Eigentlich soll man ja fünf Minuten auf das Ergebnis warten, aber als der rosa Streifen dann da war, hat sich das auch nicht mehr verändert. Das Herzblatt hat mich eh fast ausgelacht, als ich gesagt hab, dass wir noch vier Minuten warten müssen und es dann erst sicher wissen. Für ihn war gleich klar, dass nicht erst ein Strich erscheint und dann wieder weggeht – das wäre doch total unlogisch. Als ob der schon zehn Kinder hat... Aber er war so aufgeregt und hat sich so gefreut, dass es mir so vorkam, als ob er sich den Strich tatsächlich ein bisschen herbeigesehnt hat.
Ich bin erst mal total durcheinander! Was bedeutet das denn jetzt?? Für mich, für uns, für unser Leben, unsere Hochzeit, unsere Wohnsituation? Und wo bekomme ich jetzt einen Arzttermin her, um das Ergebnis bestätigen zu lassen. Ich würde am liebsten sofort bei meine Eltern anrufen! Aber dafür ist mir das alles noch zu unsicher. Und wenn ich mir überlege, was die dann direkt für einen Freudentanz veranstalten würden, warte ich damit doch besser noch. Die sind nach dem Heiratsantrag schon ganz aus dem Häuschen gewesen - und wenn sie jetzt auch noch Großeltern werden, dann kriegen die sich wochenlang nicht mehr ein.

MITTWOCH, 15.12.2010, spätabends
Puuh, es gibt sie also doch noch, die tollen, engagierten und menschlichen Arztpraxen. Nachdem ich bei drei Ärzten erfolglos angerufen hab, hatte ich beim vierten Anlauf Glück! Eine sehr nette Sprechstundenhilfe hat mir gesagt, dass ich gern noch um kurz vor zwölf kommen kann und sie mich dann noch „zwischenschiebt“. Und was ein Glücksfall! Ein super netter Arzt, der genau die richtigen Worte und auch den passenden Umgang mit dem freudig-erregten Herzblatt und mir verunsichertem Nervenbündel gefunden hat. Und jetzt ist es sicher: Ich bin schwanger. Nach Berechnung befinde ich mich in der 7. Schwangerschaftswoche und der nette Arzt hat auch ausnahmsweise schon ein Ultraschall gemacht. Auf dem Bild hat er uns erst nur einen schwarzen Schatten gezeigt, der aussah wie eine kleine Bohne. Dann hat er den Lautsprecher angestellt und wir konnten ein ganz schnelles, deutliches und lautes Wummern hören. Der Herzschlag unseres Babys! Da sind sowohl dem Herzblatt als auch mir die Tränen gekommen. Das war geradezu Hollywood-Kitsch! Aber das Gefühl, dass diese kleine Olive bereits ein Herz hat, das schlägt und das wir die Eltern sind, hat uns einfach total umgehauen. Die gesamte Unsicherheit und die Gedanken, die seit gestern in meinem Kopf Karussell gefahren sind, sind schlagartig stehen geblieben und haben einer Art Leere und Leichtigkeit Platz gemacht, die ich so noch nie gefühlt hab. In dem Moment auf diesem bescheuerten Gynäkologenstuhl fühlte sich alles wie in Watte getaucht an und nur das Geräusch des regelmäßig schlagenden Herzens ist zu mir durchgedrungen. Erst die Hand vom Herzblatt, die sich mittlerweile so fest in meine Schulter gebohrt hatte, dass ich seine Finger als Abdruck auf der Haut abzeichneten, hat mich aus diesem Zuckerwatte-Zustand „zurückgeholt“. Und seitdem, also seit ca. ein Uhr heute Mittag, schleicht sich ganz still und leise ein stetig wachsendes Glücksgefühl ein, das dafür sorgt, dass ich nur noch grinsen kann. Ich bin vorhin am Spiegel im Flur vorbeigegangen und hab dabei zufällig gesehen, dass ich vor mich hin gelächelt hab. Total abwegig – aber auch super schön!

Ich bin gespannt, ob das jetzt die nächsten Monate immer so weiter geht. Dann werde ich nicht klassischerweise ein Kind auf die Welt bringen, sondern einfach irgendwann vor Glück platzen! Und bis dahin gebe ich einfach meinen Gelüsten nach gaaanz viel Tomaten mit Büffelmozzarella nach!

 

Über diesen Autor

Tine, 37, lebt mit ihrem Herzblatt und zwei Kindern auf dem Land! Wenn sie genug gespart hat, findet hoffentlich das ein oder andere Smart-Home-Gadget seinen Platz in ihrem Haushalt.

Tags

Diesen Artikel teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.